Frage von Raiden96, 70

Ist eine gute Tat aus eigennützigen und/oder scheinheiligen Gründen trotzdem eine gute Tat?

Wenn zum Beispiel ein gläubiger Jemand einem alten Mann über die Straße hilft, um sein Ansehen bei Gott anzuheben.

Oder ein Schüler einem anderen Schüler vor der Stunde die Hausaufgaben zum Abschreiben gibt, aber danach etwas von den Süßigkeiten des anderen Schülers haben will und dies mit "Ich habe dir ja auch geholfen." begründet.

Also mit anderen Worten, wenn man jemandem hilft um sich im Grunde selbst zu helfen, ist das dann noch eine gute Tat?

Einerseits ist es hinterlistig und falsch, aber andererseits hilft man trotzdem einem Hilfebedürftigen, der die eigenen Beweggründe ja nicht unbedingt erfahren muss. So ist beiden Personen geholfen.

PS: Mich betrifft das jetzt nicht, es hat mich nur mal interessiert. Deshalb würde ich da gern mal verschiedene Meinungen hören.

Antwort
von RevatiKKS, 12

In den vedischen Schriften wird zwischen Jnana-, Karma- und Bhakti-Yoga unterschieden. 

Ein "Jnani" (also jemand, der Jnana-Yoga praktiziert) erwirbt spirituelles Wissen, um "unpersönliche Befreiung" zu erlangen, also um diese Welt hinter sich zu lassen, um entweder mit Gott eins zu werden oder in Seine unpersönliche Ausstrahlung einzugehen. 

Der "Karmi" achtet verstärkt darauf, kein schlechtes Karma zu erzeugen, führt "gute" Handlungen aus, um in diesem Leben, oder im nächsten, oder in der Zeit dazwischen nicht leiden zu müssen und stattdessen die "Früchte" seiner Handlungen genießen zu können.

Der "Bhakta" stellt alle seine Handlungen in den Dienst Gottes, bedenkt bei allem was Er tut, wie sehr dies Gott gefallen wird. Natürlich bekommt er dafür ein entsprechendes "Ergebnis", dass jedoch auch wieder von seiner Motivation abhängt.

Im besten Fall, wenn er aus reiner Hingabe zu Gott und Liebe zu seinen Mitgeschöpfen handelt, wird er aus dem Kreislauf von Geburt und Tod befreit, geht zurück in die spirituelle ewige Welt. 

Steht für ihn das eigene Interesse im Vordergrund, möchte er in dieser Welt "genießen", dann wird es für ihn etwas länger dauern, bis er sein letztendliches Ziel (die spirituelle Welt) erreicht. Denn der Wunsch nach den "guten" Ergebnissen, dem zeitweiligen Genuss in dieser Welt wird ihn immer wieder ablenken.

Das sind universale Gesetzmäßigkeiten, sie sind von keiner äußeren Religion abhängig. Karma wirkt - ob man daran glaubt (oder sich dessen bewusst ist) oder nicht. Und wer Gutes tut wird dementsprechend gute Ergebnisse erlangen. 

Auch wenn man sagen mag "gut" oder "schlecht", das sei nur "relativ" - wenn es um einen selbst geht, also um das, was man selbst durch andere Menschen erfährt oder erleidet, dann ist man meist nicht mehr so "großzügig" in der Auslegung dieser beiden Begriffe. Es stimmt schon, dass wir nicht beurteilen können, was aus einer übergeordneten Sichtweise heraus gut oder schlecht für uns ist. Selbst was uns oberflächlich gesehen offensichtlich schadet baut unser negatives Karma ab, ist also im Grunde gut für uns.

Dennoch wäre es z.B. falsch zu sagen: "Wenn  ich jemanden bestehle, dann muss das sein Karma sein. Bestimmt hat er früher auch jemanden bestohlen, vielleicht sogar mich. Wenn mir der Diebstahl gelingt, dann hat er das verdient und darum darf ich es versuchen."  Denn wer das Karma hat, einen Verlust zu erleiden, der wird das sicher auch ohne unsere "Mithilfe" erleben. Aber das würde dem Dieb negatives Karma einbringen. Und der Kreislauf würde sich fortsetzen.

Auf der anderen Seite, wenn jemand in Not ist und wir dies wahrnehmen, warum sollten wir nicht helfen? Selbst wenn wir es in dem Verständnis tun, dass dies auch für uns selbst gut ist. Würdest du z.B. jemanden ertrinken oder verhungern  lassen, weil du Zweifel an deiner Motivation hast?

Kommentar von Raiden96 ,

Nein würde ich natürlich nicht! :) Danke für deine ausführliche Antwort!

Antwort
von Andrastor, 35

Menschen tun etwas nur dann freiwillig wenn sie Profit daraus schlagen können. Dieser Profit muss nicht materiell sein, ein gutes Gefühl, oder wie du angeführt hast, eine imaginäre Stempelkarte für den jeweiligen göttlichen Fantasiefreund können auch Motivation dafür sein.

Kein Mensch macht etwas was ihm nicht irgendwie einen solchen Profit verschafft, es sei denn es ist unumgänglich, wie z.B. ein Zahnarztbesuch.

Von daher ist keine "gute Tat" unneigenützig.

Nebenbei ist das sowieso irrelevant weil es weder "gut" noch "böse" tatsächlich gibt. Das sind imaginäre Begriffe um Dingen eine rein subjektive Wertigkeit zu verleihen.

Kommentar von Raiden96 ,

Wow, das war jetzt mal ein ordentlicher Denkanstoß, danke :)

Kommentar von Andrastor ,

ist ne psychologisch erwiesene Tatsache ;)

Antwort
von JTKirk2000, 18

Hast Du mal gelesen, was in http://www.bibleserver.com/text/EU/Matthäus25,31-46 steht? Darin enthalten ist die Aussage, dass nur wenn man jemandem hilft, aber eben nicht darauf achtet, dass es einem angerechnet wird (denn deshalb haben die Betreffenden, die geholfen haben, wieder vergessen), entsprechend etwas positives erhält, wobei dies zu einem gewissen Teil, nämlich durch die Nächstenliebe von einem selbst ausgeht.

Was die Antwort von Andrastor angeht, so kann ich dieser nicht zustimmen. Es gibt vermutlich viele, die dieser Antwort entsprechen würden, aber es gilt mit Sicherheit nicht für alle. Ich persönlich kenne viele, die gute Taten eben nicht aus Eigennutz, egal wie dieser aussehen mag, tun, sondern aus reiner Nächstenliebe und tatsächlich uneigennütziger Hilfsbereitschaft. Würde man nach der Antwort von Andrastor gehen, wäre dies ausgeschlossen, aber die Praxis zeigt, dass dem bei vielen mir bekannten Menschen nicht so ist. Und sicher geht es vielen anderen genauso.

Kommentar von Raiden96 ,

Hmm...ein sehr erheiternder Gedanke :) dass man rein aus Nächstenliebe handelt, finde ich schön. :) Danke!

Kommentar von JTKirk2000 ,

Gern geschehen, aber wenn, dann sollte diese Antwort eher aufbauend und vielleicht auch inspirierend sein, aber erheiternd im Sinne von belustigend, war es eigentlich nicht gemeint.

Antwort
von jalu19257, 27

Meiner Meinung nach ist eine Tat umso besser, je geringer der Gegenwert, den man dafür erhält ist.

Beispiel: Jemand gibt einem Bettler Geld
Person 1: Der Bettler gibt mir dafür einen Tipp(o.ä)
Person2: Das ist gut für mein Karma
Person3: Wie schön, jetzt geht es ihm besser.(-->gutes Gewissen)

In diesem Fall wäre die 3.Person der "beste" Mensch, weil ihm das Wissen, geholfen zu haben als Gegenleistung genügt. Noch besser wäre es wenn selbst das zu viel wäre, aber das gute Gewissen kann man ja nicht abschalten. (Was vielleicht auch ganz gut so ist)

Antwort
von anonymus1306, 37

Für mich ist das immer noch eine gute Tat was man selbst damit bezweckt ist ja erstmal egal wenn man vorher jemanden geholfen hat

Kommentar von Raiden96 ,

Guter Punkt, danke. :)

Antwort
von nowka20, 7

eine tat ist immer gut, wenn sich ein anderer mensch durch sei weiter entwickeln kann

Kommentar von Horus737 ,

Eine gute Tat verliert aber viel an Glanz wenn derjenige, der die Tat begeht selber davon profitiert.

Kommentar von nowka20 ,

dem ist wohl so für den beobachter.

aber für den bedachten ist es egal, aus welchem motiv die für ihzn GUTE TAT begangen wurde

Antwort
von aicas771, 15

Hilfe für andere Menschen ist eine gute Tat.

Aber Jesus sagt "... liebe deinen Nächsten wie dich selbst." (Mt. 22,37-40). Jesus sagt nicht "... hilf deinem Nächsten".

Eine gute Tat als Vorleistung, die eine Gegenleistung erwartet (=ein Handel, ein Geschäft zu beiderseitigem Vorteil), ist nicht die Art von guter Tat, die das Gebot Jesu erfüllt, weil da nicht die Liebe der Beweggrund ist. Liebe erwartet keine Gegenleistung.

http://www.bibleserver.com/text/GNB/1.Korinther13

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