Frage von Baehri36, 217

Ist es schlimm wenn man sein Kind zu früh aufklärt?

Der Klassiker ist ja immer wenn das Kind irgendwann die Eltern fragt woher oder wie Kinder auf die Welt kommen... Und dann erzählt man ihnen in der Regel Lügen wie dass der Storch sie bringt oder dass sie auftauchen sobald Mama und Papa sich ganz doll lieb haben.....Ich frage mich warum man eigentlich den Kindern, wenn sie schon so schlau sind und auf diese Fragen und Neugier kommen, nicht die Wahrheit erzählen sollte, man brauch es ja nicht total ausführlich machen, aber warum sollte man drumherumreden? Kann das Kind dadurch wirklich irgendwelche Nachteile oder "Schäden" bekommen wenn sie zu früh in Sachen Sexualität und Liebe aufgeklärt werden? Wäre es denn nicht förderlich für die spätere Jugend und das Erwachsensein, wenn man den "Durchschnittskindern" voraus ist und das Kind schon früher Erfahrungen und Wissen hat und dadurch auch früher verständlich und wissend über dieses Thema umgehen kann? Jeder kann sich doch selbst an die Pubertät erinnern und was für Probleme es mit sich brachte für einen selbst, und vor allem eben auch psychisch, weil man dann so viele neue Erfahrungen noch braucht und man nicht weiß wie man mit dem anderen Geschlecht und dem Verknalltsein richtig umgehen soll....also wäre es da nicht vom Vorteil wenn das Kind, natürlich nicht von den Eltern zu früh provoziert, schon etwas voraus ist mit dem ganzen Thema? Und wenn nicht was soll es für Nachteile haben? Machen wir es uns selbst nicht schwer wenn wir über dieses Thema nicht richtig reden können, bzw. verklemmt oder peinlich darüber denken? Überträgt sich diese Einstellung nicht auf das heranwachsene Kind später?

Antwort
von testwiegehtdas, 32

Also wir wussten von Anfang an wo Kinder herkommen.

Gerade meine älteren Geschwister waren beim nächsten Kind in dem Frage-Alter. Uns wurde nie was vom Storch o.ä. erzählt, weil meine Eltern das für Quatsch hielten.

Es wurde nicht total ausführlich erklärt, aber wenn wir weiter nachgefragt haben, dann haben wir auch Antworten bekommen.

So musste meine Mutter durch die peinliche Situation, dass ein 3 jähriges Kind sie laut schreiend am Wochenende in der langen Supermarkt Schlange fragte, woher Papa denn wusste, wann er Samen in sie rein muss damit ein Kind raus kommt. Sie meinte alle haben sie angestarrt und auf die Antwort gewartet. Die dann ganz banal war: das wusste er nicht, wir haben es immer wieder probiert, bis es geklappt hat.

Damit war sie zufrieden und meine Mutter immer noch hoch rot angelaufen.

So hat meine Schwester auch auf die Aussage unserer Oma, unsere Mutter habe ein Kind unter dem Herzen geantwortet, dass es im Uterus ist, wenn ihr das zu schwer sei könne sie auch Gebärmutter sagen.

Wir hatten nämlich auch (Kinder geeignete) Bücher dazu und meine Schwestern waren zwangsweise mit beim Frauenarzt und wollten natürlich alles genau wissen.

Geschadet hat es uns nicht. Im Gegenteil, in der Pubertät wussten wir bescheid, auch über die Periode usw.. Manche Freundinnen von uns waren total schockiert, als es bei ihnen so weit war, da war das nie angesprochen worden und in der Schule war das alles nur sehr knapp. Da hatten wir viel über die Hormone usw. aber nie wirklich was das alles für uns bedeutet.

Ich habe wohl erst vergleichsweise spät gefragt, als meine Tante schwanger war, da ich die Jüngste bin und da dann eben kein Geschwisterchen mehr kam. Manches hatte ich aber schon vorher erfahren durch so nette fragen wie "warum ist die Frau dahinten so dick und rund?" (also schwanger)

Keine von uns hatte zudem ihr erstes Mal bevor sie 17 war, auch hier hat das frühe Wissen also nicht "geschadet" oder uns besonders früh motiviert es auch haben zu wollen.

Zudem wussten wir auch schon recht früh, dass man eben beim Sex schwanger werden kann, es aber auch Verhütungsmittel gibt. Daher war es bei uns selbstverständlich, über sowas vor dem ersten Mal nachzudenken.


Wenn man es kindgerecht macht spricht also nichts dagegen, da schon mit einem zwei oder drei jährigem Kind drüber zu reden. Besonders wenn es von sich aus auf so Fragen kommt.

Man sollte jetzt nicht unbedingt jede Sexstellung erläutern, aber mit ein wenig Nachdenken und aufs Kind achten sollte man selber darauf kommen, was man erzählt und was das Kind versteht.


Ich bin sogar froh, dass wir die Grundlagen schon kannten. Spätere wäre (bzw. war) es mir viel zu peinlich gewesen, meinen Eltern über sowas zu Fragen zu stellen.

Kommentar von amrita1 ,

Da gibt es nichts hinzu zu fügen ;-)

Antwort
von thlu1, 85

Wenn ich an meine Kindheit und Jugend bez. Aufklärung zurück denke, war ich froh, dass es Bücher und die Schule gab. Meine Eltern haben sich vor diesem Thema ganz elegant gedrückt. Und dann wäre es mir irgendwann auch peinlich gewesen, wenn denn meine Eltern irgendwann dann doch auf das Thema gekommen wären. Will heißen, für Eltern gibt es da definitiv ein Zuspät.

Anders herum halte ich es daher tatsächlich für richtig, wenn Eltern rechtzeitig damit beginnen ihre Kinder aufzuklären. Ich kann dich da nur unterstützen.

Antwort
von Rocker73, 103

Das Problem ist, dass ganz kleine Kinder oft Schwierigkeiten haben, das richtig einzuordnen, sie haben nicht die Möglichkeit, sich langsam an dieses Thema ranzutasten, sie werden gleich mit der deftigen Warheit konfrontiert!

Deswegen empfiehlt es sich, mit der sexuellen Aufklärung zu warten, bis sie älter geworden sind. Bei mir war das in der dritten Klasse.

LG

Kommentar von Rocker73 ,

Kinder brauchen solche Geschichten, wie das der Storch die Kinder bringt, sowas können sie besser verarbeiten und sich vorstellen, dies ist auch ihrem Altern angemessen!

Kommentar von Menuett ,

So ein Quark.

Selbstredend kann schon ein Kleinkind mit der "Wahrheit" etwas anfangen.

Kinder reagieren mit Vertrauensverlust auf Eltern, die sie anlügen.

Antwort
von mexp123, 48

Ich hab in meiner Kindheit nie was von Klapperstorch erzählt bekommen. Ich hab da mit meiner Mama ne gute Vertrauensperson gefunden, die mir da meine Fragen (natürlich an die Kindheit angepasst) beantwortet hat.
Vor der dritten Klasse hat mich das eigentlich auch nicht interessiert, außer dem Thema, wo die Babys herkommen (und da reicht es doch, als Kind zu wissen, dass die Frau schwanger wird wenn die Eltern sich das wünschen und dass dann nach 9 Monaten das Baby kommt, so wie bei ner zB Katze auch).
Ich glaube dass dadurch, dass ich damals schon immer gut mit meiner mum drüber reden konnte, wir heute auch noch über so Themen ziemlich offen sprechen können (ich weiß halt auch, dass sie das nicht meinem Vater erzählt hätte oder dass sie mich auch nicht belügen würde)

Ich würde glaube ich meinem Kind auch nichts falsches über diese Sachen erzählen, aber auch nicht zu viel Detail ;)

Antwort
von Hexe121967, 70

bei einem kleinen kind reicht es zu sagen "das baby kommt aus mamas bauch" mehr wollen die garnicht wissen. sexuelle uufklärung sollte dann erfolgen, wenn das kind reif genug dazu ist. ich kann mich an sachkundeunterricht in der grundschule erinnern, wo bereits über fortpflanzung geredet wurde (dem alter entsprechend halt). in der weiterführenden schule wurde das thema dann immer weiter behandelt

Kommentar von Menuett ,

Meine Kleinen wollten dann aber auch wissen, wie das Baby denn in den Bauch gekommen ist.

Grundschule ist viel zu spät.

Antwort
von Wannabesomeone, 102

Also meine Eltern waren bei diesem Thema schon immer ehrlich mit mir und waren auch immer bereit mit mir darüber zu reden und haben mir das oft angeboten.

Trotzdem muss ich sagen, dass ich bei vielen dieser Themen sehr ungern darüber rede, besonders in der Öffentlichkeit. Es ist für mich einfach eine privatssache.

Also dieses "verklemmt sein" hat nichts mit der Offenheit der Eltern zu tun. Zumindest nicht immer und nicht in meinem Fall.
An sich halte ich es für gut, seine Kinder aufzuklären, wenn sie fragen. Ansonsten wirft das später nur viel mehr fragen auf und verwirrt die Kinder. (Oder sie werden schlimmstenfalls beim ersten sexualkunde Unterricht ausgelacht)

Antwort
von TrudiMeier, 51

Natürlich sollte man seinen Kindern nichts mehr vom Klapperstorch und den Bienchen und den Blümchen erzählen.   Man sollte sie altersgemäß aufklären.

ABER:  Das Problem liegt nicht nur bei verklemmten und peinlich berührten Eltern.  Auch Kinder haben eine Schamgrenze und die wenigsten Kinder führen Aufklärungsgespräche mit den Eltern. Die ergreifen nämlich peinlich berührt in Sekundenschnelle die Flucht. Bei ganz kleinen Kindern mag das sicherlich funktionieren, da ist die Neugier größer als die Scham. Sobald sie älter werden, sprechen sie mit jedem darüber...nur nicht mit den Eltern. Die können noch so offen mit Sexualität umgehen, die Kinder tuns noch lange nicht.

Kommentar von Menuett ,

Hübsche pauschale Aussage.

Nö, meine Kinder wollten von mir immer alles ganz genau wissen. Egal in welchem Alter.

Kommentar von TrudiMeier ,

Habe ich denn irgendwo behauptet, dass das für alle Kinder gilt?  Genausowenig wie es nur verklemmte Eltern gibt, gibt es nur verschämte Kinder.

Antwort
von schlaueKraehe, 1

Ich hab meinen Kindern immer alle Fragen ganz sachlich beantwortet und sie wussten dann bevor sie in die Schule kamen, wie Kinder entstehen. Es gibt ja auch geeignete Kinderbücher zu dem Thema. Mit 15 hatte meine Tochter ihren ersten Freund und wir haben über reale Verhütung gesprochen. Bei meinem Sohn ging es langsamer mit den Freundinnen. Ich finde das frühe Aufklären richtig, denn es wird ja auch in den Schulen unterstützt. Von Bienen und Storch redet heute wirklich niemand mehr!

Antwort
von ShinyShadow, 47

Ich glaub nicht, dass es irgendwelche psychologischen Spätfolgen hätte, ich denk eher an die direkten Folgen.

Als wir "damals" in der Schule in der 2. Klasse aufgeklärt wurden (ich wurde 1997 eingeschult), wusste in unserer Klasse nur eine, wie der Hase läuft. Als diese versucht hat, es zu erklären, ist sie fast erstickt vor Lachen, sodass die Lehrerin doch übernehmen musste.

Nach der Aufklärungsstunde gabs tagelang kein anderes Thema... Ein Mädchen in unserer Klasse, welches 5 Geschwister hat, wurde von allen tagelang aufgezogen: "Hahaha, deine Eltern haben das schon 6 mal gemacht! Hahaha!"

Sowas wie den Storch find ich als Erklärung nicht unbedingt notwendig, aber im Kindergartenalter reicht meiner Meinung nach sowas à la: "Wenn Mama und Papa sich lieb haben, kommt ein Baby, das in Mamas bauch wächst."

Alles weitere fände ich eher kontraproduktiv.... Vor allem, weil Kinder gerne ausprobieren und sowas nachspielen... Stell dir vor, du kriegst plötzlich nen Anruf, weil dein Kind sich im Kindergarten auszieht und auf andere Kinder drauf liegt. (Sowas machen Kinder...)  Das muss ja nicht sein ;)

Ab der Grundschule kann man meiner Meinung nach schon bisschen mehr Details hinzufügen, aber schön vorsichtig und nicht zu viel...

Auch wenn Kinder nicht dumm sind, sind sie immernoch Kinder ;)

Antwort
von Menuett, 25

Nein, es führt zu keinen Schäden, wenn es kindgerecht (wie alles andere auch) aufgearbeitet wird.

Kein Mensch erzählt heute mehr was vom Storch..

Peter, Ida und Minimum ist das ideale Bilderbuch für Kinder ab ca. 4/5. Danach wissen sie auch, Sex ist.

Früher schliefen die Menschen oft in einem Raum, da bekamen die Kinder dann alles mit.

Auch das hat ihnen nicht geschadet.

Die Eltern verzichten heute aber gerne auf Zuschauer.

Antwort
von GanMar, 56

"Die Babys wachsen in Mamas Bauch, bis sie groß genug sind, geboren zu werden". Fertig. In der Regel ist die Frage damit beantwortet und das Kind wendet sich anderen, viel interessanteren Sachen zu. Eine konkrete Frage sollte man beantworten, ohne dabei auszuholen und auf Hintergründe einzugehen. Das klappt prima bis zur Einschulung.

Antwort
von beangato, 13

Ich hab 3 Kinder. Keins von ihnen bekam je die Story vom Storch zu hören.

Kamen Frgen auf, wurden sie kindgerecht (von klein auf) beantwortet.

Darauf hat dann die gesamte sexuelle Erziehung aufgebaut.

Antwort
von Ini67, 12

Also mir hat niemand etwas vom Klapperstorch erzählt. Ich selbst habe meinen Kindern von Anfang an altersgemäß ihre Fragen beantwortet. Bücher hatten wir zum veranschaulichen.

Ich habe mich immer bemüht alles ruhig, wahrheitsgemäß und als etwas vollkommen natürliches zu erklären.

Keine Ahnung wie Du darauf kommst, das zu dem Thema "alle" nur Lügen erzählen. Ich halte das für veraltet, nicht mehr zeitgemäß und auch nicht für einen Fakt.

Antwort
von nettermensch, 64

Nein. ganz und gar nicht. dein text gefällt mir. das ist eine gesunde Einstellung.

Antwort
von Virginia47, 12

Ich habe meine Kinder schon sehr früh aufgeklärt. Vielleicht auch zu früh.

Dadurch kannten sie die Geschichte mit dem Storch auch nicht. Und als meine erste Tochter mal ein Bild mit einem Storch mit einem Baby im Schnabel sah, war sie der Meinung, dass der Storch das Baby fortbringt.

Sie haben aber keinen Schaden durch die frühe Aufklärung genommen. Und gingen dadurch auch ganz offen mit der Sexualität um. Sie hatten ihr erstes Mal mit 16 bzw. 17 Jahren.

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