Frage von lenni261290, 133

Ist diese Inkassoforderung rechtens?

Hallo Community,
Ich habe einen Brief eines Inkassounternehmens erhalten, das eine Forderung der Deutschen Bahn eintreiben soll. Die Forderung über 17,50€ stammt aus einer Stornierung einer Fahrkarte, anscheinend war mein Konto zum Zeitpunkt des Einzugs der Stornogebühr nicht ausreichend gedeckt. Das Inkassounternehmen berechnet mir jetzt eine Inkassovergütung von 37,80€ bei einer Hauptforderung von 17,50€. Ist das nicht ein bisschen viel?

Ich habe gelesen, dass Inkassovergütungen am Rechtsanwaltsvergütungsgesetz festgemacht werden, und da werden ja Gebühren von 0,3 bis 1,3 Prozent als Standard angesehen.

Weiter habe ich gelesen, dass bei richtiger Auslegung Inkassokosten nicht erstattungsfähig sind, also vom Schuldner nicht getragen werden müssen, da es sich beim Einschalten eines Inkassounternehmens um eine Unnötige Maßnahme handelt, denn ein Inkassounternehmen hat keine umfangreicheren Methoden zum Geldeintreiben als das Gläubigerunternehmen selbst. Demnach sind Mahnungen der DB in meinem Falle ja genauso effektiv wie der Wisch vom Inkassobüro, haben ja beide die gleichen Rechte.
Somit bedeutet das Einschalten des Inkassos und die damit Verbundene Inkassogebühr die Entstehung unnötiger Kosten für den Schuldner; und das darf nach der Schadenminderungspflicht gem §254 BGB ja nicht sein.

Außerdem habe ich von der DB nichtmal eine Mahnung oder einen anderweitigen Hinweis erhalten, dass die Zahlung nicht abgebucht wurde. Woher hätte ich denn wissen sollen, dass in in Verzug geraten bin?

Ich wüsste jetzt gerne, wie ich weiter verfahren soll, ob ich die wucherhafte Inkassogebühr zahlen soll oder ob sich ein Widerspruch lohnt.
Zur Information: Auf einen Streit vor Gericht möchte ich mich ungern einlassen, da ich keine Rechtsschutzversicherung habe und die Gerichtskosten nicht stemmen könnte.

Meine Informationen stammen von  http://www.shopbetreiber-blog.de/2013/06/07/verbraucher-inkassokosten-schadenser...

Antwort
von kevin1905, 86

Gebühren von 0,3 bis 1,3 Prozent als Standard

Nix Prozent :D

Weiter habe ich gelesen, dass bei richtiger Auslegung Inkassokosten nicht erstattungsfähig sind, also vom Schuldner nicht getragen werden müssen, da es sich beim Einschalten eines Inkassounternehmens um eine Unnötige Maßnahme handelt, denn ein Inkassounternehmen hat keine umfangreicheren Methoden zum Geldeintreiben als das Gläubigerunternehmen selbst

Korrekt.

Außerdem habe ich von der DB nichtmal eine Mahnung oder einen anderweitigen Hinweis erhalten, dass die Zahlung nicht abgebucht wurde. Woher hätte ich denn wissen sollen, dass in in Verzug geraten bin?

Erm, wenn du mit Karte oder generell per Lastschrift bezahlst, bist du verpflichtet für eine ausreichende Deckung zu sorgen. Eine Rücklastschrift ist immer verzugsbegründend, eine Mahnung nicht erforderlich. Daher kann ich deine Frage nicht nachvollziehen in Zeiten von Onlinebanking schon gar nicht.

Ich wüsste jetzt gerne, wie ich weiter verfahren soll, ob ich die wucherhafte Inkassogebühr zahlen soll oder ob sich ein Widerspruch lohnt.

Zahle die Hauptforderung und ggf. Nebenforderungen, sofern statthaft (Zinsen, Rücklastschriftkosten, Adressauskunft, wenn es eine gegeben hat).

Zur Information: Auf einen Streit vor Gericht möchte ich mich ungern einlassen, da ich keine Rechtsschutzversicherung habe und die Gerichtskosten nicht stemmen könnte.

Dass du keine RSV hast kann ich sehr schnell ändern, aber du musst dir keine Sorgen machen, Inkassokosten werden nicht eingeklagt, den Grund hast du selbst geliefert.

Antwort
von franneck1989, 133

Du hast vollkommen Recht. Ignoriere das Inkassobüro und dessen Kosten und überweise direkt an die Bahn. Was sollen die 17,50 darstellen, wie kommen die zustande? Ist das die eigentliche Hauptforderung der Bahn, oder handelt es sich um eine pauschale Gebühr, z.B. für die Rücklastschrift? Letzteres wäre sicherlich angreifbar

Kommentar von lenni261290 ,

Die 17,50€ sind die Stornierungsgebühren, die die DB dafür verlangt, dass ich das Ticket storniert habe.

Kommentar von lenni261290 ,

Also in dem Fall die Hauptforderung

Kommentar von franneck1989 ,

Ich erinnere mich, du hattest vor ein paar Tagen eine Frage dazu gestellt. 

Du schuldest der Bahn im Prinzip die Hauptforderung, dazu kämen noch die Kosten für die Rücklastschrift (5,-) und evtl. Adressauskunft (10,-), falls diese nötig war. 

Kommentar von Georg63 ,

Genauso und keinen Cent mehr

Antwort
von EXInkassoMA, 47

Das wesentliche hast Du selbst schon gesagt bzw gepostet ;)

Geh vor wie @frannek empfohlen hat

Stell Dich mental trotzdem auf weitere böse Briefe ein

Antwort
von Truffaldino, 61

Wenn ich das so lese - sei mir nicht böse, aber ich glaube, Du bist einer von denen, die ohne Druck auf gar nichts reagieren, hast das Ganze einfach laufen lassen und dachtest, da käme nichts mehr. Tja, falsch gedacht. Von wann ist denn die Forderung (schon über ein Jahr...?). Die Bahn hat ihre Bestimmungen in die du mit einem Kauf einwilligst. Zu diesen gehört die Abtretung einer Forderung an ein Inkassobüro bei Nichtbegleichung nach so und so langer Zeit. Die Bah hat ihre 17.50 längst und den Fall abgehakt. Die kämen doch sonst zu gar nichts! Ich denke, dass wird rechtens sein und du musst das zahlen, wenn Du nicht willst, dass die Gebühren steigen und steigen...Am besten bei sowas - immer gleich aus der Welt schaffen, dh. gegen Quittung bar am Schalter bezahlen gehen. Dort kannst du noch den Versuch machen, ob sie runtergehen würden, da du knappe Mittel hättest. Manchmal klappt das. Ich an deiner Stelle würde das ganz schnell regeln, daraus eine Lehre ziehen und vergessen.

Kommentar von kevin1905 ,

Die Bahn hat ihre Bestimmungen in die du mit einem Kauf einwilligst

Bedingungen - AGB gennant - unterliegen einer Inhaltskontrolle. Die §§ 307 - 309 BGB regeln welche Klauseln in AGB generell unzulässig sind.

Zu diesen gehört die Abtretung einer Forderung an ein Inkassobüro bei Nichtbegleichung nach so und so langer Zeit.

Das wäre so eine Klausel, denn die würde

  1. Sinn und Geist des § 254 BGB umgehen (der Schuldner ist zur Erstattung von zweckdienlichen Methoden der Forderungsbetreibung verpflichtet).
  2. Liegt hier entweder keine Abtretung vor und die Bahn ist nach wie vor der Gläubiger oder es hat eine Abtretung gegeben und das Inkassobüro wäre Gläubiger und würde einen versuchten Betrug begehen durch das Verlangen von Inkassokosten.

Der Grund warum große Firmen Inkassobüros bemühen liegt ganz einfach darin begründet, dass Inkassobüros - anders als Rechtsanwälte - auf Flatrate arbeiten oder nur gegen ein Erfolgshonorar, sofern die Forderung beim Schuldner betrieben werden kann. Sie stellen dem Gläubiger keine Rechung, also gibt es keine Kosten, die erstattet werden müssten.

Zweckdienlich eine Forderung zu betreiben heißt nach Verzug das gerichtliche Mahnverfahren einzuleiten oder auf Zahlung zu klagen, beides ist aber mit Kosten verbunden und daher betriebswirtschaftlich ggf. problematisch, wenn man diese Dinge nicht einpreist.

Kommentar von Truffaldino ,

Dein Detailwissen ist imponierend. Aber anscheinend bewahrt es dich nicht vor Unannehmlichkeiten.Wenn du das alles so genau weißt, warum wirfst du denn die Frage ins Forum? Das leuchtet mir nicht ein.

Kommentar von mepeisen ,

Dir ist schon klar, dass Kevin gar nicht der Autor der Frage ist?

Antwort
von JuraDiplom, 117

1.)  Schau doch einfach mal deine Kontoauszüge, bzw. dein Online Banking an, ob da eine Lastschrift geplatzt ist. Über geplatzte Lastschriften erhält man immer einen Brief per Post. Da auch mal schauen.

2.)  Widersprich der Forderung des Inkassobüros schriftlich, wenn die Forderung an sich oder in ihrer Gebührenhöhe unbegründet ist. Fordere auch einen Gläubigervollmacht nach § 174 BGB . Ohne das diese Vollmacht vorhanden ist, darfst du die Inkassoforderung sowieso zurückweisen.

3.)  Eine Mahnung oder Erinnerung ist nicht notwendig, wenn der Gläubiger im Recht ist und dieser dir eine Rechnung gestellt hat, nachdem eine Leistung erbracht wurde.

4.)  Du hast Ahnung von der Sache. Respekt!  :)

Kommentar von lenni261290 ,

Was ist diese Gläubigervollmacht? Ist das eine Vollmacht, über die das Inkasso verfügen muss, ansonsten darf es sich der Sache gar nicht annehmen?

Kommentar von JuraDiplom ,

So ist es. http://www.gesetze-im-internet.de/bgb/\_\_174.html

Entweder muss die Inkassofirma die Gläubiger Vollmacht vorlegen oder zuvor der Gläubiger schriftlich dir gegenüber kundgetan haben, dass Inkassofirma XY mit der weiteren Beitreibung beauftragt wird.

Ist dies beides nicht der Fall, dann kannst du die Inkasso Forderung, mit Verweis auf den § 174 BGB, vorerst ablehnen. Die Inkassofirma kann dann aber die Vollmacht nachreichen.

Ich bin der Meinung das du hier nur die Hauptforderung von 17,50 € zahlen solltest. Sofern du die überhaupt der DB schuldest.

Kommentar von lenni261290 ,

Okay, der Einleitungssatz "Wir wurden am XX.XX.XXXX von der Firma XY mit dem Einzug der XY Gebühr in Höhe von X € beauftragt" reicht als Vollmachtsforderung nicht aus?

Kommentar von JuraDiplom ,

Richtig, sie reicht nicht aus.

Du musst zuvor ein Schreiben der Deutschen Bahn erhalten haben, indem diese darauf hinweisen das bei nicht fristgerechter Zahlung die Forderungsangelegenheit an die Inkassofirma weitergegeben wird, die dir jetzt geschrieben hat.

Hast du so ein Schreiben der Deutschen Bahn nicht erhalten und lag dem Inkasso Schreiben keine Vollmacht der DB bei, so kannst du die Inkasso Forderung mit Bezug auf § 174 BGB zurückweisen.

Auch muss in einer Inkasso Forderung immer stehen, um was es genau geht und wie sich die einzelnen Gebühren konkret zusammen setzen.

Kommentar von mepeisen ,
3.) Eine Mahnung oder Erinnerung ist nicht notwendig, wenn der Gläubiger im Recht ist und dieser dir eine Rechnung gestellt hat, nachdem eine Leistung erbracht wurde.

Völlig richtig. Man muss sich hier aber eines Fallstrickes bewusst sein. Eine Rücklastschrift wird vor Gericht üblicherweise mit einer Verweigerung gleichgesetzt. Deswegen ist, wie du richtig schreibst, keine Mahnung mehr erforderlich.

Ich persönlich (und auch genug Gerichte) halten es für vollkommen absurd und übertrieben, bei Rücklastschriften vollkommen automatisiert ein Inkassobüro einzusetzen. Wie der TE richtig schreibt widerspricht das der Schadensminderungspflicht.

Aber: Es gibt auch einige Gerichte, die da nicht mit sich diskutieren lassen und bei genau diesem Sonderfall (Rücklastschrift) ein Inkassobüro als zweckmäßig ansehen.

Man sollte sich dieses Restrisikos bewusst sein.

Antwort
von beangato, 90

Schau doch erst mal in Deinen Kotoauszügen, ob die Stornierungskosten überhaupt zurückgebucht wurden. Das sieht man doch und reagiert dann..

Wenn ja und Du hast nicht reagiert - zahlen. Kein Mensch muss eine Mahnung schreiben.


Kommentar von Georg63 ,

kein Mensch muss sinnlose Inkassogebühren zahlen

Kommentar von beangato ,

Sie wären ja auch nicht entstanden, wenn der/die FG

reagiert

hätte, als er/sie damit rechnen musste, das was schiefgegangen ist bei der Stornierung. Außerdem wird man informiert, wenn eine Zahlung nicht geleistet werden kann. Wenn dann immer noch keine Reaktion erfolgt - selbst schuld.

Kommentar von Georg63 ,

Trotzdem sind keine Inkassokosten zu erstatten, weil dem Gläubiger keine entstanden sind. Was sich die Inkassofirme wünscht, ist irrelevant.

Kommentar von franneck1989 ,

Der Gläubiger hat genug andere, weitaus zielführendere und oder günstigere Möglichkeiten, seiner Forderung Nachdruck zu verleihen. Dazu gehört sicher nicht die Einschaltung von überbezahlten Bausteinbriefchenschreibern. Der Schuldner muss diesen Unsinn folgerichtig auch nicht zahlen

Kommentar von beangato ,

Na ja - ICH würde es nicht drauf ankommen lassen.

Kommentar von franneck1989 ,

Das ist deine persönliche Meinung. Die Realität sieht aber so aus: Inkassogebühren sind noch nie erfolgreich explizit eingeklagt worden. Inkassobüros scheuen deshalb grundsätzlich Gerichte wie der Teufel das Weihwasser. Dahingehende Drohungen muss man nicht ernst nehmen :)

Kommentar von mepeisen ,

Kein Mensch muss eine Mahnung schreiben.

Kommt hier wieder das Märchen durch, dass Mahnungen komplett und immer überflüssig sind? Wenn dieser Satz ausschließlich auf den Einzelfall "Rücklastschrift" bezogen war, dann stelle dies bitte auch so dar.

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