Frage von huleja, 121

Ist Europa und USA an all diesen Kriegen und Konflikten Schuld?

Expertenantwort
von Unsinkable2, Community-Experte für Politik, 59

Die Frage ist leider sehr undifferenziert gestellt. 

Unter konkretem Bezug auf die Fragestellung lautet die Antwort: "Nein, denn es gibt auch ein paar kleinere Konflikte/Kriege, die sich gar nicht auf die US- und/oder Europas Außenpolitik zurückführen lassen."

Unter Bezug auf die (mögliche) Intention der Fragestellung, nämlich: 

"Tragen die USA und Europa - als Vertreter der 'westlichen Wertevorstellungen" - die Hauptschuld an den meisten Konflikten auf diesem Planeten?"

, muss die Antwort hingegen so ausfallen: "Ja, die Austragung der meisten Konflikte/Kriege ist zumindest teilweise auf die genannten Parteien zurückzuführen."

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Die Behauptungen verschiedener Kommentatoren, dass es "ja sowieso Konflikte unter den Parteien" gäbe, ist hingegen zu kurz gedacht. 

Tatsache ist, dass "der Westen" (als Zusammenfassung von "USA & Europa") ein maßgebliches Interesse daran hat, den Nahen Osten und Mittelamerika zu destabilisieren; um sich diese Gebiete so (wirtschaftlich & politisch) zugänglicher zu machen. Rein zufällig sind das auch genau die Gebiete mit den meisten Kriegen/Konflikten.

Tatsache ist ebenfalls, dass insbesondere die USA - und das ist eine von der CIA und der Church & Rockefeller Kommission bestätigte Aussage - das Land mit den meisten "politischen Auftragsmorden und Putschaufträgen" ist. Es gibt KEINE andere Interessenvertretung auf diesem Planeten, die in den letzten 70 Jahren mehr Politiker und Oppositionelle einschüchtern oder umbringen lassen hat bzw. Verschwörungen gegen bestehende (auch demokratisch gewählte) Regierungen angezettelt und unterstützt hat, als die USA i.V. "westlicher Wertevorstellungen". 

Die meisten dieser Putsche und Morde führten zu langfristigen Destabilisierungen und letztlich oft in (Bürger-)Kriege.

Tatsache ist, dass man Kriege nur mit Waffen austragen kann. Tatsache ist auch, dass 4 der 5 größten Waffenexporteure der Welt in den nachgefragten Regionen ansässig sind und deren Politik unterstützen. Tatsache ist auch, dass Saudi Arabien (nach offizieller politischer Lesart eine Diktatur) mit Genehmigung Deutschlands deutsche Waffen in Lizenz herstellt und diese dann an Kriegsparteien weitergibt.

Tatsache ist ebenfalls, dass "der Westen" nicht nur militärische, sondern auch wirtschaftliche Waffen nutzt, um ganze Gebiete wirtschaftlich zu destabilisieren, und dass in dessen Folge oft Krisen- und Kriegszustände auftreten.

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Es ist unbestritten, dass es auch unabhängig vom "Westen" Konflikte unter den verschiedenen Parteien gibt. Die AUSTRAGUNG solcher Konflikte auf der Basis von Kriegen ist hingegen nur mit der Unterstützung Dritter möglich.

Um nur ein Beispiel aus eine endlos langen Reihe zu geben und so - hoffentlich - zum Nachdenken anzuregen: 

Der heute so gefürchtete "IS" wäre heute eine kleine lokale Splittergruppe, würde "der Westen" - und allen voran die USA - nicht eine spannende Nah-Ost-Politik betreiben. Viele seiner Mitglieder sind nämlich (von den USA bzw. durch deren erste Vasallenregierungen im Irak und in Afghanistan) entlassene Soldaten der jeweiligen regulären Armeen, denen man - natürlich aus Vergesslichkeit oder dem puren Zufall geschuldet - als Abschiedsgeschenk Waffen und Munition in die Hand gedrückt und ihnen die Wiedereingliederung in die Zivilgesellschaft unmöglich gemacht hat.

Ohne den Westen würden die Nachrichten über den IS irgendwann lauten:

 "Heute hat sich der letzte Angehörige einer lokalen radikalen Splittergruppe bei einem Selbstmord-Attentat in die Luft gesprengt. Dabei starben 3 Menschen."

und nicht: "Heute eroberte der IS die Stadt Kunduz, den ehemaligen Standort der Bundeswehr in Afghanistan. Dabei starben 238 Menschen. Darüber hinaus fielen ihm zahlreiche Waffen und anderes schwere Gerät in die Hände."

Diesen "IS" nutzen auch andere arabische Diktaturen, um "ihre üersönlichen Konflikte zu bereinigen". Beispielhaft ist der Jemen aktuell ein Kriegsgebiet, gegen das der vergleichsweise herangezogene letzte Irak-Krieg wie ein Sonntagsspaziergang wirkt. Dort kämpfen offiziell gar keine westlichen Streitkräfte, semi-offiziell sind allerdings US-Militärberater vor Ort und inoffiziell gibt es dort auch US-Spezialeinheiten.

Sie alle kämpfen aber mit westlichen - auch ganz offiziell aus Deutschland gelieferten - Waffen. Sie alle nutzen den IS als "Kriegsgrund". 

Gingen wir also in der Zeitleiste zurück und würden den IS und die Vorbereitungen dazu aus der Rechnung streichen, wären in derselben Sekunde (fast) alle aktuellen lokalen Nah-Ost-Konflikte (außer Israel-Zusammenhänge, die aber ebenfalls vom Westen - meist durch Duldung - forciert werden) hinfällig...

Kommentar von PeVau ,

Schade, dass du so lange fort warst und gut, dass du wieder da bist, um solche Antworten zu schreiben.

Kommentar von Hegemon ,

+1

Kommentar von Unsinkable2 ,

Nachtrag: Ich habe noch eine Doku wiedergefunden, die zwar nicht 100%ig genau auf die Frage zutrifft, aber ein paar Rahmenfragen dazu beantwortet.

Es geht darin um die Frage, warum die USA weltweit so viele Militärbasen betreiben, und was sie damit beabsichtigen.

Dabei fällt unter anderem ein spannender Satz, der sich auf die Frage hier bezieht: 

"Immerwährender Krieg für immerwährenden Frieden, das ist der amerikanische Traum."

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https://goo.gl/ZLRM9A

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Kommentar von Snanifo ,

Das kann man zwar als innerer Widerspruch in der Konsequenz des amerikanischen und europäischen Handelns so ausdrücken. Als Absicht ist das allerdings m.M.n. nicht richtig. Die "westlichen Werte" sollen überall gelten, aber nicht, um "blutrünstige" Kriege zu führen, sondern darum, möglichst alle Länder in den Weltmarkt einzugliedern oder anders ausgedrückt, die ganze Welt dem Kapitalinteresse des Westens zugänglich zu machen. Dass für diesen Zweck immer wieder militärisches Eingreifen notwendig ist, muss ich, denke ich, nicht extra erklären.

Kommentar von Unsinkable2 ,

Dass für diesen Zweck immer wieder militärisches Eingreifen notwendig ist, muss ich, denke ich, nicht extra erklären.

Das ist nicht ganz richtig. Der "militärisch-industrielle Komplex" hat eine Reihe von Vorteilen; darunter "Unabhängigkeit von Nachfrage" und "garantierte Renditen; notfalls mit Anschub-Absicherung". 

Anders als "normale Märkte" muss dieser Markt nicht teuer angeschoben (Werbung, etc.) werden, sondern garantiert 3-fachen Profit bei Null Kosten: Erst erzeugt man auf politischer Ebene einen Konflikt (das ist kostengünstig zu haben, beispielsweise durch gezielte politische Morde; im Zweifel springt der Steuerzahler ein); dann beliefert man die eine Partei; dann beliefert man die andere Partei; und schließlich greift man selbst ein. 

Wenn als Seiteneffekt noch "Ressourcen" abfallen, ist das okay und wird begrüßt. Aber verpflichtend ist es nicht.

Es liegt im Wesen des Kapitalismus, Kosten zu senken und Profite zu verbessern. Den Rest kannst du dir selbst denken; oder anhand der Nachrichten zusammenreimen. 

Als Randinfo dazu: "Die USA haben noch nie zuvor so viele Kriege geführt, wie unter dem Friedensnobelpreisträger Obama." Weil die Welt unsicherer geworden ist? Oder weil wir sie unsicherer gemacht haben?

Kommentar von Snanifo ,

Dass der "militärisch-industrielle Kopmplex" einer Unabhängigkeit von Nachfrage unterliegt, wäre mir neu. Wer bestellt denn diese von diesem Komplex herzustellenden Waffen? Das ist in der Regel der eigene Staat, der durchaus für sich noch andere Aufgaben sieht, als die Profite dieser Kapitalsparte zu realisieren. Dass diese Sparte erhalten wird und deshalb auch gute Gewinne abwirft, ist doch dem Willen des jeweiligen Staates zu verdanken, der sich bei diesen wichtigen "Gebrauchswerten" nicht bzgl. der Produktion vom Ausland abhängig machen will. In den USA ist dieser militärisch-industrielle Komplex sogar als Konkurrenz organisiert, d. h. verschiedene Konzerne konkurrieren um die jeweiligen Staatsaufträge, was zu manchen Blüten mit Vortäuschungen führt. 

Dass die Konflikte nur erzeugt werden, um der Rüstungsindustrie Gewinne sicher zuzuschanzen, vernachlässigt zumindest die Kapitalfraktionen, die ebenfalls gute Gewinne abwerfen. Nicht umsonst gibt es immer wieder neue Milliardäre (self made), die nicht oder nur teilweise mit Militär zu tun haben, Aldi oder andere. Nach dem Ende des kalten Krieges wurden z.B. in der Bundesrepublik die Militärausgaben geringer, was von den Militärwaren produzieren Konzernen sicher nicht gerne gesehen wurden. Auch gibt es jedes Jahr ein Gerangel darum, möglichst viele Waffen an möglichst viele Länder ausführen zu dürfen, die aber durch politische Vorgaben begrenzt sind. Ich denke, dass offiziell keine Waffen an den IS geliefert werden, obwohl die einen Bedarf hätten und auch gut bezahlen würden. 

Dass eine Firma oder ein Konzern seine Kosten minimieren will, gilt nicht nur für den m-i-Komplex, sondern für alle Kapitalfraktionen. 

Dass Obama sehr viele Kriege führt, ich will mit dir nicht rechten, ob mehr oder weniger als andere, ist unbestritten. Nicht, weil die Welt unsichere geworden oder weil sie unsicher gemacht wurde, sondern weil die USA in sämtlichen Weltgegenden ihren Einfluss als nun einzige Supermacht weiter ausdehnen wollen. Da stehen immer noch Russland mit einigen Freunden (unter anderm Assad), China als sich entwickelnde Großmacht, Europa als potente Wirtschaftsmacht und der ungeordnete arabische Raum im Weg. Wer Frieden zu seinen Bedingungen will, führt einen Krieg. 

Antwort
von JBEZorg, 59

Nicht an allen aber an den wichtigsten sind die USA schuld. Was Europa angeht, du kannst den Untergebenen nicht dafür voll verantwortlich machen, dass er die Weisungen des Chefs befolgt.

Antwort
von voayager, 57

Das läuft live etwas komplexer ab, als Manche sich das vorstellen. Es gibt etliche Staaten, die sind reine Kunstgebilde, dann wieder welche, die mit ihrem Nachbarn nicht "grün" sind. Aufgabe des US-Imperialismus ist es dann solche Konflikte zu schüren, wenn es ihm nützlich ist. Meist sind es Waffenhilfe, dann Militärberater die ins Land kommen, auf Geheiß der jeweiligen Regierung, mal erfolgt eine direkte Militärintervention, mal eine Handelsblockade, mal eine Geldspritze, selten auch mal eine Ermordung eines Statsoberhauptes durch die CIA und sei es, dass diese dafür die passende Logistik stellt usw.

Mithin ist die Klaviatur des US-Einschreitens in der Welt vielfältig, zahlreich auch die Winkelzüge hierfür.

Antwort
von Immofachwirt, 54
Nein weil...

Nein, natürlich nicht.

Klar es ist immer bequem, wenn man jemanden die Schuld in die Schuhe schieben kann. Aber mit Schwarz-Weiß-Malerei kommt man da nicht weiter. Auch ohne die Amis würde im mittleren Osten Krieg herrschen, wenngleich natürlich die USA an der Verschärfung des Konfliktes nicht unschuldig sind und die eine oder andere Ursache auch selbst dafür gelegt haben.

Dennoch sind sie nicht für alle Kriege und Konflikte auf der Welt verantwortlich.

Antwort
von Hegemon, 87

"Nimm irgendeinen beliebigen Konflikt auf der Welt und geh im auf den Grund. Was sitzt da? Ein CIA-Agent" (Das Känguru)

Kommentar von earnest ,

Im Nordwesten von Myanmar findet das Känguru wohl nur wenige CIA-Agenten ...

Kommentar von Hegemon ,
Antwort
von earnest, 61

An welchen genau?

Hier muß wohl differenziert werden, Pauschalisierungen helfen da nicht weiter.


Kommentar von Snanifo ,

Aber philosophisches Abwimmeln mit so schlauen Begriffen wie 'undifferenziert' und 'keine Pauschalisierungen' schon? Oder?

Antwort
von Modem1, 74
Nein weil...

Nein das sind die unterschiedlichen Kulturen die nicht zueinander passen.

Antwort
von Staubkappe, 121

Ich würde sogar mal behaupten die USA hatte da evtl noch mehr die Finger im Spiel. Vorallem die Fluchtlingskriese und der Aarabische Frühling. Das hat man hauptsächlich den Amis zu verdanken :/

Kommentar von grubenschmalz ,

Schwachsinn.

Kommentar von PeVau ,

@grubenschmalz

Als Usermod darfst du gerne deine eigene Meinung haben und diese auch vertreten. Allerdings solltest du dich auch selbst an die Richtlinien halten, die du mit durchsetzen sollst.

"Schwachsinn" als einzigen Kommentar zu einer Antwort, die dir nicht passt, ist für den Antwortgeber beleidigend und damit ein Verstoß gegen die Richtlinien.

Wenn du ernst genommen werden möchtest, solltest du nicht nur werten, sondern auch argumentieren.

PS: Die Antwort ist übrigens weit davon entfernt, Schwachsinn zu sein.

Kommentar von ponter ,

Ich würde sogar mal behaupten die USA hatte da evtl noch mehr die Finger im Spiel. 

Glücklicherweise lediglich eine Behauptung. 

Bei der derzeitigen Zahl der Konflikte ist es wohl mehr als absurd, dass überall die USA die Finger im Spiel hat. 

Kommentar von Hegemon ,

Das ist weder "Schwachsinn" noch "absurd". Belies Dich mal über die Rolle der National Endowment for Democracy und der Open Society Foundation bei den Farbrevolutionen und dem arabischen Frühling. Oder über die Rolle der NATO bei der Schaffung des mafiösen, nicht lebensfähigen Kleinstaates Kosovo (Ambo-Pipeline, Camp Bondsteel), aus dem jetzt Unmengen an Flüchtlingen zu uns strömen. Oder über die Ausbildung und Ausrüstung syrischern "Rebellen" durch die USA.

Das findet man sogar in unseren "Leitmedien". Man muß nur genau hinsehen.

Kommentar von ponter ,

Wir sprechen hier über alle Konflikte.

Kommentar von Snanifo ,

Wärst du den zufrieden, wenn man "die meisten" oder "fast alle" formulieren würde?

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