Frage von weghdh, 92

Ist diese Argumentation schlüssig?

Frage an die Theologen unter euch :) Zur Beurteilung der Themenfrage "Leistung- Ein Widerspruch zum christlichen Glauben?" bin ich auf folgendes Fazit gekommen: Glaube und Leistung ist kein Widerspruch, denn der Glaube an die Gnade Gottes (Rechtfertigungslehre Luther) befreit zur solidarischen Leistung am Nächsten. Ich beziehe mich dabei auf die "Freiheit des Christenmenschen", der sich durch Verdienste vor Gott nicht rechtfertigen muss, weil Gott ihm ohne hin aus Gnade vergibt. Damit ist ein Gläubiger nicht gezwungen egoistisch zu leisten. Aus diesem Grund kann er sich seinem Nächsten widmen und gute Werke verbringen. Ist die Argumentation so schlüssig? Sie erscheint mir widersprüchlich, weil es um zwei Arten von Leistung geht (solidarisch und egoistisch). Kann ich dann pauschal sagen, dass christlicher Glaube und Leistung kein Widerspruch ist? Schließlich zielt die Rechtfertigung Luthers darauf ab, egoistisches Leisten zu unterbinden.

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von aicas771, 32

Die Argumentation zum Thema Leistung und christliche Glaube ist eigentlich ganz einfach:

Vor Gott gerecht werde ich (das ist der einzige Grund für das Christsein), wenn ich Jesus als Sohn Gottes anerkenne (Röm. 3,21-26). Die Entscheidung, Christ zu werden ist völlig egoistisch. Da geht es ausschließlich um mich und meine Beziehung zu Gott.

Wenn ich aber Jesus als Sohn Gottes anerkenne, dann bemühe ich mich auch, seine Gebote (Mt. 22,37-40) zu halten.

Wenn ich Jesu Gebote halten will, dann nehme ich auch mein Kreuz auf mich und folge ihm nach (Mt. 16,24).

Das "mein Kreuz auf mich nehmen und Jesus nachfolgen" beinhaltet durch den Bezug auf Jesus und sein Leben das "freiwillig mit all meinen Kräften Vorleistung erbringen".

Das heißt, ein Christ versucht freiwillig, in der Nachfolge Jesu aus Nächstenliebe so viel zu leisten, wie er nur kann.

Das heißt auch, ein Christ erbringt Leistung nicht aus Zwang, sondern aus Liebe zu Gott und seinen Mitmenschen - also solidarisch.

Christ werden ist Egoismus pur. Christ sein führt zum Erbringen von solidarischer Leistung.

Kommentar von aicas771 ,

Danke für die Auszeichnung!

Antwort
von Viktor1, 41
denn der Glaube an die Gnade Gottes 
(Rechtfertigungslehre Luther)

Die Rechtfertigungslehre Luthers ( aus der Reformation) ist nicht der christl. Glaube.
Es ist völlig daneben, sich irgendwo einen Lehrsatz raus zu picken und daran eine allgemeine Zuordnung fest zu machen. Außerdem zielt dies nicht darauf ab " ..egoistisches Leisten zu unterbinden", auch nicht bei Luther.
Außerdem machst du aus dem neutralen Begriff "Leistung" plötzlich "egoistisches Leisten" und damit eine Themenverschiebung.
Ansonsten hat  der Begriff "Leistung" zum christl. Glauben eher eine neutrale Beziehung. Das geforderte heilsnotwendige "gerechte Tun" der Botschaft Jesu wird aber nicht durch "Gnade" ersetzt.
Mit "Leistung" hat dies aber nichts zu tun.
Wenn aber im Sinne der Botschaft Jesu "Leistung" partiell von Nöten über das Handeln (Tun)  hinaus  ist so wird dem wohl kaum einer entgegen treten.

Damit ist ein Gläubiger nicht gezwungen egoistisch zu 
leisten.

Hast du da nicht eine Begriffsverschiebung vorgenommen ?
Hier hört sich "leisten" einfach wie Handeln an.
Und ein "Gläubiger" (du meinst Glaubender) soll sich überhaupt nicht egoistisch verhalten, weder gezwungen oder ungezwungen noch als Handelnder oder "Leistender".

"Freiheit des Christenmenschen", der sich durch 
Verdienste vor Gott nicht rechtfertigen muss,

Vor Gott kann man sich überhaupt nicht rechtfertigen. Er rechtfertigt uns durch unser gerechtes Handeln. Unmißverständlich wird dies z.Bsp. bei Mt. 25,34-46 ausgesagt:
http://www.bibleserver.com/text/EU/Matth%C3%A4us25
wo die, welche gerechtes Tun unterlassen haben verworfen werden.
Fazit - du bist ziemlich ins Schwimmen gekommen, da ist nichts schlüssig.

Kommentar von weghdh ,

Danke für die konstruktive Kritik:)

Ich habe die Rechtfertigubgslehre so verstanden,  dass man zur Vergebung der Sünden keine Leistung erbringen muss, denn Gott vergibt dem Menschen aus Gnade. Damit wird der Mensch frei vom Druck sich für die Vergebung zu bemühen und kann sich den Mitmenschen in Form solidarischer Leistungen (Dienst am Nächsten) widmen. Ist das daneben?

Kommentar von aicas771 ,

Das hast du genau richtig verstanden.

Die einzige Leistung, die man erbringen muss, ist die bewusste, ehrliche Entscheidung "Ja, glaube, dass Jesus Christus der Sohn Gottes ist und ich will, dass er auch meine Sünden vergibt und dass er auch mir den Weg zum ewigen Leben bei Gott frei macht".

Das ist die Aussage von Röm. 3,21-26 und das ist die Grundlage von Luthers Rechtfertigungslehre.

Kommentar von Viktor1 ,

Du hast die Rechtfertigungslehre von Luther sehr wohl richtig verstanden, aber dies ist nicht die von Jesus und auch nicht der Christen.

Damit wird der Mensch frei vom Druck sich für 
die Vergebung zu bemühen und kann sich den
Mitmenschen in Form solidarischer Leistungen
(Dienst am Nächsten) widmen. Ist das daneben?

Ziemlich. Das Liebesgebot ist kein Druck und deren Erfüllung unabdingbar. Dazu gehört, daß man anderen vergibt. Man erhält Vergebung im gleichem Maße. Dies hat Jesus so fast wörtlich (und in Gleichnissen) gesagt.
Außerdem kennst doch auch das "Vater unser"
"......vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben..."
Wäre doch ziemlicher Quatsch, wenn die Sünden ganz anderes vergeben würde.
Die Botschaft Jesu ist eben keine "Kuschelbotschaft" mit ein bisschen Glauben und "Halleluja" (Lobpreisungen und Bekenntnissen) sondern erwartet, daß der Mensch sich durch gerechtes Handeln einbringt.
Damit sich keiner mehr was vorlügen kann hierzu noch Mt.7,21
21 Nicht jeder, der zu mir sagt: Herr! Herr!, wird in das Himmelreich kommen, sondern nur, wer den Willen meines Vaters im Himmel erfüllt.
"Herr, Herr" steht hier für Glaubensbekundungen und der Wille Gottes
für das Liebesgebot, ein TUN-Gebot.
Alles Klar ?
Zur Verständigung Bibeltexte bitte der "Einheitsübersetzung" entnehmen.

Kommentar von weghdh ,

Das heißt zusammengefasst: Ein gläubiger Christ muss nichts Leisten, um Annerkennung oder Vergebung seiner Sünden zu erfahren. Schließlich galubt er an Jesus Christus, der für die Sünden gestorben ist. Damit ist ein Christ frei von Leistungsdruck oder -zwang. Seine christliche Überzeugung und Verinnerlichung der christlichen Gebote (Nächstenliebe) ist das Motiv wofür er solidarisch leistet.

Kommentar von Viktor1 ,
Das heißt zusammengefasst: 

Nein, so hab ich das nicht gebracht, du verdrehst einiges.
Du versuchst immer wieder deine ursprüngliche Position heraus zu holen. Der Begriff "Leistung" - ich sagte es schon am Anfang - passt hier nicht.
Ich habe alles (und mehr) gebracht. Es ist an dir, dies (und die Botschaft Jesu) zu verinnerlichen - oder zu verwerfen. Ich werde mich nicht wiederholen.

Antwort
von Christian3684, 9

Verweis auf den Jakobusbrief: Hier wird vom Glauben und von den Werken (Leistung) gesprochen. "So ist auch der Glaube, wenn er nicht Werke hat, tot in sich selber." (2,17) "Willst du nun einsehen, du törichter Mensch, dass der Glaube ohne Werke nutzlos ist. Da siehst du, dass der Glaube zusammengewirkt hat mit seinen Werken, und durch die Werke ist der Glaube vollkommen geworden." (2,20.22)

Diese Erklärung bereitete M. Luther große Probleme in Bezug seiner Rechtfertigungslehre, deshalb lehnte er auch den Jakobusbrief ab. Nur ändert das nichts an der Tatsache, dass der Jakobusbrief ein Bestandteil des NT ist.

Entscheidend ist, dass der Glaube ohne Werke (Leistung) wertlos/sinnlos ist. Wenn Du von solidarischen und von egoistischen Handeln sprichts, dann besteht der Unterschied meines Erachstens darin, wenn man glaubt durch die (guten) Werke(Leistung) vor Gott gerecht zu werden. Dieser falschen Vorstellung ist schon Paulus seinen Zeitgenossen entgegen getreten.

Diese falsche Vorstellung finden wir auch später im Islam, wenn ein falsches Werk durch ein gutes Werk kompensiert werden soll. So glaubt man durch seine guten Werke von Gott angenommen zu werden. Dem wird aber im NT klar widersprochen, weil die Annahme des Menschen von Gott durch die Gnade geschieht und nicht durch die Werke. Aber die Werke sind eine Folge des Glaubes, bzw. die praktische Auswirkung des Glaubens.

Diese wahre Auswirkung des Glaubens wird in Matthäus 25, 34-40 von Jesus klar beschrieben. Jene, die am Jüngsten Tag an der Rechten Seite Jesu stehen werden, sind nicht jene, die sich auf ihre Werke berufen werden: "Wann haben wir dich dich hungrig, nackt, durstig gesehen.......", sondern die einfach gehandelt haben, um den Menschen zu helfen. Im Zentrum ihres Handels stand das Helfen und nicht sich dadurch Verdienste bei Gott zu verschaffen. Und dieses solidarische Handeln(Werke) gegenüber seinen Mitmenschen hat den Glauben vollkommen gemacht.

Antwort
von NewKemroy, 37

Na, ich würde es so sehen, dass der Christenmensch laut Luther sich überhaupt nicht um sein Seelenheil oder seine Erlösung kümmern muss. Hierdurch gewinnt er Zeit, die er sinnvollerweise für den Nächsten oder die Gesellschaft investieren soll.

Der Haken ist nur, dass das nicht so einfach funktioniert. Denn nur die wenigsten Protestanten sind vollkommen selbstlos auf das Wohl anderer bedacht. Zwar schwindet das Ego, wenn man Christus als Konzept in den Lebensmittelpunkt stellt. Jedoch lässt sich diese "Übung" nicht immer und überall aufrecht erhalten.

So bezweifele ich ernsthaft, dass der Gläubige (Protestant) durch seinen Glauben wieder ins Paradies gesetzt und neu geschaffen wird, wie es in Abschnitt 22, von der Freiheit eines Christenmenschen heißt.

Ins Paradies gesetzt sein hieße nämlich Anstrengungslosigkeit. Jedoch für einen Protestanten ist Glaube schon eine mühevolle Arbeit. So muss er sich ja stets aktiv Christus zuwenden. Somit entsteht eine erhöhte Leistungsfähigkeit nur durch die aktive Leistung des Glauben und die Pflege desselben.

Das ist etwa so wie bei einem Möbelpacker, der in seiner Freizeit ins Bodybuildingstudio geht. Durch sein Training mit den Hanteln, gewinnt er natürlich auch eine erhöhte Leistungsfähigkeit im Berufsalltag.

Aber der Punkt ist ja, dass jemand in dessen Herz wirklich Jesus Christus wohnt (bildlich gesprochen), der ist dieser "Neue Mensch" aus sich heraus. Und 10 mal besser als ein protestantischer Gläubiger und obendrein ohne ständiges Erinnern, Repetieren und Pflegen des Glaubens.

Ergänzend sollte vielleicht noch das Jesus-Beispiel mit den Vögeln auf dem Feld hier erwähnt sein. Hier steht der Leistungsgedanke natürlich im Widerspruch zm Glaube.

Kommentar von NewKemroy ,

der ist dieser "Neue Mensch" aus sich heraus

Damit meine ich im Gegensatz zu dem Gläubigen, dessen Leistungsfähigkeit auf einer Sekundärhandlung beruht. Sicherlich wäre es richtiger zu sagen: der ist dieser "Neue Mensch" aus Gott heraus.


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