Frage von SaintGE, 35

Ist es möglich sich selbst aus einer extremen Sozialphobie zu befreien?

Ich habe eine extreme Sozialphobie, ich kann mittlerweile nicht mehr das Haus verlassen. Ich fühle mich überall beobachtet. Wenn Menschen in meiner Nähe lachen, dann denke ich die lachen über mich. Ich kann nicht mit fremde Menschen reden. Ich kann Menschen nicht in die Augen schauen. Ich schäme mich mittlerweile vor meine eigenen Familie. Ich kann mein Zimmer nicht mehr verlassen, wenn meine Geschwister zu Besuch sind. Ich habe all meine Freunde verloren, weil ich mit ihnen nichts mehr unternommen habe und alle Verabredungen abgesagt habe. Mein Selbstbewusstsein ist mittlerweile im Minusbereich.

Mein größtes Problem ist, dass meine Eltern meinen "Lebensstil" akzeptiert haben. Ich habe niemand der mir etwas Feuer unter dem Arsch macht, deswegen lebe ich vor mir hin und habe keine Motivation das zu ändern. Ich weiß nicht mehr weiter!

Antwort
von TheTrueSherlock, 3

Oh weh.. Ich habe selbst Sozialphobie aber zum Glück nicht so stark ausgeprägt bzw. es hat sich nicht so krass entwickelt.

Ich versuche dir mehrere Tipps zu geben:
- Der Wille kann Berge versetzen. Allerdings kann eine Angst auch ziemlich einschüchtern und einen selbst bei Handlungen lähmen. Vielleicht schaffst du es, vieles umzukrempeln, aber es wird sehr schwer. Ich möchte nicht sagen, dass es unmöglich ist, aber ja, alleine rauszukommen wäre sehr schwer..

- Schaue auf YouTube dir Videos von Betroffenen an. Die geben oftmals schon gute Tipps, wie sie damit fertig wurden :) Ich kann dir die Channel AndreTeilzeit, LiviaFlorentine und dieses Video empfehlen:


Das wird zum Ende richtig gut, auch wenn es vielleicht nicht den Eindruck macht ^^

- Vertraue diesen Wunsch, dein Leben umzukrempeln, deinen Eltern an. Sage ihnen, dass du "Feuer unterm Hintern" brauchst. Sie werden sicherlich versuchen dich zu motivieren. Sie haben bestimmt nur früher "aufgegeben", weil sie sich nicht mehr zu helfen wussten und hilflos waren. Wenn du ihnen sagst, wie sie dich motivieren können, dann werden sie das machen!

- Suche dir eine Psychotherapie. Das ist sehr wichtig und dann hättest du auch schon mal regelmäßig ein Treffen mit einem Menschen. Das ist der erste Schritt zurück ins Leben ;) Auch ich habe eine Psychotherapie gemacht (wegen Depression und Sozialphobie unter anderem).

- Lerne eine gewisse Atemtechnik und wende die in angstauslösenden Situationen an.

- Gehe erstmal für 5 Minuten außer Haus oder stelle dich für paar Minuten vors Haus. Du kannst auch erstmal alleine spazieren gehen. Vielleicht triffst du gar niemand, vielleicht begegnen dir auch 1-2 Leute, die nur an dir vorbeigehen. Da musst du noch mit niemanden reden und sie werden dich kaum anschauen, weil man beim Spazieren immer hin und wieder mal jemanden sieht und das völlig normal ist.

- Schaue, was deine kleinste Angst bei dem Thema ist. Erstelle eine Angsthierarchie (unten die kleinste Angst und oben die Größte). Als Beispiel: unten könnte ein kleiner 5-Minuten Spaziergang stehen, dann kommen i-wann vielleicht ein Treffen mit einem Familienmitglied oder Freund, i-wann weiter oben einkaufen gehen und ganz oben vielleicht so eine nicht-alltägliche Situation wie ein Vorstellungsgespräch. Sammle dir ganz viele solcher Situationen, in denen du Angst hast. Dann nimm dir vor die Liste von unten nach oben abzuarbeiten. Überfordere dich nicht und immer dann, wenn du dich getraut hast, dann belohne dich :)

- Schaue, ob in deiner Stadt eine Selbsthilfegruppe zu Angststörungen vorhanden ist. Auch da bin ich und finde das echt hilfreich ;) Es ist sicherlich ungewöhnlich, wenn man sich mit so einer Angst mit Leuten trifft, aber es hilft echt. Ich würde dir raten, erst die anderen Punkte zu versuchen, da eine SHG doch noch etwas zu viel für dich ist. Allerdings kann das für die Zukunft ein guter Tipp sein :)

Ich hoffe, ich konnte etwas helfen :) Gib niemals auf, du schaffst das! Versuche aber bitte eine Psychotherapie zu machen :) LG

Antwort
von FelinasDemons, 3

Möglich ist so ziemlich alles. Also auch das.
Nur musst du selbst derjenige sein, der sich Feuer unter dem Hintern macht. Und manches muss dir klar sein. Selbstherapie erfordert Ehrgeiz, Mut, haufenweise Geduld und leider auch Tiefschläge,von denen du von selbst wieder aufstehen musst. Du bist quasi auf dich allein gestellt. Natürlich könntest du auch mit deinen Eltern darüber reden,dass du ihre Unterstützung brauchst.

Also erstmal ist wichtig zu erkennen Wo deine Probleme liegen. Schreib dir am besten auf wovor du genau Angst hast. Stell dir auch vor,wie du sein willst,wenn du das Problem gelöst hast.
Inwiefern möchte ich mich ändern?/Was genau möchte ich ändern. Werde dir das erstmal klar. Wo genau du hin möchtest.

Dann kommt das Wie'?'. Wie geh ich das an? Am besten mit ganz kleinen Schritten. Etwas das dich am wenigsten überfordert. Schreib dir auf,wie genau du an die Sache rangehen willst. Übungen. Vlt sogar sogenannte Spannungsbögen. Heißt, wie hoch deine Spannung war als du dich einer bestimmten Situation gestellt hast. Und überlegen,wie du diese Spannung reduzieren kannst. Skills können dir auch dabei helfen, z.B zur Ruhe zu kommen. Denkübungen sind auch nicht schlecht.

Du wirst vieles wahrscheinlich im Internet recherchieren. Sei da lieber vorsichtig. Manche Dinge, die dort stehen sind totaler Schwachsinn. Ich spreche aus Erfahrung. Hab's bei sozialer Phobie anfangs auch mit Selbsttherapie probiert.

Aber ich bin auch ehrlich. Am effektivsten wäre es wohl zuerst mal einen Therapeuten aufzusuchen. Am besten eine Verhaltenstherapie.

Was spricht denn gegen eine Therapie??

Alles Gute und viel Glück🍀

Antwort
von Spielwiesen, 2

Ich kenne das als ein Symptom, wenn man die Bach-Blüte Mimulus braucht - da zieht man sich genau wie eine Mimose immer mehr zurück.

Weiterhin liegt dieser Verhaltensweise ein sehr großer Vitamin B6-Mangel zugrunde. Prof. B. Kuklinski hat die Zusammenhänge erforscht und führt ein ganzes Bündel von körperlichen und auch psychischen Symptomen auf B6-Mangel zurück. Ich habe selbst erlebt, wie rasch die Verhaltensweise sich ändert, wenn man B6 hochdosiert nimmt (von Fa. Hevert gibts das mit 100 mg rezeptfrei).

Gute Besserung!


PS  Wenn deine Eltern das akzeptieren, passt es ihnen vielleicht gut in den Kram - aber ganz normal ist das nicht für normale Eltern.

Antwort
von Wonnepoppen, 21

Da kommst du nicht alleine raus!

du mußt zu einem Therapeuten!

Das heißt also, dich überwinden aus dem Haus zu gehen!

Antwort
von einfachichseinn, 4

Ich denke nicht, dass du das wirklich ganz alleine schaffst.

Du solltest dir schleunigst einen Therapeuten suchen.

Antwort
von Chicaa1992, 8

Wo die Angst ist der Weg. Das heißt wenn du da alleine rauskommen willst musst du dich deiner angst stellen. Du musst rausgehen.

Antwort
von Tastenheld, 9

Was hilft den Patienten?

Krebs: "Es gibt zwei Therapieformen, die von unterschiedlichen Grundannahmen ausgehen. In der kognitiven Verhaltenstherapie geht man davon aus, dass eine fehlerhafte Informationsverarbeitung die Ängste aufrechterhält. Wenn zum Beispiel eine Wortmeldung in der Schule nicht gehört wird, schließt der Jugendliche daraus, dass die anderen ihn uninteressant finden und meldet sich noch seltener. Die Therapie hilft ihm, seine Annahmen zu überprüfen und korrigierende Erfahrungen zu machen."

Und die andere?

Krebs: "Die andere ist die psychodynamische Kurzzeittherapie. Sie geht davon aus, dass die Angst Folge ungelöster Konflikte im Umgang mit Anderen ist. Das hat einen unbewussten inneren Konflikt zwischen Wunsch und Realität ausgelöst. In der Therapie versucht man, das aufzulösen. Eines der Ziele unseres Forschungsprojekts ist herauszufinden, für welche Patientengruppe welche Therapieform besser geeignet ist."

Antwort
von Dracerus, 8

An sich geht du musst es nur stark genug wollen, denn selbst wenn alle über dich lachen sollte was is schon dabei aber niemand lacht dich einfach aus mit der Ausnahme von Möchtegern Lappen. Du musst einfach dein Selbstbewusstsein steigern über vieles einfach lachen und akzeptieren. Die Welt ist groß und man trifft halt mal auf Gut oder Böse aber von sowas niemals deprimieren lassen.
Ich gib dir mal ein Beispiel wie ich mein Leben lebe, ich lebe nach dem Motto eines Optimisten und nehme eigentlich alles positiv und lach über alles selbst wenn Leute mich aus lachen lach ich mit und seh fast nichts schlecht.

Du musst dir einfach mal den Mut nehmen und die Welt bzw dich aus deinem Zimmer zu befreien. Das einzige oder der einzige die dich aufhalten sind deine Psyche und du selbst.

LG Dracerus

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