Frage von PolskaDaniel, 92

Ist es möglich, neben meinen Job als Angestelllter ein Kleingewerbe anzumelden um sich dann anschließend privat versichern zu können?

Ich bin knapp unter der Gehaltsgrenze um sich privat Versichern zu lassen und Zahle aktuell 400 euro rein an Versicherung. Dann hab ich mal verglichen was ich zahlen würde wenn ich mich privat Versichert wäre und da hab ich gestaunt grade mal die Hälte mit allen Sonderleistungen. Da kam mir folgende Idee ich meld mir ein Kleingewerbe neben meinen richtigen Job mal ganz böse gesagt als Scheinfirma um mich dann als in diesen Betrieb Selbständiger privat versichern zu können. Ist das möglich oder könnten dort Probleme entstehen?

Antwort
von kevin1905, 29

Ist das möglich oder könnten dort Probleme entstehen?

Nicht möglich da

  1. Es keine Kleingewerbe gibt. Man meldet ein Gewerbe an oder eben nicht.
  2. Als Pflichtversicherter in der GKV dein Nebenerwerb nicht beitragsrelevant ist (§ 226 Abs. 1 SGB V). Dein Gehalt muss über die Jahresarbeitsentgeltgrenze hüpfen damit du versicherungsfrei wirst. Nebenverdienste uninteressant.
  3. Alternative wäre wenn dein Gewerbe finanziell und zeitlich den Mittelpunkt deines Erwerbslebens bildet. Geh mit dem Job auf Teilzeit, arbeite die freiwerdende Zeit in deinem Gewerbe, stell einen Mitarbeiter ein auf Vollzeit und generiere mehr Gewinn als aus der Anstellung und schon ändert sich dein Status auf hauptberuflich selbständig und du darfst dich privat vollversichern.

Noch ein paar Anmerkungen aus meiner beruflichen Praxis:

  1. Du darfst eine Krankenversicherung NIEMALS nur danach betrachten was sie heute kostet, sondern du musst dein Leben als ganzes nehmen bis ins hohe Alter (85+). Bei einer PKV stellt sich immer die Frage, wie gut ist meine Altersvorsorge, wie beitragskonstant ist der Tarif in den ich gehen will und wie gut ist der Versicherer aufgestellt im Bezug auf die Altersrückstellungen?
  2. Bei PKV Tarifen genau vergleichen. Oft fehlen selbst im mittleren Preissegment Leistungen im Bereich Hilfsmittel, Psychotherapie oder Kur/Reha gegenüber der GKV und müssen extra abgesichert werden.
  3. Tarifbeiträge, wie sie ausgewiesen werden, gelten für kerngesunde Menschen. Kerngesund heißt KEINE (zahn)ärztliche Behandlung in den letzten 3-10 Jahren. Gesundheitsfragen sind perfekt und fehlerfrei zu beantworten. Hier solltest du dir unbedingt die Hilfe eines versierten Versicherungsmaklers holen.
Expertenantwort
von DerHans, Community-Experte für Versicherung, 44

Als Angestellter bist du auf jeden Fall pflichtversichert, wenn du unter der Beitragsbemessungsgrenze liegst.

Kommentar von PolskaDaniel ,

Das heißt selbst mit Kleingewerbe müsste ich die gesetzliche Krankenversicherung zahlen? oder nur der Arbeitgeber?

Kommentar von DerHans ,

Du kommst aus der gesetzlichen gar nicht heraus.

Kommentar von PolskaDaniel ,

Angenommen es ist anders herum. Ich weiß ich bekomme in 3 Monaten einen Job. Kann ich mich vorher Selbstständig melden mit einen Kleingewerbe um dann in eine Private Krankenversicherung einzutreten? diese Bleibt dann doch auch mit Erhalt meines Jobs als Angesteller erhalten?

Kommentar von DerHans ,

Sobald du als Angestellter mehr als 450 € verdienst, bist du pflichtversichert. Da führt kein Weg dran vorbei. 

Das hat auch durchaus seinen Sinn

Kommentar von kevin1905 ,

diese Bleibt dann doch auch mit Erhalt meines Jobs als Angesteller erhalten?

Ja bleibt sie, aber wenn du als Angestellter zwischen 450,01 € und 4.575,- € brutto im Monat verdienst, bist du versicherungspflichtig in der gesetzlichen Krankenversicherung.

Du würdest dann zweimal Beiträge zahlen und solltest die PKV Vollversicherung dann in einer Ergänzungsversicherung oder Anwartschaftversicherung umwanden.

Dein schlauer Plan hat aber einen weiteren Fehler:

In Deutschland herrscht Vertragsfreiheit und ich kenne kaum einen guten PKV Anbieter der einen Selbständigen versichert der gerade mal ein paar Monate seinen Laden hat. Das Risiko, eines Zahlungsausfalls ist zu hoch und da eine private Krankenvollversicherung durch den Versicherer nicht gekündgt werden kann, will man solche Kunden von vornherein nicht haben.

Antwort
von grubenschmalz, 25

Vor drei Jahren warst du noch unter 18. 

https://www.gutefrage.net/frage/gibt-es-in-hamburg-noch-discos-wo-man-auch-unter...

Sei mir nicht böse, aber selbst mit 20 ist es extrem unwahrscheinlich, dass du etwas über 50 000 EUR Brutto verdienst.

Zumal die maximale Grenze für die gesetzliche Krankenversicherung eigentlich bei knapp 340 EUR liegt, mehr dürftest du nicht zahlen. 

Kommentar von kevin1905 ,

Zumal die maximale Grenze für die gesetzliche Krankenversicherung eigentlich bei knapp 340 EUR liegt, mehr dürftest du nicht zahlen.

Je nach Zusatzbeitrag inkl. Pflege etwa 390-400,- € p.M. als Arbeitnehmeranteil bei aktueller BBG.

Kommentar von grubenschmalz ,

Okay, Pflege, die habe ich übersehen. Da hast du natürlich Recht. Das sind ja noch mal 60 EUR drauf ca.

Antwort
von pn551, 56

Du wirst dann trotzdem noch von Deinem Gehalt die Krankenkassenbeiträge bezahlen müssen, da Du ja unter der Freigrenze bist. Und wenn Du darüber wärst, dann bräuchstest Du kein Gewerbe anmelden, dann könntest Du auch so eine private Versicherung abschließen.

Antwort
von Apolon, 9

@PolskaDaniel,

vor dir muss man ja den Hut ziehen.

Ein gerade mal 20-jähriger hat einen Job als Angestellter mit einem mtl. Brutto-Einkommen von fast 4.575,00 €.

Verrate uns doch einmal in welcher Branche Du tätig bist.

Gruß Apolon

Antwort
von azad76, 42

Es gibt genügend Menschen, die sich privat versichert haben und es im Alter bereuen, weil sie nicht mehr in die Pflichtversicherung kommen. Im übrigen sind spätere Familienmitglieder nicht kostenlos mitversichert. Um es konkret zu sagen: Wenn du jung bist, ist es günstig. Wenn du alt bist, ist es teuer. Ebenso, wenn du krank oder arbeitslos wirst. Dann musst du weiterzahlen.

Kommentar von DerHans ,

Darum mit "Rückversicherung". Jetzt sich aus der Solidarität ausklinken, und später soll die Solidargemeinschaft für IHN ZAHLEN.

Kommentar von PolskaDaniel ,

Genau das ist mein Plan. Was ist verkehrt daran jetzt die Vorteile ausnutzen zu können und später im Alter mit Frau und Kind in die Gesetzliche Versicherung zurück zu treten. ich zahle ja weiterhin in die Versicherung ein. Ein Arbeitsloser zahlt nichts ein und nimmt nur.

Kommentar von kevin1905 ,

Was ist verkehrt daran jetzt die Vorteile ausnutzen zu können und später im Alter mit Frau und Kind in die Gesetzliche Versicherung zurück zu treten.

Es ist rechtlich nur eingeschränkt möglich. Wenn du nach deinem 55. Geburtstag in der PKV vollversichert bist gibt es KEINE Möglichkeit mehr zur Rückkehr in die GKV, Versicherungspflicht tritt nicht mehr ein (außer über eine kostenlose Familienversicherung, aber dann müsste dein Einkommen auf maximal 415,- € im Monat sinken - Stand heute).

Der Gesetzgeber will genau das eben verhindern.

Kommentar von Apolon ,

Was ist verkehrt daran jetzt die Vorteile ausnutzen zu können und später im Alter mit Frau und Kind in die Gesetzliche Versicherung zurück zu treten.

Soll also bedeuten, du möchtest heute als PKV-Versicherter für dich, deine Frau und Kind  Beiträge zahlen in Höhe von etwa mtl. 800 €.

Nur ist dies eine Milchmädchenrechnung. Dann wäre es doch besser nur eine GKV-Absicherung. Frau und Kind wären dann beitragsfrei in der Familienversicherung. Man schließt einige KV-Zusatztarife ab und spart gegenüber der PKV einiges.

Denn gehen wir mal davon aus, dass das Einkommen sich über die JAEG erhöht und Familie Polska ist viele Jahre bis zum 54. Lebensjahr privat krankenversichert. Und nun kurz vor Toresschluss, reduziert man das Einkommen unter die JAEG und wird GKV versichert. Nach weiteren 10 Jahren steht man dann vor der nächsten Hürde, wenn man in Rente geht.

Dann stellt die GKV ihre Rechnung auf.

Herr Polska war vom 20 - 54 Lebensjahr in der PKV / vom 55 -65 Lebensjahr in der GKV.

Bedeutet:

erstmalige Aufnahme einer Erwerbstätigkeit - mit 20 Jahren

Rentenantragstellung mit 65 Jahren

Gesamtzeitraum 45 Jahre

davon 1/2 (= 2. Hälfte Erwerbsleben) 22,5 Jahre.

Als Rentner kann Mitglied in der KVdR werden, wer 9/10 der zweiten Hälfte des Zeitraumes zwischen der erstmaligen Aufnahme seiner Erwerbstätigkeit und der Rentenantragstellung Mitglied einer gesetzlichen Krankenkasse, pflichtversichert oder freiwilliges Mitglied war.

Also müsste Herr Polska  über 20 Jahre in der GKV gewesen sein.

Nur war er ja nur 10 Jahre GKV versichert.

Also dürfen Herr und Frau Polska als freiwillige Mitglieder Beiträge in die GKV zahlen (Bedeutet alle Einkünfte werden bis zum Höchstsatz berücksichtigt).

Kommentar von RudiRatlos67 ,

Das ist völliger Unsinn.... Die private ist selbst im Alter günstiger als die GKV. Man muß nur entsprechende vorberetungen treffen. Wer das natürlich online macht, ohne entsprechendes wissen und ohne Beratung der läuft in sein Unglück

Kommentar von DrCyanide ,

Der Gesetzgeber will genau das eben verhindern.

Und das ist auch gut so.

Antwort
von basiswissen, 12

Wie Kevin1905 nun ausführlich geschrieben hat: Njet-geht sich nicht!

Antwort
von ciubacka, 43

Daß bei einer privaten Krankenversicherung jedes Familienmitglied einzeln versichert werden muß, weißt Du?

Und daß PKV-Beiträge ständig steigen? Daß Dir möglichweise Altersarmut droht, weil Du die dann astronomischen PKV-Beiträge nicht mehr aufbringen kannst?

Derzeit ist das für Dich vermutlich noch ohne Belang, vor allem, wenn Du unter 30 bist und noch keine Familie hast - da ist die PKV der GKV hinsichtlich der Beiträge grenzenlos überlegen.

Wenn es Dich so sehr zur PKV zieht (ich kann davon nur dringend abraten), kannst Du ja eine Anwartschaftversicherung abschließen. Die wird dann aktiviert, sobald Du die Beitragsbemessungsgrenze für die GKV überschreitest.

Kommentar von PolskaDaniel ,

Ich habe gelesen, sobald man versicherungspflichtig ist kann man wieder in die gesetzliche Krankenversicherung zurück treten. Das heißt doch für mich solange ich unter der Gehaltsgrenze bin und mein Kleingewerbe (was sowieso nur dafür da ist um die Private Krankenversicherung abschließen zu können) wieder aufgebe, bin ich ja wieder versicherungspflichtung und kann dann doch somit wieder in die Gesetzliche Versicherung zurück treten?

Kommentar von DerHans ,

Das ändert nichts an deiner Versicherungspflicht.

Kommentar von PolskaDaniel ,

Ich habe doch nur die pflicht einer gesetzlichen krankenversicherung wenn ich nicht sellbstständig bin und mein Gehalt unter der Grenze von 55.XXX sind. Wenn ich dann nicht mehr selbstständig bin und immer noch weniger als die Grenze verdiene bin ich doch wieder Versicherungspflichtig was ich davor nicht war

Kommentar von kevin1905 ,

Ich habe doch nur die pflicht einer gesetzlichen krankenversicherung wenn ich nicht sellbstständig bin

HAUPTBERUFLICH Selbständig.

So lange die Anstellung finanziell und zeitlich Mittelpunkt deines Erwerbslebens ist und du unter JAEG verdienst, darfst du nicht aus der GKV raus, weil du dort versicherungspflichtig bist.

Du suchst eine Gesetzeslücke, die nicht existiert.

Kommentar von kevin1905 ,

Und daß PKV-Beiträge ständig steigen?

Tun GKV Beiträge auch, das ist also kein vollwertiges Argument. In der GKV kann der Gesetzgeber ferner einfach die Leistungen kürzen (erinnert sich noch jemand an die Zeit, als man bei Medikamenten nicht zuzahlen mussten und die Kassen beim Zahnersatz und Sehhilfen noch etwas dicker dabei waren?).

Daß Dir möglichweise Altersarmut droht, weil Du die dann astronomischen PKV-Beiträge nicht mehr aufbringen kannst?

Das ist eine Thematik der Altersvorsorge. Wer entsprechend verdient (55.000,- € und mehr im Jahr) hat mehr als genug Kohle sinnvoll zu investieren um spätestens mit 65 Nettovermögensmillionär zu sein. Dann tun auch 700,- € PKV Beitrag nicht weh. Ferner besteht immer die Möglichkeit innerhalb der Gesellschaft den Tarif zu wechseln (§ 204 VVG).

Es ist halt der Einzelfall eines jeden Menschen zu prüfen. Ich habe mich vor über 6 Jahren für die PKV entschieden und das wird sich auch nicht mehr ändern.

Kommentar von Apolon ,

Wenn es Dich so sehr zur PKV zieht , kannst Du ja eine Anwartschaftversicherung abschließen.

Eine Anwartschaftsversicherung ist in solch einem Fall nicht möglich. Möglich wäre ein Optionstarif, der eine spätere Vollkrankenversicherung beinhaltet.

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