Ist ein per Email gemachtes "Angebot von Privat" unverbindlich?

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3 Antworten

Verträge sind entgegen weit verbreiteter Meinungen auch dann schon Verträge, wenn sie mündlich oder eben per Mail abgeschlossen wurden.

Wenn du ein Angebot per Mail abgegeben hast und es nicht zu erkennen ist, dass du dieses Angebot nur unverbindlich machen wolltest, dann gilt dieses Angebot auch rechtlich als Angebot. Das besagt § 145 BGB:

"Wer einem anderen die Schließung eines Vertrags anträgt, ist an den Antrag gebunden, es sei denn, dass er die Gebundenheit ausgeschlossen hat."

Damit ein Vertrag zustande kommt, muss es zwei übereinstimmende Willenserklärungen geben. Deine Willenserklärung war das Angebot, wenn dein Gegenüber dieses Angebot annimmt, dann kommt ein Vertrag zustande.

Dabei müssen die sogenannten essentialia negotii, d.h. die wesentlichen Vertragsbestandteile vorhanden sein. Diese sind:
1) Der Gegenstand des Vertrags, d.h. Leistung und Gegenleistung
2) Die Vertragspartner

Wenn diese Bestandteile vorhanden sind, ist ein wirksamer Vertrag zustande gekommen. Ob per Mail oder mündlich oder schriftlich oder wie auch immer, ist dabei egal. Genauso egal ist es, wenn du nur den Vornamen weißt. Ein Brötchenkauf beim Bäcker ist schließlich auch ein Vertrag, obwohl du hier nur die Person siehst, die vor dir steht und keine Namen oder Adressen kennst. Wichtig ist nur, dass der Vertragspartner feststeht - der ist in deinem Fall der Inhaber der Mailadresse. Wie der heißt, ist unerheblich.

Natürlich gibt es von diesen Grundsätzen Ausnahmen, wenn der Vertrag beispielsweise eine bestimmte Form haben muss. Ich denke aber, dass eine solche bei dir nicht vorliegt, da du nichts davon schreibst.

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Kommentar von baronandre
10.03.2016, 10:48

Danke dir für diese fachkundige Antwort mit Auszügen. Bestens! Die o.g. Hauptfrage wurde für Freund gestellt , der leider (noch) nicht bei GF ist. Hat denn B eine Chance, an A heranzutreten ohne Adresse, und wie wäre der Ablauf? Also die Schritte? Das interessiert nun mich, als heißes Thema

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Ist aus meiner Sicht ein rechtlich verbindliches Angebot. Für die meisten Verträge besteht kein Formerfordernis, sodass die Versendung per Email da nicht schädlich ist. Ob die Herkunft von einer bestimmten Person im Streitfall nachweisbar ist, ist eine andere Frage.

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klar, erst wenn B erklärt, er nimmt das Angebot an, wird ein Kaufvertrag draus.

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