Frage von Schmanddackel, 84

Ist eine freiwillige Einzahlung in die Rentenkasse von geerbtem Vermögen bei drohendem ALG-II-Bezug ratsam?

Wenn man als ALG-II-Bezieher Vermögen geerbt hat, fällt man aus dem Leistungsbezug, das ist soweit klar. Man muss also zunächst das Vermögen aufbrauchen, bevor man wieder ALG-II-Leistungen beantragen kann. Was ist in folgendem Fall für einen selbständigen 60-jährigen ehem. ALG-II-Bezieher ohne Job und regelmäßigen Einkommen (max. 300 €/Monat) ratsam: Einzahlung von ca. 12.000 € auf freiwilliger Basis in die Rentenkasse, dann wäre das Schonvermögen erreicht? Danach wieder Antrag auf ALG-II stellen? Derzeit wird der monatliche Mindestbeitrag von 85 € auf freiwilliger Basis in die RV eingezahlt. 2019 wären 45 Beitragsjahre erreicht. Der derzeitige Rentenanspruch liegt bei ca. 1000 €. Was muss man hier beachten? Ab wann wird man in diesem Fall von der Behörde zwangsverrentet? Wie reagiert die Behörde, wenn man Geld in die Rentenkasse einzahlt, anstatt das geerbte Geld zum Bestreiten des Lebensunterhaltes verwendet? Danke schon mal im Voraus für eure Infos.

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Parhalia, 50

Meine Vorredner haben ja bereits erläutert, was die Behörde davon zu halten hätte, würdest Du das Vermögen "beiseite" schaffen ( wenn auch gedanklich gutem Zweckes ).

Aber ich spiele auf einen anderen Punkt zum nachdenken an :

Wenn Dein aktueller Rentenanspruch momentan Brutto knapp 1000 Euro beträgt, so dürftest Du dazu aktuell in etwa ~ 35,5 "Rentenpunkte" haben. Würdest Du die 12000 Euro nun freiwillig in die Rentenkasse einzahlen, so würde das lediglich eine Steigerung von ca. 0.35 Rentenpunkten bedeuten. Das wären in etwa 10 Euro mehr Rente als bislang. Also "Unsinn"😕

"Rente ab 63" wäre für Dich laut Deinen Angaben auch frühestens ab 2019 möglich...somit keine Zwangsverrentung im ALG II - Bezug, solange Du mindestens 3,5h pro Tag arbeitsfähig wärest.

Daher wäre es für Dich doch sinnvoller, Dir zunächst erst einmal auf Basis dieses Polsters einen soliden / dauerhaften Minijob zu suchen, weiter monatlich Deine 85 Euro freiwillig einzuzahlen und das Vermögen weitestgehend aufzubrauchen. Dann stellst Du Deinen ALG II - Antrag, gehst ( soweit möglich ) bis 2019 Deinem Minijob weiter nach und bezahlst auch weiter Deine freiwilligen Beitragsjahre. Das wäre bei der Brutto-Rente dann lediglich ein Verlust von etwa 7,50 Euro gegenüber der Einzahlung von 12000 Euro.

Ich hoffe, Dir in Deiner Frage gedanklich geholfen haben zu können😉

Kommentar von Schmanddackel ,

Es wäre schön, wenn man als 60 jähriger einen brauchbaren Minijob finden könnte.

Pro 1000 € Einzahlung in die Rentenkasse erwirbt man etwa einen Anspruch von 4 € Monatsrente.

Kommentar von Parhalia ,

Ja, ersteres ist durchaus nicht ganz so leicht. Aber hier berücksichtigt ALG II auch bestimmte Freibeträge und Rückstellungen zur Altersvorsorge in der Anrechnung des monatlichen Einkommens. 

Nur mit Deinen Zahlen der Berechnung komme ich momentan nicht ganz zurecht. Auf welche Faktoren Deiner RV ( Wertermittlung der Monatsrente gegen Beitragseingang ) rechnest Du da , bzw. Deine RV ?  Ist das eine private Zusatz-RV, oder die rein gesetzliche RV ?

Ich hatte aber einen kleinen Rechenfehler in meiner Theorie. Somit kommt Deine Rechnung hier schon in etwa auf und es wären somit in der Tat etwa 45-50 Euro mehr Brutto-Monatsrente. 

Soviel mal dazu.

Dann EVENTUELL sogar noch bestätigt in Deinem Ansinnen, dieses Bargeld doch noch unwiderruflich vor Eintritt des Bedürftigkeitsfalles ( ALG II ) in angemessener Höhe der Altersvorsorge zuführen zu können.

Siehe mal hier als ersten Überblick :

http://www.hartziv.org/was-zaehlt-als-vermoegen.html

Bevor Du allerdings handelst und "investierst", so solltest Du einen kleinen Betrag erst einmal in eine vorhabensbezogene Rechtsberatung durch einen Fachanwalt für Sozialrecht investieren. Denn NOCH bist Du ja nicht im Bezug von Leistungen der Grundsicherung. 

Antwort
von atzef, 61

Die absichtliche Herbeiführung einer Hilfebedürftigkeit ist ein Grund, ALG 2-Leistungen zu verweigern. Insofern droht hier eine Leistungsbezugssperre, wenn dem Amt bewusst wird, dass man im Vorfeld des ALG 2-Antrags gezielt Vermögen verausgabt hat, um künstlich eine Hilfebedürftigkeit herbeizuführen.

Kommentar von Schmanddackel ,

Man hat aber die Möglichkeit Altersrückstellungen zu bilden.

Kommentar von atzef ,

Das eine hat aber mit dem anderen nichts zu tun. Führt die Bildung einer Altersrückstellung überhaupt erst zur Hilfebedürftigkeit, verfehlt sie vollständig ihren Zweck.

https://www.arbeitsagentur.de/web/wcm/idc/groups/public/documents/webdatei/mdaw/...

Kommentar von Schmanddackel ,

Hierbei wird nicht darauf hingewiesen, das man pro Lebensjahr 750 € an Altersrückständen bilden kann ...

Antwort
von captron15, 55

wäre es nicht unverschämt, trotz vermögen bedürftigkeit vor zu täuschen???

Kommentar von Schmanddackel ,

Nein, denn man kann Altersrückstellungen bilden, damit man nicht im Alter auf Hartz IV angewiesen ist.

Kommentar von atzef ,

Doch, weil der derzeitige Rentenanspruch schon über der Hilfebedürftigkeit liegt. Insofern bewegt sich deine "Idee" schon im strafrechtsrelevanten Betrugsrahmen...

Kommentar von Ontario ,

Atzef, das stimmt so nicht ganz. Jeder darf pro Lebensjahr einen gewissen Freibetrag als Geldvermögen behalten, ohne dass er dieses aufbrauchen muss, um anderweitig Leistungen beziehen zu können. Eine Einzahlung von 12000 € im Alter von 60 Jahren bringt, was die Höhe der Altersrente angeht, überhaupt nichts. Wenn er im Monat  40 € mehr an Rente bekäme, weil er 12 000 € eingezahlt hat so würde er über 20 Jahre lang brauchen, um das eingezahlte Geld in Form einer Rente zu verbrauchen. Beginnt die Rentenzahlung mit 65 Jahren, dann wäre er weit über 80 ahre alt, bis er den letzten Euro aus seiner Einmalzahlung verbraucht hat. Von Betrug kann schon deshalb keine Rede sein, weil jedem ein Freibetrag zusteht.

Kommentar von Schmanddackel ,

Laut Gesetz hat man das Recht pro Lebensjahr 750 € an Altersrückständen zu bilden, die vor Renteneintritt nicht verwertet werden können.

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