Frage von einegiraffe, 172

Ist es stark problematisch, keine Leistungsnachweise für BAföG (nach Fachrichtungswechsel) zu haben?

Hallo,

ich habe mich jetzt im dritten Semester aus meinem Jura-Studium exmatrikuliert. Ich habe "Leistungsnachweise" nur aus dem ersten Semester. Im zweiten habe ich mich zwar für die Prüfungen angemeldet, aber nicht mitgeschrieben. Im dritten Semester nichts dergleichen.

Ganz einfach weil ich es aus Angst aufgeschoben habe. Ich wollte einige Monate nicht wahrhaben, dass das Jurastudium doch nicht die richtige Studienfachwahl für mich war und das zu erwartende Nichtbestehen der Klausuren hätte mir da quasi den Spiegel vorgehalten. Jetzt im dritten Semester ist mir aber eindeutig klar geworden, dass das Jura-Studium definitiv nicht das ist, was ich mir 1. darunter vorgestellt habe und 2. was mir beruflich die Türen zu dem Weg öffnet, den ich nun einschlagen möchte. Meine ganze Wahrnehmung dieses Jura-Studium betreffend hat sich einfach gewandelt.

Könnte es da jetzt Probleme mit dem BAföG-Amt geben, weil ich "keine Leistungsnachweise" habe? In den Vorlesungen war ich natürlich, was ja auch nötig war, um meine Entscheidung (gegen das Jura-Studium) überhaupt treffen zu können. Beweisen, dass ich in den Vorlesungen war, kann ich jedoch nicht.

So war es wirklich. Kann ich das auch so begründen? Oder widerspricht da irgendetwas den "Auflagen", denen man im BAföG-Bezug untersteht? Zum Beispiel, dass ich das Studium eifrig durchziehen sollte? Ich weiß einfach nicht, wie ich das jetzt alles begründen soll.

Expertenantwort
von Fortuna1234, Community-Experte für Bafög, 129

Hi,

ohne Leistungsnachweise (auch durchfallen wäre ein Leistungsnachweis) liegt der Verdacht nahe, dass du ein Scheinstudium betrieben hast und Bafög abgezockt hast. Und da du einen Wechsel vollziehen willst, werden sie prüfen.

Ohne Nachweise kein zielgerichtetes studieren. Ohne zielgerichtetes studieren steht dir kein Bafög zu.

worst case: Sofortige Rückzahlung des gesamtes Bafögbetrags vom 2. und 3. Semester, Bußgeld wegen Betrug, ggf. ein Strafverfahren wegen Betrug.

Kommentar von einegiraffe ,

Oh mein Gott. Im Ernst? 

Kommentar von Fortuna1234 ,

Ja, leider. Du bekommst zwar Geld, aber das nicht einfach so. Du hast gewisse Auflagen, dazu gehört zielgerichtetes studieren und das wird mit Prüfungsergebnissen belegt. Wärst du hingegangen und durchgefallen hätte dir keiner was tun können - so sieht der Fall leider ganz anders aus.

So wie es jetzt ist wird man dich prüfen. Und kannst nichts nachweisen, dass ein Scheinstudium die letzten 2 Semester belegt. Ohne Klausuren eben auch kein Streben nach einem Abschluss.Und das ist bei Bafög wichtig - das reine Einschreiben ohne Leistungsnachweise sieht sehr nach Betrug aus. Selbst wenn du es unabsichtlich gemacht hast - du hast nichts dafür getan, dieses Studium auch wirkich zu beenden.

Kommentar von einegiraffe ,

Was, also das bedeutet jetzt sicher, dass mir unterstellt wird, dass ich gar nicht studiert habe mit den Folgen, die du benannt hast??

Kommentar von Fortuna1234 ,

Genau (siehe Kommentar oben, hab noch hinzugefügt).

Du kannst nicht beweisen, dass du die letzten zwei Semester nicht nur daheim gechillt hast und Bafög abgezockt hast. Dir wird bei Bafög die Hälfte geschenkt, das machen die nicht ohne solche Belege. Und die hast du eben nicht. Das nennt sich Betrug. Ob absichtlich oder nicht, ist erstmal gar nicht so wichtig. Unwissen schützt nicht vor Strafe.

Du hattest ab dem 2. Semester nicht vor das Studium zu beenden (wie du ja selbst sagst hast du es aber nicht wahr haben wollen). Das ist aber die Voraussetzung für Bafög.

Kommentar von einegiraffe ,

Nein, eigentlich sage ich genau das Gegenteil. Ich wollte nicht wahrhaben dass das Jura-Studium eben NICHTS für mich ist, heißt, ich wollte es sehr wohl beenden!! Und man kann mir auch nicht nachweisen, dass ich die für die Zwischenprüfung wichtigen Prüfungsleistungen nicht noch rechtzeitig bis zum regulären Leistungsnachweise nach dem 4. Semester erbracht hätte. Man kann mir überhaupt nicht NACHWEISEN, dass ich nicht vorhatte, das Jura-Studium nicht zu beenden. Du übertreibst es sehr gerade.

Kommentar von Fortuna1234 ,

Okay, wenn du meinst. Ich kenne die Baföggesetze und auch die Urteile in solchen Fällen. Es ist nicht so, dass du erst ab dem 5. Semester Leistungen nachweisen musst. Du musst ab dem 5. Semester nachweisen, dass du es in Regelstudienzeit schaffst. Du vermischst zwei Sachen. Du kennst meine Antwort, Viel Erfolg weiterhin. Und ggf. frag einfach einen Anwalt. Du bist nicht der Erste und nicht der Letzte, dem das passiert.

Kommentar von einegiraffe ,

Doch, bis zum Ende des vierten Semesters studiert man leistungsnachweisfrei und wer kann mir nachweisen, dass ich nicht vorhatte, das Jura-Studium zu beenden, nur, weil ich Prüfungen aufgeschoben habe? Meine Kommilitonen haben das reihenweise genauso getan. 

Kommentar von Fortuna1234 ,

Du lässt dich ja eh nicht umstimmen. Stell doch einfach den neuen Antrag und lass dich überraschen. Spätestens wenn eine Aufforderung zur Stellungnahme kommt, solltest du einen Anwalt befragen. Ich kann Menschen nichts sagen, wenn sie sie sich nichts sagen lassen wollen.

Es ist schade, dass ich immer der Buhmann bin, nur weil ich nicht die Wunschantworten gebe. Aber that´s life. Viel Erfolg. Ich bin raus.

Kommentar von einegiraffe ,

Was bitte willst du mir denn sagen, außer, dass ich das BAföG wohl zurückzahlen muss und vielleicht noch Bußgeld oder gar ein Strafverfahren auf mich zukommt? Was genau willst du mir denn da jetzt sagen? Du hast keinen Tipp gegeben, merkste selbst, ne?^^


Außerdem war deine DEFINITION für Betrug hier doch sehr zweifelhaft.

Kommentar von einegiraffe ,

Ich habe es extra bei bafög-rechner.de nachgelesen: Man erhält bis nach dem vierten Semester BAföG leistungsnachweisfrei.


Wenn ich also vorher nicht wusste, dass ich Jura nicht zu Ende studieren will, dann kann ich das schon so planen, eben bis nach dem vierten Semester den Leistungsnachweis zu erbringen. Vor allem im Staatsexamen. Das ist ja was anderes als ein Bachelorstudiengang.

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