Frage von Modrian, 27

Ist es rassistisch, dass jedes Vorurteil zu andere Menschengruppe heutzutage als Rassismus angesehen wird?

Person A sagt "Asiaten kopieren alles". Das ist erstmal nur ein Vorurteil, weil einige asiatische Firmen durchaus dafür bekannt sind, Ideen zu klauen. Person B sagt "Das ist ja rassistisch".

A äußert nur ein Vorurteil. Er verallgemeinert aufgrund der gemachten Erfahrungen. Das kann man ohne an einen Rassenlehre zu glauben. B bringt überhaupt erst den Gedanken menschlicher Rassen ins Spiel und geht sofort von Rassendiskriminierung aus.

Ist Person B also nicht eher der Rassist?

Das Beispiel kann man beliebig abändern. Ich hoffe man versteht was ich meine und versucht mich jetzt nicht über Asiaten aufzuklären ^^

Antwort
von knallpilz, 14

Person Bs Reaktion bedeutet ja erstmal nur, dass sie sich die ganze Zeit mit Rassismus beschäftigt und Dinge kennt, die (vermeintlich) rassistische Leute sagen. Es könnte natürlich sein, dass B selber glaubt, Asiaten kopieren alles und selber weiß, dass sie rassistisch ist, und dir deshalb dasselbe vorwerfen. Wahrscheinlicher ist aber, dass Person B einfach den Kern des Problems nicht erkennt und im Trend der politischen Korrektheit nachplappert, was sie woanders gehört hat.

Wenn, dann ist Person B eher etwas dämlich, da sie 1. nicht checkt, dass "Asiaten kopieren alles" nicht bedeutet "Ich bin der Meinung, dass jeder einzelne Asiate auf der Welt alles, was es gibt, kopiert" und 2. nicht checkt, dass viele Menschen nun mal Vorurteile haben und manche davon eben mit Hautfarbe oder dem Geschlecht zu tun haben, so wie andere mit der Körpergröße, der Haarfarbe oder dem Kleidungsstil zu tun haben. Von der kulturellen Umgebung, der Genetik oder dem biologischen Geschlecht einer Person auf sein Verhalten oder seine Talente zu schließen ist zwar auch nicht clever, aber immer noch was anderes als jemandem seine Würde abzusprechen, basierend auf diesen Dingen.

Antwort
von Becca22, 13

Ich denke das hängt vom jeweiligen Verständnis ab, aber ja größtenteils würde ich dir zustimmen.
Ein Vorurteil an sich, ist meiner Ansicht nach, nicht gleich rassistisch…
Trotzdem würde ich B nicht als rassistisch abtun, da er ja irgendwo auch nur ein Vorurteil aufgrund von Erfahrungen anbringt (->"Vorurteile gegenüber bestimmten Personengruppen sind oft rassistisch"), hat er zum Beispiel oft von anderen so gehört…
Oder:
Bin ich Sexistin wenn ich feststelle (im Sinne von anmerken), dass eine Werbung sexistisch ist?
Oder ist das da klar differenzierbar?

Antwort
von Shiranam, 11

Man sollte grundsätzlich mit Verallgemeinerungen vorsichtig sein.

Kommentar von knallpilz ,

Würde auch ganz allgemein sagen, dass sowas nicht gut ist.

Antwort
von Resevers, 10

Das kommt drauf an was man unter Rassismus versteht .

Das was Person A sagt, kann man ganz streng als leichten 
Rassismus ansehen, kann man, muss man aber nich.

Bei Person B  kann man dass auch als Rassismus ansehen .

Im Endeffekt also beide .

Es ist Auslegungssache , was man als Rassismus bezeichnet und was nicht . 

Antwort
von BernhardBerlin, 11

Vorurteile sind gewiß nicht schön und legen oftmals eine Unbelehrbarkeit bloß. Leute mit Vorurteilen oder Voreingenommenheit sind außerdem meistens nicht kompromißfähig.

Die Person "B" Deines Beispiels hingegen ist vermutlich kein Rassist, sondern lediglich ein im Mainstream mitschwimmender selbstherrlicher Gutmensch, der noch nicht kapiert hat, was Rassismus eigentlich ist. Diese Leute pflegen jeden, der Kritik am von den Medien künstlich erzeugten Mainstream übt, als Rassisten oder Nazis zu verunglimpfen.

Kommentar von Modrian ,

Wobei man sagen muss, das Vorurteile auch nicht per se schlecht sind. Vorurteile können auch simple Lernerfahrungen sein. Es ist beispielsweise eine Vorurteil meinerseits, dass alle Nationalsozialisten einen Hass auf Juden haben, obwohl Nationalsozialismus an sich erstmal nichts mit Juden am Hut hat und es vermutlich sogar welche gibt, die diesen Hass nicht haben.

Kommentar von knallpilz ,

Naja, wenn wir von Vorurteilen im Sinne von handlungsmotivierenden Erfahrungsergebnissen sprechen, ist es schon was anderes.

Das statistisch erworbene Wissen "der Großteil aller Frauen, die ich kenne, sind meines Erachtens dumm", ist an sich harmlos (kann ja sein, dass einer nur dumme Frauen kennt, oder aus irgendnem Grund denkt, sie sind alle dumm). Problematisch ist es dann, wenn er dadurch bei jeder neuen weiblichen Bekanntschaft davon ausgeht, sie könnte ja auch dumm sein. Also ein Individuum anders behandelt, weil er Erfahrungen mit anderen Individuen gemacht hat, die ihr in einer oberflächlichen Eigenschaft (in diesem Fall ihr biologisches Geschlecht) gleichen.

Vorurteile können eben bei Menschen, die sie nicht als solche wahrnehmen zu extremer Realitätsverzerrung und schlussendlich zu noch mehr Vorurteilen führen, die immer weniger damit zu tun haben, was wirklich passiert ist.

Antwort
von Mondmayer, 8

Solche Fragen stellt man nur, wenn man keine Ahnung von Rassismus hat.

Das Wort heißt schließlich "rassistische Disrkiminierung" und nicht das was du meinst "rassische Diskriminierung". "Rassische Diskriminierung" implimentiert die Voraussetzung es würde verschiedene Rassen geben, "rassistische Diskriminierung" hingegen bedeutet, dass eine Person auf Grund eines konstruierten Weltbildes jemand anderes diskriminiert.

Eine rassistische Handlung ist eine Handlung der Rassismus zu Grunde liegt. Rassismus ist eine Weltortnung die Menschen in Rassen einteilt und darauf basierend Machtstrukturen errichtet. Also bedeutet diese kurz gesagt, dass jemand bei einer rassistischen Handlung jemand anderes - auf Grund dessen Ethnie - mit seiner Weltordnung z.B. schikaniert.


Antwort
von Mikromenzer, 9

Das größte Problem ist, dass viele Menschen die Definition Rassismus nicht kennen und daher Alles annähernd ausländerfeindliche/kritische als Rassismus bezeichnen.


Deutschland ist übrigens eines der wenigsten Ländern, in dem dieses Problem so stark vertreten ist.

Antwort
von Hardware02, 10

"Nur ein Vorurteil" gibt es nicht, und deine Begründung ist ebenso rassistisch wie deine Frage.

Kommentar von knallpilz ,

Person B lebt! :D

Antwort
von OlliBjoern, 8

Keiner ist davon "ein Rassist". A macht eine verallgemeinernde Behauptung, und B weiß offenbar nicht genau, was der Begriff "Rassismus" eigentlich bedeutet.

Warum B ein R. sein sollte, und warum du denkst, dass da überhaupt einer dabei sein muss, erschließt sich mir nicht.

Antwort
von Rudolf36, 8

Wer sind die Asiaten?

Die Asiaten sind keine Rasse, sondern eine Vielzahl von Völkern, von der Türkei und Israel über Saudi-Arabien und Iran und Indien bis China und Japan.

Die Aussage "Asiaten kopieren alles" ist also sehr undifferenziert, betrifft viele Staaten, aber keine Rassen, kann also nicht rassistisch sein.

B kann offenbar nicht unterscheiden zwischen Rassen und Staaten, falls er hier wirklich den Rassismus bemüht. Aber auch A hat wohl keine klare Vorstellung von den Asiaten.

Antwort
von Skibomor, 12

A ist kein Rassist. Warum B aber einer sein sollte, erhellt sich mir gerade nicht. Der hat höchstens keine Ahnung, was Rassismus ist.

Kommentar von Modrian ,

Weil B eigentlich derjenige ist, der in Rassen denkt und sofort die "Rassendiskriminierung" unterbinden will.

Kommentar von OlliBjoern ,

Das bloße "in Rassen Denken" (was weit verbreitet ist, und dennoch inkorrekt ist) ist für sich alleine genommen noch kein Rassismus. Bei diesem muss noch hinzu kommen, dass es eine unterschiedliche "Wertigkeit" gibt. Also wer an eine "deutsche Herrenrasse" denkt, und alle anderen als "minderwertig" abstempelt, ist ein Rassist.

Wer lediglich denkt, es gibt menschliche "Rassen" (was auch abgesehen von der Wertigkeitsdebatte sachlich inkorrekt ist), und ansonsten denkt, alle Menschen seien gleich viel wert, liegt zwar falsch, ist aber noch kein Rassist. Solche Leute haben höchstens ein mangelhaftes Wissen, was die Biologie angeht (sie verstehen nicht den Unterschied zwischen einer "Hundrasse" und verschiedenen menschlichen Populationen, was eben gerade nicht dasselbe ist).

Nicht einmal ist klar, ob B selber überhaupt "in Rassen denkt", er vermutet diese Denkweise lediglich (inkorrekterweise) bei A. Daher denke ich: beide irren sich, aber ein Rassist ist (nach den wenigen Informationen zu urteilen, die vorgegeben sind) nicht darunter.

Kommentar von OlliBjoern ,

PS: nur um das klarzustellen (und falls das eben zu kompliziert war)

1. es gibt keine unterschiedliche Wertigkeit von Menschen, alle Menschen sind gleich an Wert

2. es gibt keine menschlichen Rassen

Kommentar von Modrian ,

Unter Rassismus verstehe ich eher diejenigen, die (wie in der Biologie üblich) den Menschen in Rassen einteilen. Ist ja auch an sich nicht dumm, weil wir uns durchaus im Erscheinungsbild so unterscheiden wie Golden Retriever und Curly-Coated Retriever.

Wenn ich das richtig verstanden habe, denkt man in der Biologie nicht in Menschenrassen, weil die viel zu vermischt sind.

Antwort
von Sirius66, 9

Ich verstehe, was du meinst und stimme dir zu.

Ich hatte das Problem mit einer Frauenrechtlerin. Diese ewige Schreien nach Gleichberechtigung kam für mich von einer Frau, für die das nur aufgrund ihres schlechtes Frauenbildes zum Thema wurde.

Die, die am lautesten nach Emanzipation schreien, sind es eben am wenigsten. Die, die emanzipiert sind, haben gar kein Problem.

Es ist vergleichbar - darum verstehe ich, was du meinst. B ist aber trotzdem nicht unbedingt ein Rassist, er definiert Rassismus nur schlecht.

Die Aussage, daß Griechen Familienmenschen sind (NUR EIN BEISPIEL), ist ja auch nicht rassistisch.

Bei einer Sportprüfung der Polizei durfte eine Studentin mit türkischen Migrationshintergrund die Schwimmprüfung öfter wiederholen als andere, weil "die türkischen Mädchen ja nicht schwimmer lernen" - die hat sich auch nicht über Rassismus beschwert.

Gruß S.


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