Frage von josef788, 123

ist ein bordellbesuch moralisch vertretbar, solange man single ist?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von RFahren, 68

Um es mit Nietzsche zu sagen:

Moralische Entrüstung besteht meist aus 2% Moral, 48% Hemmung und 50% Neid!

Es kommt immer darauf an, unter welchen Umständen (in Beziehung oder Single) man lebt, ob man es ggf. mit seiner Partnerin (sofern vorhanden) absprichst und natürlich wohin man geht.

In einem schönen FKK- oder Saunaclub stimmen nicht nur Hygiene und Ambiente, Dienstleisterinnen und Gäste können sich hier auf Augenhöhe begegnen - fern der Klischees von Schmuddel und Zwang. Eine Session ist meist erotischer, wilder, zärtlicher, verschmuster, alberner und schöner, als es sich die Theoretiker und Moralapostel überhaupt vorstellen können.

Wirklich verwerflich finde ich persönlich lediglich die Inanspruchnahme der Dienste Minderjähriger (verboten!) und Zwangsprostituierter (auch verboten!). Dabei ist es allerdings so, dass die ständig wiedergekäute Parole "Die meisten Prostituierten sind Zwangsprostituierte" schlicht Käse ist. In den letzten 10+ Jahren hatte ich (mit Wissen und Einverständnis meiner Frau) Sex gegen Geld mit rund 1.000 Frauen - dabei ist mir keine Einzige begegnet, die erkennbar unter Zwang mit mir zusammen war.

Da allerdings einige Feministinnen selbst die Notwendigkeit Geld zu verdienen als Zwang auslegen, kann man hier endlos diskutieren (so gesehen bin ich auch Zwangsarbeiter, denn ich gehe nicht ins Büro weil mir langweilig ist!).

Wer Prostitution verurteilt bedient sich oft einer Doppelmoral, denn bei der gerne empfohlenen Alternative "Such Dir doch einen One-Night-Stand" wird oft gelogen bis sich die Balken biegen ("Natürlich bin ich Single", "Ich suche etwas Festes...", "Ich bin schon so gut wie geschieden..." usw.) um das Opfer ins Bett zu bekommen. Warum der angeblich so verwerfliche "Sex ohne Liebe" in einem solchen Fall moralisch wertvoller ist, als bei einem fairen Geschäft, ist mir nicht klar. Auch eine Versorgungsehe, bei der der Braut die finanzielle Ausstattung des Gatten wichtiger war, als die Liebe zu einem "armen Schlucker" wird selten wirklich beanstandet.

Frauen sind Prostituierte natürlich meist suspekt, da die Möglichkeit jederzeit unkompliziert Sex kaufen zu können, die Damen eines beliebten Belohnungs- und Steuerungsinstruments beraubt... .

Frage also besser nicht die Menschen, die Ihr Wissen über Prostitution von RTL oder dem Stammtisch haben, sondern eigene Erfahrungen sammeln konnten. Viele Details über die verschiedenen Geschäftsmodelle findest Du in dem unterhaltsamen und informativen Buch "Wir sehen uns im Puff!" (gibt's als Taschenbuch und eBook bei Amazon) - dann kannst Du Dir ein besseres Bild machen... .

Lass Dir jedenfalls nicht die Moral eines anderen aufzwingen...

Seid nett aufeinander!

R. Fahren

Kommentar von Nitra2014 ,

Frauen sind Prostituierte natürlich meist suspekt, da die Möglichkeit
jederzeit unkompliziert Sex kaufen zu können, die Damen eines beliebten
Belohnungs- und Steuerungsinstruments beraubt... .


Ich stimme dir zum Großteil zu, bis auf diesen Satz. Mir ist bewusst, dass Prostitution ein normaler Beruf ist. Trotzdem ist er mir suspekt. Nicht nur wegen der Möglichkeit, dass junge Damen aus dem Osten dazu gezwungen werden können und auch nicht wegen dem was du oben schreibst, sondern weil mir der Gedanke an sich nicht gefällt, dass Frauen käuflich sind wie eine Ware.

Dabei spielt es für mich keine Rolle, ob sich eine Frau von einem Kerl aushalten lässt, oder ob sie ein "faires Geschäft" mit ihm eingeht wie es eine Prostituierte tut.

Die Sexalisierung der Frau ist ein Rückschritt in der emanzipatorischen Entwicklung. Frauen sind mehr denn je auf sexuelle Attribute reduziert. Nur die Prostituierte schlägt Geld daraus, was sie einerseits unabhängig macht, aber die Wechselwirkung ist eben auch, dass Männer sie als käufliche Ware betrachten.

Am meisten erregen Zuhälter mein Missfallen, aber auch die Freier weil ich mich frage, wer sich das Recht herausnimmt mit dem Körper einer Frau Kapital zu schlagen oder diese einfach zu "kaufen". Verstehst du was ich meine?

Der ONS, wo gelogen wird, dass sich die Balken biegen, ist wieder was anderes und so wie du es beschreibst, für mich als bekennende Feminstin keinesfalls moralisch harmlos.

Kommentar von RFahren ,

Vielen Dank für Deine differenzierte Auseinandersetzung mit meiner Antwort.

Die Behauptung, dass ein Freier eine Prostituierte "kauft" ist ein immer wieder vorgebrachtes Argument der Prostitutionsgegner und Feministinnen.

Tatsächlich ist es aber so, dass ein Freier nicht etwa den Körper der Frau kauft, sondern nur die ZEIT, die er mit ihr verbringt. Genau den gleichen Deal - also Geld gegen Zeit - machst Du mit Deinem Masseur, Arzt, Rechtsanwalt oder Steuerberater.

Genau wie bei den genannten Berufen ist es auch stets die Dienstleisterin, die bestimmt, welche Leistungen für wen erbracht werden - und ebenso welche nicht. Es ist keinesfalls so, dass eine Sexworkerin jedem Gast zu willen sein muss um dessen perverse Gelüste zu befriedigen. Unterhalte Dich mal mit ein paar Prostituierten und Du wirst eine Menge selbstbewusster Frauen kennenlernen, welche die Machtverhältnisse beim Paysex ganz anders sehen, denn sie nehmen den Freiern Geld für etwas ab, was sie woanders gratis bekommen können... . Es ist immer die Dienstleisterin, die festlegt, was sie für einen bestimmten Gast bereit ist zu leisten oder ihn ganz abzulehnen. Eine Altenpflegerin, die dem demenzkranken Senior die Exkremente aus der Arschritze kratzt und dafür womöglich sogar noch Beschimpfungen und Schläge einstecken muss, kann diesen "unangenehmen Kunden" beim nächsten Mal nicht einfach ablehnen... . 

Allein die Möglichkeit, dass Frauen zu dieser Tätigkeit gezwungen oder genötigt werden KÖNNEN, begründet keine moralische Verurteilung oder gar ein Verbot der Sexarbeit an sich - sonst müsste man auch die Institution der Ehe verbieten, weil es immer wieder zu Zwangsehen kommt - auch in unseren Breiten... .

Geld mit dem Körper und den körperlichen (sexuellen) Attributen einer Frau zu verdienen sollte man ebenfalls nicht grundsätzlich verurteilen - denn wo willst Du die Grenze ziehen? Beim Pornodreh? Beim Striptease? Bei der Gogo-Tänzerin in der Disco? Der Ballett-Tänzerin in der Oper? Bei der "seriösen" Schauspielerei?

Die Sexarbeit hat jedenfalls eine differenziertere Auseinandersetzung mit dem Thema verdient, als diese aktuell an Stammtischen, bei Feministinnen-Treffen und in Kabinetten stattfindet, denn dort ist es meist nur ein unermüdliches Aufsagen von Vorurteilen - in der Regel ohne eine Sexworkerin an diesen Gesprächen überhaupt zu beteiligen... . Schade eigentlich... .

Seid nett aufeinander!

R. Fahren

Kommentar von Nitra2014 ,

Danke für die aufschlussreiche Antwort. Einiges kann ich sehr gut nachvollziehen. Mir stellen sich einfach aus einem Bauchgefühl die Nackenhaare auf weil ich schon einen krassen Unterschied sehe, ob jemand massiert oder gepflegt wird, oder ob jemand für Geld in den Körper einer Frau eindringen darf.

Pflegen ist ein wichtiger Beruf, während Sexarbeit die niederen Triebe von Männern erfüllt. Das eine ist gesellschaftlich angesehen, das andere eher weniger. Es mag sein, dass es der Sexworkerin trotzdem besser geht. Da magst du recht haben. Das ist aber eigentlich gar nicht so mein Hauptproblem.

Ich kenne mehr Männer, die Prostituierte ablehnen als Frauen. Komische Doppelmoral, da es meist dieselben Männer sind, die ein Bordell besuchen.

Frauen, jedenfalls die, die ich kenne, lehnen eher den Zuhälter oder den Freier ab, so wie ich.

Ja, wo zieht man die Grenze. Gute Frage. Auch das mit der Ehe ist ein gutes Argument. Bin ebenfalls kein Freund davon. :) Aus persönlichen Gründen. Hab die krasse Scheidung und die üble Art meiner Mutter auf gewalttätige Stalker-Art damit umzugehen miterlebt.

Beides würde ich nie machen. Weder heiraten noch je mich von einem Kerl aushalten lassen. 


Ich bin bereit meine Vorurteile bezüglich Freiern zu bedenken, aber ich mag Zuhälter trotzdem nicht. Egal was ich über diese schmierigen Gesellen lese, es bestärkt meine Vorurteile nur als diese auszuräumen. Kennst du Bad Boy Ulli und seine Rockermemoiren? Da kam mir die Galle hoch, auch wenn er behauptet, er hätte nie eine Frau gezwungen. Dafür hat er einem Kerl die Ohren abgerissen weil der kostenlosen Sex mit einer seiner Angestellten hatte, in die der sich verliebt hat. Außerdem hab ich eine Reportage als Nachruf auf einen bekannten Zuhälter gesehen. Der gab selbst zu Frauen immer schlecht behandelt zu haben, wurde aber als respektable Persönlichkeit dargestellt, obwohl er mehrfach im Knast war wegen Körperverletzung.

Eine Ballett-Tänzerin und eine Stripperin sind für mich zwei völlig verschiedene Paar Schuhe. Das eine hat was mit kunstvollem Tanz zu tun, das andere ist reiner Fleischbeschau. Die eine kriegt nach dem Auftritt Blumen und Applaus. Ein Haufen Kerle stecken der anderen in angetrunkenem Zustand Geld in die Unterwäsche. Nein, danke, mir fällt es einfach schwer da einen Zusammenhang zu sehen.

Aber was du beschreibst, finde ich sehr interessant. Aus dem Aspekt hab ich es bisher noch nicht betrachtet und fühlte mich gerade, als hätte ich was dazu gelernt.


Kommentar von RFahren ,

Die Grenzen von der medizinischen Massage zur Entspannungs- oder gar Tantra-Massage mit "Happy End" sind fließend und auch in der Altenpflege gibt es inzwischen das Berufsbild der Sexualbegleiterin oder Surrogatpartnerin (Google das mal...)- deren Dienstleisterinnen oft aus Pflegeberufen stammen.

Das "Eindringen in den Körper" ist auch für eine Frau nur dann wirklich "schlimm", wenn sie es unfreiwillig macht. Die überwiegende Mehrheit der Gäste behandelt eine Sexworkerin nicht schlechter, als ein Date in der "freien Wildbahn" und eine Session mit einer Sexworkerin daher oft für beide Seiten mehr als nur "erträglich"... .

Die "niederen Triebe" - also den Fortpflanzungstrieb - haben alle Menschen, auch die Frauen. Allerdings sind aufgrund der Biologie die Frauen deutlich wählerischer, da sie stets Gefahr laufen mit den Folgen einer sexuellen Eskapade - also einem Kind - weiterleben zu müssen, während ein Mann leicht für schnellen, anonymen, unverbindlichen Sex zu begeistern ist. 

Frauen brauchen keine Bordelle, denn den meisten fällt es leicht sich bei Bedarf für einen ONS "abschleppen" zu lassen. Auch in Swingerclubs erhalten Solo-Damen meist kostenfreien Eintritt - warum sollte also eine Frau für Sex bezahlen? Trotzdem machen das manche Frauen - indem sie Reiseziele mit "Mehrwert" wie Kenia, Cuba oder DomRep buchen. Dort ist es allerdings nicht das klare "Sex gegen Geld", sondern meist ein Mann vom Hotelpersonal, der sich in die Frau "verliebt" und sie befriedigt. Dafür verlangt er natürlich kein Geld, aber seine Eroberung hilft ihm dafür mit einer "Spende" (und oft auch mit monatlichen Überweisungen nach der Heimkehr) seinen Traum vom eigenen Restaurant o.ä. zu erfüllen... . Beim Personal dieser Hotels gibt es übrigens eine feste Rangfolge: Der Chef-Animateur bekommt beispielsweise die ältesten und fettesten Frauen, denn die gelten als besonders dankbar... . (Bitte deswegen nicht auf mich losschlagen - das stand so in der Focus).

Das "Ablehnen" von Prostituierten muss aber nicht unbedingt daran liegen, dass Männer diese Frauen als "schmutzig" oder "unwert" ablehnen - viele haben einfach Angst vor ihrer sexuellen Energie und Macht... . Gerade Männer mit geringem Selbstwertgefühl haben daher Probleme mit erfahrenen Frauen - egal ob nun aus dem Gewerbe oder nicht... . Schade eigentlich... .

Zuhälter mag niemand: Dabei ist es jedoch auch so, dass die von Dir genannten Kiez-Größen und Buch-Autoren eine aussterbende Art sind. Prostitution ist heute ein legaler Beruf und die Frauen benötigen daher niemanden mehr, der sie "beschützt", "versteckt", mit Kunden versorgt oder "das mit der Polizei regelt". Die Dienstleisterinnen stammen zu 95% aus EU-Ländern (aktuell überwiegend Rumänien und Bulgarien) und können hier legal einreisen und arbeiten und die meisten bezahlen auch brav ihre Steuern. Daher braucht es keine "Schlepper" und "Menschenschmuggler" und die Frauen werden auch nicht "isoliert" und bekommen "den Pass abgenommen" usw. Ohne Ausweis kann eine Frau in keinem Club einchecken und das Smartphone (meist die neuesten Modelle) ist immer im Handtäschchen.

Was heute allerdings immer noch funktioniert ist die sogenannte "Loverboy-Masche" - d.h. ein junger, ansehnlicher Mann sucht sich junge, unbedarfte Girls (oft schon in der gemeinsamen Heimat - z.B. Rumänien, Bulgarien) und beeindruckt diese durch viel Geld, aufgemotzte Autos, wilde Partys, schillernde Freunde, Drogen, Erfahrung im Bett usw. Wenn sich das Mädel dann richtig in ihren "tollen Hecht" verliebt hat und man gemeinsam Zukunftspläne schmiedet, stellt sich leider heraus, dass der "tolle Typ" aus einem "schief gegangenen Geschäft" noch einen Haufen Schulden hat, den nur seine Liebste helfen kann abzuzahlen - indem sie "für kurze Zeit" als "Tänzerin" - und später dann natürlich als Prostituierte - Geld für ihn (bzw. die gemeinsame Zukunft) verdient... . Dabei weiss dann nicht einmal die Frau, dass sie einen Zuhälter hat, denn sie macht es ja "aus Liebe"! 

Entweder er zeigt irgendwann sein wahres Gesicht und verlangt immer höhere Einnahmen und verteilt bei zu geringen Einnahmen auch mal Schläge - oder er lässt sie fallen und hat längst das nächste Opfer an der Angel. Dass die Frau dann von dem "gemeinsamen Geld" nie etwas sieht , steht auf einem anderen Blatt. DIESEN Typen beizukommen ist aber mehr als schwierig, denn viele Frauen finanzieren mit ihrer Arbeit (und wenn's bei Aldi an der Kasse ist) eine faulen Schmarotzer zuhause. Das ist wie mit der Erbschleicherei: Wer kann und will beurteilen, dass die 20jährige den 80jährigen Millionär nicht wirklich aufrichtig liebt?!

Auch die Ballett-Tänzerin und die Stripperin sind nur zwei Extreme auf einer gemeinsamen Skala. Wann ist Tanz bzw. Striptease "Kunst"? Ist eine mit Nackten inszenierte Wagner-Oper höhere Kunst als ein Burlesque-Striptease im schicken Nachtclub? Sind die nackten Brüste der Tänzerinnen im Moulin Rouge oder Folies Bergere Kunst und die im Stripclub um die Ecke nicht? Wer legt das fest?

Kommentar von sailormars ,

Eure Diskussion ist super interessant zu lesen, kompliment, dass ihr so sachlich bleibt! Da ist es echt interessant, verschiedene Meinungen  zu lesen :)

Antwort
von Haleybutt, 82

Na logo! Dafür gibt es sie doch!

Antwort
von Krabapell, 68

Naja, wenn man nachdenkt, dass die ähhhm Frauen dort meistens dazu gezwungen werden, nein.

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