Frage von herbort, 71

Ist es wirklich so einfach die Zahlung der steuern zu hingehen?

Nehmen wir an, die imaginäre Weltfirma „Sanup“, Hauptsitz in Luxemburg (Lux), erzielt in ihrer deutschen Niederlassung einige Milliarden Umsatz und hat eine (theoretische) Steuer von € 100 Millionen zu zahlen. Diese Steuer würde nun normalerweise in die Kasse des Deutschen Finanzamtes fließen. Denn in weiser Vorahnung des erwarteten Gewinns hat die Luxemburger „Sanup“ ihrer deutschen Tochter konzernintern Darlehen mit passendem Zinssatz ausgereicht. Die Zinsen und sonstige „weiche“ Kosten (s.u.) von € 260 Millionen werden der deutschen Tochter in Rechnung gestellt und von dieser nach Luxemburg bezahlt. Damit wird in Deutschland nicht nur die Steuerschuld von € 100 Millionen beglichen, sondern es ist sogar ein Verlust von vielen Millionen Euro entstanden (Verlustvortrag!).

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von wfwbinder, Community-Experte für Steuern, 47

Dein Modell aus dem Sachverhalt scheitert schon mal an § 8a KStG.

Wenn überhaupt muss man das als Lizenzgebühren verpacken, oder wie es vermutlich Apple macht, über die Preise, die die Europazentrale von den jeweiligen Landesgesellschaften für die Waren bekommt.

Diese Dinge sind nicht einfach, sondern hochkompliziert, denn bei all diesen Verträgen innerhalb eines Konzerns bewegt man sich in dem Grenzbereich, dass die Verträge wie unter fremden Dritten sein müssen.

Innerhalb der EU ist das noch nicht perfekt gelöst, aber zumindest einigermaßen.

Nur Irland, die Niederlande und manchmal auch Luxemburg udn Malta schlagen da etwas raus. Wenn man es versteht, kann man auch mit Zypern noch operieren.

Das Problem sind weltweit operierende Konzern mit Sitz in den USA. Die USA haben ein abweichendes Recht.

Wenn ich in Deutschland den Hauptsitz habe udn Niederlassungen (Tochterges.) in anderen EU-Staaten, versteuere ich in "D", oder in den Staaten der Tochterges. Aber der Gewinn 2016 wird für 2016 versteuert.

Eine US-Gesellschaft muss die Gewinne der Auslandstöchter zwar in den Ländern versteuern, aber wenn es dort sehr geinge Steuern gibt (Apple Irland), worauf dann die Differenz zur US-Steuer dort zu zahlen wäre, so wwird das erst fällig, wenn das Geld (der Gewinn) in die USA kommt. Also parkt man das Geld auf den Cayman Islands und spart die US Steuer.

Kommentar von juergen63225 ,

eben ... nur dass es eben nicht "einigermassen" gelöst ist in der EU, wenn 3 oder 4 Staaten nicht mitmachen !

Und kompliziert ist es sicher .. nur dass ich als Kleiner Unternehmer mir die Anwältskanzleien und Steuerberater nicht leisten kann, möglichweise Fehler mache und nachzahlen müsste, wenn ich den Trick mit der irischen Tochterfirme versuchen würde.

.. währen ein paar Mio für die Rechts- und Steuerabteilungen für Grosskonzerne Peanuts sind.

Abhilfe würde nur eine EU einheitliche Regelung bringen, incl Zwangsdurchsetzung bei Staaten die nicht mitmachen wollen.

Kommentar von wfwbinder ,

Na ja, für die Mittelständler, die nicht 10 Mr. Steuern sparen wollen udn dafür 10 Mio. Beratungsgeb. zahlen könnnen, gibt es ja (absolut legale) Möglichkeiten 1 Mio. zu sparen und dafür 20.000,- Beratungskosten zu zahlen.

Kommentar von herbort ,

Danke schon mal für die Antwort! Wirklich gut und aufschlußreich. Weil ich absolut keine Ahnung von dem Thema habe.. was wären das denn für Möglichkeiten? 

Kommentar von wfwbinder ,

Na es müssen ja erstmal Voraussetzungen vorliegen, also z. B. internationales Arbeiten. Dann gründe ich meine Importgesellschaft z. B. auf Zypern, die die Ware aus China und Vietnam einkauft und auf dieNiederlassungen in Europa verteilt. da kann ich natürlich Gewinne in Zypern bunkern.

Oder ich habe ein Patent entwickelt, das beantrage ich dann gleich für eine Gesellschaft in Zug (Schweiz) und gebe die Lizenz dann an mein Unternehmen in Deutschland.

Oder ich lege meine Altersversorgung (müsste schon ein Vermögen jenseits 500.000,- sein, über eine Offshore-gesellschaft an, wo keine laufende Steuer anfällt. Ich versteuere dann erst, wenn ich mir meine Altersversorgung später mal auszahle.

Kommentar von herbort ,

War Zypern nur ein Beispiel  oder gibt es da einen Grund warum man das gerade in Zypern machen sollte?

Kommentar von wfwbinder ,

Von den Ländern in der EU (Rechtssicherheit) eignen sich Zypern und Malta, was man nutzt ist individuell zu entscheiden.

Ginge es um eine Holding, würde sich Niederlande anbieten.

Will ich kein EU-Land als Basis bieten sich die Kanalinseln, Gibraltar, Man und die Schweiz an.

In anderen Fällen (je nach Zweck in Relation zu den Kosten, die Bahamas, Nevada, Hongkong und in Einzelfällen sogar die Dom.Rep.).

Man kann das wirklich nicht generell sagen, sondern es muss an die Bedürfnisse des Mandanten angepasst sein.

Es hat schon seinen Grund dass man sich immer fit halten muss.

Antwort
von juergen63225, 55

ich denke hier "hinterziehen" die Firmen keine Steuern, sie nutzen nur die Gesetze der verschiedenen Staaten. 

Die Staaten wie Luxemburg und Irland verstossen möglicherweise gegen EU Recht, weil sie mit unzulässigen Sonderregelungen den Wettbewerb um Standorte verzerren.

Antwort
von ChuckNorris37, 21

Die Steuervermeidungsstrategie nennt sich "Double Irish with a Dutch Sandwich". Einfach mal nachschlagen und verstehen. Die Global Player (Google, Facebook, Mircrosoft, IKEA etc) nutzen das fast alle.

Grundlage sind übrigens nicht Zinsen sondern Lizenzgebühren. Mit Zinsen funktioniert das meines Wissen nach nicht.

Antwort
von clemensw, 30

Es geht sogar noch viel einfacher: Die deutsche Firma nennt sich "Punas" und zahlt eine "Lizenzgebühr" an Sanup Lux für die Nutzung des Namens "Sanup", dessen Höhe zufällig* on Höhe des erwartenden EBIT der Fa. Punas liegt.

Somit hat Punas am Jahresende keinen steuerpflichtigen Gewinn vorzuweisen.

* zufällig für genau kalkulierte Werte.

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