Frage von sotrue1999, 123

Ist es normal oder autistisch, sich im sozialen Umgang unsicher zu sein und nicht zu wissen was angebracht ist (besonders bei Flirten u.s.w.)?

Bitte Beispiele, weil theoretisch nur sehr schwer zu verstehen ;)

Danke

Antwort
von Lea1984, 36

Diese Frage kann ich Dir als Autistin nicht mal genau beantworten, denn "normal" ist da der falsche Ansatz.
Denn- Autisten sind nicht anormal, nur weil sie Autismus haben. Und viele Nichtautisten können ebenso die von Dir genannten Probleme haben.

Vielleicht solltest Du Dich erstmal etwas weiter mit dem Thema befassen, um Fakten besser zu verstehen, denn Beispiele beantworten Deine Frage auch nicht so einfach.

Aber unsicher sein können neben Autisten auch:

  • Menschen mit sozialer Phobie
  • depressive Menschen
  • schüchterne Menschen
  • Opfer psychischer, physischer und sexueller Gewalt
  • (...)

Thema Flirten

Was da unangemessen ist, ist heutzutage noch schwerer zu beantworten als früher. Man lernt da nur aus Erfahrung.

Ich gehe mal davon aus, dass Du ein Junge bist, heterosexuell und 1999 Dein Geburtsjahr ist und Du somit 16/17. Du stellst viele Fragen (kenne nicht alle), die sich um das Thema AS drehen, daher bist Du vielleicht Autist oder vermutest, AS haben zu können. Basierend darauf antworte ich mal:

Eine Formel fürs richtige flirten gibt es nicht. jedes Mädchen bzw. eben jede Frau ist anders. Und nicht jede mag Flirten. Ich persönlich hasse es. Angestarrt zu werden- vor allem von einem fremden... die ganze Zeit über, das verunsichert einen sehr. Ich begreife nicht wirklich, was Nichtautistinnen daran so toll finden.

Wichtig ist aber, dabei Blickkontakt herstellen zu können, lächeln und den Gesichtsausdruck des Mädchens interpretieren zu können. Für mich ist Flirten sinnlos, stressig und Zeitverschwendung. Ich bin immer auf die Menschen zu und habe ihnen von meinen Gefühlen erzählt. Ich kannte diese Menschen aber immer. Ich meine, ich war mir meinen Gefühlen sicher- ich hab nicht einfach einen fremden angesprochen. Beim Flirten ist es anders. Da gaffen einen auch völlig fremde an.

Vor allem- was bedeutet es heute, ageflirtet zu werden? Das interpretiert doch heute jeder wie er will. Manche meinen, wenn man sie anlächelt, liebt man sie oder man will Sex, ein Date, ...
Ich habe als junge Frau viele schlechte Erfahrungen gemacht. Was Männer da alles in meine Reaktion auf ihr Starren hinein interpretiert haben...

  • ich habe zurückgeblickt, bedeutet, ich will auch Sex mit ihnen
  • ich will eine Beziehung anfangen
  • ich bin auf der Suche nach einem Mann (auch, weil ich alleine in meinem Pub war)
  • ich würde nur mit ihm spielen
  • ich will mich auf seine Kosten durchsaufen
  • (...)

Du weißt demnach auch nicht, welche Erfahrung die Frau gemacht hat, die Du anflirtest. Wenn Du Autist bist, kann es den Akt des Flirtens aber erschweren. Du weißt nicht, ab wann ein Hingucken zum unangenehmen Starren wird. Du weißt nicht, wie das von Dir gesetzte lächeln aufgefasst wird- ob es belustigend oder bedrohlich auf die Frau wirkt. Du weißt nicht oder kaum, was ihr Gesicht sagt, wenn sie zurück lächelt- geht sie auf den Flirt ein oder sagt sie mit einem eiskalten Grinsen sowas wie "verzieh Dich und glotze nicht so blöd!"

Ich fand aber immer unangebracht, wenn Männer dann zu mir an den Tisch kamen- ungefragt vor oder neben mir Platz genommen hatten und sofort Körperkontakt gesucht haben. Ekelhaft fand ich auch, wenn welche mich angegrinst haben und dabei ihre Zähne beleckt haben oder ihre Lippen...
Dumm fand ich klassische Anmachsprüche oder- ich saß im Pub, hatte wie immer Cola und Kaffee und der Typ wollte mit mir einen Kaffee trinken gehen- dabei hatte ich die Tasse so platziert, dass er sie nicht hätte übersehen können. Anstatt sich auch einen zu bestellen und ein normales Gespräch zu beginnen kommt so ein Quatsch... und dann heißt es, Autisten wissen nicht, wie man in sozialen Situationen umgeht... dabei kann ich gute Gespräche führen, ich habe einige Spezialinteressen und sonst ein breit gefächertes wissen zu vielen Themen. Und über solche Gespräche, wie sie sonst an meinem Tisch, an dem ich immer saß damals (im Pub) liefen, habe ich viele gute Freunde und Bekannte gefunden. Ich denke, dadurch lernt man besser Menschen kennen, als sie kaffeetrinked zu fragen,. ob sie mal Kaffee mit einem trinken wollen... aber das wussten die Typen eben nicht. Mit ihrer Masche haben sie sicher dutzende Frauen bekommen- nur mich halt nicht.

Du wirst auch lernen müssen, was die Frauen, die Du Dir aussuchst so mögen und was nicht. Oder- Du umgehst die Flirterei und begibst Dich in Gruppen, in Clubs und vereine zu Deinem Interessengebiet und lernst da alle kennen und wartest, bis Du eine kennenlernst, Dich verliebst und es ihr dann einfach sagst- ohne sie vorher  ewig lang anstarren zu müssen und sich ständig dabei fragen zu müssen, ob man richtig guckt.

Antwort
von DeliriumTremens, 28

Sowohl Menschen mit Autismus, als auch Menschen "ohne" können in sozialen Situationen oder beim Flirten unsicher sein.   

Wenn man zum Beispiel... eine neue Arbeit in einer größeren Firma hat, irgendwo sitzt, wo nur Mitarbeiter hinkönnen  und ein Kollege, den man noch nicht kennt, kommt  und setzt sich zu dir. Was sagt man dann? Man bekommt beigebracht, höflichst "hallo" zu sagen und zu lächeln, selbst wenn man keine Lust auf Gesellschaft hat. Danach kommt die unangenehme Stille und eine dämliche Standartfrage/Aussage  wie "na, du bist der/die Neue, oder?" man antwortet "ja" und denkt sich dabei vielleicht "das ist doch offensichtlich, du Dumpfbacke" und lächelt wieder gezwungen. Dann kommt die Standarthöflichkeitsfloskel "und, gefällt es dir hier? Hast du dich gut eingelebt?" die man dann pauschal beantwortet, obwohl man weiß, dass es die meisten Leute eh nicht interessiert, lächelt wieder ... und so weiter. Irgendwann ist dann der Sektor "höfliche, unverbindliche Fragen" abgearbeitet und die Stille kommt wieder. Dann haben die meisten Menschen das Bedürfnis, sich zwanghaft zu unterhalten, weil sie diese Stille nicht ertragen. Gerne über das Wetter, oder aber auf die Arbeit bezogen, da man weiß, der Kollege hat da auf jeden Fall Überschneidungen, da man sich ja den gleichen Arbeitsplatz im weitesten Sinne teilt. Wenn du schweigend sitzen bleibst, wird man dich fragen, ob alles in Ordnung ist, "man sei so still". Also, schau in den Himmel und benenne das Offensichtliche. "Ist heute nicht herrliches Wetter.... die Sonne scheint so angenehm"...säusel. 

Ich glaube, so geht es jedem irgendwie. Letztendlich sollen diese Fragen ja der Einstieg sein, sich näher kennenzulernen, sich aneinander zu gewöhnen. Ich denke aber, der Unterschied zwischen Autisten und Nichtautisten ist, dass ein Autist eher schweigen würde, als ein NT. Autisten reden weniger oft Blödsinn, aber häufiger thematisch am Limit vorbei, hinsichtlich Gesprächsdauer und Interesse des Gegenübers. Es soll aber auch Menschen geben, die gerne neue Leute kennenlernen und sich direkt sehr belebt unterhalten können. Wenn da 2 Gleiche aufeinandertreffen, ist alles optimal. Jede andere Konstellation kann schwierig sein, sofern man davon ausgeht, dass  im bestmöglichen Sinne "sozial kontaktet" werden soll.

Was das Flirten betrifft... da haben so viele Leute Probleme mit. Das betrifft nicht nur Autisten. Manche Leute verstehen erst, dass man Interesse hat, wenn man es ihnen im übertragenen Sinne ins Gesicht brüllt. Weswegen ich eigentlich, von Angesicht zu Angesicht, immer ein Freund klarer Worte bin. Subtile Andeutungen sind schwer zu verstehen und manchmal wird man auch fehlinterpretiert. Manche Leute wollen auch, dass man Interesse hat, weil sie selbst interessiert sind, sodass ich es mir quasi grundsätzlich abgewöhnt habe, mich thematisch undefiniert anschwätzen zu lassen, es sei denn, der Gegenüber ist umwerfend und ich ebenfalls nicht abgeneigt. 

Kommentar von DeliriumTremens ,

"Manche Leute wollen auch, dass man Interesse hat, weil sie selbst interessiert sind, *sodass ich es mir quasi grundsätzlich abgewöhnt habe, mich thematisch undefiniert anschwätzen zu lassen, es sei denn, der Gegenüber ist umwerfend und ich ebenfalls nicht abgeneigt." 

* und interpretieren dann in einen Emotionen/Andeutungen, die sie durch ihr eigenes Interesse an einem gerne als Reaktion auf ihre Person gehabt hätten, die aber gar nicht vorhanden sind und lassen dann nicht mehr von einem ab, 

Antwort
von mychrissie, 31

Das ist in gewissem Umfang normal. Viele Wissenschaftler bescheinigen dem normalen Durchschnittsmann sogar einen geschlechtsbedingten leichten Autismus, der zuir Folge hat, dass er zwischenmenschliche Situationen oft deutlich schlechter beurteilen kann als eine Frau.

Eine Frau kommt in eine Gesellschaft mit zwei Dutzend Personen und weiß nach 5 Minuten, wer mit wem, wer wen nicht leiden kann, wer wem auf die Nerven geht und wer gerne mit wem etwas hätte.

Ein Mann kommt in eine Gesellschaft, die gerade erfahren hat, das einer ihrer besten Freunde gestorben ist, und erzählt als erstes einen Schenkelklopferwitz, weil er die Traurigkeit, die im Raum hängt, gar nicht wahrnimmt.

Er nimmt vieles nicht wahr, ob er angeflirtet wird z.B. oder warum seine Frau plötzlich mit Sack und Pack ausgezogen ist ("Was hat sie denn, sie hat doch nie was gesagt!")

Insofern, mach Dir keine Gedanken. Männer können am Tresen zwar mit einen Rülpser kommunizieren, körpersprachliche Signale zu entschlüsseln, lernen sie wahrscheinlich erst in fünftausend Jahren, oder nein, dann haben sie dafür einen Quantencomputer am Handgelenk.

Antwort
von AnonyJS, 45

Weder noch.

Normal ist nicht ganz definiert bzw. gibt es unterschiedliche Ansichten, ich würde sagen das die Meinung u.Ä der Masse das Wort normal beschreibt.

Es folgt also das wenn die Mehrheit weiß was man in solchen Situationen zu tun hat, Dein Verhalten so anormal wäre.

Du bist auch kein Autist, weil Du in solchen Situationen unsicher bist. Ich verstehe aber nicht genau was Du nun mit "autistisch" meinst?!

---

Bei Bedarf wende rationale Strategien an um Dir zu helfen.

Antwort
von Pramidenzelle, 35

Sowohl als auch. Neurotypische (nicht-autistische) Menschen können ebenso Schwierigkeiten im sozialen Umgang haben, wie Autisten auch und gerade flirten ist ja schon eine ziemlich hohe Kunst des sozialen Umgangs.

Ich selbst bin Autistin und komme immer Mal wieder in Situationen, in denen mein Gegenüber glaubt, ich würde flirten, während ich eigentlich nur höflich sein wollte - dann flirtet mein Gegenüber "zurück", ich merke das aber nicht, schon schon haben wird den Salat ... Wobei das nach allem, was ich gelesen und gehört habe speziell ein Problem von Frauen mit Asperger-Autismus zu sein scheint.

Antwort
von Tremswaldi, 36

Keine Ahnung wie alt du bist - sicherlich 'jung'?

Es ist doch völlig normal das man unsicher ist!!!

Den Umgang mit Menschen, also auch das Flirten 'lernt' man doch erstmal... man versucht es.... ging nicht gut, also nächster Versuch.... usw. usw.

Sei aufmerksam, beobachte dein Umfeld... wie machen es die Anderen... probiere es einfach aus....

Drück dir die Daumen - geb nicht auf, dat wird schon ;-)

Antwort
von einfachichseinn, 26

Lass dich einfach auf Autismus checken. Das erspart dir eine Menge Arbeit.

Kommentar von sunking1989 ,

Autismus besteht, bzw. wird ca. ab dem 2ten Lebensjahr bereits auffällig.
Spar dir den Test, es sei denn es sind ebenfalls deutliche kognitive Defizite zu erkennen.

Trainiere deine zwischenmenschlichen Skills.

LG

Kommentar von einfachichseinn ,

Was redest du da für einen Blödsinn?

Kommentar von scatha ,

Ob die Diagnose etwas nützt ist auch nicht klar. Wir medizinischen Laien glauben an das Latein-Voodoo der Ärzte aber oftmals steht nicht mehr dahinter als eine Katalogisierung der Symptome, ohne daß sie tatsächlich verstehen, was dahinter steckt.

Antwort
von dreamecho, 13

Also ich persönlich habe keinen diagnostizierten Autismus, bin aber auch ständig unsicher und weiß nicht was angebracht ist. De fakto flirte ich aus diesen Gründen überhaupt nicht (hat aber noch andere Gründe). Also... als normal würde ich es nicht bezeichnen, als autistisch aber auch nicht.

Wenn du unsicher bist, geh doch mal zu einem Psychotherapeuten und sprich mit ihm darüber. Es gibt viele Krankheitsbilder, bei denen soziale Unsicherheit der Fall sein kann, nicht nur Autismus. Abgesehen davon ist Autismus nicht zwangsweise etwas schlechtes.

Antwort
von halbsowichtig, 24

Das kommt aufs Alter an. Bei Jugendlichen ist es völlig normal. Bei älteren Erwachsenen ist es Unerfahrenheit, Schüchternheit, Introvertiertheit ... nun ja, in seltenen Fällen auch Autismus.

Antwort
von Guppy131, 28

Ich denke wenn du autistische Züge hättest, wäre das bereits mehr Leuten als nur dir aufgefallen. Ich habe einen Freund der wirklich nur leichte autistische Züge hat und so direkt merkt man es auch nicht.
Aber insgesamt und mit ein klein wenig Ahnung von Menschen merkt man es schon nach einer Weile. Unsicherheiten sind nicht gleich autistisch, "da gehört mehr zu" .

Antwort
von Constans, 41

Deutet darauf hin dass du nicht viel mit Menschen zu tun hast

Antwort
von bromen, 55

mit dem alter kommt die reife;)

Antwort
von bromen, 50

das wirst du herausfinden indem du das machst was DU für richtig hälst

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