Frage von HamiltonJR, 82

Ist es eigentlich bewiesen oder nur eine Legende, dass Martin Luther unter "Junker Jörg" auf der Wartburg gelebt hat?

Expertenantwort
von ArnoldBentheim, Community-Experte für Geschichte, 57

Das ist erwiesen und anhand überlieferter Quellen gut nachvollziehbar. Luthers Landesherr sorgte auf diese Weise dafür, dass der mit Kirchen- und Reichsbann belegte Reformator unbehelligt und materiell abgesichert seinen Studien nachgehen konnte.

MfG

Arnold

Antwort
von ElizaD, 8

Zwischen der Wartburg (die dem Kurfürsten von Sachsen, Friedrich dem Weisen, gehörte) auf dem steilen Berg über der Stadt Eisenach (die zu Thüringen gehörte) und Wittenberg, wo der sächsische Kurfürst im Schloss residierte (in etwa 200 km Entfernung von der Wartburg)  war ein lebhafter Postverkehr. Von da aus korresponiderte Luther mit seinen Freunden, indem er solche Briefe dem Postsack nach Wittenberg beifügte. Der ging immer zuerst an Spalatin,  den Sekretär des Kurfürsten in Wittenberg. Spalatin war zugleich Luthers Erfurter Studienkollege gewesen; und dieser Mann funktionierte daher auch als Bindeglied zwischen Luther und seinen Freunden jenseits der Wartburg.

Die Wartburg-Briefe Luthers sind erhalten.

Etwa 14 Tage, nachdem Luther bei Eisnach im Wald ge-kidnappt  worden war, schrieb Luther von der Wartburg an einen seiner Freunde in Wittenberg, er habe sich jetzt auf Weisung seine Mönchs-Tonsur zuwachsen und einen kleinen Bart stehen lassen müssen: "Du würdest mich nicht wiedererkennen, ich erkenne mich ja kaum selber wieder!" Die Maskerade hatte natürlich genau das zum Ziel, auf dass Unbefugten auch nicht auf Grund einer Beschreibung hätten herausfinden können, wer da neuerdings auf der Wartburg "gastierte"; Luther sollte nach Ritter bzw Junker aussehen.

Luthers Zimmer in der Wartburg, wo er u.a. Griechisch studierte und das Neue Testament der Bibel in zehn Wochen übersetzte, ist das dortige  sog. Ritter-Gefängnis.*

Also Luther wurde auf der Wartburg vorgeblich als ein Ritter gefangen gehalten. Umgekehrt konnten seine Freunde ihre Korrespondenz an diesen "Junker Jörg" auf der Wartburg ihrerseits dem amtlichen Postsack von Wittenberg  beifügen.

Vermutlich stammte die ganze Idee mit Luthers Kidnapping von Spalatin, der die Notwendigkeit irgendwie dem Kurfürsten klar gemacht haben muss. (Der Kurfürst konnte auf die Dienste des sehr zuverlässigen Spalatin nicht verzichten und verhielt sich meist nach dessen Ratschlägen.)

NB: Dieser Kurfürst, Friedrich der Weise, wusste offiziell von all diesen Umtrieben NICHTS, auf dass er nicht beim Kaiser aneckte. Friedrich war ja niemals lutherisch geworden, sondern blieb, wie der Kaiser, immer "alt-gläubig", dh rom-treu. Er hat Luther sogar nie einmal persönlich empfangen, sondern den ganzwn Aufriss um Luther so diplomatisch er konnte "ignoriert". Spalatin hatte ihm klar gemacht, dass Friedrich seine von ihm selber gegründete moderne Universität in Wittenberg, auf die Friedrich stolz war und die ihm ja gerade den Beinamen "der Weise" eingetragen hatte, vergessen könne, falls deren Star-Professor Luther etwas zustieße. Somit musste Friedrich zwischen Luther und dem Kaiser lavieren...

Näheres im ersten Band der akribischen Luther-Biografie von Martin Brecht.

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*Als Luther von der Wartburg aus in Wittenberg eintraf, lachten sich seine Freunde über sein Junker-Jörgs-Aussehen krank und bestellten sofort Cranach herbei, auf dass der Luther skiszziere.




Kommentar von ElizaD ,

Nachtrag: Die Skizze und das daraufhin entstandene Öl-Porträt Luthers als Junker Jörg durch Cranach sind sehr bekannt; das Porträt hängt jetzt auf der Wartburg in der Lutherstube (bzw dem Rittergefängnis). Luther mit zugewachsener Tonsur und gepflegtem kleinem Vollbart. :-)

Antwort
von MrHilfestellung, 52

Ist soweit ich weiß ein historischer Fakt oder zumindest weitgehend als erwiesen angesehen.

Antwort
von Klaus02, 25

Der Aufenthalt auf der Wartburg gilt als gesichert.

Anderes ist es z.B. mit der dazugehörigen "Entführung" nach vollen 10 Tagen verpassen sich Fürst Friedrich's und des Kaisers Soldaten nur um Augenblicke? Wohl ehr Propaganda.

Antwort
von omikron, 21

Nein, das wird zwar immer gesagt, aber richtig bewiesen ist es nicht.

Kommentar von ElizaD ,

Man könnte sich wünschen, dass andere Dinge aus Luthers Leben besser erwiesen wären als dieser wirklich gut bezeugte  Punkt.

Antwort
von josef050153, 19

Das ist erwiesen und im Zusammenhang auch nachvollziehbar. Allerdings sind Geschichten wie die, dass er ein Tintenfass nach dem Teufel geworfen haben soll, eher im Reich der Legenden anzusiedeln.

Antwort
von 666Phoenix, 23

Ist denn wiedermal Dein Google kaputt?

Siehe z. B.hier 

http://www.luther.de/leben/wartburg.html

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