Frage von Multitek, 40

Ist die Soziale Marktwirtschaft noch sozial?

Antwort
von Topotec, 29

Die ,,soziale Marktwirtschaft" wird mehr als politische Floskel verwendet, wenn man die Definition von sozial, also gemeinnützig, barmherzig usw. mal anschaut, passt höchstens das entfernte Synonym ,,gesellschaftlich" !

Marktwirtschaft war in dem Sinne also nie sozial, sie wird bestimmt durch freien Wettbewerb sowie Angebot und Nachfrage.

Antwort
von uncledolan, 20

Deine Frage ist (ganz nach Stammtisch-Manie) suggestiv gestellt, und ja, natürlich ist sie immer noch sozial.

Eine soziale Marktwirtschaft bedeutet, dass es zwar eine mehr oder wenige freie Marktwirtschaft gibt (Durchsetzung von Marktmacht durch Mechanismen wie Angebot und Nachfrage, Durchsetzung der Leistungsfähigsten etc.), aber zusätzlich gibt es eine Einkommensumverteilung im Sinne der Verteilungsgerechtigkeit, die die ursprüngliche Einkommensverteilung besser auf alle Menschen verteilt.

Die genaue Umsetzung steckt im Begriff "soziale Marktwirtschaft" nicht drin, und hier kommt die Parteipolitik ins Spiel: Verschiedene Parteien setzen sich verschieden stark für einen stark ausgeprägten Sozialstaat ein, am stärksten FÜR Umverteilung ist (in abnehmender Reihenfolge) die Linke, die SPD und die Grünen sowie (in der konservativen Mitte) die CDU. Gegen eine "zu starke" (aber immer noch für eine bis zu einem gewissen Grad betriebene) Einkommensumverteilung setzt sich FDP und AfD ein.

Du brauchst also nicht süffisant hier bei GF.net anzukommen und suggerieren "Angeblich sollen wir ein Sozialstaat sein, aber ich bekomme nicht viel davon mit!". Die Menschen haben bei der letzten Bundestagswahl ganz und gar nicht nach dem Motto "mehr Sozialstaat, bitte" gewählt, sondern die Parteien, die sich für Umverteilung stark machen (Linke und SPD) haben zusammen gerade mal 34,3% der Stimmen geholt. Mit anderen Worten, 65,7% der Menschen haben sich gegen Parteien ausgesprochen, die einen (zu) starken Fokus auf die Umverteilung legen. Erwartest du von den 34% jetzt, dass sie bei entscheidenen Weichenstellungen bezüglich der sozialen Gerechtigkeit (zum Beispiel Mindestlohn) gegen jede mathematische Möglichkeit ihre Positionen durchsetzen? So funktioniert das nicht. Sie haben der Mehrheit unterlegen und dementsprechend ist ein ausgedünnter und damit unbefriedigender Mindest-"lohn" entstanden, über den Menschen wie du sich jetzt wieder beschweren.

Wenn du das System kritisieren willst, musst du es zunächst verstehen, ansonsten bist du kein Stück besser als die Populisten von der AfD.


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