Frage von enchino, 33

Ist ein Grexit in Sicht?

In den News steht nur, dass eine Milliardenhilfe kam.

Aber was ist mit Grexit? Heißt die Milliardenhilfe, dass Europa Griechenland beibehalten will?

Antwort
von Stefanos, 18

Dazu gibt es eigentlich keinen Grund mehr, da die Banken ja mitlerweile im Trockenen sind. An die Banken ging auch die Milliardenhilfe, ich hoffe du bist dir dessen bewusst.

Außer es ist gewollt, dass der Ausverkauf weitergeht. Ein großer Teil des Tafelsilber Griechenlands wurde ja bereits zu Spottpreisen verscherbelt. Vielleicht ist noch etwas übrig, dass sich billig aneignen lässt. So lange wird Griechenland definitiv im Euroraum bleiben.

Kommentar von enchino ,

danke für die Antwort, was meinen sie mit dem Ausverkauf?

Antwort
von Stefanos, 14

Einmal der Reihe nach:

Die sogenannten "Hilfspakete", die die Griechen bekommen, sind mit "Reformen" verbunden.

Zu den "Hilfspaketen":

Hilfspaket bedeutet, dass den Griechen Kredite gegeben werden, um ihre Schulden zu bezahlen. Diese Kredite verursachen Zinsen. Das heißt, das das wirtschaftlich angeschlagene Griechenland nicht nur die Kredite zurückzahlen muss, sondern obendrauf noch Zinsen für eben diese Kredite. Das ist bekanntlich ein Teufelskreis. Ökonomen haben berechnet, dass Griechenland längst wieder überlebensfähig wäre, würden sie nicht ständig von der Last der Zinsen erdrückt.

Nun zu den sogennanten "Reformen":

Etwas zu reformieren bedeutet eigentlich, veraltete, unbrauchbare, unnütze Strukturen abzuschaffen und durch neue, wirtschaftliche und effektive Maßnahmen zu ersetzen. Im Falle Griechenlands heißt Reformen jedoch etwas anderes:

Reformen ist eine nette Umschreibung für die Erhöhung der
Mehrwertsteuer (von 13% vor der Krise auf jetzt 24%), Erhöhung der Benzinsteuer (2,15€ im Jahr 2010 pro Liter), Senkung der Renten (ca. 55% Rentenkürzung seit 2009), Senkung des Mindestlohns (auf 586€), Reduzierung des Staatsapparats (Entlassung/Nichtwiederbesetzung von über
30.000 Personen), Erhöhung der Heizölsteuer, Wegfall diverser Subventionen für Bauern, usw.

Hierzu gehört auch der Verkauf von Staatseigentum.
Ganz richtig, Griechenland wurde durch die Troika vorgeschrieben, Staatseigentum zu "privatisieren". Aus den Erlösen der Verkäufe sollen Schulden abbezahlt werden. Dazu zählen: die staatliche Bus- und Bahngesellschaft, diverse Häfen, Flughäfen, Wasser- und Elektrezitätswerke, usw.

Dabei wurde Griechenland gezwungen,
alle staatlichen Unternehmen, die Miese machten, zu behalten, während alle staatlichen Unternehmen, die (große) Gewinne erwirtschafteten, umgehend zu verkaufen. Und so kam es, dass die Häfen von Thessaloniki und Piräus (größter Hafen Europas) in private Hände gingen, ebenso diverse Flughäfen auf Ferieninseln, die große Gewinne durch den boomenden Tourismus einfuhren.

Diese 14 Flughäfen schnappte sich übrigens die Firma Frapport aus Frankfurt zum Schnäppchenpreis. Frapport gehört zu 51% der Stadt Frankfurt und dem Land Hessen. Oder mit anderen Worten: gewinnbringendes griechisches Staatseigentum ist zum Spottpreis zu deutschem Staatseigentum geworden.

Nun kann man sich fragen: wie soll Griechenland sich erholen und selbständig wirtschaften, wenn alle gewinnbringenden Unternehmen verkauft wurden? Die Antwort: es ist schlicht nicht erwünscht, dass Griechenland wieder auf eigenen Beinen steht. Nur solange die Griechen durch Troikageld überleben, kann ihnen auch der wirtschaftliche Selbstmord diktiert werden. Nur so fließen weitere Zinsen an die Geldgeber. Der Ausverkauf Griechenlands geht also weiter.



Kommentar von veritas55 ,

Leider hast du in allem vollkommen recht :/.

Antwort
von JBEZorg, 6

Nachdem Tzipras sich verkauft hat nicht.

Antwort
von soissesPDF, 7

Es wird keinen Grexit geben.
Trotz allem Tamtam will die Politik einen Grexit vermeiden.
Dann wäre Zahltag, nicht nur für die Griechen, sondern im gesamten Euroraum.
Nur dann nicht mehr in Euro, sondern in nationaler Währung.

Es ist recht verniedlichend von Hilfspakten und Hilfskrediten zu reden, tatäsächlich kommt in Griechenland kein Cent an.
Die Gelder landen umgehend bei den Gläubigerbanken, auch den deutschen Banken.

Antwort
von veritas55, 14

Der ersten Antwort ist nichts hinzuzufügen und zu deiner Frage bzgl. eines Grexit lässt sich Stefanos´ Antwort so zusammenfassen:

Es wird keine Kuh geschlachtet solange sie noch gemolken werden kann...

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