Ist es normal, wenn ein Flugzeug nach dem Start erheblich absackt?

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4 Antworten

Nach den Schilderungen hört sich das nach einem Strömungsabriss an. Damit der Pilot es darauf ankommen lässt, müssen dort aber schon sehr starke Turbulenzen gewesen sein.

Ich erzähl dir mal meine Erfahrungen aus dem Segelfliegerbereich. Weiß allerdings nicht, wie weit die auch für ein Verkehrsflugzeug gelten.

Der Geschwindigkeitsmesser hat dort mehrere Markierungen, die je nach Flugzeug bei anderen Geschwindigkeiten sein können.

- Es gibt einmal einen grünen Bereich, der die "normale" Geschwindigkeit markiert (also wenn die Geschwindigkeit unter den grünen Bereich kommt, sackt man ab). Innerhalb des grünen Bereiches können auch starke Turbulenzen dem Flugzeug nicht schaden.

- Dann gibt's einen gelben Bereich. Das ist der Bereich, in den man nicht reinkommen sollte, wenn es turbulent ist. Die Tragflächen können in dem Bereich mehr Auftrieb erzeugen, als das Material aushält. Also bei starken Turbulenzen könnten im gelben Bereich die Flügel abbrechen.

- Danach gibt's am Ende des gelben Bereiches einen roten Strich, den man nicht überschreiten darf. Ab da kann durch die bloße Geschwindigkeit was kaputt gehen (beim Segelflugzeug ist die Gefahr z.B. dass die Torsionssteifigkeit nicht ausreicht und die Flügel sich so stark aufschwingen, dass sie brechen)

- Dann gibt's noch einen weißen Bereich, der mit dem Anfang des grünen Bereichs überlappt. Der markiert den Geschwindigkeitsbereich mit voll ausgefahrenen Wölbklappen. 

Wenn man jetzt mit dem Flugzeug fliegt und die Nase hochzieht, wird es langsamer. Wenn die Geschwindigkeit sich dem Anfang des grünen Bereichs nähert, merkt man ein Zittern im ganzen Flugzeug. Wenn man trotzdem weiter den Steuerknüppel zieht, sackt das Flugzeug irgendwann ab und die Nase kippt automatisch runter, wodurch die Geschwindigkeit wieder zunimmt, bis sie kurz vor dem grünen Bereich ist. Lässt man den Steuerknüppel wieder ein bisschen los, kann die Nase wieder weiter runter und das Flugzeug nimmt Fahrt auf und fliegt wieder normal.

Die Situation ist zumindest im Segelflug bei ausreichender Höhe unbedenklich. Man macht einfach den Steuerknüppel nach vorne und es fliegt wieder normal. Wenn das passiert, während man in der Thermik "kurbelt", kann es passieren, dass die Strömung nur auf einer Seite abreißt und das Flugzeug abkippt oder sogar ins Trudeln gerät. Letzteres ist je nach Flugzeug sehr gefährlich, weil es halt rasant nach unten geht und man einige Sekunden braucht, um das Flugzeug wieder zu fangen. Es sind aber alles Situationen, die während der Ausbildung mehrfach absichtlich ausgelöst werden und die jeder Pilot auch selbst wieder lösen kann.

Bei deinem Urlaubsflieger wird es so gewesen sein, dass es entweder ein sehr starker Abwind war (was ich mir über dem Wasser besser vorstellen kann) und es sich dadurch halt nach unten ging oder dass es ein sehr starker Aufwind war, der durch die geringe Geschwindigkeit des Flugzeugs zu einem Strömungsabriss geführt hat. In dem Fall hätte der Pilot so reagiert, dass er den Anstellwinkel verringert, damit die Strömung wieder anliegt. Beides sind im Geradeausflug zumindest im Segelflugzeug unbedenkliche Situationen. Ein Verkehrsflugzeug reagiert langsamer auf Steuerimpulse, aber ich denke mal, dass es auch da nicht sehr dramatisch ist. Wenn das 30-40 Sekunden nach dem Abheben war, müsstet ihr auch schon gut 1,5km hoch gewesen sein. Selbst bei einem freien Fall würde es über 17 Sekunden dauern, bis das Flugzeug unten ankommt. Das ist in einer Gefahrensituation sehr viel Zeit zum reagieren (kommt einem durch den Adrenalinschub auch deutlich länger vor). Der Pilot wird sich vielleicht kurz erschrocken haben, aber er ist dafür ausgebildet, die Situation zu meistern.

Ob man das jetzt "normal" nennen kann - hmm... Also mir ist es in einem Verkehrsflugzeug bisher noch nie passiert. Ich war aber auch noch nie in Koh Samui. Kann dir also nicht sagen, ob die Turbulenzen dort regelmäßig so stark sind, dass das Flugzeug in der Startphase absackt.

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Kommentar von Luftkutscher
24.02.2016, 13:13

Ein Strömungsabriss kommt bei Airlinern so gut wie nie vor. Falls solch ein Strömungsabriss in Bodennähe auftreten sollte, dürfte dies mit einem Totalverlust der Maschine enden.

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Mir ist es mal beim Anflug auf Singapur passiert, dass die Maschine einige Meter abgesackt ist, ohne ersichtlichen Grund. So etwas kann im Prinzip jederzeit passieren, google mal nach "clear air turbulence". Das ist auch der Grund, dass man immer angeschnallt bleiben sollte, wenn man nicht gerade unterwegs ist. 

Gefährlich ist das nicht weiter - außer, man ist eben nicht angeschnallt und verletzt sich. Man wird ja für einen Moment schwerelos, wenn die Maschine nach unten sackt.

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Es wird an diesem Tag wohl recht windig gewesen sein und dann können sich eben Turbulenzen bilden. Diese Turbulenzen treten in Bodennähe häufiger auf als in grosser Höhe. Wenn das Flugzeug in absinkende Luftmassen solcher Turbulenzen gerät, dann sackt es eben ein paar Meter durch. Das ist nicht ungewöhnlich und solange alle Passagiere und Besatzungsmitglieder angeschnallt sind ist das auch nicht ungefährlich. 

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Zum einen währen besonders starke Turbulenzen oder Scherwinde denkbar.
(Wind, Thermik, etc.)

Zum anderen könnte es sich auch um ein Ausweichmanöver gehandelt haben.

Keine Sorge, das war nichts ungewöhnliches.

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Kommentar von Franzmann0815
24.02.2016, 12:10

Vielleicht ist das ding zu zeitig abgehoben und hatte noch nicht die richtige Geschwindigkeit erreicht,  dann sacken sie meistens für einen Augenblick ab.  Eventuell ist das Flugzeug auch zuteil nach oben geflogen.  Jedenfalls kann das passieren und ist nicht schlimm(sofern man reagiert ^^) 

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