Frage von Lschre78, 61

Ist es ratsam, sich eine Beschäftigungsgarantie im neuen Job auszuhandeln?

Ich bewerbe mich gerade aus einer festen Anstellung heraus auf besser dotierte Jobs. Ich sitze im aktuellen Job absolut fest im Sattel und das weiß ich unheimlich zu schätzen. Ich habe eine Beschäftigung in Aussicht, die in allen Belangen besser ist als das was ich jetzt habe, allerdings hörte ich aus sicheren Insiderkreisen, dass beim ggf. neuen AG umstrukturiert werden könnte. Wenn so etwas passiert, rollen manchmal ja auch Köpfe und wenn, dann gehen zuerst die, die als Letztes gekommen sind.

Da ich das im Vorstellungsgespräch nicht erwähnen -weil offiziell gar nicht wissen- darf, würde ich gerne (natürlich außen vor von Probezeit und verhaltensmäßig berechtigten Kündigungen) eine Beschäftigungsgarantie haben. Also eine Klausel, die besagt, dass man mich mindestens 5 Jahre am Stück ohne Lohnkürzung beschäftigen muss.

Die Stelle ist zwar nur eine Sachbearbeiterstelle, aber sollte ich den Job bekommen, hätte ich nichts gewonnen, wenn ich nach einem Jahr "betriebsbedingt" vor die Tür gesetzt werde.

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von SiViHa72, 33

Hm, sehr verständlich, worum es Dir geht.

Es wird aber wohl schwer, so was durchzukriegen.. AG lassen sich nicht gern auf so was ein.

Ich würde es definitiv ansprechen. Du musst Dich ja nicht auf Insiderwissen berugfen sondern verallgemeinern.. was ist wenn, so ganz generell.. denn Du gibst ja einen guten, sicheren Job dafür auf.

An der Reaktion, die dann kommt, wirst Du auch was ablesen können.

Kommt eine ehrliche Reaktion oder eher Geeier?

Kommentar von Lschre78 ,

Okay, ich denke, so mache ich es. Eine Frage nach der geplanten Zukunft des Unternehmens ist ja legitim und benötigt keinen Impuls wie ein Gerücht oder eine entsprechende Information. 

Expertenantwort
von Hexle2, Community-Experte für Arbeitsrecht, 36

Mit so einer Forderung wirst Du den Job mit großer Wahrscheinlichkeit nicht bekommen.

In Zeiten in denen viele AG ihre neuen Mitarbeiter erst einmal befristet einstellen und erst anschließend unbefristet übernehmen, halte ich die Aussichten dass Dein "Wunsch" erfüllt wird für nicht sehr realistisch.

Außerdem könnte der "Schuss nach hinten" losgehen. Sollte sich der AG z.B. mit Dir auf eine Befristung mit Sachgrund für fünf Jahre ohne Kündigungsmöglichkeit einlassen, könntest auch Du nicht früher aus dem Vertrag raus, wenn der Job dann doch nicht so passt wie Du es Dir vorstellst.

Du wirst Dich wohl entscheiden müssen ob Du den jetzigen, sicheren Job behältst oder das Risiko eingehst.

Wobei Risiko: Bist Du sicher, dass die Gerüchte stimmen? In vielen Fällen sind diese "sicheren Insiderkreise" gar nicht so zuverlässig. Da ist oft viel "Hörensagen" und Spekulation dabei aber kein fundiertes Wissen.

Ich arbeite z.B. schon sehr lange im Betrieb und in dieser Zeit wurden wir lt. "sicheren Quellen" bestimmt schon fünfmal verkauft und sind dreimal bankrott gegangen. Tatsache ist aber dass sich die Größe des Betriebs mehr als verdreifacht hat, vier Tochterunternehmen gegründet wurden und wir finanziell auf sicherem Boden sind. Soviel zum "Insiderwissen".

Kommentar von Lschre78 ,

Also Thema Insiderwissen: Ich WEISS(!), dass das Unternehmen von einem Mitbewerber um Gespräche für Kollaborationen gebeten wurde und wer die Branche und beide Unternehmen kennt, weiß, dass eine Zusammenarbeit recht wahrscheinlich ist. Der Rest ist sicher Spekulation, aber dass da etwas im Anlauf ist, ist sicher. Ansonsten hätte ich da nicht viel drauf gegeben, da ich das mit den Insiderwissen ja prinzipiell auch kenne. In diesem Fall jedoch bin ich mir der Anbahnungen absolut sicher.

Kommentar von Hexle2 ,

Gut, wenn Du sicher bist dass Änderungen geschehen.

Ich bleibe aber bei meiner Vermutung, dass Du mit so einer Forderung erst gar nicht die Gelegenheit bekommen wirst, dort anzufangen. Da gibt es bestimmt noch andere Bewerber/Interessenten die nicht solche Forderungen stellen.

Du kannst es ja mal versuchen. Wenn es entgegen meiner Vermutung klappt, ist alles gut; wenn nicht, hast Du ja noch den jetzigen Job und kannst Dich weiter nach einem anderen AG umschauen.

Kommentar von Lschre78 ,

Vielleicht relativiere ich mal den Begriff "Forderung". Ich würde ja nicht als Bedingung aufstellen wollen, dass der Laden mich nur bekommt wenn nach meinen Regeln gespielt wird. Es geht mir darum, die Sicherheit, die ich gerne in einem Job hätte, für mich als Wunsch in den Vordergrund zu stellen. Man hat eben Prioritäten. Darum schrieb ich ja auch, dass ich die jetzige Sicherheit sehr zu schätzen weiß.

Dazu wäre es ja auch ein Vertrauensbeweis des AG. Mitunter sind diese ja auch an langfristig beschäftigte MA interessiert und wenn dem nichts im Wege steht, könnte der AG hier ja sogar eine neue Verhandlungssituation ergreifen, nach dem Motto "Wir garantieren Ihnen bei gut ausgeführter Arbeit eine Beschäftigung bis 2020, allerdings würden wir dann nochmal über das Bruttoeinkommen sprechen müssen"

Ob mir eine solche Garantie dann 100 oder 200€ im Monat wert ist, kann ich ja dann immer noch entscheiden. Ich würde hier dem AG ja auch auf Augenhöhe begegnen und nicht als Bittsteller, so wie ein anderer Beantworter das hier andeuten wollte... :-)


Aber genau für diesen Austausch habe ich die Frage ja in die Mitte gestellt.

Kommentar von Hexle2 ,

Einen Versuch ist es auf alle Fälle wert und fragen kostet ja nichts.

Du kannst ja im Vorstellungsgespräch sagen, dass Du gehört hast, dass evtl. eine Umstrukturierung im Raum steht und fragen ob diese vielleicht später auch in Deinem Job eine Rolle spielt.

Vielleicht kann dann schon im Vorfeld einiges geklärt werden und Du kannst dann nachfragen ob man Dir für die ersten Jahre eine gewisse Sicherheit für den Arbeitsplatz geben kann.

Viel Glück

Antwort
von andy604, 30

Also ich denke auch nicht, dass so eine Klausel ein AG in den AV bringt.

Zumal es sich ja um eine neue Stelle handelt.

Der neue AG möchte zuerst sehen, was er hier eingestellt hat.

Eine Umstrukturierung ist immer heikel.

Das wird oft benutzt, um Stellen abzubauen.

Somit musst du das Risiko abwägen und ob es dir Wert ist.

Kommentar von Lschre78 ,

Um mich kennen zu lernen gibt es die Probezeit. Die könnte der AG ja von 6 auf 12 Monate erweitern. ;-)

Antwort
von weblurch, 35

Ich glaube kaum das sich ein Arbeitgeber auf so eine Klausel einlässt. Wenn ich schon solche Gerüchte hörer, wäre das ein Thema im Vorstellungsgespräch.

Umstrukturiert wird ständig in Unternehmen und dabei müssen nicht immer Köpfe rollen. Informiere dich lieber darüber wie das Unternehmen aktuell aufgestellt ist.

Antwort
von robi187, 25

ich gaube auch nicht das so eine verpflichtung wer eingeht? da must schon supermann sein?

würde das thema nicht mal in gedanken aufnehmen beim gespräch denn die versuchen die schwachstellen beim bewerber zu finden? und das wäre sicherheit? und das könnte man positiv oder negativ auslegen?

ohne risiko kein gewinn? wenn du an dich gaubst und wirklich gut bist, wirst immer einen job bekommen?

ein ag sagte mal:

einen job habe ich nicht zu vergeben! aber ich habe viele aufgaben die man bestens lösen sollte ? dafür bin ich auch bereit bestens zu bezahlen?

dieser gedanke hat schon viele geholfen?

Kommentar von Lschre78 ,

? ?

Kommentar von Nightstick ,

Die Forderung nach einer Beschäftigungsgaranie disqualifiziert einen Bewerber ganz entscheidend (und zaubert nur ein müdes Lächeln auf die Gesichter der Personalentscheider).

Damit ist der Kandidat raus!

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