Ist es sinnvoll die traditionellen Bäcker zu unterstützen oder verschiebt man damit nur den weiteren Untergang?

... komplette Frage anzeigen

7 Antworten

Hallo,

ob die traditionellen Bäcker untergehen oder nicht, ist von anderen Faktoren abhängig. Natürlich müssen diese Bäcker einem gewissen "Trend" im Angebot folgen, aber der Kunde muss das auch anerkennen und unterstützen, dass es noch Bäcker gibt, die Nachts um drei Uhr aufstehen und ihren Job machen. Von der Qualität der Backwaren spreche ich jetzt nicht, sonder erst mal vom traditionellen Handwerk.

Wenn die Qualität, die hinten bei rauskommt, jedoch austauschbar ist, also an jeder Ecke im Backshop oder beim Discounter genau so gekauft werden kann (z.B. fertige Backmischungen..), dann entscheidet sich der Kunde über den Preis, und bei dem können die Bäcker nicht mithalten.

Die Frage ist eher, was wir da essen und wer was anbietet. Öko- und Biobäckereien boomen und können die Nachfrage kaum bedienen. Das bedeutet, dass es unterschiedliches Kaufverhalten gibt. Viele Menschen wollen einfach gesunde Backwaren, ohne Glyphosat z.B., das in den meisten konventionellen Backwaren ordentlich enthalten ist. Glyphosat ist im Bio-Anbau untersagt, im konventionellen Anbau wird es eine Woche vor der Getreideernte gespritzt, damit das Getreide gleichmäßig abreift ;-(. Das landet dann über das Getreide in unseren Backwaren, im Bier etc...

Ein gutes Beispiel für unternehmerische Fehlplanung sehen wir bei den Milchbauern. Die konventionellen Betriebe bekommen keine 20 ct. mehr für den Liter und müssen oft ihren Betrieb aufgeben, wohingegen die Bio-Erzeuger deutlich über 40 ct./ Liter erhalten. Aufs falsche Pferd gesetzt, unternehmerische Fehlentscheidung, das wars dann.

Auch die Bäcker sind eigenständige Unternehmer und tragen das unternehmerische Risiko. Es kommt auf deren Konzept an, die Kunden zu bedienen und bei der Stange zu halten. Gesunde Lebensmittel sind hierbei sicher im Vorteil.

Deine Aktivitäten spielen beim unternehmerischen Erfolg oder Nichterfolg bestimmt keine Rolle, da kann ich dich beruhigen :-).

LG Jürgen

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Das ist das größte Problem der traditionellen Bäckereien: früher mal war es "legitim" nur eine bestimmte Menge zu backen, und wenn die verkauft war, waren Brötchen eben "aus". Das kann sich heute keiner mehr leisten, bis kurz vor Ladenschluß muss noch frisches vorhanden sein.... und wird dann weggeworfen.

Es gibt Bäckereien, die mit Bauern etc. eine Art Vertrag haben, das übrig gebliebene Brot abzunehmen (Tierfutter), aber das kann auch kaum jeder.

Brötchen verarbeiten die oft zu Paniermehr, Brot vom Vortag wird zum halben Preis verkauft, aber es wird trotzdem immer was übrig bleiben. Wer das dann an potentielle Kunden der Bäckerei verteilt, fördert den Untergang noch.

Es ist also schon sinnvoll, die "kleinen" Bäckereien zu unterstützen, indem man bei denen kauft und nicht im Supermarkt. Damit bei denen möglichst wenig zum Wegschmeißen übrig bleibt.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von Deamonia
01.08.2016, 15:27

Die Bäckerei in der ich meist mein Pausenbrötchen hole ist noch so: Wenn ich da um 13:00 hin komme, gibt es nur noch mit Glück ein Käseflädli, wollten aber schon 15 andere vor mir eins, sind sie halt aus (und das 5 Stunden vor Ladenschluss!)

Ich find das System toll, und gehe gerade deswegen zu dieser Bäckerei, auch wenn ich nicht immer das bekomme, was ich ursprünglich wollte ;)

1

Du scheinst wirklich mehr die Lebensmittel als die Bäcker retten zu wollen, aber das ist auch in Ordnung.

Ich unterstütze gerne jeden Bäcker mit meinem Konsum, der erkennbar innovativ ist und keine Industrieware aufbackt. Das ist manchmal gar nicht so einfach, ich habe auch schon in einer Gegend gewohnt wo es wirklich nur Fabrikkuchen gab: also Rewe, Edeka und Heberer. Das braucht man dann auch nicht oft.

Und es muß schmecken. Nicht nach Zuckerguß, sondern nach Handwerk.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Die traditionellen Bäcker müssen vermutlich ihren Betrieb schließen, weil es inzwischen zuviele Großbetriebe gibt, die sich durch ihre Billigprodukte nur durchgesetzt haben, weil es vielen Verbrauchern leider nicht mehr auf die Qualität ankommt. Wer gute Ware zu schätzen weiß, bleibt beim beliebten Bäcker, solange wie möglich, selbst wenn Du die Abfallprodukte irgendwo verteilst. Die kleinen guten Betriebe schließen mittlerweile in beinahe jeder Branche, weil mehr Nachfrage für Billigangebote besteht, obwohl die Qualität zu wünschen übrig lässt. Es ist also egal, wie Du es handhabst, ein großer Teil der Gesellschaft ist zu gierig geworden und leistet sich lieber mehr schlechte Qualität, anstatt sich mit weniger etwas Gutes zu tun. ✌🌞

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Der Schaden durch Umsatzeinbußen der Bäckereien dürfte gegen Null gehen.

Wenn Du die Waren an Bedürftige weitergibst, entsteht den Bäckern kein Schaden, denn frische Ware zum Ladenpreis hätten die von Dir Beschenkten ohnehin nicht gekauft, weil sie es sich nicht hätten leisten können.

Übrigens werden nicht verkaufte Backwaren nicht mehr einfach in den Müll geworfen, sondern als Wertstoffe behandelt und weiterverarbeitet. Was der Bäcker nicht zu Rumkugeln (ein altbekanntes "Recycling"-Produkt) oder Semmelbröseln verarbeiten kann, geht in die Tierfutterindustrie.

Eine Verschiebung des Unterganges handwerklicher Bäckereien läßt sich m.E. nur durch Änderung des Konsumentenverhaltens erreichen. Solange Kettenläden wie "Back Factory" und dergleichen die Fußgängerzonen mit ihren Backshops und "Coffee-to-go"-Ständen überfluten und die Kunden lemmingartig ihren Kram dort kaufen, sehe ich für handewerkliche Betriebe keine Rettung in Aussicht.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von Deamonia
01.08.2016, 15:31

Naja, es ist aber auch schwer noch wirklich traditionelle Bäckereien zu finden. 

Selbst "normale" Bäckereien wie Kamps stellen ja nicht mehr selbst her, sondern bekommen maximal Rohlinge, die sie aufbacken müssen. 

Ich kenne in meiner Stadt gerade mal 2 "Echte" Bäcker :(

0

Du wirst den Untergang der kleinen Bäckereien nicht aufhalten. In unserem Ort mit 22000 Einwohnern gab es vor 40 Jahren 14 kleine Bäckereien die alles selbst gebacken haben. Hinten Backstube, vorne Laden. Heute gibt es noch eine Bäckerei und die auch nur, da diese sich direkt neben zwei Schulen mit insgesamt 1800 Schülern befindet. Alle anderen sind verschwunden und die Räume branchenfremd vermietet. Die Masse der Verbraucher kauft da, wo es billig und praktisch ist. Überleben werden, zumindest aus momentaner Sicht nur Spezialisten.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Bedürftige sind keine Nachfrager traditioneller Bäcker.
Schau Dir den Regelsatz HartzIV an, da ist kein Brot für 2,45€/500 Gramm drin, unbezahlbar.
Ergo verringerst Du keine Nachfrage beim tradierten Bäcker, die ohnehin nicht vorhanden ist.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung