Frage von PolluxHH, 205

Ist es richtig, im Rahmen einer Maßnahme zur Integration von Flüchtlingen einer Muslima abzuverlangen, auf das Kopftuch zu verzichten?

Dabei geht es um einen aktuellen Fall aus dem Rathaus Luckenwalde, wo einer palästinensischen Muslima, die im Rahmen einer Integrationsmaßnahme für Flüchtlinge ein sechswöchiges Praktikum an der Behörde begonnen hatte, durch die Bürgermeisterin schon nach dem ersten Tag gekündigt wurde, weil sie nicht auf ihr Kopftuch verzichten wollte. Begründet wurde es mit einem streng eingehalten Grundsatz der Neutralität. Auch Kruzifixe dürften nicht im Amt aufgehängt werden.

http://www.berliner-zeitung.de/berlin/brandenburg/luckenwalde--buergermeisterin-...

Meine Auffassung zur Burka habe ich ja schon bekundet, nur hier sieht es für mich gerade umgekehrt aus. Nach allen Rechtsschulen des Islam ist von Frauen Verhüllung zu fordern, d.h. nur Hände und Gesicht dürfen frei sein. Im Gegensatz zur Burka kann hier also berechtigt davon ausgegangen werden, daß es im Rahmen der Religionsausübung verpflichtend für eine Muslima sei, ein Kopftuch zu tragen, auch wenn es nicht direkt aus Koran und Sunna folgt (obwohl mittelbar darauf zurückgeführt).

Der Vergleich mit aufgehängten Kruzifixen hinkt dabei gewaltig, denn Kruzifixe dienen nicht der Religionsausübung, können schon gar nicht als für Christen verpflichtend angesehen werden, sondern erfüllen nur den Zweck eines religiösen Bekenntnisses. Entsprechendes gälte übrigens auch für z.B. als Schmuck sichtbar getragene Kruzifixe. Damit aber ist der Vergleich nicht zulässig, da das Kopftuch als verpflichtend im Rahmen der Religion angesehen werden kann, damit durchaus unter den Schutz des Art. 4 GG fällt, was auch das BVerfG unlängst anerkannte.

Etwas provokant sollte dann eine Umsetzung des Grundsatzes der strikten Neutralität weit eher das offene Tragen eines Kruzifixes als Schmuck oder Tattoo untersagen, ehe man das Tragen des Kopftuches untersagte.

Hinzu kommt der Migrationshintergrund, d.h. man ist nicht vertraut mit der europäischen Kultur. So betrachtet könnte, wollte man eine Analogie anstreben, ggf. der verlangte Verzicht auf das Kopftuch durch die Muslima subjektiv-emotional so empfunden werden, als ob man einer deutschen Mitarbeiterin abverlangte, mit freiem Oberkörper zu arbeiten.

Sollte Integration nicht zuerst mit einem Zeichen der Annahme und des Verständnisses beginnen statt so? An eine andere Kultur muß man einfühlsam heranführen und nicht ins kalte Wasser stoßen.

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von earnest, 110

Abgesehen davon, dass es für eine Muslima nicht verpflichtend ist, ein Kopftuch zu tragen - im Koran steht kein Kopftuchgebot - ist festzustellen: Für das Handeln der Bürgermeisterin gibt es keine Rechtsgrundlage.

Man mag zum Kopftuch als sozusagen gesellschaftlicher Pflicht stehen, wie man will - ich halte es für ein ostentatives Symbol der Unterdrückung der Frau im Islam: Die Muslima dürfte eine Klage gegen die Kündigung mit Pauken und Trompeten gewinnen. 

Allein schon deswegen war die Kündigung ein Akt der Torheit. So etwas wird sich herumsprechen und im Endeffekt die Integration von Muslimas nicht erleichtern.

Was fehlt, ist eine glasklare gesetzliche gerichtsfeste Regelung, die Kopftücher bei Behörden verbietet.

Gruß, earnest


Kommentar von earnest ,

Vielen Dank für den Stern!

Antwort
von MarkusKapunkt, 106

Ich bin deiner Meinung. Ein Kopftuch sollte für eine Muslima in der Öffentlichkeit erlaubt sein, wenn sie damit ihre religiöse Zugehörigkeit ausdrücken möchte und es für sich als verpflichtend ansieht, es zu tragen. Über die Burka möchte ich an dieser Stelle gar nicht erst anfangen, zu diskutieren.

Nichtsdestotrotz ist auch das Kopftuch ein religiöses Symbol, dass eine Zugehörigkeit anzeigt. Im öffentlichen Raum ist dies völlig in Ordnung, aber nicht im behördlichen. Wir haben in Deutschland eine Trennung von Kirche und Staat, das bedeutet, dass in Ämtern, im exekutiven Dienst und auch in Schulen, die von einem staatlichen und nicht von einem kirchlichen Träger finanziert werden, alle religiösen Symbole nichts zu suchen haben. Das gilt für Kruzifixe genauso wie für das Kopftuch. Ob und wann eine behördliche Einrichtung eine Ausnahme macht, sollte aber nach meiner Meinung der Leitung dieser Einrichtung überlassen sein. Schuldirektion und Elternvertretung sollten darüber entscheiden dürfen, ob sie ihren Kolleginnen das Tragen von Kopftüchern in der Schule erlauben wollen, was sich natürlich erledigt, wenn dort eine Muslima bereits seit Jahren unterrichtet und das Kopftuch getragen hat - denn dann ist es in meinen Augen Gewohnheitsrecht.

Ganz klar unangebracht ist das Kopftuch aber in allen Berufen, in denen Uniformierungspflicht besteht. Polizistinnen können kein Kopftuch tragen, genauso wenig wie sich ein Polizist einen Aufnäher "Atomkraft: Nein Danke!" auf die Uniform nähen darf. Ein Polizist hat in allen Situation neutral aufzutreten und darf seine politische oder religiöse Einstellung nicht öffentlich zur Schau stellen. Das gilt auch für Anwälte, Staatsanwälte und Richter, und auch für Soldaten.

Ich habe hier nur meine persönliche Ansicht geschrieben, wie es rechtlich aussieht, weiß ich nicht so genau. Ich glaube aber, dass ich zumindest, was den letzten Absatz angeht, auch nach geltendem Recht geschrieben habe.

Antwort
von HansH41, 83

Vermutlich wird die Bürgermeisterin nun Gegenwind bekommen und eventuell mit einem Gerichtsurteil konfrontiert werden, das sie zur Rücknahme der Kündigung zwingt.

Dieses Dilemma kann und wird sie zukünftig so meistern, dass sie von vornherein niemand einstellt, der mit Kopftuch zum Vorstellungsgespräch erscheint. So wird das üblicherweise gehandhabt.

Antwort
von LGWatson, 130

Nun völliger Vermummungsverbots ist soweit ich weiß verboten. Kopftücher sind erlösen aber eben keinen "Ganzkörperhülle" - auch wenn es zur Religion gehört. Religion Fehler in die Freizeit aber nicht ins Berufsleben - so sehen es jedenfalls viele Arbeitgeber

Kommentar von BlickAufsMeer ,

Und trotzdem laufen sie in Freizeitparks mit Vollvermummung rum.. ich verstehe nicht, wie man die überhaupt in freizeitparks lassen kann.

Kommentar von LGWatson ,

Ich verstehe eher nicht, warum das nicht strenger kontrolliert wird...
In Freizeitparks können sie ja gehen - wenn Sie Spaß mit ihrem Umhang haben..

Antwort
von suziesext08, 51

sie muss ja nicht aufs Kopftuch, auf den Carsaf, den Niqab oder Burka 'verzichten', sondern sie muss drauf verzichten auf die bewusste Demonstration und Zurschaustellung ihrer Andersartigkeit, ihrer Abgrenzung vom gastgebenden Volk der Ungläubigen und ihrer Integrationsunwilligkeit. Insbesondere muss das gastgebende Volk darauf achten, dass die so grosszügig gewährte Religionsfreiheit nicht missbraucht wird zu profanen Machtproben, mit denen Sunniten kollektiv versuchen, den öffentlichen Raum im säkularen Staat zu besetzen und zu dominieren. Kopftucherlaubnis für Lehrerinnen, Kopftucherlaubnis für Gerichtsreferendarinnen, dann möglichst noch Kopftucherlaubnis für Staatsanwältinnen und Richterinnen, Vereidigungen auf den Koran, Halal-Küche in Gefängnissen und bei der Bundeswehr. Umbenennung christlicher Feste (Lichtermarkt statt Weihnachtsmarkt, um die antichristlichen Gefühle der moslemischen Einwanderer nicht zu verletzen etc etc).

Ich denke, das gastgebende Volk muss sich langsam wieder den aufrechten Gang angewöhnen und etwas mehr Selbstachtung pflegen. Niemand kann andere achten, wenn er sich selbst nicht achtet, und niemand kann einen anderen lieben, wenn er sich in Selbsthass zerfleischt.

Kommentar von Zicke52 ,

Ich kann den Ausdruck "das gastgebende Volk" nicht mehr hören/lesen.

Erstens klingt das sowas von überheblich, und zweitens hat es mit dem Thema überhaupt nichts zu tun.

Entweder ist der Staat neutral und drückt das auch symbolisch aus, dann haben Kreuze, muslimische Kopftücher, Sikh-Turbane usw. nichts in staatlichen Gebäuden und auf ihrem Personal zu suchen.

Oder er ist es nicht.

Aber ob die Zuwiderhandelnden nun "Gäste" oder Urdeutsche sind, ist mir sowas von schnuppe. Und müsste für den Gesetzgeber auch belanglos sein.

Kommentar von HansH41 ,

"Ich kann den Ausdruck "das gastgebende Volk" nicht mehr hören/lesen."

Wie bezeichnest du das deutsche Volk, das Millionen von Migranten aufgenommen hat, ihnen Schutz gewährt und sie alimentiert? Sind wir dazu verpflichtet? Nein, wir sind Gastgeber und die Migranten sind Gäste.

Leider stelle ich fest, dass einige von ihnen, weit davon entfernt sind, ihrem Gastland dankbar zu sein und sich an dessen Wertvorstellungen und Kultur anzupassen. Sie kennen unsere Kultur nicht (Musik, bildende Kunst, Malerei, Gleichberechtigung etc. nachzulesen bei GF-Islam) und demonstrieren exzessiv ihre  Andersartigkeit und nennen das Religion.

Es ist ein Dünkel zu fordern, dass sich der Gastgeber dem Gast anzupassen habe.

Kommentar von suziesext08 ,

sind ja auch nur die Völkerschaften, die mit sunnitischer Ideologie hier oder anderswo einmarschieren und Stress machen, nur sie. meine Oma kam aus Indien, und sie hat die Deutschen nicht ständig als Rinderfresser beschimpft, weil in ihrem Glauben Kühe in Ruhe gelassen werden sollten, sondern sie hat bitte und danke gesagt und ihr Gastland geliebt wie ihr Heimatland und war loyal bis zum Tod. Sunniten beschimpfen so notorisch die Deutschen als Schweine, dass die Kanzlerin sogar sich genötigt fühlte, bei den Türken n gutes Wort für uns Deutsche einzulegen. Das musste dir echt mal auf der Zunge zergehn lassen.

Kommentar von Zicke52 ,

@,Hans41: Es ist schon komisch, dass genau die darauf bestehen, "Gastgeber" genannt zu werden, die gar keine sein wollen und die "Gäste" nur zähneknirschend und unfreiwillig ertragen. 

Wenn ich Gäste einlade, tue ich das gern und sage ihnen nicht "du musst mir aber dankbar sein, dass ich dich eingeladen habe". Und Anpassung ist keine Einbahnstraße. Wenn ich nicht will, dass in meinem Haus geraucht wird, müssen die Gäste das respektieren. Aber auch ich passe mich an ihre Gewohnheiten an: wenn ich einen Vegetarier einlade, stelle ich ihm keinen Braten vor die Nase.

Also ich verwende sachliche Ausdrücke: Gast für Gast, Flüchtling für Flüchtling, Asylbewerber für Asylbewerber. Aber meinetwegen soll jemand, der sich sehr über Flüchtlinge freut und sie als willkommene Gäste betrachtet, sie so nennen, das stört mich nicht. Aber dann sollte es wenigstens im Zusammenhang mit einem entsprechenden Thema geschehen.

Aber das ist hier nicht der Fall! Hier geht es darum, ob der Staat in seinen Einrichtungen religiöse Neutralität bewahren soll oder nicht! Ich finde: ja, er soll.

Aber was hat das mit dem Thema "Flüchtlinge" zu tun? Wäre der Fall anders zu behandeln, wenn die Kopftuchträgern eine deutsche Konvertitin wäre? Wenn ja, warum?

Ich bin SEHR islamkritisch, aber ich mache meine Kritik nicht an der Herkunft einer Person fest. Für mich ist ein deutscher Islamist keinen Deut besser als ein pakistanischer oder iranischer.

Daher schmeisse ich die Themen "Islam" und "Flüchtlinge" nicht in einen Topf, sondern behandle sie unabhängig voneinander. Und sachlich.

Kommentar von extrapilot351 ,

Wir haben nicht eingeladen, wir  wurden ausgesucht.

Kommentar von Zicke52 ,

@extrapilot: Eben. Darum finde ich auch die Ausdrücke Gast/ Gastgeber unangebracht.

Kommentar von mychrissie ,

Zwischen dem kulturellen Sichdarstellen in der Öffentlichkeit in streng islamischen Ländern und bei uns, herrscht ein solcher Unterschied, dass sich eine Burka-Trägerin ohne Burka hier etwa so fühlen muss, wie wenn wir in ein Land flüchten würden, in dem es Sitte wäre, in der Öffentlichkeit nackt herumzulaufen, wenn wir das nicht täten, würden wir dann dort als "nicht integrierbar" betrachtet.

Wieso wird eigentlich die Burka immer als Zeichen der Unterdrückung der Frau betrachtet? In unserer Kultur wäre sie das natürlich, bei vielen Frauen aus Afghanistan ist das ein so selbstverständlicher Bestandteil ihrer Lebenführung, dass sie gar nicht auf die Idee kämen, sie wären dadurch unterdrückt.

Übrigens noch ein Wort zur Weigerung mancher Männer aus solchen Kulturen, Frauen die Hand zu geben. Auf uns wirkt das wie eine verächtliche Geste, klar! Wechseln wir aber mal die Perspektive! Vielleicht wirkt für einen solchen Mann ein Handkuss als verächtliche Gebärde der Frau gegenüber, vielleicht sagt er sich: "Diese Deutschen verachten Frauen, sie reißen deren Hand an sich und spucken darauf!"

Ich finde die ganze Diskussion überflüssig, zumal mir ein tätowierter Glatzkopf mit Springerstiefeln und völkischen Parolen auf allen Körperteilen 10 mal mehr Angst einjagt als eine Handvoll Burkaträgerinnen, zumal diese in der Regel keine Flüchtlingsheime anzünden.

Bleibt noch der Burkini, Der Schwimmmeister in unserem Schwimmbad hat mir gesagt, das werde aus Hygienegründen nicht gern gesehen. Darauf habe ich ihn gefragt, ob sie aus Hygienegründen auch bei Männern kontrollieren, ob deren Badehosen innen hinten auch garantiert keinen Fäkalienstreifen aufweisen. Und dass mir bei manchen Badegästen eine Lycraoberfläche weit angenehmer wäre als schweißtriefende Haut.

Antwort
von Zicke52, 42

Der Staat ist neutral, den interessieren religiöse Gesetze nicht.

In staatlichen Einrichtungen sollte diese Neutralität auch vom Personal ausgedrückt werden. Das hat mit Religionsfreiheit nichts zu tun, da man in der Ausübung seiner Funktion dort nicht sich selbst, sondern die staatliche Einrichtung repräsentiert. In ihrer Freizeit darf die Praktikantin das Kopftuch ja tragen.

Antwort
von baindl, 105

Ist es richtig,

Natürlich nicht!

Die Bürgermeisterin wird recht bald zügig zurückrudern müssen.

Siehe diesen Beispielfall mit ähnlicher Ausgangslage.

https://www.bundesverfassungsgericht.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/DE/2015/bv...

Kommentar von KaeteK ,

Ja, dann wird es eben so kommen, dass man keine Muslima mehr einstellt.

Kommentar von Tannibi ,

Natürlich wird sie das, weil wir längst nicht mehr
Herren im eigenen Land sind. Meinst du, ein
Pastafari dürfte in der Behörde mit seinem
Nudelsieb auf dem Kopf rumlaufen?

Kommentar von baindl ,

weil wir längst nicht mehr Herren im eigenen Land sind.

Die Gesetze, die das regeln, wurden von uns geschaffen.

Das gehört zur Demokratie und ist zu respektieren, auch wenn das nicht in Dein beschränktes Weltbild passt

Kommentar von earnest ,

Korrekt.

Das beinhaltet aber auch, dass Gesetze geändert und neuen Realitäten angepasst werden können - und sollen.

Das halte ich in diesem Fall für grundsätzlich sinnvoll: Kopftuchverbot bei Behörden.

Kommentar von mychrissie ,

Warum? Sie verbieten dort ja auch nicht graue Nylonsocken und beigefarbnene Sandalen, das finde ich weitaus schlimmer und unästhetischer als ein Kopftuch, zumal es ja auch ein Symbol der Zugehörigkeit ist – nämlich zur Unkultultiviertheit.

Und was ist an einem Badestrand erträglicher, ein schickes Kopftuch oder ein Taschentuch mit vier geknoteten Ecken auf einer Touristenbirne?

Diese ganzen Streitereien sind doch nur Camouflage für die eigentliche Gesinnung, warum sagt man nicht offen und ehrlich: "Ich will das nicht, denn ich bin eben xenophob. Ich habe das Recht, ein *rschloch zu sein!"

Antwort
von Jessy74, 26

Eine Integration läuft bestimmt nicht so ab das man dem Jenigen ersteinmal alles erlaubt um es nicht zu erschrecken.

Es gibt Gesetze und an die hält man sich. 

Sorry aber da interessiert es mich wenig ob jemand sich ins kalte Wasser geschmissen fühlt - wenn eine Nonne dort mit Gewand nicht arbeiten kann dann auch keine Muslima mit Kopftuch - eigentlich ganz einfach.

LG

Antwort
von nowka20, 10

kopftuchverzicht ist unsinn

nonnen haben auch ein kopftuch

Kommentar von Zicke52 ,

@nowka20: Und die arbeiten bei Behörden, um die Neutralität des Staates zu repräsentieren?

Kommentar von nowka20 ,

es ging um die betreffende muslima!

eine gerichtsverfahren wird ihr recht geben

Kommentar von Zicke52 ,

@nowka20: Was soll dann dein Vergleich mit Nonnen? Auch die dürften ja nicht im oeffentichen Dienst arbeiten, wenn die Behörde religiöse Neutralität zeigen will.

Kommentar von nowka20 ,

der vergleich war unsinnig!

Kommentar von mychrissie ,

Wenn die Behörde Neutralität zeigen will, dann sollen die beamten doch an Ostern und Weihnachten arbeiten.

Antwort
von hummel3, 74

Es gibt laut dem Koran, der Grundlage des Islam keine Anweisung zum Tragen einer Burka und auch nicht zur Verhüllung des Kopfes der Frau!

Wer unter diesem Gesichtspunkt trotzdem darauf besteht und erwartet, hier angenommen zu werden, der hat sein Recht auf einen Praktikumsplatz in der Behörde und in dieser Gesellschaft verwirkt. - Die Dame sollte wieder zur Ausreise in ihr Heimatland bewegt werden, getreu dem alten Grundsatz: "Wessen Brot ich esse, dessen Lied ich sing!"

Es gibt hier genug Rechte für Andersgläubige, welche nie Teil unserer Gesellschaft werden wollen. Das Trennende ist und bleibt der Islam und die damit verbundene Kultur.

Kommentar von PolluxHH ,

Deshalb hatte ich auch darauf verwiesen, daß alle islamischen Rechtsschulen mindestens das Kopftuch als verpflichtend ansehen, es also nicht zwingend dogmatisch zu verstehen ist, aber doch als eine Lehrauffassung, welche (gemäß BVerfG) als verpflichtend angesehen werden kann und nach Art. 4 GG zu schützen wäre. Bezüglich einer Burka gebe ich Dir Recht.

Wollte ich beim christlichen Glauben entsprechend vorgehen wie Du hier, wäre so einiges zu streichen: Jesus als halb göttliches Wesen, Teufel als Gegenspieler Gottes, Hölle als Herrschaftsbereich des Teufels,  ..., es dürften ca. 2/3 bis 3/4 aller Lehrinhalte wegfallen, die heute als Teil des christlichen Glaubens begriffen werden. Da hätten wir dann aber schon ein Dilemma: wer seinen christlichen Glauben auf Basis der Bibel fundiert, müßte theoretisch in allen ökumenischen Kirchen exkommuniziert werden (erstes Konzil von Konstantinopel, Konzil von Chalzedon). Im Ansatz ist diese Argumentation damit polemisch, im Ansatz deshalb, weil der Islam im Gegensatz zum Christentum außer Koran und Sunna keine Autoritäten kennt, die eine Dogmatik begründen könnten.

Allerdings scheinst Du den dynamischen Aspekt übersehen zu haben. Diese Muslima begann gerade, sich zu integrieren, man kann also nicht erwarten, daß sie sich schon voll integriert verhält. Integration ist ein langwieriger Prozeß (was auch gerade deutsche Touristen im Ausland immer wieder beweisen, indem sie z.B. in unangemessener Kleidung auch christliche Kirchen besichtigen).

Dennoch hast Du nicht argumentiert, warum im gleichen Amt z.B. offen getragene Kruzifixe zulässig sind, die gehörten dann mindestens auch verboten, wenn man sich auf religiöse Neutralität beriefe.

Kommentar von hummel3 ,

@PolluxHH

Erlaube mir diesen abschließenden Einwand:

Deshalb hatte ich auch darauf verwiesen, daß alle islamischen Rechtsschulen mindestens das Kopftuch als verpflichtend ansehen, es also nicht zwingend dogmatisch zu verstehen ist, aber doch als eine Lehrauffassung, welche (gemäß BVerfG) als verpflichtend angesehen werden kann und nach Art. 4 GG zu schützen wäre. Bezüglich einer Burka gebe ich Dir Recht.

Warum allerdings sämtliche islamischen Rechtsschulen mindestens das Kopftuch als verpflichtend ansehen, bleibt beim Vergleich mit dem Text des Koran trotzdem auch ein Rätsel.

LG hummel3

Kommentar von PolluxHH ,

Viele Ansichten der Rechtsschulen ergeben sich über Hadithe , die allerdings nicht die Autorität von Koran und Sunna besitzen, sondern zumeist nur das Empfohlene umfassen (hier variieren die Ansichten der Rechtsschulen), wobei in den Hadithe die ganze Frau, wenn sie das Haus verläßt, als 'aurah, also als "Mangel" bezeichnet wird, im Koran wird bezogen auf Menschen 'aurah nur hinsichtlich der Schamgegend verwendet (Sure 24:31), man könnte also durchaus schlußfolgern, daß danach die ganze Frau ... lassen wir das besser.

In einem Hadith heißt es z.B.

"Die Frau ist eine 'aurah, wenn sie ausgeht, dann kommt ihr der Teufel entgegen. Sie ist am nächsten zu Gott, wenn sie in ihrem Haus tief steckt."
[at-Tirmidhî 1093]


Nach einem Hadith, ich finde es gerade nicht, ist zudem die Frau die größte Versuchung für den Mann, die Allah geschaffen habe.

Dann wäre da noch der Begriff des al-fitna, also etwas zu tun/zeigen, was zwar nicht grundsätzlich verboten ist, aber wie etwas Verbotenes wirkt. Darüber wird z.B. die Burka begründet, da das Zeigen des Gesichts nicht verboten ist.

Was zuerst (im Koran) als Schutz gedacht war, wurde später - aus meiner Sicht - pervertiert zu einem Schutz des Mannes vor seiner eigenen Unzulänglichkeit.

Kommentar von hummel3 ,

Danke Pollux, gut erklärt "warum es so ausgelegt wird". - Es macht aber die Lehre des Islam trotzdem nicht glaubwürdiger oder attraktiver, wenn darin die Frau als "Mangel" bezeichnet und damit außerhalb des Hauses weitestgehend "versteckt" werden soll.

Was zuerst (im Koran) als Schutz gedacht war, wurde später - aus meiner Sicht - pervertiert zu einem Schutz des Mannes vor seiner eigenen Unzulänglichkeit.

So hast du richtigerweise deinen Kommentar abgeschlossen.

LG hummel3

Kommentar von PolluxHH ,

Wenn Du Lust hast, kannst Du ja einmal Analogien und Parallelen zu Europa und dem Christentum andenken. In den Evangelien sind Frauen recht emanzipiert und als faktisch gleichgestellt zu begreifen, später kam dann ein recht dubioser Ehrbegriff hinzu. Die Ehre des Mannes kann wiederhergestellt werden, die der Frau nicht. Auch hieraus erwuchs zunächst ein erhöhter "Schutzbedarf" für Frauen, der sich schnell zu einem ethischen Gefängnis für Frauen wandelte, was auch und gerade durch die christliche Kirche mitgetragen wurde, insbesondere auch in Folge der Verteufelung der Sexualität [auch der ehelichen] durch Augustinus und darauf aufbauenden Kirchenlehren.

In der islamischen Literatur gibt es eine Entsprechung, nur weiß ich auch hier gerade die Quelle nicht. Der Mann sei wie Gold, die Frau wie Seide, käme Schmutz auf das Gold, dann wischte man diesen ab und das Gold sei wie neu, käme Schmutz auf die Seide, würfe man sie weg. Dies ist genau das mittelalterliche Bild der Frau auch in Europa.

Erst im 19. Jahrhundert begann man, dieses Frauenbild zu demontieren, wobei auch hier eine der größten Hürden in den Köpfen der Frauen selbst bestand. Selbst noch Ende des 20. Jahrhunderts war das tradierte Frauenbild noch nicht aus den Köpfen verschwunden, von einer Selbstverständlichkeit kann immer noch nicht gesprochen werden (es schwappt nicht selten in eine Form der Antithetik, was dann aber nur Kompensation, aber nicht Emanzipation wäre).

Deshalb verwies ich darauf, daß es eine Immigrantin war, die ein Praktikum absolvieren wollte (Frauen und Arbeit ist übrigens auch so ein Thema im Islam). Die partielle Frage dahinter war, wie wir erwarten können, daß eine Immigrantin von einem Tag auf den anderen eine Entwicklung durchmacht, die unsere Gesellschaft selbst in 100 Jahren noch nicht wirklich vollziehen konnte?

Antwort
von Ayssseee, 16

Hallo alle zusammen. Ich bin eigentlich über einige Kommentare positiv überrascht. Ich möchte zunächst an diejenigen die behaupten den Koran so gut zu kennen und überzeugt behaupten im Koran würde nichts über Kopfbedeckung stehen bitten folgende suren zu definieren:sure Nur 31 und sure Azhap 59 . Ihr kennt den Koran ja so gut. Könnt ihr bitte erklären was die zwei suren bedeuten?

Kommentar von earnest ,

Vielleicht bist du ja so freundlich und gehst mit DEINER Erläuterung in Vorleistung?

Du kennst dich ja so gut aus aus ...

Kommentar von PolluxHH ,

Die Passagen habe ich benannt, aber sie begründen aus sich keine Pflicht zur Verhüllung. Selbst 1899 (s.u.) war das Verhüllungsgebot nicht einmal in der Scharia verankert, was auch für meine Aussage spricht, denn wäre es durch den Koran eindeutig vorgeschrieben, wäre es zwingend auch in der Scharia zu finden. Es gibt meines Wissens zudem bisher nur einen Schriftgelehrten, Abd al-Aziz ibn Baz, der versuchte, ein Verhüllungsgebot direkt aus dem Koran, insbesondere aus betreffenden Versen, abzuleiten.

Könnte man sich also bitte darauf einigen, daß es sich bei dem Verhüllungsgebot nicht um ein Dogma, sondern um eine Lehrauffassung handelt, wobei Lehrauffassungen es an sich haben, daß man es als zur Religionsausübung erforderlich ansehen kann, aber nicht muß?

Weit entscheidender für das Verrhüllungsgebot sehe ich Hadithe an, welche die Frauen als die größte Versuchung für Männer bezeichnen, die Allah geschaffen hat. Hadithe besitzen aber keinesfalls die Autorität von Koran und Sunna.

Aus europäischer Ethik würde ich daraus messerscharf schließen, daß es dann Aufgabe des Mannes wäre, dieser Versuchung zu widerstehen, die ihm damit auch von Allah gesetzt wurde, es aber nicht im Sinne Allahs sei, die Frau dafür zu strafen, daß der Mann sich seiner Aufgabe entziehen will, der Versuchung zu widerstehen. Ein Europäer würde hierin eine Abwälzung von Verantwortung erkennen.

Ebenfalls europäisch gedacht wäre es in letzter Konsequenz eine Reduzierung der Frau auf ihre Sexualität, denn es soll ja gerade alles verhüllt werden, was den Mann verführen könnte.

Antwort
von floppydisk, 106

ohne deinen text vollständig gelesen zu haben, möchte ich allein auf deine eingangsfrage folgendes sagen:

JA.

Antwort
von troublemaker200, 70

Integration beginnt mit Respekt. Respekt vor der Europäischen Kultur. Zu Dieser gehört eben nicht das Koptuch. Also sollte die Muslimas Ihr Koptuch aus Respekt ablegen.
Wenn ich eine Moschee betrete, dann zieh ich ja auch meine Schuhe aus etc.

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community