Frage von Ptomain, 41

Ist es in Deutschland verboten statistische Auswertung über Menschen mit Behinderung zu erheben?

Ich war bis jetzt der Meinung das es seit dem Zweiten Weltkrieg verboten wäre, über Menschen mit Behinderung Statistiken zu erheben. Ich kann dazu aber kein verbot finden.

Lag ich bis jetzt immer falsch??
Danke für eure Hilfe.

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von joheipo, 21

Warum sollte eine derartige Statistik verboten sein?

Kommentar von Ptomain ,

Hallo, Danke für deine Antwort.
Ich weiß jetzt was ich anscheinend durcheinander gebracht habe. Ich hatte anscheinend den Nürnberger Kodex nicht richtig verstanden.

Was ich interessant:

"4.4.1 Nationale, internationale und ethische Schutznormen
Der Staat verp ichtet sich zur Einhaltung der natio- nalen und internationalen Standards zum Schutz der Menschenrechte der gesamten Zielgruppe, also aller Menschen mit Behinderungen – auch derjenigen mit schweren Behinderungen – sowie zur Einhaltung der ethischen Grundsätze für die Datensammlung und -nutzung. Wer Daten erheben will, muss diese drei Normebenen beachten und die erhaltenen Informati- onen mit der notwendigen Achtung und Vorsicht behandeln. Insbesondere dürfen Daten nur im Sinne und mit Kenntnis der Zielgruppe verwendet werden. Diese Grenzziehung der UN-BRK beruht auf den his- torischen Erfahrungen struktureller Benachteiligung behinderter Menschen, von physischer und psychischer Gewalterfahrung bis zum administrativ geplanten Mord im Nationalsozialismus.56 Beispielsweise diente die Erfassung von Anzahl und Wohnort von Hilfsschülern und -schülerinnen dem nationalsozialistischen Regime dazu, medizinische Versuche und die Ermordung dieser Personengruppe zu planen (vgl. auch die sogenannte T4-Aktion).57 Die Entwicklung und Verwendung von Meldebögen zu behinderten oder kranken Menschen wurde damals von staatlicher Seite angeordnet, häu g rechtlich begründet und von Gesundheitsämtern und Ärzten sowie von pädagogischem Personal in Hilfs- schulen oder Heimen durchgeführt.

Um einem Missbrauch von Daten vorzubeugen bezie- hungsweise zu verhindern, sollten alle entsprechenden Regelungen, Mechanismen und Institutionen gewähr- leisten, dass die Grund- und Menschenrechte sowie ethische Grenzen eingehalten werden. Hierzu gehören zum Beispiel die Datenschutzgesetze auf Bundes- und Landesebene sowie weitere verbindliche Bestimmun- gen, wissenschaftliche Ethik-Kodizes, die Ethikkom- missionen der Ärztekammern und wissenschaftlicher Forschungseinrichtungen.58 Mit der Datenerhebung ist die Frage verbunden, wel- che Einstellungen eine Gesellschaft gegenüber behin- derten Menschen hat, und inwieweit sie ihre Men- schenrechte und Menschenwürde respektiert. Die Ver- pflichtung von Deutschland als Vertragsstaat zur Datenerhebung gemäß Artikel 31 der UN-BRK geht einher mit der P icht zur Beachtung ethischer Grund- sätze sowie des Rechts auf Gesundheit und des Rechts auf Schutz der Unversehrtheit der Person.59 Die medizinische Forschung der letzten 20 Jahre zeigt jedoch, dass behinderte Menschen in ihren Rechten nicht immer gleich geachtet wurden wie nichtbehin- derte Menschen. Dies lässt sich exemplarisch an rein fremdnütziger60 Forschung des sogenannten Fall Eisin- gen verdeutlichen: Im Zeitraum von 1995-98 wurden geistig behinderten Menschen in einem Wohnheim Blutproben zur genetischen Diagnostik entnommen: ohne ihre Einwilligung einzuholen, und ohne ihre Ange- hörigen (oder Sorgeberechtigten) zu informieren und um Zustimmung zu fragen.61 Da seit dem Nürnberger Kodex62 von 1947 die freiwillige Einwilligung der Ver- suchsperson unbedingt erforderlich ist, widerspricht die medizinische Datenerhebung des Eisinger Falls dem ethischen Grundsatz, der als historische Konsequenz aus den Medizinverbrechen des Nationalsozialismus von den Nürnberger Richtern formuliert wurde.63 Eben- so wenig beachtet wurden auch die Anti-Folter-Kon- vention, der Internationale Pakt über Bürgerliche und Politische Rechte sowie die Europäische Menschen- rechtskonvention.64 Sie alle verbieten aus demselben Grund körperliche Eingri e beziehungsweise medizi- nische Versuche ohne Einwilligung. Wenn an behinderten Menschen geforscht wird, um Daten über ihre Lebenslagen zu gewinnen, müssen die- se vorher einwilligen – ebenso wie nichtbehinderte Menschen. Die Verweigerung einer Einwilligung ist zu respektieren; fehlt eine Einwilligung, muss die Daten- erhebung oder Forschung unterbleiben. Gemäß den menschenrechtlichen Anforderungen sind behinderte Menschen in einer für sie adäquaten Kommunikations- form, mit der notwendigen Zeit und mit achtsamem Habitus um ihr Einverständnis zu bitten. Zudem sind sie während der gesamten Zeit in alle dazugehörigen Aspekte der Forschung beziehungsweise der Untersu- chung in geeigneter Form einzubeziehen."

Quelle:
http://www.institut-fuer-menschenrechte.de/uploads/tx_commerce/Policy_Paper_Mens...

Antwort
von vitus64, 27

Nein, das ist natürlich nicht verboten.

Kommentar von Ptomain ,

Hallo, Danke für deine Antwort.
Ich weiß jetzt was ich anscheinend durcheinander gebracht habe. Ich hatte anscheinend den Nürnberger Kodex nicht richtig verstanden.

Was ich interessant:

"4.4.1 Nationale, internationale und ethische Schutznormen
Der Staat verp ichtet sich zur Einhaltung der natio- nalen und internationalen Standards zum Schutz der Menschenrechte der gesamten Zielgruppe, also aller Menschen mit Behinderungen – auch derjenigen mit schweren Behinderungen – sowie zur Einhaltung der ethischen Grundsätze für die Datensammlung und -nutzung. Wer Daten erheben will, muss diese drei Normebenen beachten und die erhaltenen Informati- onen mit der notwendigen Achtung und Vorsicht behandeln. Insbesondere dürfen Daten nur im Sinne und mit Kenntnis der Zielgruppe verwendet werden. Diese Grenzziehung der UN-BRK beruht auf den his- torischen Erfahrungen struktureller Benachteiligung behinderter Menschen, von physischer und psychischer Gewalterfahrung bis zum administrativ geplanten Mord im Nationalsozialismus.56 Beispielsweise diente die Erfassung von Anzahl und Wohnort von Hilfsschülern und -schülerinnen dem nationalsozialistischen Regime dazu, medizinische Versuche und die Ermordung dieser Personengruppe zu planen (vgl. auch die sogenannte T4-Aktion).57 Die Entwicklung und Verwendung von Meldebögen zu behinderten oder kranken Menschen wurde damals von staatlicher Seite angeordnet, häu g rechtlich begründet und von Gesundheitsämtern und Ärzten sowie von pädagogischem Personal in Hilfs- schulen oder Heimen durchgeführt.

Um einem Missbrauch von Daten vorzubeugen bezie- hungsweise zu verhindern, sollten alle entsprechenden Regelungen, Mechanismen und Institutionen gewähr- leisten, dass die Grund- und Menschenrechte sowie ethische Grenzen eingehalten werden. Hierzu gehören zum Beispiel die Datenschutzgesetze auf Bundes- und Landesebene sowie weitere verbindliche Bestimmun- gen, wissenschaftliche Ethik-Kodizes, die Ethikkom- missionen der Ärztekammern und wissenschaftlicher Forschungseinrichtungen.58 Mit der Datenerhebung ist die Frage verbunden, wel- che Einstellungen eine Gesellschaft gegenüber behin- derten Menschen hat, und inwieweit sie ihre Men- schenrechte und Menschenwürde respektiert. Die Ver- pflichtung von Deutschland als Vertragsstaat zur Datenerhebung gemäß Artikel 31 der UN-BRK geht einher mit der P icht zur Beachtung ethischer Grund- sätze sowie des Rechts auf Gesundheit und des Rechts auf Schutz der Unversehrtheit der Person.59 Die medizinische Forschung der letzten 20 Jahre zeigt jedoch, dass behinderte Menschen in ihren Rechten nicht immer gleich geachtet wurden wie nichtbehin- derte Menschen. Dies lässt sich exemplarisch an rein fremdnütziger60 Forschung des sogenannten Fall Eisin- gen verdeutlichen: Im Zeitraum von 1995-98 wurden geistig behinderten Menschen in einem Wohnheim Blutproben zur genetischen Diagnostik entnommen: ohne ihre Einwilligung einzuholen, und ohne ihre Ange- hörigen (oder Sorgeberechtigten) zu informieren und um Zustimmung zu fragen.61 Da seit dem Nürnberger Kodex62 von 1947 die freiwillige Einwilligung der Ver- suchsperson unbedingt erforderlich ist, widerspricht die medizinische Datenerhebung des Eisinger Falls dem ethischen Grundsatz, der als historische Konsequenz aus den Medizinverbrechen des Nationalsozialismus von den Nürnberger Richtern formuliert wurde.63 Eben- so wenig beachtet wurden auch die Anti-Folter-Kon- vention, der Internationale Pakt über Bürgerliche und Politische Rechte sowie die Europäische Menschen- rechtskonvention.64 Sie alle verbieten aus demselben Grund körperliche Eingri e beziehungsweise medizi- nische Versuche ohne Einwilligung. Wenn an behinderten Menschen geforscht wird, um Daten über ihre Lebenslagen zu gewinnen, müssen die- se vorher einwilligen – ebenso wie nichtbehinderte Menschen. Die Verweigerung einer Einwilligung ist zu respektieren; fehlt eine Einwilligung, muss die Daten- erhebung oder Forschung unterbleiben. Gemäß den menschenrechtlichen Anforderungen sind behinderte Menschen in einer für sie adäquaten Kommunikations- form, mit der notwendigen Zeit und mit achtsamem Habitus um ihr Einverständnis zu bitten. Zudem sind sie während der gesamten Zeit in alle dazugehörigen Aspekte der Forschung beziehungsweise der Untersu- chung in geeigneter Form einzubeziehen."

Quelle:
http://www.institut-fuer-menschenrechte.de/uploads/tx_commerce/Policy_Paper_Mens...

Antwort
von chrisquad2, 18

du lagst falsch, ein solches Verbot gibt es nicht, warum sollte es auch? 

Kommentar von Ptomain ,

Hallo, Danke für deine Antwort.
Ich weiß jetzt was ich anscheinend durcheinander gebracht habe. Ich hatte anscheinend den Nürnberger Kodex nicht richtig verstanden.

Was ich interessant:

"4.4.1 Nationale, internationale und ethische Schutznormen
Der Staat verp ichtet sich zur Einhaltung der natio- nalen und internationalen Standards zum Schutz der Menschenrechte der gesamten Zielgruppe, also aller Menschen mit Behinderungen – auch derjenigen mit schweren Behinderungen – sowie zur Einhaltung der ethischen Grundsätze für die Datensammlung und -nutzung. Wer Daten erheben will, muss diese drei Normebenen beachten und die erhaltenen Informati- onen mit der notwendigen Achtung und Vorsicht behandeln. Insbesondere dürfen Daten nur im Sinne und mit Kenntnis der Zielgruppe verwendet werden. Diese Grenzziehung der UN-BRK beruht auf den his- torischen Erfahrungen struktureller Benachteiligung behinderter Menschen, von physischer und psychischer Gewalterfahrung bis zum administrativ geplanten Mord im Nationalsozialismus.56 Beispielsweise diente die Erfassung von Anzahl und Wohnort von Hilfsschülern und -schülerinnen dem nationalsozialistischen Regime dazu, medizinische Versuche und die Ermordung dieser Personengruppe zu planen (vgl. auch die sogenannte T4-Aktion).57 Die Entwicklung und Verwendung von Meldebögen zu behinderten oder kranken Menschen wurde damals von staatlicher Seite angeordnet, häu g rechtlich begründet und von Gesundheitsämtern und Ärzten sowie von pädagogischem Personal in Hilfs- schulen oder Heimen durchgeführt.

Um einem Missbrauch von Daten vorzubeugen bezie- hungsweise zu verhindern, sollten alle entsprechenden Regelungen, Mechanismen und Institutionen gewähr- leisten, dass die Grund- und Menschenrechte sowie ethische Grenzen eingehalten werden. Hierzu gehören zum Beispiel die Datenschutzgesetze auf Bundes- und Landesebene sowie weitere verbindliche Bestimmun- gen, wissenschaftliche Ethik-Kodizes, die Ethikkom- missionen der Ärztekammern und wissenschaftlicher Forschungseinrichtungen.58 Mit der Datenerhebung ist die Frage verbunden, wel- che Einstellungen eine Gesellschaft gegenüber behin- derten Menschen hat, und inwieweit sie ihre Men- schenrechte und Menschenwürde respektiert. Die Ver- pflichtung von Deutschland als Vertragsstaat zur Datenerhebung gemäß Artikel 31 der UN-BRK geht einher mit der P icht zur Beachtung ethischer Grund- sätze sowie des Rechts auf Gesundheit und des Rechts auf Schutz der Unversehrtheit der Person.59 Die medizinische Forschung der letzten 20 Jahre zeigt jedoch, dass behinderte Menschen in ihren Rechten nicht immer gleich geachtet wurden wie nichtbehin- derte Menschen. Dies lässt sich exemplarisch an rein fremdnütziger60 Forschung des sogenannten Fall Eisin- gen verdeutlichen: Im Zeitraum von 1995-98 wurden geistig behinderten Menschen in einem Wohnheim Blutproben zur genetischen Diagnostik entnommen: ohne ihre Einwilligung einzuholen, und ohne ihre Ange- hörigen (oder Sorgeberechtigten) zu informieren und um Zustimmung zu fragen.61 Da seit dem Nürnberger Kodex62 von 1947 die freiwillige Einwilligung der Ver- suchsperson unbedingt erforderlich ist, widerspricht die medizinische Datenerhebung des Eisinger Falls dem ethischen Grundsatz, der als historische Konsequenz aus den Medizinverbrechen des Nationalsozialismus von den Nürnberger Richtern formuliert wurde.63 Eben- so wenig beachtet wurden auch die Anti-Folter-Kon- vention, der Internationale Pakt über Bürgerliche und Politische Rechte sowie die Europäische Menschen- rechtskonvention.64 Sie alle verbieten aus demselben Grund körperliche Eingri e beziehungsweise medizi- nische Versuche ohne Einwilligung. Wenn an behinderten Menschen geforscht wird, um Daten über ihre Lebenslagen zu gewinnen, müssen die- se vorher einwilligen – ebenso wie nichtbehinderte Menschen. Die Verweigerung einer Einwilligung ist zu respektieren; fehlt eine Einwilligung, muss die Daten- erhebung oder Forschung unterbleiben. Gemäß den menschenrechtlichen Anforderungen sind behinderte Menschen in einer für sie adäquaten Kommunikations- form, mit der notwendigen Zeit und mit achtsamem Habitus um ihr Einverständnis zu bitten. Zudem sind sie während der gesamten Zeit in alle dazugehörigen Aspekte der Forschung beziehungsweise der Untersu- chung in geeigneter Form einzubeziehen."

Quelle:
http://www.institut-fuer-menschenrechte.de/uploads/tx_commerce/Policy_Paper_Mens...

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