Frage von LordRob, 89

Ist es schonmal passiert/möglich, dass sich zweimal dieselbe Tiergruppe entwickelt?

Also wäre es theoretisch möglich, dass anstatt einer Spezies 2 verschiedene zum beispiel an land gehen (von wasser aus) und sich dort dann beide zu (leicht verschiedenen) tierarten entwickeln, die beide Amphibien sind, aber nicht miteinander verwandt?

Oder anderes Beispiel: 2 verschiedene säugetiere leben beide immer mehr im Wasser und entwickeln sich zu ähnlichen Tieren, die beide Meeressäuger sind, aber nicht mitainander verwandt.

Dasselbe könnte man jetzt auch noch mit der entstehung von säugetieren und Vögeln machen.

Aber, ist sowas theoretisch möglich oder schonmal passiert?

Antwort
von OlliBjoern, 39

Ich vermute, du meinst die "konvergente Evolution". Man sieht sie z.B. bei den Beuteltieren recht oft. Es gibt in Europa Gleithörnchen, das sind Nager, die von Baum zu Baum gleiten können. In Australien gibt es Gleitbeutler, die sehen recht ähnlich aus, sind aber nicht mit den Gleithörnchen verwandt, da sie Beuteltiere sind.

Der Tasmanian Devil ist ein Fleischfresser, aber kein hundeartiges Raubtier wie z.B. unser Fuchs, sondern ein fleischfressendes Beuteltier.

Beuteltiere haben alle ökologischen Nischen in Australien besetzt, dadurch entstanden Formen, wie sie manchmal auch europäischen Tieren gleichen, aber einer ganz anderen Entwicklungslinie entstammen.

Tenreks sehen aus wie Igel, sie leben auf Madagaskar. Sie sind aber keine Igel, sondern gehören der Überordnung Afrotheria an (dazu gehören auch die Schliefer).

Kommentar von MarkusKapunkt ,

Wo in Europa gibt es Gleithörnchen?? 

Kommentar von dadita ,

https://de.m.wikipedia.org/wiki/Europäisches_Gleithörnchen

Finnland, Estland, Weißrussland und Russland wie es scheint ;) 

Antwort
von MarkusKapunkt, 22

Dass sich zweimal genau die selbe Tierart oder auch Tierfamilie entwickelt, ist nach den Gesetzen der Genetik unmöglich.

Was es allerdings häufig gibt, sind Ähnlichkeiten unter nicht miteinander verwandten Tieren, Homologie oder konvergente Evolution genannt. Besonders deutlich wird dies im Körperbau des Hasen und des Kaninchens, bei der Stromlinienform des Thunfischs, der ausgestorbenen Ichthyosaurier und der Delfine, oder auch beim Aussehen und Verhalten von Beutelmäusen und unseren einheimischen Nagetieren. Viele dieser unerhaupt nicht verwandten Arten erwecken auf den ersten Blick den Anschein, als hätte Mutter Natur hier ein und die selbe Gussform mehrmals verwendet.

Antwort
von woflx, 37

Parallel laufende Entwicklungslinien, die wegen Anpassung an gleiche Lebensweisen zu oberflächlicher Ähnlichkeit der Organismen führen, gibt es durchaus (Stichwort Analogie). Aber in diesen Fällen gibt es immer eine Vielzahl von Merkmalen, die nichts oder sehr wenig mit der Lebensweise zu tun haben, an denen man die Entwicklungslinien noch nachvollziehen kann.

Kommentar von LordRob ,

was ich in diesem fall meine ist aber analogie und Homologie

Antwort
von Schweinsbraten4, 16

So drastisch wie du es beschrieben hast, ist es noch nicht passiert. Kleinere Details haben sich aber mehrmals entwickelt. Man geht davon aus, dass sich Augen etwa 40 (!) Mal unabhängig voneinander entwickelt haben. Vögel und Fledermäuse haben beide Flügel, ihre gemeinsamen Vorfahren waren aber primitive Reptilien. Delphine und Makrelen haben eine zum Verwechseln ähnliche Körperform, der gemeinsame Vorfahre war ein Urfisch; ein anderer Vorfahre des Delphins sah Mäusen ähnlich. Der Beutelwolf (Australien) sieht sehr ähnlich aus wie ein normaler Wolf, die beiden haben sich getrennt als man sie eher in Richtung Nagetiere einfeordnet hätte. Der Kugeltausendfüßer (Insektenähnlich), die Assel (Krebstier) und das Gürteltier können sich alle zu einer harten Kugel zusammenrollen. Der gemeinsame Vorfahre hat vor über einer Milliarde (!) Jahren gelebt. Gummibäume und Kakteen haben beide dicke Körper bzw Blätter, das hat sich aber seperat entwickelt. 

Es gibt viele Beispiele für konvergente Evolution. Das ist ein sehr interessamtes Thema. 

Antwort
von implying, 42

ich denke was du meinst gibt es z.b. bei säugetieren. bzw gab es das mal noch ausgeprägter als heute. die meisten säugetiere haben ja eine plazenta, der nachwuchs bleibt entsprechend lange im körper. dann gibt es aber auch die beuteltiere wie das känguru. diese tiere bringen den nachwuchs früher zur welt und brüten ihn quasi erst noch im beutel fertig aus, wenn man so will.

es gab eine zeit da gab es ähnlich viele beutel-säuger wie plazentatiere. letztere haben sich dann eben durchgesetzt...

ansonsten vielleicht: fische und wale?

Antwort
von Schleit, 41

Wenn ich mich recht erinnere, dann müssen sich die Arten relativ wesentlich unterscheiden. Sind sie zu ähnlich, wird eine von beiden in dem Gebiet aussterben. Das ganze gilt natürlich nur wenn sie im selben Lebensraum leben.

Kommentar von LordRob ,

sagen wir mal die sind in verschiedenen gebieten

Kommentar von Schleit ,

Ja, es können sehr ähnliche Tierarten in unterschiedlichen Gebieten leben.

Antwort
von Dackodil, 24

Sowas passiert immer wieder.

So entstehen ähnliche Strukturen, die eine ähnliche Funktion erfüllen, bei Tieren , die nicht miteinander verwandt  sind. Z.B. Flügel wurden entwickelt von Sauriern, Fledertieren und Vögeln.

Das nennt man dann konvergente Evolution.

Ähnlich dein Beispiel mit Walen und Seehunden, die beide vom Land ins Wasser zurückkehren und Flossen und eine Strömungsgünstige Körperform entwickeln. Die Wale sind natürlich schon weiter, mit ihrer Anpassung an das Leben im Wasser.

Konvergente Evolution liegt auch bei Beutelwolf in Australien und hundeartigen Raubtieren in Europa und Amerika vor.

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