Frage von tod34, 32

Ist ein Zitat eine Historische Quelle?

Ist das Zitat "Herr Gorbatschow, öffnen Sie dieses Tor! Herr Gorbatschow, reißen Sie diese Mauer nieder!" - Rede vor dem Brandenburger Tor, 12. Juni 1987 eine Quelle? Und wenn nicht könnt ihr mir bitte ein Beispiel nennen?

Antwort
von Wurzelstock, 14

Ein Zitat ist keine Quelle.

Aber "Rede vor dem Brandenburger Tor, 12. Juni 1987" wird zur Quelle, sobald Du den Redner hinzufügst.

(P.S.: Ich kann es zwar nicht beweisen, aber ich möchte schwören, dass Reagan und Gobatschow den Mauerfall schon in Reikjavik beschlossen haben. Der historische Satz war ein Theater fürs Volk.)

Kommentar von tod34 ,

Es ist meine Hausaufgabe eine historische Quelle für die schule mitzunehmen könntest du mir vllt ein beispiel oder sogar eine zeigen damit ich sie aufschreibe und mitnehmen kann für morgen?

Kommentar von Wurzelstock ,

An sich ist der Verweis auf die Rede Reagans schon eine Quelle.

Hier vielleicht ein präziseres Beispiel:

Kaiser Tiberius residierte auf Capri und schrieb von dort aus regelmäßige Briefe an den Senat in Rom. Einer begann so: "Was ich euch schreiben soll, Senatoren, oder wie ich schreiben soll, oder was ich überhaupt nicht schreiben soll in diesem Augenblick - die Götter und Göttinnen mögen mich noch ärger zugrunde richten, als ich täglich meinen Untergang spüre, wenn ich das weiß!" (Quellen: Tacitus, Annalen, VI,6, Artemis Verlag, Sammlung Tusculum, und Sueton, Leben der Caesaren/Tiberius, 67, dtv)

Kommentar von tod34 ,

Danke

Kommentar von Wurzelstock ,

:-)

Kommentar von tod34 ,

Was war denn das Ereignis , damit meine ich was geschah da um diesen Brief zu schreiben

Kommentar von tod34 ,

Die Vorgeschichte um genau zu sein 

Kommentar von Wurzelstock ,

Der Brief hat zwar Vorgeschichte und ein Ereignis, doch der historische Wert liegt vielmehr auf einem (punktuellen) Psychogramm des gealterten Kaisers.

Dies umso mehr, als er nicht den vornehmen Stil benutzte, der stets mit griechischen Brocken durchsetzt war (von Augustus gibt es solche Briefe), sondern den derben Ton des Kasernenhoflateins, dem er aber einerseits mit polternden Stabreimen, und andererseits mit klugen Wortspielen nichtsdestoweniger ein hohes Niveau verleiht.

Trotz dieser Schnodderigkeit vergisst er aber nicht, den Senatoren die Reverenz zu erweisen - "Patres conscripti" - was soviel heißt wie: "ehrenwerte Väter".

So wussten wohl auch die angeschriebenen Senatoren nicht so recht, was sie davon halten sollen. Tacitus schreibt dazu: "Eigenartig erschien der Anfang des Briefes des Kaisers;..."

In der Fußnote der Tusculum-Ausgabe merkt der Kommentator dazu an: "In dem Brief äußert sich die 'Verzweiflung eines verkannten, vereinsamten und verratenen Menschen' (Drechsler, Tacitus p. 177). In dem Kapitel kann man das 'Kernstück nicht nur des 6. Buches, sondern der ganzen Hexade überhaupt' (Koestermann z. St.) sehen."

Damit hast Du dann gleich noch ein paar Beispiele für Quellenangaben. :-)

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