Frage von John7300, 81

Ist eine Abmahnung oder sogar Kündigung möglich?

Hallo zusammen, ich habe mal eine rein theoretische Frage. Nehmen wir mal an, ich würde als Kaufmann in einem großen Konzern (mit BR und > 10.000 Mitarbeiter) arbeiten. Bei der Abwicklung eines Projektes ergeben sich mehrere kleine Fehler. Zum einem werden z.B. die Plankosten falsch ermittelt (Fehler wurde nach Bekanntwerden sofort bereinigt), es wurde vergessen ein Material zu bestellen und zu liefern sowie wurde aus Nichtwissenheit eine Auftragsbestätigung nicht von der Führungskraft oder sonst jemanden unterschrieben und nur diese an den internen Kunden versandt und kein Vertrag aufgesetzt, da der Kaufmann davon ausging, dass bei Standardvertragsbedingung en eine Bestellung vom internen Kunden und eine Auftragsbestätigung ausreichend sei. Zudem gab es einen Fehler bei einer Auftragseingangsbuchung, die korrigiert werden musste. Alle diese Fehler sind dem Kaufmann nicht aufgefallen und sind erst jetzt bekannt geworden, da das Projekt an einen anderen Kaufmann übergeben wurde, der die Fehler nun entdeckt hat und bereinigt. Die Fehler sind bereits vor ca. 2 Jahren als "Neuling" entstanden. Inzwischen (vor ca. einem halben Jahr) ist der Kaufmann auf eine andere Stelle innerhalb des Konzerns gewechselt und hat entsprechend komplett andere Aufgaben und disziplinarische Vorgesetzte bekommen. Meine Frage ist nun, kann man den Kaufmann für seine Fehler in der Vergangenheit noch abmahnen oder sogar kündigen? Würden zudem diese Arbeitsfehler bzw. Verfahrensfehler eine Abmahunung oder sogar direkte Kündigung ohne vorherige Abmahnung rechtfertigen? Wie gesagt ist der Kaufmann schon seit einem halben Jahr in einem anderen Bereich des Unternehmens tätig und hat auch andere disziplinarische Vorgesetzte. Wenn jetzt der alte Bereich den Kaufmann für seine alten Fehler abmahnen möchte, muss dieser dann auf die aktuellen disziplinarischen Vorgesetzten des Kaufmanns zugehen und müssen diese dann der Abmahnung oder Kündigung zustimmen bzw. auch die Abmahnung oder Kündigung aussprechen oder geht das auch ohne die neuen disziplinarischen Vorgesetzten, da der Arbeitgeber weiterhin identisch ist?

Alle diese Fehler sind bei einem Auftrag entstanden und zwar als "Einsteiger". Nun hat der Kaufmann, wie ihr ja alle wisst, wahnsinnige Angst, dass er nun gekündigt wird. Rechtfertigen diese Ansammlung von Fehler eine Kündigung ohne vorherige Abmahnung? Es handelt sich bei dem Arbeitgeber um ein Großunternehmen > 10.000 MA und mit BR. Die Fehler wurden ungefähr vor zwei Jahren gemacht und wurden jetzt erst erkannt. Der besagte Kaufmann ist aber bereits seit ca. 6 Monaten in einem anderen Bereich tätig und hat neue disziplinarische Vorgesetzte. Der Arbeitgeber ist aber weiterhin der gleiche.

Antwort
von PeterSchu, 42

Grundsatz einer Kündigung  muss das ultima-ratio-Prinzip sein, das heißt, sie darf nur dann erfolgen, wenn es keine anderen Mittel gibt, Probleme im Arbeitsverhältnis zu beseitigen.

Bei einem Fehler, der ohne Vorsatz passiert ist und einer gewissen Unerfahrenheit zugesprochen werden kann, ist es eigentlich stark anzunehmen, der Arbeitnehmer kann mit einer Abmahnung oder vielleicht sogar nur mit einer Belehrung dazu gebracht werden, dass solche Fehler nicht mehr passieren. Eine sofortige Kündigung würde ich keineswegs als angebracht bezeichnen.

Eine gewisse Rolle spielt es vielleicht noch, wie groß die betrieblichen/finanziellen Auswirkungen waren. Einem größeren Verlust wäre natürlich auch ein größeres Augenmerk zu geben.

Gegen eine schärfere Maßnahme spricht zudem noch, dass seitdem 2 Jahre ohne weitere Verfehlungen ins Land gegangen sind. Auch ohne Abmahnung hat der Arbeitnehmer ja quasi bewiesen, dass sein Verhalten sich seit dem Fehler schon gebessert hat. Wozu also noch eine Abmahnung?

Arbeitsrechtliche Konsequenzen kann es theoretisch auch nach längerer Zeit noch geben, denn ein Arbeitgeber kann ja auch erst nach Bekanntwerden reagieren. Aber unter den genannten Umständen würde ich dem eher gelassenn entgegen sehen. Allein die Tatsache, dass der Fehler bisher noch nicht aufgefallen war, beweist ja, dass es dem Betrieb nun nicht unbedingt einen riesigen Schaden zugefügt hat.

Kommentar von John7300 ,

Schaden ist meiner Meinung nach nicht entstanden. Evtl. durch die zu hohe Auftragseingangsbuchung, die teilweise zurückgenommen werden musste, ist das Bruttoergebnis im Nachhinein gesunken. Der Auftrag hat für das Unternehmen eine sehr kleine bis keine finanzielle Bedeutung, da es ein vergleichbar kleines Thema ist.

Da der Kaufmann in einem ganz anderen Bereich und Arbeitsgebiet im Unternehmen tätig ist, können ihm solche Fehler nicht erneut unterlaufen...

Antwort
von Novos, 40

Da man als AG eine Abmahnung erst nach aufdecken der gemachten Fehler aussprechen kann, kann das rechtlich gemacht werden, denn der AG ist ja noch im Unternehmen beschäftigt.

Kommentar von John7300 ,

Schon klar, dass man es noch kann. Die Frage wäre eher, ob die Fehler eine Abmahnung oder sogar eine Kündigung ohne vorherige Abmahnung überhaupt rechtfertigen?!

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