Frage von piusalex, 164

Ist diese Aussage schon Volksverhetzung oder noch politische Meinung?

Wenn in einer Abiturklasse ein 13-Punkte Schüler in Geschichte zu seinem Sitznachbarn sagt, der Nationalsozialismus sei die Blütezeit dieses Landes gewesen und auch öfter solche kleinen Äußerungen tätigt und dem Thema mit einer Mischung aus Respekt und Bewunderung gegenübertritt, wenn es im Unterricht behandelt wird, jedoch sehr gute Leistungen im Geschichte- Leistungskurs bringt und auch sonst intelligent wirkt. Sollte der Lehrer es als ironisch auffassen und ignorieren oder den Schüler irgendwann darauf ansprechen? Wenn dieser Schüler auch einmal im Unterricht ein Hakenkreuz in seinem Geschichte Buch braun ausgemalt hat und kleine SS- Blitze auf diesem verewigt hat. Aber sonst wie gesagt top Leistungen in der Schule bringt und nicht auffällig ist, normal  integriert ist etc. Ist das als Ironie aufzufassen?

Antwort
von Tasha, 69

Volksverhetzung ja eher nicht, er stiftet ja keinen an. Allerdings "Sachbeschädigung" (?) - das vorsätzliche Malen und Ritzen ins Schulbuch. 

Ich würde mich als Lehrer oder Mitschüler fragen, warum ihn der Nationalsozialismus so als Vorbild fasziniert, wenn er so intelligent ist und auch über den Nationalsozialismus Bescheid weiß. Immerhin sind viele Leute von dieser Zeitperiode fasziniert, allerdings die meisten aus Abscheu und nicht aus Begeisterung für die Ideale dieser Zeit.

Man müsste mal mit dem Schüler reden und versuchen herauszufinden, warum er das macht, ob es Provokation aus Langeweile ist (ist er unterfordert, wenn er so intelligent und gebildet ist) oder Begeistertung für die Ideale der Nationalsozialisten ist, und wenn Letzteres, warum genau. 

Man kann durchaus positive Seiten im nationalsozialistischen Deutschland finden - viele psychologische Mechanismen wurden genutzt, die an sich auch positiv zu nutzen gewesen wären, bzw. Kinderbetreuung/ Gruppenaktivitäten, die (fast) alle mitmachen können, Singen als Mittel zur Bildung und Einbindung in die Gruppe, Aufwertung der Mütter  usw. - nur wurden diese Aspekte von den Machthabern selbst ausschließlich negativ und nicht aus Menschenfreundlichkeit genutzt. Und natürlich darf man nie vergessen, was das große Ziel der Nazis war und - na ja, KANN man das in irgendeiner Betrachtungsweise positiv sehen?!

Das würde ich dann mit dem Schüler mal diskutieren!

Es ist nie etwas nur schwarz oder weiß. Es gibt immer kleine Vorteile in düsteren Zeiten/ Gesellschaften oder kleine Nachteile in Vorzeige-Zeiten oder Gesellschaften. Wir sehen das ja an unserer eigenen Zeit und Gesellschaft: Vieles würden wir nie aufgeben wollen und feiern es regelrecht, aber es gibt trotzdem für viele Menschen auch dunkle Schattenseiten.

Wie gesagt, ich würden den Schüler ansprechen und offen nach seinen Motiven fragen, erst mal ohne Wertung. Ggf. auch mehrfach. Und dann offen mit ihm darüber diskutieren, wie er zu den Schattenseiten des Nazitums steht. Ihm bewusst machen, wie bspw. ein Jude, Nachfahre eines Menschen, der ein KZ überlebt hat, seine "Spielereien" ansehen würde. Oder ein Behinderter. Usw. Vielleicht findet man ja eine Verbindung in seinem Leben, die ihm aufzeigt, dass eben nicht alles an dieser Zeit weggeredet und glotrifiziert werden kann. 

Vielleicht sollte er mal "Die Welle" lesen? Das ist zwar ein dünnes, evtl. wenig spannendes Büchlein, zeigt aber genau auf, wie aus guten Absichten und herausgepickten Aspekten eine Glorifizierung der Zeit und ihrer Mechanismen entstehen kann, die am Ende doch als negativ erkannt wird.

Antwort
von Joshua18, 39

Das sind meist nur pubertäre Anwandlungen und nicht weiter beachtenswert. Ich kenne einen der früher bei der rechten Punkbewegung mitgemacht hat der heute als Richter im Amtsgericht sitzt.

Antwort
von Shiftclick, 91

Wann, wenn nicht in der Pubertät/Jugend sollte man das Recht auf Dummheit und Irrtum haben? Pubertät und Heranwachsen geht oft mit Provozieren und sich Vergallopieren einher, man muss seinen Platz erst finden und sich von den bisherigen Autoritäten abgrenzen. Das bringt Neues, Kreatives aber auch tonnenweise Dummes hervor. Man muss nicht alles gleich im Keim ersticken und Sanktionieren, was ein sich Ausprobieren sein könnte. Rhetorik, Streiten und Diskussion Üben ist auch ein hohes Gut.

Antwort
von eleteroj3, 39

Nein. Volksverhetzung ist, strafrechtlich bewertet, die Herabwürdigung, Verunglimpfung, die zum Hass aufstachelt, zu Gewalt- oder Willkürmaßnahmen auffordert.

Dein Beispiel ist ja die positive Würdigung eines historischen Abschnitts, also genau das Gegenteil.

Kommentar von adabei ,

Wohl die positive Würdigung eines sehr fragwürdigen Abschnitts unserer Geschichte.
Man kann eine Aussage auch bewusst missverstehen wollen.

Kommentar von PatrickLassan ,

Wirf mal einen Blick in § 130 StGB.

Kommentar von suziesext10 ,

@PatrickLassan  Absatz (4) war mir völlig entfallen. Danke für deine Kritik, sie war sehr berechtigt.

Antwort
von atzef, 42

Dieselbe Frage wurde hier schon vor ein paar Tagen gestellt.

An hitlernder Verehrung und Verherrlichung der nationalsozialistischen Schreckensherrschaft ist nichts "ironisches". Das ist schlicht dümmlich und gewissenlos und hätte sich natürlich entsprechend in die Notenfindung einzusortieren.

Ein solcher Schüler BEWEIST, dass er weder intelligent sein kann noch fähig "Top-Leistungen" in den Unterrichtsfächern abzuliefern. Allenfalls in "Textiler Gestaltung", der Koch-AG oder im Sport...

Kommentar von adabei ,

Nicht nur vor ein paar Tagen. Mit dieser Frage kommt er immer und immer wieder. Und natürlich ist der FS selber dieser angebliche 13 Pkt. Geschichts-Oberstufenschüler.

Kommentar von Darkmalvet ,

und hätte sich natürlich entsprechend in die Notenfindung einzusortieren.

Das wäre Diskriminierung aufgrund einer persönlichen politischen Einstellung und damit würde der Lehrer seinen Job riskieren.

Kommentar von atzef ,

Das ist schlichter Humbug. Vielmehr nimmst du den § 130 3 und 4 StGB zur Kenntnis. Darin heißt es u.a.

"Mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe wird

bestraft, wer eine unter der Herrschaft des Nationalsozialismus
begangene Handlung der in § 6
Abs. 1 des Völkerstrafgesetzbuches bezeichneten Art in einer Weise, die
geeignet ist, den öffentlichen Frieden zu stören, öffentlich oder in
einer Versammlung billigt, leugnet oder verharmlost.

(4) Mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe wird
bestraft, wer öffentlich oder in einer Versammlung den öffentlichen
Frieden in einer die Würde der Opfer verletzenden Weise dadurch stört,
dass er die nationalsozialistische Gewalt- und Willkürherrschaft
billigt, verherrlicht oder rechtfertigt."

Da ist eine adäquate Benotung durch den Lehrer eher das geringste Problem. :-)

Antwort
von Dackodil, 57

Im Unterricht ergeben sich ja immer wieder Diskussionen. Da ist der richtige Moment, die eigene Meinung eindeutig zu vertreten und Kontra zu geben.

Oder bist du selbst dieser Schüler?

Antwort
von nowka20, 19

ist dusselig aus der pubertät heraus, die noch immer nicht bewältigt worden ist

Antwort
von adabei, 26

Wieso kommst du denn immer wieder mit dieser alten Geschichte?

Antwort
von MrHilfestellung, 73

Das würde niemand als Ironie auffassen, wenn es ernst gemeint ist. 

Und da ich dich mittlerweile hier ein bisschen kenne, weiß ich dass du das ernst meinst.

Volksverhetzung ist momentan jetzt in der Frage nicht zu finden, aber Verwendung verfassungsfeindlicher Symbole.

Kommentar von Darkmalvet ,

Verwendung verfassungsfeindlicher Symbole

Was allerdings nicht strafbar ist solange man es für sich macht, wenn er ein Tshirt damit tragen würde wäre das eine andere Sache aber in seinem Buch gekritzelt spielt es strafrechtlich keine Rolle.

Antwort
von archibaldesel, 52

Das ist einfach nur dämlich. 

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