Frage von ThadMiller, 61

Ist eine chemische Reaktion ein physikalischer Vorgang?

Meine Annahme ist, dass jeder chemische Prozess, jede Reaktion, zwangsläufig auch ein physikalischer Vorgang ist. Vermische ich beispielsweise zwei Flüssigkeiten, basiert die Strömungsberechnung auf physikalischen Gesetzmäßigkeiten.

Wenn man all diese Vorgänge auf's Kleinste runter bricht, landet man zwangsläufig immer auch in der Physik.

Vielen Dank für die Antworten!

matmatmat schrieb: "Ja. Du gibst die Antwort doch schon selbst. Wo ist da die Frage?"

Ich hatte unlängs eine Frage mit ungünstigen Schlagworten eingestellt. Die Antworten sind dann in die falsche Richtung "geschlittert".

Darum wollte ich diesmal erst die passende Gruppe schaffen.

Ich stelle diese Frage aus folgendem Grund:

Eine Versicherung lehnt die Schadensregulierung eines
Sprühnebelschadens (Farbsprühnebel hat einen unbeteiligten Gegenstand
beschädigt (viele kleine Tröpchen)) mit folgender Begründung ab: "Es
sind nur physikalische Einwirkungen von der Police abgedeckt, keine
chemischen"

Das hat mich zum Nachdenken gebracht. Die Sache war für mich aber
schnell klar. Die Versicherung definiert hier meiner Meinung nach
falsch.

ICH HABE NICHT MIT DIESEM VERSICHERUNGSFALL ZU TUN!

Antwort
von Physikus137, 16

Chemie = Physik der Elektronenhülle, beliebte ich in meinen Studententagen bei jeder sich bietenden Gelegenheit zu sagen, sehr zum Unmut meiner Freunde aus dem Fachbereich Chemie... 😀

Der Natur ist allerdings herzlich egal, in welche Kategorien wir sie unterteilen.

Antwort
von claushilbig, 4

Konkret zu dem Versicherungsfall:

  • OberflĂ€chliche Farbspritzer an sich sind eindeutig "physikalische Einwirkungen". (Man könnte sie ja sogar rein mechanisch durch "Abkratzen" wieder entfernen, oder mittels eines Lösungsmittels, "Auflösen" ist normalerweise auch ein "physikalischer Vorgang".)
  • Wenn durch die Farbe aber der Untergrund irgendwie angegriffen wurde, dann ist das m. E. eher auf chemische Prozesse zurĂŒckzufĂŒhren.

Allgemein gilt, wenn man sich auf "Schulniveau" verstÀndigt:

  • Physikalischer Vorgang: alle MolekĂŒle bleiben so wie sie sind, verteilen sich evtl. aber anders
  • Chemische Reaktion: MolekĂŒle spalten sich auf und die "BruchstĂŒcke" verbinden sich zu neuen MolekĂŒlen (oder bilden selber welche).

GrundsĂ€tzlich hast Du recht: auch fĂŒr chemische Reaktionen sind physikalische Gesetze verantwortlich, nĂ€mlich ein Teilgebiet der Atomphysik - das geht aber ĂŒber "Schulniveau" hinaus.

Wenn man etwas despektierlich ĂŒber Chemiker sprechen will, kann man sagen, dass die Physik alles vom GrĂ¶ĂŸten (dem Universum) bis zum kleinesten (Quarks u. Ă€.) untersucht und beschreibt, und Chemie nur das klitzekleine Teilgebiet der Physik ist, dass die VorgĂ€nge auf Ebene der AtomhĂŒllen behandelt. ;-)

Antwort
von Herb3472, 32

Ja klar finden bei chemischen Prozessen auch physikalische Vorgänge statt, wie z.B. Erwärmung oder Abkühlung, Volumensänderungen, etc. Das ist klar wie Kloßbrühe und muss auch bei chemischen Prozesstechnologien berücksichtig werden.

Antwort
von Mike074, 15

Das ist eine philosophische Frage. Es gibt eine klare Trennlinie zwischen Chemie und Physik. Die Disziplin Chemie befasst sich ausschließlich mit Elektronenübergängen (die zu Stoffumwandlungen führen), der Atomkern und alles andere (z.B. Mechanik, Optik) gehört ganz der Physik, auf molekularer Ebene alle Vorgänge, die unter Beibehaltung der Nukleonen nicht zu einer Änderung der Elektronenhülle der Atome / Moleküle führen. Streng betrachtet kann man aber die Chemie durchaus auch als ein -klar abzugrenzendes- Teilgebiet der Physik auffassen. Wenn man zeei Flüssigkeiten miteinander vermischt, deren Molekülstruktur dabei unverändert bleibt, dann ist das kein chemischer Vorgang, es sei denn, es findet eine Dissoziation in Ionen statt.

Wenn man den Schmelzpunkt einer Substanz bestimmt, dann ist die Änderung des Aggregatzustandes von fest nach flüssig ein physikalisches Phänomen, wenn sich die Substanz dabei "zersetzt", dann ist das ein chemischer Vorgang.

Antwort
von Karl37, 20

Die Stoffumwandlung ist ein chemischer Vorgang, das ganze drum herum natürlich physikalisch. Daher gibt es auch die physikalische Chemie, ein eigenes Fachgebiet.

Antwort
von matmatmat, 37

Ja. Du gibst die Antwort doch schon selbst. Wo ist da die Frage?


Antwort
von Grautvornix16, 6

Eindeutig: JA. Die fakultative Unterscheidung ist rein verfahrenstechnisch/durch die Aufgabenstellung begrĂŒndet.

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