Frage von Magpie01, 79

Ist ein Alkoholproblem ein Kündigungsgrund?

Ich habe eine Arbeitskollegin, die ein definitives Alkoholproblem hat. Sie war auch schon des öfteren stockbesoffen auf der Arbeit. Man kann es nicht nur riechen, sondern man merkt es, wenn sie redet und läuft. Wir arbeiten im direkten Kundenservice in einem Kurbetrieb: Hallenbadkasse und Terminierung. Wir haben am Tag mit hunderten von Leuten direkten Kontakt. Alle Arbeitskollegen wissen von ihrem Problem. Bei unseren obersten Chefs bin ich mir nicht sicher. Aber wenn sie nicht blind und taub sind, haben sie es auch schon mitbekommen.

Besagte Kollegin kam jetzt schon mehrmals zu spät zur Arbeit. Immer morgens. Schichtbeginn ist um 8:30 Uhr. Wir kommen zwischen 8:20 und 8:25 Uhr. Das erste Mal habe ich um 9:00 versucht sich anzurufen, 30min später hat sie sich zurückgemeldet, sie hätte verschlafen. Um 10 Uhr war sie dann da und hat elend nach Alkohol gestunken. Selbst die Kollegin, die um 17 Uhr abgelöst hat, hat es noch gerochen. Jetzt ist es wieder passiert. Sie hat erst um 9 Uhr angerufen und sich krank gemeldet. Unser Büro in der Verwaltung ist ab 7 Uhr besetzt. Dass ich krank bin, merke ich, wenn ich morgens aufstehen. Nicht 30min nach Dienstbeginn. Jede andere Kollegin hätte von unserem obersten Chef einen üblen Rüffel bekommen und beim 2. Mal eine Abmahnung. Sie nicht. Statt dessen sind wir alle schriftlich verwarnt worden, dass es ein Grund für eine Abmahnung ist, wenn wir uns nicht bis 7:30 Uhr krank gemeldet haben. Was in den über 7 Jahren, die ich da schon arbeite, noch nie ein Problem war. Wenn etwas ist, rufen wir immer alle zeitig an. Allein schon aus Rücksicht auf die Kolleginnen. Sie nicht. Wobei ich sagen muss, dass sie uns auch in andere Hinsicht schon in den Rücken gefallen ist. Und dann von den Vorgesetzten auch noch Recht bekommt.

Mich würde jetzt mal interessieren, wie die Rechtslage aussieht. Alle anderen Kolleginnen und ich sind ziemlich sauer, dass sie immer wieder durch kommt. Kann man denn nichts machen, wenn sie betrunken auf die Arbeit kommt? Gerade im direkten Kundenkontakt.

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Antwort
von expermondo, 5

Hallo Magpie01,

Schau mal bitte hier:
Arbeit Alkohol

Antwort
von Interesierter, 42

Einfach nur feuern geht nicht. Klagt die Dame gegen die Kündigung, wird die Kündigung verworfen. 

Alkoholsucht ist eine Krankheit, die nicht zur sofortigen Kündigung taugt. Alkoholmissbrauch ist eine Verfehlung, die eine verhaltensbedingte Kündigung rechtfertigen würde. 

Daher wäre erst mal das Gespräch und die Hilfe zu einer Therapie angesagt. Wird diese von der Kollegin ausgeschlagen und die Vorfälle gehen weiter, dann wäre eine verhaltensbedingte Kündigung möglich. 

Ich habe dir hier mal eine Seite rausgesucht, in der das alles etwas ausführlicher behandelt wird: http://www.hensche.de/Arbeitsrecht_aktuell_Alkoholismus_Kuendigung_Therapieversu...

Antwort
von Nightstick, 30

Vorab zum Kündigungsgrund wegen offensichtlich bestehender Akloholkrankheit:

° Das Vorhandensein solch einer Krankheit an sich ist zunächst einmal kein Kündigungsgrund, da der Arbeitgeber in solchen Fällen gehalten ist, alles denkbar Mögliche bzw. Zumutbare zu tun, die Arbeitnehmerin zu einer Therapie zu bewegen, um anschließend geheilt (hier: "trocken") weiterzuarbeiten. Erst bei einer definitiver, nachgewiesener Verweigerungshaltung der Arbeitnehmerin wären arbeitsrechtliche Konsequenzen (bis hin zur Kündigung) möglich.

Zur Sache selbst:

° Lese ich jedoch den Werdegang dieser ganzen Geschichte, tritt bei mir allerdings ein gewisser Verdacht zutage. Hier scheinen (außer der Tatsache des alkohlbedingten Verhaltens der Kollegin) noch tiefergreifende innerbetriebliche Probleme vorzuliegen. Möglicher Weise ist das Problem bei der Geschäftsführung zwar bekannt, man deckt aus irgend einem Grund aber die Arbeitnehmerin. Ansonsten könnte es kaum zu dieser Ungleichbehandlung kommen.

Abhilfemaßnahmen:

° Ich würde ab sofort ein Protokoll (mit Datum, Uhrzeit, Vorfall, beteiligten Personen, Zeugen etc.) über das Fehlverhalten der Kollegin erstellen und sorgfältig führen. Wenn einige Vorfälle konkretisiert sind, würde ich dies der  Geschäftsleitung vorlegen, die die Pflicht hat, dieses Problem zu lösen.

° Ich gehe davon aus, dass kein Betriebs- oder Personalrat vorhanden ist, den man ansonsten natürlich mit einbinden sollte.

° Reagiert die Geschäftsführung nicht, müsstet Ihr Euch zusammentun und beraten, ob Ihr das Problem massiver angehen wollt. Das kann einmal darin bestehen, mit der Kollegin ein ernstes Wort zu reden, weiter, wenn das nichts bringt, ihr keine Hilfe mehr gewährt (sie also nicht mehr anruft usw.)  - bis hin zur Verlangen an die Geschäftsleitung, dieser Mitarbeiterin zu kündigen. Die dafür gebräuchliche Bezeichnung ist "Druckkündigung". Das könnte z.B. so aussehen, dass Ihr dem Chef droht, alle gleichzeitig zu kündigen, wenn hier nichts passiert.

Zur Druckkündigung siehe auch:

http://www.etl-rechtsanwaelte.de/stichworte/arbeitsrecht/druckkuendigung

Ich wünsche Euch gutes Gelingen - in dem Sinne, dass eine gute, einvernehmliche Lösung für alle Beteiligten erreicht wird. Aber gehandelt werden muss auf jeden Fall!

Gruß @Nightstick 


Antwort
von Ydnamse, 4

Ich gehe mal davon aus, dass ihr keinen Betriebsrat oder Personalrat habt. Meine Vorredner haben insofern Recht, dass man ihr nicht einfach so kündigen kann. Sollte die Kündigung (nach Abmahnung) mit der Begründung der nicht eingehaltenen vertraglichen Bedingungen (sprich: oft zu spätes Erscheinen zur Arbeit usw.) könnte Sie vor Gericht mit der Begründung des "Alkoholproblems" die Kündigung nichtig machen.

Die Idee mit der Protokollierung und dessen Vorlage beim Chef ist eine Sache. Sollte der Chef von Ihrem Problem wissen und sie (aus welchen Gründen auch immer) decken, ist das ein klassischer Fall von Co-Abhängigkeit (dazu zählt im Übrigen auch das "Hinterhertelefonieren").

Sprecht das Problem offen an, bei der Betroffenen und auch beim Chef. Hierbei sind o.g. Fakten (Protokoll) wichtig. Sollte da gar nichts passieren, bleibt noch eine Meldung bei der Berufsgenossenschaft. Vielleicht ist ja auch die Möglichkeit eines Arbeitsunfalls durch Alkoholeinfluss gegeben, also sie gefährdet sich und andere (wäre zu prüfen).

Antwort
von Ille1811, 18

Die bewährte Vorgehensweise ist:

1. Vorgesetzter führt Gespräch: Lass dich beraten
2. Vorgesetzter und Betriebsrat: Du musst dich beraten lassen und uns darüber Rückmeldung geben.
3. Vorgesetzter, Betriebsrat und Personalrat: Lass dich behandeln und gib uns darüber Rückmeldung
4. 1. Abmahnung
5. 2. Abmahnung
6. Entlassung
7. Bist du eine angemessenen Zeit trocken, kannst du wiederkommen.
8. Der nächste freie Arbeitsplatz ist deiner!

Wenn aber der Vorgesetzte sie deckt, wird das leider nicht so passieren. Einfach kündigen geht nicht, denn es ist eine Krankheit.

Kommentar von Nightstick ,

Die Punkte 1-3 sind mir zu undeutlich dargestellt :((

Die Punkte 7-8 sind reine Theorie bzw. nur in den allerseltensten Fällen zu realisieren.

Antwort
von herakles3000, 35

Ja das ist  ein kündiegungsgrund mitlerweile aber Sprecht sie doch darauf an wen sie nüchtern ist den das kann ihr dan peinlich Sein und sie merkt dan etwas das sie dagegen vorgehen mus gegen ihre ALkoholsucht und das mus sie erstmal erkennen dan bessert sich sie vieleicht auch.Wen sie Betrunken zur arbeit kommt den chef anrufen und fragenob er die verantwortung übernimmt wen sie so mit kurgästen in kontakt kommt. odeer etwas passiert wo sie hätte einegreifen müssen /könne und es nicht getan hat.!.

Kommentar von lollollollollol ,

Du bist aber auch etwas angetrunken oder? :D M lese mal deinen Text noch einmal, bevor du ihn abschickst. Menschen mit Alkoholproblem kann man nicht so einfach helfen. Sie brauchen meistens eine langwierige Therapie. Oft hat die Sucht tiefergreifende Ursachen, zB eine Depression.

Kommentar von Interesierter ,

Alkoholsucht ist eine Krankheit. Eine krankheitsbedingte Kündigung ist so einfach aus der Hüfte nicht möglich. Hierzu müssten erst Versuche unternommen werden, die Situation in Griff zu kriegen. 

Nur, wenn die Dame eine Therapie ablehnt oder eine negative Prognose vorliegt, käme eine Kündigung überhaupt in Betracht. 

Antwort
von safur, 29

Was genau hat sie denn für ein Problem? Was ist ihr Schicksal?  (sozial gefragt)

Was ist Ihre Position? Welche Verantwortung?

Antwort
von Herpor, 7

Wenn jemand durch Alkohol bedingte Fehlleistungen produziert, kann ihn der Chef abmahnen.

Er erhält die Auflage, sich einer Entgiftung und Therapie zu unterziehen.

Geschieht diese nicht und der Kollege fällt wieder alkoholbedingt auf, kann er entlassen werden.

Expertenantwort
von lenzing42, Community-Experte für Arbeit & Arbeitsrecht, 7

Hier findest du einen interessanten Beitrag zu dem Thema: http://www.hensche.de/Arbeitsrecht_aktuell_Alkoholismus_Kuendigung_Therapieversu...

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