Frage von amaru7, 39

Ist es möglich eine fehlende Mutter-Kind Symbiose nachzuholen?

Wenn ein Mensch die Symbiose nicht bekommen hat, weil die Mutter abwesend war oder aus welchen Gründen auch immer, ist es möglich diese auch noch im Erwachsenenalter irgendwie nachzuholen und abzuschließen um damit u.a. die Beziehungsfähigkeit zu verbessern und ggf. Leidensdruck zu reduzieren z.B. durch Massagen oder ähnliche körperliche symbiotisch-ähnliche Erfahrungen?

Antwort
von amrita1, 14

Es gibt die sogenannte Bonding-Therapie, die diese in diese Richtung geht, aber bestimmt kann man auch durch Massagen oder andere Körperarbeit einiges nachholen.

Es geht wohl um die Heilung des inneres Kindes, das verletzte innere Kind trägt jeder Mensch in mehr oder weniger starker Ausprägung in sich. Ich bin der Meinung, dass es wichtig ist, sich um die Bedürfnisse des (verletzten) inneren Kindes zu kümmern, allerdings macht es bestimmt Sinn, dies aus einer möglichst erwachsenen Perspektive zu tun.

Bei Vernächlässigung, Verwahrlosung von Kindern werden bestimmte neuronale Verbindungen nicht ausgebaut, so dass es zu Defiziten kommt. Nichtsdestotrotz ist es möglich diese Defizite als Erwachsener aufzuarbeiten. Gerade das Gehirn ist ein wunderbares Organ, das sich immer wieder weiterentwickeln kann, selbst wenn einiges Areale brach lagen bzw. nicht ausgebildet werden konnten.

Ein wichtiger Aspekt ist die Selbstliebe, wenn durch einen Mangel an elterlicher Liebe, die Eigenliebe eher gering ist, kann man diese  z. B. durch Spiegelarbeit aufbauen. Man stellt sich vor einen Spiegel und sagt sich immer wieder die Worte: "Ich liebe dich."

Kommentar von karin69 ,

Tolle "Spiegelung" durch die richtigen Überlegungen!! 👍

Antwort
von hourriyah29, 20

Hallo Amaru,

es wäre nicht richtig zu versuchen so eine Beziehung herzustellen, da es völlig normal ist, dass sich erwachsene Kinder von der Mutter lösen.

Hilfreich wäre es eine altersensprechende, adäquate, liebevolle Beziehung zur Mutter zu haben, falls das möglich ist.

Zum Verarbeiten alter Wunden sollte man die Hilfe eines Experten (Psychotherapeut, Körpertherapeut, Tanztherapeut, Musik- oder Kunsttherapeut, kreativer Leibtherapeut) suchen.

LG und alles Gute!

Hourriyah

Kommentar von amaru7 ,

Hallo Hourriyah, Menschen die diese Symbiose mit der Mutter in den ersten 6-8 Wochen nicht bekamen, weil die Mutter abwesend war und nicht stillen und fürsorgen konnte aus welchen Gründen auch immer, können diese loslösung von der Mutter als eigenständige Persönlichkeiten nie vollständig abschließen und erleben dadurch im weiteren Leben oft Schwierigkeiten in Beziehungen, da sich die nicht abgrenzen können von der Umwelt und suchen unbewusst diese vermisste Nähe und Symbiose auch in Partnerschaft etc.

Das kann sich unter anderem in hohem Bedürfnis nach Nähe, Anhänglichkeit und Abhängigkeit äußern, was die Beziehung zweier, eigentlich eigenständigen, erwachsenen Personen erwschwert. Oftmals ist dieser Typ bei Borderlinern zu beobachten.

Kommentar von hourriyah29 ,

Hallo Amaru,

Danke für Deinen Kommentar! Jetzt verstehe ich Deine Frage noch besser.

Die Versäumnisse der ersten Wochen kann man nicht einfach nachholen.

Wie Du selbst schreibst sind es wichtige und prägende Wochen. Allerdings denke ich, dass sich vieles zum Guten wenden könnte, wenn der Rest der Kindheit glücklich, liebevoll und in guten Beziehungen laufen würde.

Es gibt auch Menschen, die ein normales Beziehungsverhalten entwickelt haben, obwohl sie eine schlechte Bindung zur Mutter hatten. Meiner Beobachtung nach sind das Menschen, die zumindest eine andere, vertrauenswürdige, liebvolle Bezugsperson hatten (z.B. Oma, Tante, Pflegeeltern).

Wenn also das Beziehungs- und Bindungsverhalten auffällig ist, sollte man nicht nur an die ersten Wochen denken, sondern an die gesamte Kindheit.

Wenn man an sich solche Auffälligkeiten beobachtet und diese Verändern möchte gibt es verschiedene Möglichkeiten und Wege (Standart wäre die Psychotherapie, möglich wären auch alternative Therapieformen wie Tanztherapie, Musiktherapie, Bewegungstherapie, Leibtherapie, alternative Methoden wie Schamanismus, Aufstellungen, Hypnose, Selbsthilfegruppen). Diese hängen von der Person und ihrer Situation ab.

Borderline gehört zu den Persönlichkeitsstörungen. Auch hier kann man erwarten, dass sie nicht nur wegen fehlender Nähe in den ersten Lebenswochen entstanden ist, sondern über längere Zeit, zumindest die ersten Lebensjahre.

Persönlichkeitsstörungen sind im Erwachsenenalter nicht leicht zu verändern. Allerdings kann man mit Zeit, Geduld, Mühe und einem guten Therapeuten vieles erreichen und es gibt Borderliner die trotzdem ein glückliches Leben führen und gelernt haben mit ihren Eigenheiten zurecht zu kommen.

LG und alles Gute!

Hourriyah

Kommentar von karin69 ,

Hourriyah... tolle & richtige Gedanken!! 👍

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