Frage von vicktoria69, 28

Ist die Selbstmordrate bei Psychatern höher als bei ihren Patienten?

Ich habe das jetzt schön öfter gehört aber niemand konnte mir eine Quelle nennen ? Weiß jemand ob das stimmt und wenn ja wo man das nachlesen kann ?

Antwort
von uncledolan, 8

Falls das so stimmt, ist es wohl eher ein statistisches Phänomen.

Die Deutung "Psychater sein macht depressiv und führt zu Selbstmordgedanken" muss so nicht stimmen.

Ich vermute mal, der auschlaggebende Faktor für die eigene Selbstmordgefahr ist die Fähigkeit, sich anderen Menschen anzuvertrauen. Sehr viele Selbstmorde werden von jungen Männern (und teilweise Frauen) begangen, die große psychische Probleme oder Depressionen haben, aber nicht in der Lage oder gewillt sind, sich anderen Personen anzuvertrauen und sich behandeln zu lassen.

Zudem werden Menschen wohl eher dann Psychiater, wenn sie schon einmal mit psychischen Problemen zu tun hatten oder diese von sich selber kennen. Ich würde mal sogar die abenteuerliche These aufstellen, dass ein nicht ganz unerheblicher Teil der Psychater unter anderem einer Selbstbehandlung wegen diesen Beruf ergriffen haben, insbesondere wenn sie zu dem Teil der Menschen mit psychischen Problemen gehören, die sich nicht anderen Personen anvertrauen können oder wollen.

Jetzt haben wir also insgesamt 4 Eigenschaften, die erfüllt oder nicht erfüllt sein können:

- Psychische Probleme haben oder nicht haben, (H1, H0)

- Anvertrauen oder nicht anvertrauen, (A1, A0)

- Selbstmord begehen oder nicht begehen, (S1, S0)

- Psychater sein oder nicht sein. (P1, P0)

Jetzt kannst du wir überlegen, welche Gruppe eher eine Eigenschaft aufweist oder nicht und können mit mehr oder weniger hoher Sicherheit diese Thesen aufstellen:

- Nur wer psychische Probleme hat, geht zum Psychater (wenn A1 -> H1)

- Nur wenn man psychische Probleme hat, könnte man Selbstmord begehen (wenn H0 -> S0, wenn S1 -> H1)

- Wenn man sich nicht anvertraut, begeht man eher Selbstmord, als wenn man sich anvertraut (A1-S1) < (A0-S1)

- Wenn man Psychater ist, hat man eher psychische Krankheiten als der Durchschnitt (P1-H1) > (P0-H1)

- Wenn man Psychater ist, traut man seine Probleme weniger wahrscheinlich an, als wenn man kein Psychater ist (P1-A0) > (P1-A1)

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Wenn man sich jetzt deine Ursprungsthese anguckt: Selbstmordwahrscheinlichkeit bei Psychatern ist höher als bei ihren Patienten, muss man wie folgt prüfen:

Hat...

--> jemand mit (höherer als Durchschnitt, aber nicht 100%) W'keit, psychisch krank zu sein, aber (niedriger als Durchschnitt, aber nicht 0%) W'keit, sich anzuvertrauen, eine höhere Selbstmordwahrscheinlichkeit

als

--> jemand mit 100% W'keit, psychisch krank zu sein, aber auch 100% W'keit, sich anzuvertrauen

?

Um das herauszufinden, müssen wir entweder Empirie (Umfragen etc) betreiben, oder versuchen das Modell zu verfeinern. Ausschlaggebend ist die Frage, ob das "psychisch krank sein" stärker mit Selbstmordwahrscheinlichkeit korreliert als das "sich nicht anvertrauen". Wohlgemerkt muss man beachten, dass das "psychisch krank sein" statistisch deutlich häufiger vorkommt, weswegen man diese Werte vorher entsprechend der (allerdings unbekannten bzw nur schätzbaren) Grundgesamtheit dieser Eigenschaften gewichteten muss. Außerdem hätte dieses Modell nicht abgedeckt, ob noch mehr Faktoren das beeinflussen, z.B. der Faktor, ob Umgang mit psychisch Kranken an sich die Selbstmordgefahr erhöhen.

Antwort
von schloh80, 9

In den USA ist die Suizidrate von Ärzten generell höher, als die der Normalbevölkerung (Ärzte leicht höher, Ärztinnen deutlich höher). Für Deutschland liegen mW keine Zahlen vor.

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3549025/

Hier in Deutschland sind die Strukturen auch anders (alleine schon die extrem hohe Verschuldung us-amerikanischer Mediziner hat zB bei Krankheit uU verheerende Konsequenzen, plus schlechte Absicherung, während Ärzte in Deutschland über Krankenversicherung und Absicherung über die berufsständische Versicherung (ärztliches Versorgungswerk) verfügen uvm).

Es gibt einen Artikel, der für die USA eine besonders hohe Quoten bei Psychiaterinnen und bei weiblichen Clinical Psychologist berichtet:

Black, D. (1992). When physicians commit suicide. Iowa Med. 1992 Feb;82(2):58-61.

Antwort
von Dxmklvw, 13

Das halte ich für ein Gerücht.

Natürlich läßt sich nicht zu 100 Prozent ausschließen, daß auch mal ein Psychiater lieber aus dem Fenster springt als einen total nervtötenden Patienten weiter zu behandeln.

Antwort
von Seanna, 8

Nein.

Die Suizidrate ist bei Psychiatern zwar höher als in der allgemeinen Bevölkerung, aber die Rate der Suizide in der Gruppe der psychisch Kranken ist noch höher.

Was ja auch logisch ist, da nicht alle Psychiater psychisch krank sind, manche aber schon.

Quellen bin ich jetzt zu faul raus zu suchen. Zumal es um reines Interesse zu gehen scheint, nicht um eine wissenschaftliche Arbeit.

Antwort
von Steffile, 17

Nie gehoert, und die die ich kenne, leben noch.

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