Frage von Aqualia145, 57

Ist die sexuelle Orientierung im deutschen Recht vor Diskriminierung geschützt?

Hey! Gerade musste ich für Wirtschaft und Recht die ersten zwanzig Artikel des GG lesen und dabei ist mir etwas aufgefallen, bei Artikel 3.3. Dort steht etwas davon, dass niemand wegen Geschlecht, Abstammung und noch einigem mehr benachteiligt oder bevorzugt werden darf - was ich natürlich gut finde.

Was ich nur vermisse ist etwas zur sexuellen Orientierung. Ich denke, man könnte sagen, dass Transgender und non-binäre Geschlechter durch den Abschnitt über Geschlecht zumindest teilweise "geschützt" sind, obwohl man das sicher ausführlicher einbringen könnte. Aber die sexuelle Orientierung lese ich dort nirgends, was mich irgendwie doch beunruhigt, wenn man bedenkt, wie viele Probleme in dieser Hinsicht auftreten können.

Meine eigentliche Frage ist jetzt eigentlich: Ist die sexuelle Orientierung vor Diskriminierung und ähnlichem gesetzlich geschützt? Kommt das irgendwann später, außerhalb der Grundgesetze? Warum ist es nicht in den Grundgesetzen?

Vielleicht kann mir irgendein motivierter Rechtskundiger helfen, wäre sehr dankbar! Kenne mich leider noch nicht so gut aus, deswegen tut es mir leid, wenn das eine dumme Frage ist :)

Antwort
von maja11111, 42

im prinzip ist es geschützt. aber wäre das da drin, dann müsste sich doch die regierung fragen lassen wieso sie menschen die bspweise homosexuell sind, diskriminieren. denn diese menschen dürfen in deutschland nicht heiraten, keine kinder adoptieren und haben natürlicht nicht dieselben rechte und privilegien wie heterosexuelle paare die verheiratet sind. heißt, menschen mit anderer sexueller ausrichtung werden in deutschland nicht geschützt.

Kommentar von scorpion87 ,

"nicht geschützt" würde ich auch nicht unterschreiben, aber Sie genießen ein paar Rechte weniger als Heterosexuelle, das stimmt.

Antwort
von Retrohure, 36

Es gibt ein Antidiskrimminierungsgesetz.

https://de.m.wikipedia.org/wiki/Allgemeines\_Gleichbehandlungsgesetz

Dass die eingetragene Lebenspartnerschaft aber nicht mit der Ehe gleichgestellt ist, wurde allerdings bereits vom Bundesverfassungsgericht bemängelt. So dürfen homosexuelle Paare in Deutschland keine Kinder adoptieren (anders als in den meisten westeuropäischen Ländern). Diese Frage bleibt also weiter zu diskutieren.

Antwort
von Loki1709, 38

Die Würde des Menschen ist unantastbar, genauso ist jeder ob Schwarz, Weiß, groß, klein, behindert, "andersfühlend" etc. vor dem Gesetz gleichgestellt, ganz gleich ob diese Person nun auf Männer oder Frauen steht, niemand darf aufgrund seiner Abstammung, seines Glaubens oder seiner Gefühle in irgendeiner Weise benachteiligt werden!

Antwort
von SarcasticSard, 55

Ja. Die Aufzählung im Art. 3 Abs. 3 GG ist eine unvollständige Aufzählung, d.h. sie verbietet jede diskriminierende Behandlung, auch aufgrund von Merkmalen, die nicht genannt sind.

Dazu kommt noch das Allgemein Gleichbehandlungsgesetz, das jede Diskriminierung verbietet, außer in einigen Ausnahmefällen(z.B. durch kirchliche Arbeitgeber). 

Antwort
von Keven20, 44

Hallo Aqualia145

Ja!  Nämlich im AGG. Siehe Auszug von Wikipedia:

Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) – umgangssprachlich auch Antidiskriminierungsgesetz genannt – ist ein deutsches Bundesgesetz, das „Benachteiligungen aus Gründen der Rasse oder wegen der ethnischen Herkunft, des Geschlechts, der Religion oder Weltanschauung, einer Behinderung, des Alters oder der sexuellen Identität verhindern und beseitigen soll“.

Mit freundlichen Grüßen

Keven

Antwort
von scorpion87, 16

Hallo,

dazu muss man kein motivierter Rechtskundiger sein, einfaches Leseverständnis reicht - und du hast das ganz genau richtig erkannt. Die sexuelle Orientierung ist laut Grundgesetz nicht vor Diskriminierung geschützt.

Das einzige, was schützt ist das AGG, das allgemeine Gleichbehandlungsgesetz, welches in der Arbeitswelt regelt, wer vor Diskriminierung geschützt ist. Da ist auch die sexuelle Orientierung miteinbegriffen.

Interessanterweise muss sich jeder Arbeitgeber in Deutschland an dieses Gesetz halten, außer jener, der immer wieder eklatant dagegen verstößt: die katholische Kirche. Lesbische Kindergärtnerinnen, Krankenpfleger/innen oder schwule Pfarrer in kirchlichen Einrichtungen werden da gerne mal gekündigt, sobald sie z.B. eine Lebenspartnerschaft eingehen. Dass häufig diese Einrichtungen zum Großteil vom Staat bezahlt und von der Kirche nur unterstützt und betrieben werden, macht das Ganze noch abenteuerlicher.

Darüber mag man denken, was man will, aber so ist in Deutschland der Stand der Dinge.

Antwort
von voayager, 22

sie ist geschützt

Antwort
von hoermirzu, 51

Solange hochrangige Politiker ihre Frauen "Gattin" oder gar "Muschi" nennen, ... Was sollte da ein Gesetz bewirken?

Er ist auch nicht wieder da, war vielmehr nie weg! 

Antwort
von tanzegern, 57

Du hast erstmal Art. 3 I GG: Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich.

Das gilt uneingeschränkt, und differenziert nicht nach sexueller Orientierung.

Notfalls kannst du immer auf Art 1 GG, insbesondere Absatz I zurückgreifen. Das ist im Grunde ein Auffangtatbestand. Eine Diskriminierung würde die Würde verletzen, damit ist sie verboten.

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