Ist es ein Straftatbestand, wenn ich im Rettungsdienst eine muslimische Frau nicht mit ins Krankenhaus nehme, weil ihr Mann das nicht wünscht?

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66 Antworten

Vorausgesetzt, die Frau möchte gerne behandelt werden (andernfalls dürfte man sie nämlich nicht gegen ihren Willen einfach mitnehmen und behandeln), ergibt sich folgende rechtliche Situation:

Der Ehemann der Frau verhindert, dass ihr als Sanitäter seiner Frau helft. Da er als Ehemann gegenüber seiner Frau eine Garantenstellung innehat, macht er sich wegen Körperverletzung durch Unterlassen (§§ 223, 13 StGB) strafbar. Stirbt die Frau an ihrer Verletzung / Krankheit, und wäre dies nicht geschehen, wenn ihr hättet eingreifen können, weil der Mann das zugelassen hätte, so kommt für ihn zumindest noch eine fahrlässige Tötung (§ 222 StGB) hinzu - unter Umständen sogar ein Totschlag durch Unterlassen (§§ 212, 13 StGB), nämlich dann, wenn der Ehemann denkt: "Lieber soll sie sterben, als dass sie behandelt wird."

Für euch als Sanitäter gilt folgendes:
Wenn ihr euch der Frau entgegen dem Willen ihres Mannes nähert, sie behandelt und ins Krankenhaus mitnehmt, so macht ihr euch keiner Straftat schuldig - vorausgesetzt, die Frau ist einverstanden.
Wenn ihr zu diesem Zweck die Abwehrbemühungen des Mannes ausschaltet - etwa, indem ihr eine tatbestandliche Körperverletzung (§ 223 StGB) an dem Mann oder Nötigung (§ 240 StGB) begeht - so handelt ihr gerechtfertigt. Euer Verhalten ist dann durch den Rechtfertigungsgrund der Nothilfe (§ 32 StGB) gedeckt, denn das Verhalten des Mannes stellt sich als rechtswidriger gegenwärtiger Angriff auf Leib und Leben der Frau dar (s.o.). Insofern dürfte beispielsweise einer von euch den Mann festhalten, während der andere die Frau in den Rettungswagen bringt. Wird der Mann euch gegenüber handgreiflich, dürftet ihr euch auch verteidigen. Dabei muss euch allerdings bewusst sein, dass ihr nur das mildeste unter allen gleich geeigneten Mitteln anwenden dürft. Reicht es beispielsweise aus, den Mann schlicht festzuhalten, weil ihr ihm körperlich überlegen seid, dann wäre ein bewusstlos-Schlagen nicht geboten und daher nicht gerechtfertigt.
Also: Ihr dürft der Frau zur Hilfe kommen - auch gegen den Willen ihres Mannes und unter Umständen auch mittels Verteidigung gegen den Mann.

Jetzt noch zur Strafbarkeit der Sanitäter, wenn sie in einem solchen Fall nicht helfen würden, sondern wieder gehen:
In Betracht kommt hier eine unterlassene Hilfeleistung (§ 323c StGB). Dazu müsste euch das Hilfeleisten aber überhaupt möglich und zumutbar gewesen sein. Zwar werden wohl an die Zumutbarkeit des Hilfeleistens eines Sanitäters niedrigere Anforderungen gestellt als an die eines unbeteiligten Dritten - doch auch in unserem Fall würde eine Zumutbarkeit wohl zu verneinen sein, wenn der euch entweder körperlich überlegene oder sogar bewaffnete Ehemann Gewalt androht für den Fall, dass ihr euch seiner Frau nähern würdet. Hier können wohl keine pauschalen Aussagen getroffen werden, sondern es muss bei jeden Einzelfall genau geprüft werden, ob die Hilfeleistung zumutbar gewesen ist.

Wenn die Situation etwas anders als in deiner Fragestellung liegt, kann sich rechtlich auch etwas anderes ergeben:
Wenn ihr zunächst nur die Frau antrefft und sie gerade behandelt oder in den Rettungswagen bringt, und erst dann kommt der Ehemann, dann macht er sich durch das Verhindern eurer Rettungshandlungen wegen Körperverletzung strafbar (oder eben möglicherweise auch wegen Totschlags oder fahrlässiger Tötung, s.o.). Für euch als Sanitäter gilt dann folgendes: Ist es euch möglich, der Frau trotzdem weiter zu helfen, so müsst ihr dies auch tun. Andernfalls macht ihr euch nämlich nicht nur wegen unterlassener Hilfeleistung strafbar, sondern auch wegen Körperverletzung durch Unterlassen. Der BGH hat im Jahr 2001 nämlich festgelegt:

"Nehmen Rettungssanitäter ihre Aufgabe wahr, entsteht ein Obhutsverhältnis gegenüber dem Betroffenen, das wesentlich von der Pflicht bestimmt ist, diesen vor weiteren gesundheitlichen Beeinträchtigungen zu bewahren (Garantenstellung durch die tatsächliche Übernahme der Gewähr für das Rechtsgut Gesundheit)."

Durch die tatsächliche Übernahme der Behandlung entsteht für euch Sanitäter eine rechtliche Garantenstellung, durch die ihr verpflichtet seid, der Frau auch weiterhin zu helfen. Diese Pflicht geht weiter als die bloße, jedermann treffende Hilfeleistungspflicht.

In der Praxis sollte man wohl, sobald es wirklich knifflig wird, die Polizei zur Hilfe rufen. Ich hoffe, dass ich dir aber auch mit der rechtlichen Einschätzung, was ihr dürft, was ihr nicht dürft und was ihr sogar tun müsst, weiterhelfen konnte. Zu beachten ist allerdings, dass in der Praxis jeder Fall einer genauen Einzelfallprüfung zu unterziehen ist. Dennoch sollten die oben genannten Feststellungen im Grundsatz auf derartige Fälle anzuwenden sein.

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Kommentar von botanicus
08.09.2016, 21:02

Wow :-)

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Kommentar von JadeTalynGrey
08.09.2016, 22:47

Danke für die ausführliche Antwort :)

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Kommentar von Paguangare
09.09.2016, 08:09

Das ist ja ein richtiges rechtliches Gutachten. Ich bin schwer beeindruckt.

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Kommentar von KalofReschtus
10.09.2016, 23:28

Hammer-Antwort. Ich ziehe meinen Hut...

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Solange nicht feststeht, welchen Rechtsstatus der Mann hat (er kann ja viel erzählen, vielleicht ist es nur ein Nachbar?) und ob es irgendwelche Willenserklärungen (evtl. Patientenverfügung) von Seiten der Kranken gibt, seid ihr in der Pflicht zu helfen. 

Aber selbst wenn feststehen würde, dass er tatsächlich der Ehemann wäre (der sowieso nichts entscheiden dürfte) und es eine der Hilfe entgegenstehende Patientenverfügung gäbe, sie äußert doch durch konkludentes Handeln ihren Willen - und der ist maßgeblich.

Wenn ihr es nicht macht, könnte ein Strafverfahren wegen unterlassener Hilfeleistung auf euch zukommen. 

Sollte so etwas geschehen, ruft die Polizei. 

Frage euren Lehrer einmal, welche Rechtsgrundlage ein Nichthelfen rechtfertigt. 

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das mag zwar in seinem Land der Fall sein; aber nicht in Dland. Was die Frau sagt zählt. Hört ihr auf den Mann ist das unterlassene Hilfeleistung. Sollte der Mann widerstand leisten, so solltet ihr die Blauen zu Hilfe rufen. 

Hat euer Lehrer auch die entsprechenden §§ angeführt? bestimmt nicht. https://dejure.org/gesetze/StGB/323c.html

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Kommentar von hoermirzu
08.09.2016, 09:27

Grundsätzlich richtig. Die Frau sagt aber meist das was der Mann hören will. Die Retter können nur das beachten, was die Frau sagt; meist ist auch Eile geboten.

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Ich finde, dass dein Lehrer hier ziemlich daneben liegt.

Grundsätzlich ist die Frau die Patientin und zeigt/ sagt, dass sie eine Behandlung wünscht und braucht. Das ist für mich erstmal entscheidend. Der Ehemann hat, sofern die Frau nicht gesetzlich betreut ist, kein juristisches Mitspracherecht in dieser Sache.

Wenn die Frau bewusstlos oder deutlich verwirrt ist, zählt der mutmaßliche Patientenwille. Dieser ist bis zum Beweis des Gegenteils (z.B. durch Patientenverfügung) eine adäquate Therapie.

Wenn der Ehemann trotz gutem Zureden und Überzeugungsversuchen eine Behandlung nicht möglich macht, würde ich die Polizei nachfordern. Diese hat (im Gegensatz zum RD) viele Möglichkeiten, das Recht der Frau auf eine Behandlung durchzusetzen, häufig reicht schon deren reine Anwesenheit, um eine solche Situation zu lösen.

Allerdings ist der Fall ziemlich hypothetisch und wird hoffentlich den wenigsten von uns im RD- Alltag begegnen. Natürlich gibt es gerade mit muslimischen Patientinnen manchmal Schwierigkeiten, was das Entkleiden (zur genaueren Untersuchung, EKG..) angeht. Dann muss man halt bestmöglich improvisieren, wenn möglich weibliche Mitarbeiter einsetzen und erklären, warum das jetzt unbedingt sein muss.

Wenn die Patienten wirklich krank sind, spielt es meist keine große Rolle mehr, wenn nicht, kann man auf einiges auch bis zum KH verzichten.

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Wenn die Frau erkennbar fachkundige Hilfe benötigt, die es nur im Krankenhaus gibt, und sie außerstande ist, ihren Willen kund zu tun, dann ist es mindestens mit Strafe bedrohte unterlassene Hilfeleistung, wenn man die Frau nicht mitnimmt.

Wenn der Ehemann den Transport verhindern will, indem er massiv wird, und man ihm das Gesicht verschönert, weil es zufällig das mildeste zum Erfolg führende Mittel ist, dann ist es erlaubte Nothilfe.

Wenn danach ein Richter eine Verurteilung wegen Körperverletzung ausspricht, dann ist es vom Staat finanzierte Dämlichkeit.

Wenn ein Lehrer das ganz anders sieht, dann befindet er sich möglicherweise noch ganz am Anfang seiner Ausbildung.

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Hier muss man - wie fast immer im Rettungsdienst - von Theorie und Praxis unterschieden. 

Das deutsche Recht besagt, dass das normalerweise "unterlassene Hilfeleistung" ist. 

Wer bei Unglücksfällen oder gemeiner Gefahr oder Not nicht Hilfe leistet, obwohl dies erforderlich und ihm den Umständen nach zuzumuten, insbesondere ohne erhebliche eigene Gefahr und ohne Verletzung anderer wichtiger Pflichten möglich ist, [...]

Wenn es sich nun um keine akute Situation handelt (z.B. Reanimation), kann man als NotSan/ RA/ RS ruhig hingehen und behaupten, es würde für uns als medizinisches Personal eine Gefahr bestehen diese Frau zu untersuchen, da man die Reaktion des Mannes nicht einschätzen kann. 
Wie du sicher auch schon gelernt hast, spielt Eigenschutz im Rettungsdienst eine große Rolle.
Wenn man nun Eigenschutz beachtet, aus dem Raum geht, mit der Leitstelle Rücksprache hält und die Polizei nachfordert, ist man auf der sicheren Seite. 
Kein medizinisches Personal ist gezwungen sich selber in Gefahr zu bringen

Ich glaube, das hat dein Lehrer damit gemeint. 
Und wie du aus dem Zitat oben entnehmen kannst, gilt das mit dem Eigenschutz nicht nur fürs Rettungsdienstpersonal. 

In der Praxis würde die Leitstelle auch keinen RTW mit weiblicher Besatzung einfach so alarmieren - die meisten Wachen sind nicht nahe beieinander liegend. Nun einen neuen RTW zu alarmieren obwohl bereits ein anderer dort ist, um dann das Risiko einzugehen zu müssen bei einem anderen Notfall keinen RTW mehr vor Ort zu haben, würde kein Disponent einfach so in Kauf nehmen - ich auch nicht und auch die meisten die ich kennen auch nicht.
Wenn sich dagegen ein NEF mit weiblicher Besatzung nicht weit entfernt befindet, dann schickt man den bedenkenlos dahin und macht ein Notarzteinsatz draus. 

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Kommentar von Suboptimierer
08.09.2016, 10:31

Interessant! Kann man den Mann dann anschließend anzeigen, weil er die Rettungsaktion behindert hat?

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Kommentar von JadeTalynGrey
08.09.2016, 22:58

Was meinst du denn mit "würden keinen RTW mit weiblicher Besatzung einfach so alarmieren" ? In diesem speziellen Fall oder was? Weil da ist ja weibliche Besatzung evtl eher förderlich...und NEFs sind ja eigentlich eher beschäftigt als ein RTW...

Frage am Rande, kann mann NEFs auch bei einer solchen juristisch unklaren Lage hinzuziehen? Ist ja absolut kein medizinischer Notfall, daher auch wahrscheinlich nicht im Notarztindikationskatalog enthalten...

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Kommentar von Paguangare
09.09.2016, 08:07

Diese Antwort klingt sehr qualifiziert und differenziert.

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Da liegt dein Ausbilder sicher nicht richtig. Die Frau äussert sich erkennbar, sie ist nicht entmündigt und der Herr bekommt eine Anzeige, weil er Rettungskräfte von ihrer Nothilfe abgehalten hat.

Medizinische Hilfe geht immer vor seltsamen Ansichten des Ehepartners oder wem auch immer.

Da ruft man die Polizei und lässt sich von denen Helfen.

Wenn die Frau an einen perforierten Darm stirbt, möchte ich dann deinen Ausbilder sehen..

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So lange der Mann keine rechtlichen Grundlagen, wie eine Patientenverfügung etc. hat, müsst ihr sie mitnehmen. Was ist denn das für ein Blödsinn. Da kann Mann, Frau ja halb totschlagen und ihr wird danach noch nichtmal geholfen. Weigert der Mann sich, muss die Polizei gerufen werden. Niemand hat in Deutschland das Recht einfach so Grundlos über deine Gesundheit zu entscheiden. Gründe dafür können minderjährigkeit oder sonstige Zustände sein, in denen man einen gesetzlichen Betreuer haben muss, der auch über Gesundheitsfragen zu entscheiden hat. Wenn Mensch sich nicht mehr äußern kann, und keine wirkliche Chance mehr auf Heilung besteht, kann ebenfalls die Familie entscheiden was passiert (Maschinen abstellen). Aber nicht bei einem Menschen der offensichtlich geistig gesund ist, und behandelt werden möchte. 

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Die Frau macht jedoch den Willen erkenntlich, behandelt werden zu wollen.

In Deutschland darf die Frau selbst entscheiden ob sie behandelt werden möchte oder nicht.

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Wenn die Frau über 18, also volljährig ist und nicht aus irgendeinem Grund unter Betreuung ihres Mannes steht, ist sie imstande ihren Willen kund zu tun und diesem Willen ist unbedingt Folge zu leisten.

Die Zeiten, als auch in Deutschland Frauen juristisch Anhängsel ihrer Männer waren, sind vorbei. Zugegeben, noch nicht lange, aber sie sind vorbei.
Noch in den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts konnte eine Frau nicht selbstverantwortlich eine Arbeit aufnehmen, ein Mann konnte ohne Wissen und Zustimmung seiner Frau ihre Arbeitsstelle kündigen, sie konnte kein Konto einrichten und noch einiges mehr.

Eine Frau gibt mit der Eheschließung nicht (mehr) ihr Selbstbestimmungsrecht auf.

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Die Rechtslage ist eindeutig: der Mann der Frau ist ja nicht ihr Vormund! Geht ihr einfach, ist es unterlassene Hilfeleistung. Wir der Mann gewalttätig müsst ihr die Polizei hinzuziehen

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Der Rettungsdienst ist eine private Einrichtung, welcher teilweise hoheitlich Befugnisse hat, sofern es zur Erfüllung seiner Aufgaben nötig ist.

Die Entscheidung sich einer medizinischen Behandlung zu unterziehen, erfordert die Einwilligung des Patienten.

Hier habt ihr die Konstellation, dass die Patientin (vermutlich) behandelt werden will, der Ehegatte dies aber nicht will. Das ist eine Interessenskollission zwischen den Ehegatten, die aber Euch nichts angeht. Unter Umständen ist es auch eine Nötigung der Ehefrau durch den Ehemann, unter Umständen kann es auch unterlassene Hilfeleistung oder Körperverletzung sein. Aber für die Ahndung von Straftaten ist der Rettungsdienst nicht zuständig.

In diesem Fall wäre die richtige Folge, dass die Polizei informiert wird. Diese kann sich in diesem Fall auf Gefahr im Verzug berufen und anordnen, dass die Frau medizinisch betreut und auch eingeliefert wird. Sie ist dann auch befugt, denn Mann von seiner Frau zu trennen.

Das Rettungsdienstpersonal macht sich nicht schuldig, wenn es helfen will, aber an der Hilfe gehindert wird, denn es ist nicht befugt Widerstand zu brechen. Wenn das fachkundige Personal aber davon ausgehen muss, dass der Patientin durch unterlassene Hilfe "negative" Folgen entstehen werden, dann muss es meines Erachtens die Polizei rufen.

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Kommentar von JadeTalynGrey
08.09.2016, 22:51

Ja, und da hat man ja eigentlich schon den Konflikt - vielleicht würde die Patientin gerne behandelt werden, aber der Einsatz der Polizei wäre ihr das nicht wert (v.a. mit Trennung vom Mann o.Ä.). Wer bin ich dann, dass ich ihr Probleme bereite, die sie sonst nicht hätte und nicht wünscht?

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Eigentlich ist die Sachlage doch ganz klar: Die Frau ist verletzt, der Mann verweigert die Behandlung. Jedoch äußert die Frau ausdrücklich den Wunsch nach einer Behandlung/Hilfeleistung. Dann ist m. E. die Verweigerung des Mannes völlig unerheblich. Die Polizei sollte allerdings hinzugeogen werden, da

1. Behandlung erfolgt trotz des ausdrücklichen Wunsches nicht bzw. kann nicht erfolgen: Entspricht der unterlassenen Hilfeleistung. Woran der Mann natürlich einen erheblichen Anteil hat.

2. Befindet sich die Frau in den familiären Wohnräumen, der Mann verweigert die Behandlung, ihr verschafft euch dennoch Zutritt: Erfüllt wiederum den Tatbestand des Hausfriedensbruchs.

Also wie du es machst, ist es falsch - daher Polizei zur Unterstützung holen.

Wobei sich bei einer derartigen Situation noch die Frage stellt: Wer hat eigentlich den Rettungsdienst gerufen?

Unser Lehrer hat uns jetzt gestern erklärt, dass wir uns trotzdem in
keinem Fall der Frau nähern dürfen, weil ihr Mann hier das Sagen hat,
und dass das auch jurisitisch belegt sei.


Wenn dem so ist , dann kann dein Lehrer dir auch bestimmt den entsprechenden § dazu nennen, bzw. wo das nachzulesen ist. Solltest du das herausfinden, stelle das doch bitte mal anhand eines Kommentares hier ein.

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Kommentar von Friedel1848
08.09.2016, 16:55

Zu 1.: Unterlassene Hilfeleistung ist es nur dann, wenn tatsächlich Hilfe geleistet werden kann (Unmögliches verlangt die Rechtsordnung nicht) und es den Sanitätern auch zumutbar gewesen wäre, Hilfe zu leisten. Das ist beispielsweise dann nicht der Fall, wenn der Ehemann Gewalt androht für den Fall, dass die Sanitäter seine Frau anfassen sollten.

Zu 2.: Falsch. Wohnen Mann und Frau in derselben Wohnung und einer der beiden erlaubt Dritten den Zutritt, dann geschieht das Betreten mit dem Einverständnis des Berechtigten, selbst wenn der andere Berechtigte nicht zustimmt. Das ist nur dann anders, wenn es dem anderen Berechtigten, der nicht zustimmt, völlig unzumutbar wäre, den Dritten in der Wohnung zu dulden (so etwa, wenn der Ehemann seine Geliebte in die Wohnung lässt, die Ehefrau das aber natürlich nicht will - in diesem Fall macht sich die Geliebte trotz des Einverständnisses des Mannes wegen Hausfriedensbruch strafbar).

Außerdem: Selbst wenn der Tatbestand des Hausfriedensbruchs vorliegen würde, die Verweigerung des Zutritts des Mannes also bewirken würden, dass kein tatbestandsausschließendes Einverständnis vorliegt, wäre der Hausfriedensbruch im Rahmen der Nothilfe (§ 32 StGB) gerechtfertigt.

Der Rat, die Polizei hinzuzurufen, ist dennoch richtig: Denn auch wenn man theoretisch juristisch im Recht ist und sich nichts vorzuwerfen hat, ist die andere Frage immer noch die, wie in der Praxis am Ende ein Richter entscheiden würde. Sagt beispielsweise die Ehefrau in einer etwaigen Gerichtsverhandlung wahrheitswidrig dann zugunsten ihres Ehemanns aus, dass auch sie das Betreten nicht gewünscht habe, stehen die Sanitäter natürlich blöd dar. Daher ist man auf der sichereren Seite, wenn man die Polizei verständigt.

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Ja, da müsst ihr sie mitnehmen.

Da bleibt dem Rettungssanitäter nichts anderes übrig als die Polizei zu rufen, damit die den Mann "beschäftigen" und ihr die Frau mitnehmen könnt.

Und ja, ihr macht euch strafbar, wenn ihr das nicht macht.

Es ist nirgendwo juristisch belegt, dass der Mann das Sagen hat.

Hier ist Deutschland, hier herrscht Gleichberechtigung und jedes Gesetz, dass dem Ehemann Rechte über seine Frau gab, sind seit 77 abgeschafft.

Und auch vor 77 hätte er keine ärztlich notwendige Behandlung verweigern dürfen.

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in der Praxis würde ich in dem Fall die Polizei dazu holen,Sachlage schildern und schon hast Rechtssicherheit was zu tun ist und vor allem sichere Zeugen für den Fall der Fälle

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Lieber JadeTaylnGrey,

dies ist definitiv ein Straftatbestand. Allein die Frau hat das Recht, die Behandlung zu verweigern. Dies kann sie jederzeit tun. Da könnt ihr dann nichts tun und braucht auch kein schlechtes Gewissen zu haben, selbst wenn sie es nach einer Einschüchterung des Ehemannes tut, aber diese Frau dürfte das Gesetz kennen und dass sie dieser Staat schützen und ihr helfen würde, wenn sie ihren Mann lieber verlassen als sich nicht behandeln lassen wollen würde.

Wenn die Behandlung sehr dringend ist, weil die Frau zum Beispiel am Verbluten ist oder das Bewusstsein verloren hat, dann habt ihr das Recht alles Nötige zu tun, um die Patientin behandeln zu können. Bei Zivilcourage gilt allerdings, dass ihr darauf bedacht seid, verhältnismäßig zu handeln. Wenn der Sanitäter zum Beispiel ein Riese ist oder sehr kräftig oder eine Kampfsportart beherrscht und den Ehemann k.o. schlägt, obwohl er leicht hätte außer Gefecht gesetzt werden können, dann ist das Körperverletzung. Seiner Wut darf ein Helfer nicht körperlich Ausdruck verleihen. 

Seht ihr euch außerstande, den Ehemann aufzuhalten oder wollt ihr euer eigenes Wohl nicht gefährden, dann ist es eure Pflicht, die Polizei zu rufen. Der Schutz der Frau ist deren Job, nicht eurer. 

Wenn die Frau ihre Meinung wegen Einschüchterung des Ehemannes ändert, aber nicht mehr bei vollem Bewusstsein ist, dann gilt ihr letzter klarer Wunsch. 

Wird der Mann gewalttätig, dann ist in jedem Fall die Polizei zu verständigen und Anzeige zu erstatten.

Mit freundlichen Grüßen 

Amica92

 

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Der Ehemann macht sich strafbar, wenn er Euch hindert, Eure Arbeit zu machen. Bei erkennbarem Widerstand muss dem Ehemann klargemacht werden, dass man umgehend die Polizei ruft, wenn er Euch weiterhin abhält. Schlimm, wenn durch diese Zeitverzögerung das Leiden der Frau unnötig verlängert wird oder der Schaden gar größer wird etc.

Aus islamischer Sicht gibt es in einem solchen Notfall keinen Grund, den Arzt oder Sanitäter von der Frau abzuhalten. Da sind leider einige ungebildete Brüder und Schwestern auf dem Holzweg.

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Unser Lehrer hat uns jetzt gestern erklärt, dass wir uns trotzdem in
keinem Fall der Frau nähern dürfen, weil ihr Mann hier das Sagen hat,
und dass das auch jurisitisch belegt sei.

Hat er auch angegeben wo und wie das juristisch belegt ist? Allerdings mit Hinweis auf den entsprechenden §, in welchem Gesetz auch immer.

Der Mann deer Frau ist ihr Ehemann und nicht ihr Vormund. Das mag da wo er herkommt so sein, in Deutschland jedoch nicht.

Ihr als Sanitäter macht euch der unterlassenen Hilfeleistung schuldig. Dem Staatsanwalt braucht ihr gar nicht erst erzählen was der Ehemann wollte. Wenn der Ehemann massiv Widerstand leistet wird die Polizei gerufen, so und nicht anders läuft das.

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Eine unterlassene Hilfeleistung liegt in dem Fall dann schon vor, wenn Du Dich einfach rumdrehst, mit den Schulzern zuckst und unter dem Satz: "Na dann halt eben nicht....." wieder von dannen schläppelst.

Ausweg?

Zentrale rufen. Die rufen die Polizei dazu. Und schon bist Du mal aus dem Schneider.

Die Polizei macht das dann schon, auch wenn sie den Mann aus dem Weg schaffen müssen.

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Mich interessiert eine eventuelle diesbezügliche Rechtslage einen Dreck.

Mich interessiert vielmehr, zu erfahren, wie degeneriert ein Mensch sein muss, um überhaupt auf den Gedanke zu kommen, uralte, bewährte Prinzipien der medizinischen Hilfeleistung, in Frage zu stellen. Wie konnte es so weit kommen?

Anscheinend, hat auch der Lehrer den Artikel im Spiegel gelesen. Jener Lehrer, soll also empfohlen haben, warum auch immer, Hilfeleistung zu unterlassen. Anders gesagt, er gab die Empfehlung, ein Urprinzip der Medizin außer Kraft zu setzen.

Als ob das nicht ausreichend alarmierend wäre, wird auch noch der Hintergrund geliefert: Eine gesunde anwesende Person, die zwar keinerlei Ahnung von Medizin hat, aber der Ansicht ist, darüber entscheiden zu können, warum, wann und wie Ehefrau zu leiden hat.

Wie gefährlich ist es wirklich, wenn Menschen sich über so was Gedanken machen und tatsächlich über Lösungen diskutieren?

Wenn sich jener Lehrer wirklich Gedanken machen sollte, dann bitte richtig. Denn, wenn schon, dann korrekt. So viel Hingabe muss sein. In diesem Sinne:

Im Islam eines Mannes, der die Berührung der Gattin als Hilfleistung verweigert, sind Krankheiten von Gott gegeben. Krankheiten sind die Quittung für Sünden. Bedeutet für die Sanitäter, die jener Lehrer ausbildet: Alles zusammen packen und wieder abfahren.

Dass auch islamische Lehrmeinungen, just für solche Situationen, was ganz anderes predigen, das kann getrost ignoriert werden, denn der Mann in der Story gehört anscheinend zum anderen Lager.

Ich würde empfehlen, weitere islamische Rituale zu berücksichtigen. Repräsentativ:

1) Ehrbare Frauen: Dürfen lediglich Gesicht und Hände zeigen. Klagt Kranke über Schmerzen im Bauch usw, Abfahrt. Mission erfüllt.

2) Schuhe ausziehen, bevor eine Wohnung betreten wird.

Herzinfarkt, Epilepsie, Vergiftung, Säureangriff usw? Bitte folgende Rituale beachten:

Höflich und - ganz wichtig - zurückhaltend verhalten.

Zuerst dem Mann erklären, was so alles gemacht werden soll. Das A & O für eine zügige Behandlung.

Dann, fragen ob weitere Frauen im Haus anwesend sind und, wenn ja, wer von denen dabei sein darf.

Danach, dafür sorgen, dass alle andere raus gehen.

Jetzt, nur erforderliche Körperteile frei machen, wenn der Mann es erlaubt. Natürlich.

Nach der Behandlung: Entweder die entblössten Körperteile bedecken oder Kapitel Totenritual studieren.

Angenommen, dir würden schon jetzt, bereits in der Ausbildung, Zweifel über eine richtige Vorgehensweise aufkommen. Besser sein lassen.

Aber, da ihr die legalen Grundlagen durchgenommen habt, kennst Du sicherlich die Prinzipien der medizinischen Hilfeleistung.

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Kommentar von segler1968
28.09.2016, 08:19

Es gibt genauso fundamentalistische Christen, Antroposophen etc., die Behandlungen verweigern. Das ist kein islamisches Phänomen, also auch kein Grund für einen Rundumschlag wie Deinem.

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Kommentar von insalata2
03.10.2016, 09:56

Ja, zum Schluß noch eine tiefe Verbeugung machen, dass hier geholfen werden durfte! Allah ist groß.

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