Frage von rotesand, 97

Ist es altmodisch zu danken?

Hallo!

Ich habe neulich eine Diskussion mitbekommen, in der einem Bekannten von mir vorgehalten wurde, dass er sich für jeden Handschlag & für alles bedanken würde und das "total nervig" sei und "unzeitgemäß". Er selbst ist 73 Jahre alt, die Frau die das sagte müsste so um die 40 sein (ist seine Tochter).

Der Mann bedankt sich für nahezu alles: Egal was man für ihn macht, sogar wenn man ihm die Zeitung bringt usw. -------> alltäglichste Handlungen würdigt er mit "vielen Dank" oder "herzlichen Dank" und das meint er auch von Herzen so. Ich kenne ihn schon lang. Wenn jemand in meinem Umfeld ein Beispiel für "gute Manieren" ist, dann definitiv dieser ältere Herr.

Das hat mir zu denken gegeben: Ist es wirklich unzeitgemäß, altmodisch oder nervig sich zu bedanken & ist die Gesellschaft echt so "ruppig" und forsch geworden, als dass das echt Usus ist sich nicht mehr zu bedanken (Stichwort Werteverfall)? Oder ist die Tochter meines Bekannten diesbezüglich nur jemand, der exotische Ansichten hat?

Wäre mal interessant. Danke schonmal :)

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Chumacera, 27

Als ich den Text gelesen habe, dachte ich bei mir so "Ja und jetzt?! Wo ist das Problem?! Ist es nicht normal, dass man sich bedankt?!". Aber scheinbar ist es das wohl nicht...

Ich bedanke mich allerdings auch für alles: Wenn ich um irgendwas gebeten habe sowieso, aber auch, wenn mir jemand ungefragt Gutes tut oder einen Gefallen erweist. Das ist für mich normal und gehört zum höflichen Umgang miteinander einfach dazu.

Natürlich mache ich das nicht so wie du unten weiter kommentierst wie dein Bekannter, dass ich die Leute dabei fast umarme und ständig die Hände schüttle. Ein "Danke" und ein Lächeln reichen meiner Ansicht nach aus, öffnen einem manchmal aber sämtliche Türen.

Ich denke, dass das Sich-Bedanken heutzutage durchaus noch zum guten Ton dazu gehört. Jemandem, der sich anständig bedankt hat, erweist man doch beim nächsten Mal viel lieber einen Gefallen als einem, der eine Hilfeleistung einfach kommentarlos oder sogar brummig annimmt.

Die Tochter deines Bekannten wird da wohl eher eine Ausnahme sein. Wahrscheinlich liegt das eigentliche Problem mit ihrem Vater ganz woanders.

LG

Kommentar von rotesand ,

Vielen herzlichen Dank :) So sehe ich das auch.

Antwort
von SunKing33, 26

Hallo,

Dankbarkeit zu empfinden und sie auszudrücken ist in der heutigen Zeit, in der jeder nur möglichst viel haben möchte, eine Tugend.

Vielen fällt es schwer, Hilfe anzunehmen, weil sie nicht als hilflos oder gar hilfebedürftig dastehen wollen. Das schwächt das Selbstvertrauen, das von den Menschen heute fordert, immer maximal stark zu sein.

Auch das Hilfe anbieten und gewähren fällt vielen heute schwer, da es üblich ist, sich vor allem um sich selbst und seine eigenen Interessen zu kümmern. Also mag das intensive Dank-Sagen auch Ausdruck des Umstands sein, dass es ungewöhnlich ist, wie selbstverständlich Hilfe zu erhalten.

Ich glaube, es war ein chinesischer Philosoph, der auf die Frage "Wie werde ich glücklich, Meister?" antwortete: "Bereite zwei Menschen eine Freude und Du wirst ein glücklicher Mensch sein!"

Das Glück, das man erleben kann, wenn man teilt, jemandem hilft, für jemanden da ist oder sich mit den Schwachen auf die gleiche Stufe stellt, ist ein ursprünglich menschliches, das fast vergessen ist. Stattdessen sucht man das Glück in dem überheblichen Gefühl des Besser-Seins

Insofern: wenn Du weißt, dass die ausgedrückte Dankbarkeit redlich verdient ist, freue Dich darüber, dass Du jemandem der die Hoffnung auf Menschlichkeit verloren hatte, diese zurück geben konntest.

Alles Gute!

Antwort
von Tragosso, 38

Kommt ganz darauf an wie oft das am Tag vorkommt. Jemanden um etwas zu bitten halte ich für normal und natürlich auch sich dann kurz zu bedanken. Aber nicht bei absolut jeder Kleinigkeit. Nicht, weil das unzeitgemäß wäre, sondern weil es meiner Meinung nach einfach irgendwann nervt und an Wert verliert.

Kommentar von rotesand ,

Man muss sich das so vorstellen -------> mein Bekannter bedankt sich für alles. Sogar dann, wenn man ihm ein Taschentuch reicht, wenn er bei Bekannten die Toilette benutzen darf (er fragt da immer danach, das ist seine Art), wenn man auf seinen Wunsch hin das Fenster schließt wenn es zieht, oder ihm ein Blatt Papier und einen Bleistift reicht, wenn er was aufschreiben will.

Außerdem bedankt er sich für jede "Freundlichkeit", gibt den Leuten auch mal die Hand zum Dank, bedankt sich für jedes "liebe Wort" oder für die "ihm gewidmete Zeit" oder "die Mühe, die er anderen macht" und ist generell so höflich, dass es Leute gibt, die sich deswegen veralbert fühlen. Allerdings ist er wirklich exakt so, wie er sich gibt.

Kommentar von Tragosso ,

Meinem Empfinden nach ist das zu übertrieben, aber da hat jeder eine andere Meinung zu würde ich sagen.

Kommentar von rotesand ,

Er bedankt sich für kleinste Dinge, die andere "einfach machen" mit echt unbegreiflich herzlicher Art, die aber total echt rüberkommt.. wer ihn näher kennt weiß wie er ist.

Mich erinnert er in seiner Art oft an den Schauspieler Hans Clarin bzw. dessen Rollen. Da wird herzlich gelächelt, genickt, da werden Hände umschlungen, manchmal streichelt er bei Leuten, die er gut kennt, auch dankend die Hände.. und hat noch nette Wünsche auf Lager oder Zitate, die er den Leuten auf den Weg mitgibt. Ich finde das immer liebenswert, zumal er echt live so ist ... aber es gibt einige Leute, die das nervt.

Kommentar von Cookialla ,

Also, wenn man mir etwas reicht, ich auf die Toilette gehen kann (bei Leuten, wo ich nicht so oft zu Besuch bin) oder jemand das Fenster für mich schließt, würde ich mich auf jeden Fall auch immer bedanken, ich fände es unhöflich, es nicht zu tun. o.O

Antwort
von schilleralina, 48

Ich selbst finde es auch nervig wenn es bei allem kommt.

Bei mir und meinem Freund zb ist es aber momentan auch so dass wir uns jedes mal für alles bedanken. Selbst für sowas, dass er bei mir sein durfte oder dass ich gekommen bin usw. Ich bedanke mich generell immoment öfters bei vielen Menschen, weil ich das gefühl habe, dass sie garnicht wissenwie ich, das was sie tun schätze.

Ich finde es nicht altmodisch. Wir bedanken uns oftmals zu wenig finde ich eher:) wenn man etwas gemacht hat und der andere sich freut und man dass auch zu hören bekommt freut einen dass ja auch sehr :)

Antwort
von Dukedo, 48

Also ich (19) bedanke mich auch für sehr viel und halte das für angemessen und bin genervt von Leuten die es nicht tun - meiner Meinung nach die kleinste Form der Würdigung

Antwort
von disturbed6, 46

Hallo :)

Ich in 20 jahre jung und bedanke mich genau so wie der ältere Herr es tut.

Ich muss mir auch oft anhören wie albern das sei.

Aber ich denke mir einfach das auch so simple Altagshandlungen "gewürdigt" werden sollten. Wieso sollte man sich denn nicht bedanken für Dinge die gut und lieb gemeint sind auch wenn man das gar nicht so nachdrücklich beabsichtigt.

Und ja wir leben in einer Welt in der das kaum wer tut und das ist so dermaßen schade..Lieber einmal zu viel danke sagen als gar nicht. Die menschen sind sowiso schon viel zu kalt und verstockt im denken.. der großteil zumindest.

Antwort
von gimahani, 43

Wahrscheinlich ist es nicht möglich, diese Frage pauschal zu beantworten. Viel mehr liegt es meines Erachtens daran, welche Personen involviert sind und wie diese zueinander stehen.

Dankbarkeit sollte vor allem glaubhaft ausgedrückt werden.

Wenn mir zum Beispiel jemand in einer brenzligen Situation zur Seite steht, bedanke ich mich etwas ausführlicher und nicht nur mit "Danke". Als ich letztens aufgrund einer Verletzung nicht laufen konnte und meine Familie mich versorgt/bedient hat, habe ich nicht hundert Mal am Tag meinen Dank ausgesprochen.

Liebe Grüße von gimahani

Kommentar von rotesand ,

Danke :)

Nun... man muss sich das bei diesem Mann so vorstellen -------> er bedankt sich sogar dann, wenn man ihm ein Taschentuch reicht, wenn er bei Bekannten die Toilette benutzen darf (er fragt da immer danach, das ist seine Art), wenn man auf seinen Wunsch hin das Fenster schließt wenn es zieht, oder ihm ein Blatt Papier und einen Bleistift reicht, wenn er was aufschreiben will. Er bedankt sich für kleinste Dinge, die andere "einfach machen" mit echt unbegreiflich herzlicher Art, die aber total echt rüberkommt.. wer ihn näher kennt weiß wie er ist.

Außerdem bedankt er sich für jede "Freundlichkeit", gibt den Leuten auch mal die Hand zum Dank, bedankt sich für jedes "liebe Wort" oder für die "ihm gewidmete Zeit" oder "die Mühe, die er anderen macht" und ist generell so höflich, dass es Leute gibt, die sich deswegen veralbert fühlen. Allerdings ist er wirklich exakt so, wie er sich gibt.

Mich erinnert er in seiner Art oft an den Schauspieler Hans Clarin. Da wird herzlich gelächelt, genickt, da werden Hände umschlungen. Ich finde das immer liebenswert, aber es gibt einige Leute, die das nervt.

Kommentar von gimahani ,

Oh je, das klingt sehr belastend. Mir würde das wahrscheinlich unheimlich auf die Nerven gehen. Und dann noch die Hand schütteln, das ist so gar nicht meins.

Einen älteren Menschen zu ändern ist nicht leicht, falls das überhaupt beabsichtigt wird. Das Danken für die materiellen Dinge wird man ihm wahrscheinlich nicht ausreden können. Was die immateriellen Angelegenheiten betrifft, würde ich ihm das Gefühl zu geben versuchen, dass er nicht der "Bittsteller" ist.

Vielleicht kann man ihm (häufiger) zeigen, dass es eine Freude ist, Zeit mit ihm zu verbringen. Bedanken wird er sich vermutlich trotzdem für die aufgewendete Zeit, aber ich finde es bedrückend, wenn ein Mensch sich ständig als Belastung für andere empfindet.

Kommentar von rotesand ,

Ich weiß, dass er in seiner Kindheit als unehelich geborener Junge von seiner Familie das Gefühl bekommen hat, ein nutzloser, ungewollter und unerwünschter Mensch zu sein, der jedem nur zur Last fällt und jedem nur Kummer bereitet, allein wegen seiner Existenz. Das ging wohl wie er sagte solange, bis die Mutter und der Stiefvater gestorben sind, also rund 40 Jahre lang.

Er meinte mal zu mir, dass genau das auch der Auslöser für sein Zelebrieren des Bedankens ist.. das kann man schon verstehen wenn man's weiß, aber ihm ist das persönlich total wichtig. Er meinte, wenn man mal 40 Jahre lang ständig erfährt, dass man nur eine Belastung sei, bringt einen das erst dazu, so zu reagieren.

Manchmal streichelt er bei Leuten, die er gut kennt, auch dankend die Hände.. und hat noch nette Wünsche auf Lager oder Zitate, die er den Leuten auf den Weg mitgibt. Ich finde das immer liebenswert, zumal er echt live so ist ... er hat dann noch so einen treuen Blick drauf, eben wie damals Hans Clarin wenn er euch noch bekannt ist.

Er bedankt sich wirklich für absolut alles, aber ich finde das nett & es ist auf jeden Fall absolut ehrlich gemeint...

Kommentar von gimahani ,

Das ist eine sehr bedauerliche Erklärung seines Verhalten. Für sein näheres Umfeld kann sie allerdings ein Grund mehr sein, ihm ein positives Gefühl zu vermitteln. :)

Kommentar von rotesand ,

Das sehe ich auch so :)

Antwort
von spaceflug, 35

Die Tochter hat ein anderes Problem mit ihrem Vater und macht es nun an sowas fest, eine andere Erklärung kann ich nicht finden, wenn man sich darüber aufregt, das jemand höflich ist.

Ich finde das gut wenn jemand nett ist.

Antwort
von Cookialla, 12

Also ich bin 20 und bedanke mich auch oft. Für einen Handschlag jetzt nicht, aber z.B. wenn mir jemand etwas gibt oder die Tür aufhält, also im Grunde, etwas tut, was nur mir zugute kommt. Ich glaube, die meisten in meinem Alter bedanken sich eher weniger als ich, aber ich hab noch nie wirklich drauf geachtet und ich wurde auch noch nie darauf angesprochen.

Vielleicht hat die Frau auch einfach die Ausdrucksweise ihres Vaters gemeint (herzlichen Dank statt einfach danke), die altmodisch wäre. Oder er bedankt sich einfach soo oft, dass sie genervt war. Aber sich bedanken an sich ist meiner Meinung nach nicht altmodisch, sondern einfach aufmerksam.

Antwort
von CamelWolf, 13

Ohne Höflichkeit landen wir irgendwann wieder im Neandertal - altmodischer als dort kann es nun wirklich nirgends mehr werden.

Antwort
von Wernerbirkwald, 18

Die Gesellschaft ist doch nicht ruppig,es sind nur einige Menschen.

Ein Dank ist doch eine warmherzige Anerkennung für einen hilfsbereiten Menschen.

Ein Dank erfreut die Seele,und fördert weitere gute Taten.

Das darf nicht aus der Mode kommen.

Antwort
von Prisonofmind1, 23

Glaub mir, danken kann man nie genug.

Kommentar von rotesand ,

Das sehe ich auch so!

Antwort
von ElTorrito, 24

Ich würde mich doch auch bedanken, würde mir jemand die zeitung geben. Ost doch nicht altmodisch :)

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community