Frage von Thylacine, 223

Ist es Diebstahl, wenn ich in einen leeren Laden gehe und das Geld einfach neben die Kasse lege (Verkäufer nicht da)?

Stellt euch folgende Situation vor:

Ihr betretet ein Geschäft, schnappt euch eine Ware, aber der Verkäufer ist nicht aufzufinden. Also legt ihr eine ausreichende Menge an Geld einfach neben die Kasse und verschwindet mit dem Artikel, den ihr kaufen wolltet.

Ist das legal oder wäre das Diebstahl? (jetzt nur rein rechtlich gesehen, nicht moralisch)

Expertenantwort
von furbo, Community-Experte für Polizei & Recht, 56

Zu jeder Eigentumsübereigung (auch ein  Verkauf) gehört die Einigung zwischen beiden Parteien und die anschließende Übergabe. 

Wenn eins davon fehlt und der "Käufer" nimmt es sich trotzdem, ist es - so wie du es geschildert hast - Diebstahl.

Gugel mal nach "Abstraktionsprinzip des BGB".

Antwort
von MarkusKapunkt, 66

Rein rechtlich gesehen wäre es Diebstahl. Du hast schließlich keinen regelkonformen Kaufvertrag geschlossen. In Deutschland erfolgt so etwas immer, du bekommst schließlich überall wine Quittung (außer natürlich an einem Kaffeeautomaten oder so). Außerdem würde niemand wissen, wo das Geld auf einmal herkommt, das neben der Kasse liegt. Und wer sagt dir, dass es der nächste Kunde nicht einfach einsteckt? Wenn es zur Anzeige gebracht wird, würdest du Probleme bekommen, aber was für Ärger es gibt hängt auch natürlich von dem Wert der "geklauten" Ware ab.

Antwort
von ThommyHilfiger, 62

Legal ist es nicht, da kein gültiger Kaufvertrag zustande gekommen ist: Der rechtmäßige Eigentümer (oder sein Erfüllungsgehilfe) muss dem Verkauf erst zustimmen. Was ist, wenn er dir das Mitgenommene, aus welchem Grund auch immer, nicht verkaufen wollte?

Kommentar von DiamantAnwalt ,

Erfüllungsgehilfe? Liest sich nach Reichsdepp.

Kommentar von ThommyHilfiger ,

Speziell für dich sag ich dann halt: Angestellter, Pausenvertretung, Familienangehöriger, Freund oder anderer Beauftragter...

Kommentar von AalFred2 ,

Oder für die mit Ahnung unter uns nach §278 BGB. Kannst ja mal nachlesen.

Kommentar von ThommyHilfiger ,

Den Text hab ich im Kopf, ich muß also garnicht nachlesen. Hätte ich für Dich noch den Beriff "Verrichtungsgehilfe" nach Ph.831 BGB ins Feld führen sollen? Ich denke das interessiert "im Juristenforum" vielleicht dich, aber sonst keinen hier...

Kommentar von AalFred2 ,

Warum teilst du mir das mit? Auf deinen Post habe ich doch gar nicht geantwortet. DiplomDingsbums konnte mit dem Begriff doch nichts anfangen.

Kommentar von ThommyHilfiger ,

Dann nix für ungut, mein Lieber. Es stand halt direkt unter meinem Kommentar... sry

Antwort
von Allexandra0809, 62

Wenn Du die Leute dort kennst, kannst Du das sicher machen. Bist Du allerdings fremd oder kommst äußerst selten dorthin, würde ich es nicht empfehlen.

Antwort
von DiamantAnwalt, 118

Ja, ist es. Denn ein ordentlicher Kaufvertrag wurde nicht geschlossen. Die Ware ging somit nicht rechtmäßig in deinen Besitz über.

Denn dazu bedarf es immer mindestens zweier gegenseitiger Willensentscheidungen.

Das Geld kann auch keinem zugeordnet werden. Niemand weiß, wer das Geld da hin gelegt hat und wofür das getan wurde.

Kommentar von Still ,

Wie begründest du die rechtswidrige Zueignungsabsicht??

Kommentar von DiamantAnwalt ,

Steht über dir.

Rechtswidrig ist ein im Besitz nehmen von fremden Sachen immer dann, wenn man diesen ohne Erlaubnis des Eigentümers, bzw. dessen Vertreter, an sich nimmt.

Die Erlaubnis zum rechtmäßigen Besitzübergang wird meist durch konkludentes handeln verursacht, indem ein Kunde üblicherweise einen Artikel auf ein Band/Verkaufstresen legt, damit den Willen bekundet diesen Artikel bezahlen zu wollen, der Verkäufer den Artikel scannt oder manuell in die Kasse eingibt und den Preis dafür verlangt.

Damit wiederum den Willen gegenüber dem kaufwilligen Kunden bekundet, den Artikel an diesen Kunden verkaufen zu wollen. Hat der Kunde korrekt gezahlt, dann ist er Eigentümer der erworbenen Ware geworden.

Mangelt es an so einen, von 2 Willensentscheidungen abhängigen, Kaufvorgang, kann ein rechtmäßiger Übergang von fremden Eigentum in der Regel nicht stattfinden.

Im Übrigen weiß jeder Kunde, dass man in einem fremden Geschäft sich nicht einfach etwas nehmen kann, ohne dies ordnungsgemäß zu bezahlen.

Einen Artikel an sich nehmen, das Geld dafür an einer unbesetzten Kasse abgeben, ist rechtlich gesehen kein gültiger Kaufvertrag ( weder mündlich noch schriftlich ) und somit kann keine rechtsgültige Besitzübernahme erfolgen.

Wie begründest du die rechtswidrige Zueignungsabsicht, wenn ich auf dein Grundstück gehe und dein Fahrrad entwende? .....

Kommentar von Still ,

Das begründet jedoch nicht die Erfüllung von 242 StGB. Dr Händler mann ja gerne den "Kauf" rückgängig machen, weil er die Ware (warum auch immer?) nicht an diesen Kunden herausgeben wollte, aber strafrechtlich kann man m.E. dem Kunden nichts. Nebenbei: mein Fahrrad steht nicht zum Verkauf und mein Grundstück ist kein Geschäft. Das Beispiel passt also gar nicht.

Antwort
von Avantgardist16, 30

So, nach all diesen Mutmaßungen mal eine Antwort mit Substanz :

Nein, ist es nicht. Für einen Diebstahl musst Du Dir eine fremde bewegliche Sache in widerrechtlicher Zueignungsansicht einem Anderen wegnehmen.

Hier fehlt es also am Vorsatz, weil die Du Sache ja nicht stehlen, sondern käuflichen erwerben wirst und die Sachen im Geschäft liegen ja explizit zu Zwecke des Verkaufes aus.

Ob wirklich ein Kaufvertrag zustande kommt, ist hier wohl strittig aber für die strafrechtliche Relevanz auch nicht entscheidend. Einerseits kann man durch "konkludentes Handeln" auch einen Kaufvertrag ohne Worte oder Schriftform schließen - andererseits ist dazu auch das Einverständnis des Verkäufers vonnöten.

Kommentar von Artus01 ,

Einzig vernünftige Antwort.

in  § 242 StGB heißt es wörtlich:

Wer eine fremde bewegliche Sache einem anderen in der Absicht wegnimmt....

Absicht = Vorsatz, liegt nicht vor.

Von da an kann jede weitere Überprüfung auf 242 eingestellt werden.

Kommentar von DiamantAnwalt ,

Antwort von Avant und Kommentar da drunter von Artus sind falsch.

Die Absicht sich eine fremde Sache rechtswidrig zuzueignen, wird dann erfüllt, wenn man nicht daran interessiert ist auf die Anwesenheit eines Verkäufers zu warten, und sich so gerade dem rechtmäßigen Kaufvertrag durch 2 gegenseitige Willensentscheidungen entzieht.

Die Absicht sich den Artikel rechtswidrig zuzueignen, wird durch das hinlegen von Geldmitteln auf eine unbesetzte Kasse nicht gebrochen.

Einen fremden Artikel über einen "Geist" zu bezahlen, also beim nicht vorhandensein eines menschlichen Verkäuferparts, stellt keine rechtmäßige Übereignung einer Kaufsache dar.

Wenn kein Verkäufer im Kassenbereich ist und dem Kunden das bewusst ist, so begeht der Käufer einen Diebstahl, wenn er einen fremden Artikel an sich nimmt und nicht bezahlt.

Ob er dabei Geld an der unbesetzten Kasse ablegt, ändert an der Rechtswidrigkeit gar nichts.

Das hinterlassen eines Geldbetrages ohne der Anwesenheit eines Verkäufers stellt keinen Bezahlvorgang dar, mit der die rechtmäßige Übereignung einer fremden Kaufsache an einen Dritten ordentlich statt finden könnte.

Nimmt man einen fremden Artikel an sich und "bezahlt" diesen an einer unbesetzten Kasse, so findet nur eine Willensentscheidung statt.

Mit einer Willensentscheidung allein kann kein gültiger Kaufvertrag statt finden.

Insofern nützt es dem Käufer gar nichts, wenn er das Geld auf den Kassentresen legt. Denn ohne der Erlaubnis/des Willen des Verkäufers/Eigentümers darf eine fremde Sache nicht in den Besitz eines Dritten übergehen.

Fehlt diese Erlaubnis/der Wille des Eigentümer am Verkauf einer ihm gehörenden Sache, so hat ein fremder Dritter ( Kunde ) immer die Absicht, sich die Ware rechtswidrig zuzueignen.

Eine Absicht sich eine fremde Sache rechtswidrig anzueignen liegt also immer dann vor, wenn es an 2 gegenseitigen, einvernehmlichen Willensentscheidungen eines Käufers und eines Verkäufers mangelt.

Eine Willensentscheidung nach dem Motto  "Ich kaufe jetzt den Artikel, egal ob der Verkäufer da ist."  , erfüllt die Bedingungen eines rechtmäßigen Kaufvertrags gerade nicht.

Ein Kaufvertrag muss immer aus Willensentscheidungen von 2 Personen besteht. Wobei eine Person über Angebot und eine Person über die Annahme zu entscheiden hat.

Fehlt eine dieser Willensentscheidungen, bzw. ist eine der selbigen gar nicht möglich ( keine Anwesenheit des Verkäufers ), so ist der "Kauf" eines fremden Artikels immer rechtswidrig.

http://www.jurawelt.com/studenten/skripten/zivr/1791

Kommentar von DiamantAnwalt ,

Von daher ist die "Antwort mit Substanz" für die Tonne.

Kommentar von exxonvaldez ,

Ist sie nicht.

Das Öffnen des Ladens zählt schon als Willensbekundung. Somit ist der Vertrag abgeschlossen.

Antwort
von frischling15, 51

Es ist nicht legal , weil nicht beweisbar !

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