Frage von Dude279, 58

Ist es rechtens, dass ich Zahlen muss?

Ich habe Tickets für ein Konzert am 27.09. bestellt, welche am 28.09. geliefert wurden. Folglich konnte ich die erworbene Leistung nicht in Anspruch nehmen. Nun kam eine Mahnung ich solle Zahlen. Ich habe dirt angerufen und die Firma verwies darauf, dass es in den AGBs stünde, dass man selbst in diesem Fall zahlen muss. Allerdings bin ich mir nicht sicher ob dies rechtens ist.

Antwort
von kevin1905, 22

Wann hast du bestellt und für wann ist eine Lieferung zugesagt oder angekündigt worden?

Die Klausel in den AGB könnte unwirksam sein, klingt nämlich nach unangemessener Benachteiligung.

Kommentar von mepeisen ,

Ich würde sicher davon ausgehen, dass es der Inhaltskontrolle zum Opfer fällt.

Ich würde dem Anbieter folgendes schreiben: "Werter Anbieter. Ihre absurden und falschen Rechtsansichten interessieren mich nicht. Von mir sehen sie wegen Schlecht-Leistung bzw. Nicht-vertragskonformer Leistung keinen Cent. Gerne können sie ihre Rechtsansicht vor einem Gericht äußern. Ich lege es ausdrücklich auf einen Gerichtsprozess an und werde mir gerne auf ihre Kosten die Hilfe eines Anwalts holen."

Und damit ist gut. Ab da würde ich alle weiteren Briefe abheften und nicht mehr beantworten. Einem gerichtlichen Mahnbescheid widersprechen. Sollte es zur Klage kommen, einen Anwalt hinzu ziehen.

Parallel würde ich die AGB mal durchlesen. Sollte da wirklich so ein Passus drin sein, dass man auch zahlen muss, sollte das Ticket zu spät verschickt werden, würde ich das mal den Verbraucherzentralen mitteilen. Mit Bitte, das doch mal zu untersuchen und den Anbieter kostenpflichtig abmahnen und die Verwendung dieses Passus zu verbieten.

Antwort
von eventhelfer, 25

Wann hast Du bestellt? Wichtig in diesem Zusammenhang: Auch Du als Kunde hast eine gewisse Mitwirkungspflicht.

Du hättest ja 1-2 Tage vor dem Konzert ja der Vorverkaufsstelle mitteilen können, dass die Tickets nicht angekommen sind. Dann hätte man zumindest die Chance gehabt, dir Ersatz zu besorgen, Karten vor Ort zu hinterlegen oder einen Gästelistenplatz zu organisieren.

Womöglich konnte der Versender also nicht wissen, dass die Tickets nicht angekommen sind. Sich erst nach dem Konzert zu melden, macht das Ganze natürlich schwierig bzw ist ziemlich ungeschickt. 

Kommentar von mepeisen ,

Auch Du als Kunde hast eine gewisse Mitwirkungspflicht.

Egal wie: Man kann eine Schlechtleistung nicht so herumdrehen, dass der Kunde selbst Schuld trägt.

Mag sein, dass der Anbieter das nicht wissen konnte. Er hat aber am Ende des Tages die Pflicht, das so zu deichseln, dass die Tickets rechtzeitig ankommen oder man sie gegen eine Bestätigung an der Abendkasse abholen kann.

Kommentar von eventhelfer ,

Wenn der Kunde bewusst auf die Versandart "Einschreiben" verzichtet kann der Versender nicht wissen, ob die Sendung angekommen ist oder verloren wurde. 

Sonst müsste der Versender jeden Kunden anschreiben oder anrufen, ob jede Sendung angekommen ist oder nicht. Das ist unverhältnismässig. Verhältnismäßig hingegen ist, wenn sich der Kunde meldet, wenn die Lieferung nicht angekommen ist. Nur dann hat der Versender überhaupt die Chance "das so zu deichseln".

Kommentar von mepeisen ,

Wenn der Kunde bewusst auf die Versandart "Einschreiben" verzichtet kann der Versender nicht wissen, ob die Sendung angekommen ist oder verloren wurde.

Wer schreibt denn, dass es ein Einschreiben hätte sein sollen und dass der Kunde "bewusst" darauf verzichtet hätte?

Die Frage dreht sich darum, dass laut Anbieter in den AGB stünde, dass bei verspäteter Lieferung der Tickets trotzdem gezahlt werden soll. Wer so etwas in seine AGB schreibt, der rechnet bereits fest damit, dass Ticket zu spät rausgeschickt werden.

Ich kenne Anbieter, die von vornherein Internet-Bestellungen nur bis spätestens eine Woche vor Veranstaltung annehmen, den Rest per Reservierung an der Abendkasse abhandeln. Alleine wegen der Gefahr, dass die Tickets nicht rechtzeitig ankommen würden...

Sonst müsste der Versender jeden Kunden anschreiben oder anrufen, ob jede Sendung angekommen ist oder nicht. Das ist unverhältnismässig.

Das ist nicht unverhältnismäßig. Es ist die freie Entscheidung des Anbieters, den Bestellprozess so zu organisieren, wie er es tut. Und wenn er in seiner Organisation Schwächen hat, kann er die anderweitig lösen. Tut er das nicht, kann er trotzdem nicht sein unternehmerisches Risiko einfach so auf die Kunden auslagern. Das BGB ist eindeutig. Einseitige Benachteiligungen eines Kunden sind in den AGB verboten.

Kommentar von eventhelfer ,

Danke für deinen Kommentar, das ganze ist ein abendfüllendes Thema und du bist augenscheinlich (ebenfalls) vom Fach. 

Ich kenne Anbieter, die von vornherein Internet-Bestellungen nur bis spätestens eine Woche vor Veranstaltung annehmen

Ja, das ist auch die Regel. Was der Fragesteller allerdings offen lässt (daher auch meine Eingangs-Rückfrage) ist, WANN er bestellt hat. Wenn er Monate vorher bestellt hat und erst nach der Veranstaltung merkt, dass er die Tickets nicht erhalten hat, dann kann man schon berechtigt fragen "Wieso hast Du nicht beider Verkaufsstelle VORHER reklamiert?" Dann hätte - und das ist der Kern meiner Antwort - immerhin die Chance bestanden, Ersatz zu besorgen. 

Ein weiterer Aspekt in Bezug auf die AGB: wenn Verkaufsstellen grundsätzlich bei zu spät gelieferten Tickets erstatten würden (weil das die Verantwortung der Post ist, die häufig mal was verschlampt/liegenlässt), dann ist Mißbrauch Tür und Tor geöffnet. Dann bestelle ich nächstes Mal auch Tickets, gehe damit zum Konzert oder verkaufe sie bei Ebay und reklamiere danach, "die Tickets seien ja nie angekommen", sofern am Einlass nicht gescannt wird. Das wäre sehr einfach. Von daher besteht aus meiner Sicht durchaus eine gewisse Mitwirkungspflicht.

Kommentar von mepeisen ,

Die Frage darf man dem Käufer aus moralischer Sicht stellen. Klar. Aber aus rechtlicher Sicht ist das unerheblich. Denn der Anbeter hat so zu liefern, dass ich das Konzert besuchen kann, egal ob ich die Lieferung anmahne oder nicht. Und die AGB retten ihn davor auch nicht.


Ein weiterer Aspekt in Bezug auf die AGB:

Drei Dinge dazu: Der rechtzeitige Versand und Empfang kann vom Anbieter nachgewiesen werden. Wenn er sich absichern will, dann per Einschreiben. Wenn der Anbieter auf diesen Nachweis aber verzichtet, gehen Probleme auf dem Transportweg immer ihm zu lasten. Soweit nicht vom Transport auf Kundenaufforderung hin abgewichen wird.

Tickets werden ansonsten ja sowieso entwertet. Damit sie auch nicht doppelt genutzt werden oder ähnliches. Tickets nicht zu entwerten, ist ebenfalls etwas, was der Anbieter frei entscheidet und dann nicht dem Kunden zur Last legen kann.

Und nochmal: Es geht hier ja nicht drum, dass der Anbieter irgendwie lange Laufzeiten bei der Post angibt oder dass ein Einschreiben eine Woche lang nicht abgeholt wurde und es deswegen zu spät war. Der Anbieter proklamiert für sich, dass bei nicht-rechtzeitigem Versand in den AGB stünde, dass der Kunde trotzdem zahlen müsse.

---

Natürlich kann das Thema abendfüllend werden. ist aber die Frage, wie weit man das diskutieren will und wie viele denkbare Szenarien man durchspielen will. Es ist ja auch OK, wenn man eins zwei Rückfragen stellt, beispielsweise "Welcher Anbieter war das? Wann hat er die abgesendet? Wie ist der AGB-Passus formuliert?". Aber bis der TE etwas anderes schreibt, gehen wir doch lieber mal von dem fall aus, wie er ihn geschildert hat. Wenn wir dann eine falsche Antwort geben, weil die Wahrheit ganz anders aussieht, tja, hat der TE halt Pech gehabt.

Dem Missbrauch kann man übrigens gut entgegnen, indem man den Briefumschlag aufhebt oder von Seitens Anbieter einen früheren Versand nachweist. Denn der Post Schlamperei zu unterstellen, funktioniert vor Gericht nicht. Das nennen Richter dann schon mal allgemeine Lebenserfahrung, dass Briefe keine 4 Wochen unterwegs sind :-)

Antwort
von HavenRein, 46

Lies die AGB durch, wenns da drin steht, ist es so. Allerdings würde ich mich von einem der sich im juristischen auskennt beraten lassen, da dies ja Schwachsinn ist.

Kommentar von mepeisen ,

AGB unterliegen zum Glück immer der Inhaltskontrolle und aus meiner Sicht ist so eine Klausel eine ungerechtfertigte Benachteiligung.

Wenn der Anbieter das so spät versendet, dass es nicht rechtzeitig ankommt, hat er einfach nur Pech gehabt. Aber seine Leistung hat er dann nicht erbracht.

Dürfte es auch genug Gerichtsurteile geben. Das ist auch gerne bei Blumenläden so ein Argument. Da werden dann zu einem Termin bestellte Blumen nicht rechtzeitig zugestellt. Der Kunde muss nicht zahlen, da ein Termin vereinbart ist.

Antwort
von herja, 24

Hi,

das kommt darauf an, ob der Verkäufer auch unmissverständlich die Lieferung bis zu einen bestimmten Termin garantiert hat, dann wäre es ein absolutes Fixgeschäft vereinbart.

Wird dann der Termin nicht eingehalten, brauchst du die Ware nicht mehr annehmen und auch nicht bezahlen.

§ 323 BGB
Rücktritt wegen nicht oder nicht vertragsgemäß erbrachter Leistung

Ich vermute mal, das war hier nicht der Fall, dann musst du auch die Ware bezahlen.

Kommentar von mepeisen ,

Ich vermute mal, das war hier nicht der Fall, dann musst du auch die Ware bezahlen.

Das ist leider Blödsinn.

Du hättest Recht, wenn es beispielsweise um Gutscheine zu Ballonfahrten geht, die regelmäßig stattfinden und die somit dann ggf. zu späterem Termin wahr genommen werden könnten.

Bei einem Konzert, das so auch nur einmal stattfindet, wird ein Kunde bei so einer Schlecht-Leistung unangemessen benachteiligt.

Kommentar von herja ,

Wenn das deine Meinung ist, kannst du sie gerne behalten ...

Kommentar von mepeisen ,

Wenn etwas falsch ist, stelle ich es richtig. Mir ist reichlich egal, ob du das persönlich willst oder nicht. Wenn du dich nicht auskennst, wieso schreibst du dann?

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