Frage von Kajawizu, 124

Ist direkte Demokratie die beste Regierungsform?

Antwort
von OlliBjoern, 16

Ich sage mal so: direktdemokratische Mittel können eine Regierung ergänzen. Sie können sie aber nicht ersetzen.

Es ist weder praktisch durchführbar (noch wirklich erwünscht), dass jede kleine politische Frage direkt vom Volk abgestimmt wird.

Auch in der Schweiz gibt es (neben den direktdemokratischen Mitteln) eine Regierung, die die meisten Dinge berät und beschließt. Die Abstimmungen des Volkes (die manchmal nur um die 40% Beteiligung finden) ergänzen dies, und das funktioniert dort auch recht gut.

Man sollte auch nicht vergessen, dass es manchmal zu Situationen führen kann, die gar nicht durchsetzbar sind. Es gab ja mal die Abstimmung über das "Minarettverbot" in der Schweiz. In der direkten Abstimmung stimmte eine Mehrheit für das Verbot.

Dennoch (und das wissen viele nicht) ist es dennoch nicht so, dass dieses Verbot automatisch absolut gelten würde. "Es ist damit vorstellbar, dass trotzdem Minarette bewilligt werden können, sofern sie alle anderen Vorschriften einhalten."

https://de.wikipedia.org/wiki/Schweizer_Minarettstreit

Übrigens (auch das wissen viele nicht) ist auch der Brexit immer noch nicht offiziell. Es liegt lediglich das Votum der direktdemokratischen Abstimmung vor, jedoch hat die britische Regierung immer noch nicht den Brexit offiziell beantragt. (Ich denke freilich, dass er kommen wird...)

Direktdemokratische Mittel können Konfliktsituationen herbeiführen (wenn z.B. die gewählte Regierung andere Ziele hat, oder wenn andere Gesetze durch das Votum beeinträchtigt werden). Auch die indirekte Demokratie (Wahl von Parteien) ist Teil der Demokratie, das sollte man nicht unterschätzen.

Antwort
von archibaldesel, 54

Nein, die direkte Demokratie ist zu anfällig für "einfache" Lösungen und Parolen. Bei weitem nicht jeder ist sich der möglichen Konsequenzen mancher politischen Entscheidungen bewusst. Zudem würden viele nach dem persönlichen Vorteil abstimmen und nicht im Sinne der Allgemeinheit.

Kommentar von Ranzino ,

Zudem würden viele nach dem persönlichen Vorteil abstimmen und nicht im Sinne der Allgemeinheit.

Das ist allerdings zulässig, so zu wählen. Ob direkt oder indirekt.

Kommentar von archibaldesel ,

Ist aber nicht immer sinnvoll. Beispiel "Bedingungsloses Grundeinkommen". Ist für jeden super, je höherm desto besser. Nur leider gibt es Probleme bei der Finanzierung, wenn iemand mehr arbeitet...

Antwort
von SunKing33, 33

Hallo,

direkte Demokratie meint, dass im Gegensatz zur repräsentatitven Demokratie die Bürger eines Landes stärker in die Gesetzgebungsprozesse eingebunden sind.

Demokratie ist kein Recht sondern eine Pflicht für den Einzelnen zur Meinungsbildung. Demokratie bedeutet aber nicht nur eine Meinung zu haben, sondern auch aktiv für diese Meinung einzutreten. Das tun bei uns zu wenige!

Ein Vorteil der direkten Demokratie kann sein, dass der Wille des Volkes in den Abstimmungen besser umgesetzt wird. Ein Nachteil kann sein, dass unbequeme Entscheidungen nicht getroffen werden und die Volkswirtschaft leidet. Zwei Beispiele dafür:

  1. Die Hartz-Gesetze von Gerhard Schröder (2001-2004) sind die Grundlage dafür, dass Deutschland heute als Leuchtturm des Wachstums in Europa dasteht (politische Entscheidung). Die SPD hat sich darüber erneut gespalten (Wille des Volkes)
  2. wie bereits beim Nato-Doppelbeschluss 1982 der SPD, der eine der Grundlagen für den Mauerfall (1989) und die Wieder-Vereinigung (1990) war, der aber in einer Volksabstimmung wohl nicht mehrheitsfähig gewesen wäre.

Das Risiko populistisch geprägter Entscheidungen und eine für andere Länder unvorhersehbare politische Richtung ist bei einer direkten Demokratie größer als bei der repräsentativen. Sicherheit und Stabilität liegen mir näher als Populismus.

Wenn sich jeder in den politischen Diskussionsprozess einbringen würde und mehr als nur 2% der Deutschen aktiv in einer Partei das Wort ergreifen würden, wäre die Diskussion vermutlich auch überflüssig.

Alles Gute!

Antwort
von whabifan, 48

Nein. Finde ein repräsentatives System besser. Volksentscheide halte ich persönlich für kompletten Quatsch.

Kommentar von Ranzino ,

Auch bei der indirekten Form muss der Wähler halbwegs Ahnung haben, was der Repräsentant denn vorhat.
Zu behaupten, dass der Wähler pünktlich aller 4 Jahre Ahnung hat, aber dazwischen zu blöde sei, den Job zu erledigen, ist offensichtlich hirnrissig.

Kommentar von whabifan ,

Das ist ja auch nicht der Grund weshalb ich das repräsentative System bevorzuge. Aber einer der Gründe kommt dann doch schon in etwa hin, weil ich denke dass ein idiotischer Wähler in einem repräsentativen System weniger Schaden anrichtet als in einer direkten Demokratie.

Antwort
von DiamondCrafter, 3

Kommt drauf an nachwelchen Kriterien. Wenn du total egoistisch bist kannst du auch Absolutismus, Monarchie oder Diktatur gutfinden, solange du selber regierst. Aber wenn du das Wohl des Volkes meinst dann ja.

Antwort
von Shiranam, 70

Kommt etwas darauf an, was Du darunter verstehst.

Ich finde, es müßte viele Volksentscheide in großen Fragen geben, damit der Wille des Volkes umgesetzt wird.

Allerdings ist es unpraktisch, bzw undurchführbar, alle politischen Fragen per Volksentscheid entscheiden zu lassen. Dazu sind es einfach zu viele.

Kommentar von Kajawizu ,

Müssten Fragen vielmehr auf Kommunaler Ebene als auf Bundesebene entschieden werden?

Kommentar von Shiranam ,

Kommt doch auf die Fragen an.

Wenn sie die Kommunalpolitik betreffen, dann auf kommunaler Ebene usw

Kommentar von Kajawizu ,

wer entscheidet denn, was kommunal geregelt werden darf? die regierung ...

Kommentar von Shiranam ,

Alles, was nicht per Gesetz festgelegt ist, darf in kommunaler Selbstverwaltung entschieden werden. Gesetze können ggf geändert werden.

Ich bin nicht gegen eine Regierung. Nur die Regierungsmitglieder sollen den Willen des Volkes ausführen und Gesetze erlassen, die diesen Willen wiederspiegeln.

Ohne gesetzliche Regelungen geht es nicht.

Meine Meinung.

Expertenantwort
von ArnoldBentheim, Community-Experte für Politik, 20

Nein, "direkte Demokratie" ist keinesweg "die beste Regierungsform".

Das antike Athen als Musterbeispiel einer Demokratie aller athenischen Bürger (!) belegt, in welchem existenzbedrohenden Chaos eine solche "Volksherrschaft" enden kann.

Daraus ist die Lehre zu ziehen, dass die Macht des Volkes beschränkt und kontrolliert werden muss!

MfG

Arnold

Antwort
von Jakob1, 57

darüber kann man wahrscheinlich stundenlang diskutieren. die einen werden sagen ja, weil dann das volk direkt gefragt wird. die anderen werden sagen nein, weil unter umständen dann das gefühl über ein gesetz entscheidet. wie soll z.b. nehmen wir z.b. die stromtrassen entschieden werrden.? über der erde, unter der erde, überhaupt nicht. wenn du nicht betroffen bist, wird es dir egal sein. läuft die trasse direkt an deinem haus vorbei, wirst du dagegen stimmen.

Kommentar von Kajawizu ,

hm dezentrale statt zentralistische energiewirtschaft :D

Antwort
von StevenArmstrong, 17

Hallo,

"Demokratie ist die schlechtses aller Regierungsformen-abgesehen von all den anderen Formen, die von Zeit zu Zeit ausprobiert worden sind."

-Winston Churchill

Von dem her würde ich sagen, dass Demokratie zwar nciht ideal, aber das beste ist, was wir haben.

MfG

Steven Armstrong

Antwort
von Geraldianer, 30

Die direkte Demokratie als Regierungsform hat es noch nie gegeben. Natürlich ist es möglich, neben der gewählten Regierung Volksbefragungen durchzuführen. Wir hatten das in der Weimarer Republik und heute in verschiedenen Bundesländern.

Als Regierungsform ist die Volksbefragung aber heute vollkommen unsinnig. Man kann nur über die Ausweitung plebiszitärer Elemente auf Bundesebene diskutieren.

Antwort
von Ranzino, 57

Mit aufgeweckten interessierten und informierten Demokraten ist es völlig unproblematisch.

Und auch nur, solange *berechtigte* Minderheitenrechte gewahrt werden. Das mag dann die Ausnahme von der totalen Mehrheitsmeinung sein; gute Demokraten kratzen allerdings nicht an den Rechten der Minderheiten. .

Kommentar von Geraldianer ,

Der Schutz von Minderheiten dürfte der am häufigsten "vergessene" Aspekt bei Volksbefragungen sein. Viele Politiker, die Volksbefragungen befürworten sind ja gleichzeitig gegen Minderheiten. (oder was sie dafür halten, emanzipierte Frauen zum Beispiel)

Antwort
von bartman76, 58

Eine direkte Demokratie erfordert dass sich die Bevölkerung stets und ausreichend über alle nötigen Aspekte informiert.

Wenn ich mich in der Gesellschaft so umschaue, bin ich ganz froh, dass wir das nicht haben.

Kommentar von Kajawizu ,

So weit ich weiß, genießt jeder Informationsmedien; die Frage ist nur die Berichterstattung, wer hat überhaupt Interesse daran das die Leute informatiert statt desinformiert sind? Es wäre überheblich zu sagen, dass die Menschen zu dumm oder faul sind, sich damit zu beschäftigen.

Kommentar von Verflixtomato ,

Ist das bei dir so, K.?

Kommentar von bartman76 ,

Manche sind zu dumm, manche sind zu faul, manche sind beides. Das hat mit überheblich nichts zu tun, sondern spiegelt meine Erfahrung wieder.

Im Übrigen schließt es ja mich mit ein: Auch ich bin nicht über jeden Aspekt informiert. Es ist sicherlich auch eine Art von Faulheit.

Und ich glaube auch nicht dass man mit den gängigen "informationsmedien" ausreichend informiert ist. Viele Informationen sind einseitig und/oder gefiltert.

Sicherlich hätte man hier wiederr die Möglichkeit sich weiterer Medien zu bedienen oder sich die Sache vor Ort anzuschauen.

Da das alles aber schwierig ist, gönnt man sich den Luxus Leute dafür zu bezahlen dies zu tun. Natürlich ist das nicht das Gelbe vom Ei, birgt Nachteile und wird beschissen. Aber ich glaube dennoch, das ist der bessere Weg.

Expertenantwort
von atzef, Community-Experte für Politik, 19

Nein.

Deswegen gibt es sie auch nirgends in Reinform.

Antwort
von kubamax, 15

Nein. Die Gefahr wäre zu groß, dass sich Demagogen zu viel Gehör verschaffen und viele Doofis mitreissen.

Kommentar von Ranzino ,

Du, ich sehe da keinen Unterschied zu jetzt ?

Kommentar von kubamax ,

Es sind noch keine Gesetze verabschiedet worden.

Antwort
von RainTager, 41

Gar keine Regierungsform ist die beste.

Kommentar von Kajawizu ,

Dann entsteht Anarchie, weil der Mensch per Natur nach Macht und Dominanz strebt.

Kommentar von Shiranam ,

Nicht nur das Machtstreben ist menschlich. Auch Fürsorglichkeit ist menschlich.

Kommentar von Verflixtomato ,

Kaja hat nun mal so ein übles Menschenbild, muss man auch verstehen. :)

Kommentar von RainTager ,

1. Hat mein PoWi lehrer gesagt 2. Denkst du dass die demokratie perfekt ist?!

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