Frage von AngiiiBrown, 183

Ist es falsch Personalpronomen groß zu schreiben, wenn sie sich auf Gott beziehen?

Schreibe gerade meine Diplomarbeit über das Thema "Religiöses Fasten". Normalerweise würde ich Personalpronomen, die sich auf Gott beziehen aus Respekt immer groß schreiben. (Ihn, Sein,...) Nun bin ich mir aber unsicher, ob das für ein so seriöses Dokument zulässig ist. Im Leitfaden, der Hilfestellung geben soll, wird Groß- & Kleinschreibung nicht behandelt. Ist es nun laut deutscher Rechtschreibung falsch/nicht von Bedeutung/optional?

Antwort
von Deponentiavogel, 49

Von grammatikalischer Richtigkeit können wir hier einmal absehen, denn es geht um eine Frage der Konvention.

Im Grund ist es falsch, weil im Deutschen nur Substantive, Substantivierungen und eben als Konvention das Anredepronomen großgeschrieben werden. Die Großschreibung von diesem erfüllt jedoch auch einen Zweck: sie unterscheidet die Höflichkeitsform von der 3. Person Plural.

In der Wissenschaft gibt es keine Autoritäten. Dozenten sind keine Autoritäten, Professoren, die einen Lehrstuhl bekleiden, sind keine Autoritäten, und auch Götter sind keine.

Religion ist in unserer europäischen westlichen Gesellschaft Privatsache. Du kannst gerne an einen Gott glauben, wenn du das willst. 

Dass du aber mit typographischer Auszeichnung einer Entität Respekt zollst, deren Existenz nicht beweisbar ist und die vom wissenschaftlichen Standpunkt aus den Vorstellungen einer Organisation namens Kirche entspringt, ist wohl das Gegenteil von seriös. 

Kommentar von AngiiiBrown ,

Danke für die Antwort! :)

Eins würd ich aber gern anmerken. Mit der Aussage nicht beweisbar und so weiter würde ich vorsichtig umgehen. So etwas Schwerwiegendes würde ich nicht behaupten ohne vorher recherchiert zu haben.

Trotzdem danke. :)

Kommentar von Deponentiavogel ,

Es ist nicht beweisbar. Dazu braucht es keine Recherche.

Es gibt einen allmächtigen Gott.

Das ist eine Aussage, die nicht falsifizierbar ist. Sie lässt sich mit wissenschaftlichen Methoden nicht widerlegen und ist damit für die Wissenschaft unerheblich.

Es ist eine Frage des Glaubens.

Antwort
von Kassiopeia000, 71

Bei allem Respekt deiner Religion gegenüber, ist es dennoch falsch. Denn Fakt ist, das Großschreiben von Gott-Personalpronomen ist eine veraltete Form und ist heute nicht mehr gültig. Nach heutigen deutschen Rechtschreibnormen, die nicht an Religionen gebunden sind, schlichtweg falsch. Personalpronomen werden IMMER klein geschrieben, solange es sich nicht um eine höfliche Anrede handelt.

Wenn der Text nur von anderen Religiösem gelesen wird, mag das nich kein großes Problem darstellen. Atheisten würden diese Form allerdings befremdlich und zu Recht als nicht Rechtschreibkonform auslegen. In einer wissenschaftlichen Arbeit hat diese Form daher nichts zu suchen.

Antwort
von Oubyi, 51

Ich argumentiere jetzt mal nur von meinem Gefühl her:
Ich würde das jeweils nach dem Zusammenhang entscheiden.

Beispiel 1: "Man soll Gott ehren. Deshalb soll man Ihn gerade während der Fastenzeit ..."
Beispiel 2: "Gott ist allmächtig. Also darf ein Christ Seine Worte nicht in Frage stellen.
Beispiel 3: Der christliche Gott duldet keine anderen Götter neben sich. Das heißt, dass er es nicht duldet, dass...
Beispiel 4 : Da ein Gott nicht fehlen kann, ist davon auszugehen, dass seine Worte ...

Das sind jetzt nur vier Beispiele, die auf die Schnelle bei meinem Brainstorming heraus gekommen sind, also auch ohne Aussage meinerseits.
Im Prinzip würde ich also sagen, dass man, wenn "Gott" quasi als Eigenname für den christlichen Gott gebraucht wird, die Pronomen auch groß schreiben kann/ sollte. Sobald es aber um die Eigenschaft geht, ein Gott zu sein , sollte man das Personalpronomen klein schreiben.
Eines der Zehn Gebote könnte also fortgesetzt werden:
"Ich bin der Herr, dein Gott. Du sollst keine anderen Götter haben neben mir.
Du sollst ihnen also nicht dienen, sondern ausschließlich Mir"

Wie gesagt, das alles ist nur meine Meinung, zu fortgesetzter Stunde. Aber vielleicht hilft es Dir ja trotzdem weiter?

Expertenantwort
von Volens, Community-Experte für Grammatik & Schule, 40

Wenn es ein seriöses Dokument sein soll, gehört dazu die Unabhängigkeit vom betrachteten Objekt. Sofern du bestimmte Gebräuche aus dem analysierten Gegenstand in deine Untersuchung übernimmst, kann von Seriosität keine Rede mehr sein.

Expertenantwort
von Kristall08, Community-Experte für Studium, 75

Ist vielleicht etwas veraltet, aber sogar im Englischen schreibt man Personalpronomen, die sich auf Gott beziehen, immer noch groß. Ich würde es machen. ;)

Kommentar von josef050153 ,

Im Englischen schreibt man zwar das Wort Gott (God) groß, aber nicht unbedingt die Personalpronomina. Eigenlich machen das nur Erzkonservative oder Fundamentalisten. Sich in einer Diplomarbeit als Fundamentalist zu outen ist aber nicht so das wahre. Selbst moderne Bibelübersetzungen machen das nicht mehr. als Beispiel hier:

You shall have no other gods before me.

2 Mo 20:3 (NIV) aus den Zehn Geboten.

Kommentar von AngiiiBrown ,

Bei manchen Bibelübersetzungen wird es deshalb nicht groß geschrieben, da sie so nah wie möglich an dem griechischen und hebräischen Originalen bleiben wollen. Die hebräische Schrift kennt nur Großbuchstaben, im griechischen wurde entweder alles klein oder alles in Großbuchstaben geschrieben. 

Kommentar von Volens ,

Steht da wirklich before me?

Kommentar von AngiiiBrown ,

In der New International Version aus der hier zitiert wurde steht 'before', als Fußnote die Alterntative 'besides'.

Kommentar von hydrahydra ,

Selbst moderne Bibelübersetzungen machen das nicht mehr.

Das Zitat dazu ist aber schlecht gewählt und fehlinterpretiert. God im Sinne des christlichen Gottes, der gemäß der Bibel ja echt und existent ist, wird da auch groß geschrieben. In dem Zitat geht es aber eben um other gods, also andere Götter, die man eben neben God nicht haben soll und die in der Welt der Bibel ja auch nicht existieren. Man bezieht sich da also keineswegs auf den christlichen, "echten Gott", sondern auf die anderen, "falschen", und die muss man ja auch nicht ehren. Abgesehen davon wird 'Gott' ja auch als Eigenname verwendet, und die schreibt man groß.

Vgl. https://www.biblegateway.com/quicksearch/?quicksearch=god&qs\_version=NIV

und https://www.biblegateway.com/quicksearch/?quicksearch=gods&qs\_version=NIV

Antwort
von josef050153, 43

Wenn du nicht willst, dass du mit einem mittlealterlichen Gedankengut in Verbindung gebracht wirst samt aller Häme, die sich über dich ergießen wird, solltest du Personalpronumina und auch die daraus abgeleiteten Formen (z.B. Possesivpronomina) nicht groß schreiben. Eine Ausnahme bildet dabei nur die höfliche Anrede (Das 'Sie' in allen seinen Formen).

Das ist eine veraltete Forn und es kann dir passieren, dass deine Arbeit deswegen abgelehnt wird.

Kommentar von AngiiiBrown ,

Was genau ist der Grund beleidigend zu werden?

Soll hier doch darum gehen anderen zu helfen und nicht zu erniedrigen...

Kommentar von Deponentiavogel ,

Google mal ›Beleidigung‹.

Kommentar von josef050153 ,

Was ist denn da für dich eine Beleidigung?

Kommentar von hydrahydra ,

Mittelalterliches Gedankengut als solches zu bezeichnen ist keine Beleidigung.

Antwort
von hydrahydra, 82

Laut deutscher Rechtschreibung schreibt man Personalpronomen klein (außer in der direkten Anrede in Briefen).

Antwort
von nowka20, 33

es ist falsch, aber gott wird es ertragen

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