Frage von SaraWarHier, 50

Ist es normal, im Geschichtsunterricht Filme/Bilder mit Leichen zu sehen?

Hallo!

Ich bin gerade in der neunten Klasse eines bairischen Gymnasiums.

Natürlich schauen wir ab und an Dokumentarfilme, so auch im Geschichtsunterricht. Da wir jetzt in die Zeit kommen, in der es schon Kameras gab, sind da auch öfters mal Ausschnitte von echten Aufnahmen dabei. Sprich: Wir haben schon öfters gesehen, wie schwarz-weiße Soldaten in die Luft gesprengt wurden oder eben einfach verstümmelte Leichen dort lagen - erst letzte Woche meinte ich eine entdeckt zu haben, deren Kopf ziemlich zermatscht etwas abseits des restlichen Körpers lag.

Ich frage mich jetzt echt, ob das nötig ist - und vor allem normal.

Bin ich die einzige, die das komisch findet? Der dabei übel wird? Oder kennt ihr das auch so?

Und nein, ich habe, egal wie die Antworten hier ausfallen, nicht vor, einen Aufstand in der Schule zu machen. Ich will es nur wissen.

Danke für nette Antworten!

LG :)

Antwort
von Jerne79, 49

Sieh das mal aus einer anderen Perspektive: Wenn heute von Krieg gesprochen wird, wird völlig emotionslos von den Opfern berichtet, ein paar nackte Zahlen, das war es. Es gibt in jeder Generation Menschen, die mit Begeisterung in Kriege ziehen oder welche führen wollen. SO sieht Krieg aus. Das sind die Folgen. Menschen sterben. Das sieht nicht schön aus, das IST grausam. Ist das ein Schock, wenn man es zum ersten Mal sieht? Natürlich. Aber denkst du nicht, daß es vielleicht ein heilsamer Schock ist? Viel zu viele Menschen interessieren sich nicht für Geschichte, weil sie das alles als langweilig empfinden. Andere haben von Kriegen das im Kopf, was Videospiele zeigen. Was ihr da gesehen habt, ist auch heute noch Realität in vielen Ländern.

Antwort
von Andrastor, 41

Das ist völlig normal.

Historiker betrachten den Tod etwas anders als andere Menschen, besonders was vergangene Tode betrifft. Die Leichen die du da siehst sind oft schon vor deiner Geburt gestorben.

Wenn dir dabei übel wird, musst du dich abhärten oder wegschauen.

Expertenantwort
von ArnoldBentheim, Community-Experte für Geschichte, 40

Da der Schwerpunkt des Geschichtsunterrichts fast überall auf dem 20. Jh. liegt, ist es "normal", im Geschichtsunterricht auf die Quelle "Film" zurückzugreifen. Beide Weltkriege, NS-Terror und Holocaust lassen sich durchaus eindrucksvoll und in ihrer barbarischen Grausamkeit darstellen.

Kann man aus gewissen Schockbildern etwas lernen? Ich meine: Nein! Schüler eines Gymnasiums, die von ihren Eltern und auch auf der Schule nicht gelernt haben, was gut und böse ist, richtig und falsch ist, werden durch solche Filme auch nicht belehrt. Und diejenigen, die es gelernt haben, werden durch solche Grausamkeiten ggf. davon abgeschreckt, sich mit Geschichte zu befassen.

Du hast völlig Recht: "nötig" ist das nicht! Aber euer Lehrer hat vielleicht sadistische Neigungen?

MfG

Arnold

Antwort
von JBEZorg, 36

Ist es normal die Wahrheit zu sehen so wie sie ist oder soll man den Kindern das Leben als Ponyhof vorführen?

Du bist in der neunten schreibst Du, also so klein seid ihr auch nicht, dass man eurer Psyche sowas nicht zutrauen könnte. Vielleicht solltest Du Dir wegen solcher Bilder Gedanken machen wie Krieg aussieht in der Realität und wie das mit den politischen Parolen vereinbar ist.

Antwort
von MichaMB0809, 50

Ja das ist normal. Die Bilder sind nicht schön anzusehen und auch nichts für die jüngeren, aber dennoch finde ich es wichtig sie zu zeigen

Kommentar von Misabu97 ,

jup. genau das

Antwort
von moeiking, 49

Also wir haben auch öfter mal solche Filme angeguggt. Man muss es aber bestimmt nicht machen, lehrer wollen es vielleicht als anschauungsmaterial

Antwort
von Hegemon, 23

Es war und ist nicht zuletzt auch deshalb möglich, Soldaten in den Krieg zu schicken, weil die Bevölkerung zu selten wußte/ weiß, was Krieg wirklich bedeutet. Nach dem 1. Weltkrieg hat man z.B. verkrüppelte Soldaten weitgehend vor der Bevölkerung versteckt. Das Buch "Krieg dem Kriege" von Ernst Friedrich, welches dem Leser die Kriegsrealität ungeschönt vor Augen führte, war eine absolute Ausnahme. Kurt Tucholsky schrieb dazu:

"Dieses Buch sollten wir nicht unsern Freunden zeigen, denen, die schon Pazifisten sind, also nicht den alten Fehler wiederholen, der so oft gemacht wird: Missionare nach Rom zu schicken – sondern wir sollten es den Gegnern zeigen. In Versammlungen, in Schulen, in Vereinen, an Stammtischen – dieses Grauen kennt ja keiner von denen. Und man sollte das Buch auch Frauen zeigen, gerade Frauen zeigen."

Antwort
von Dahika, 30

Soll man Krieg darstellen, indem man weiß gekleidete Mädels filmt, die singend durch die Felder ziehen?

Ja, es ist normal. Als ich in der 9. KLasse war, habe ich im Fernsehen Bilder von Auschwitz gesehen. DAs war sehr schlimm, das habe ich auch bis heute nicht vergessen, aber ...ja, so ist es.

Ich glaube kaum, dass euch euer Lehrer Filme von IS zeigt, wo Leute gerade geköpft werden. Aber dass Leichen auf den Straßen herumliegen, ist grausam, aber in erster Linie für die Toten und ihre Angehörigen selbst.

Krieg ist nicht schön.

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community