Frage von Yamato1001, 59

Ist die Renationalisierung ein längerfristiges Phänomen?

Hallo zusammen

Ich befasse mich nun schon seit einigen Jahren mit Politik und gesellschaftskritischen Themen. Ich habe mir zur oben stehenden Frage bereits selbst viele Gedanken gemacht, doch mich würde es freuen zu erfahren, was ihr darüber denkt. Denn wenn ich nur immer eigene Ideen und Annahmen treffe, drehen sich die Ideen irgendwann im Kreis. Ich ein frischer Wind von eurer Seite wäre super. Wenn möglich bitte keine "Ja" oder "Nein" Antworten sondern mit Begründung. Herzlichen Dank

Lg Yamato

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von kgunther, 11

Fragen der Nation sind nur dort von Belang, wo sich Nationen im Vollsinn gebildet haben. Als Nation verstehe ich eine Kulturgemeinschaft gleicher Herkunft in geschlossenem Siedlungsgebiet, unabhängig von der Staatlichkeit. In Libyen, Syrien, in Schwarzafrika bilden die Kulturgemeinschaften nicht Nationen, die Kultur lebt in den Stämmen.

Die "Entnationalisierung" war eine Mode-Erscheinung, die nur in bestimmten Kreisen der Bevölkerung und nur in bestimmten Ländern (besonders in der BRD) stattgefunden hat. Sie folgte einem Konzept der Kräfte des Globalismus.

Erst spät in diesem Prozeß erkennen die Menschen, daß sie zugleich mit der Nation ihre natürliche Gemeinschaft verlieren, und daß ihre Kultur leidet, da "Kultur" stets eine Gemeinschaftsveranstaltung darstellt. Die Folge ist ein Umdenken der Intellektuellen und Eliten. Und damit eine Umschwenken der Meinungen der Mehrheit.

Kommentar von Yamato1001 ,

Vielen Dank für deine Antwort :)

Antwort
von BiggerMama, 11

Wichig ist sich klar zu machen, warum die "Renationalisierung" in vielen Staaten um sich greift. Sie ist die Antwort vieler Menschen auf Globalisierung. Sie drückt die Angst vieler Menschen vor Veränderung aus.

Diese Veränderungen sind in den reichen Länder anders geartet als in den armen Ländern.

In den reichen Ländern werden viele Veränderungen unter vielem anderem durch Menschen hervorgerufen, die aus fremden Kulturkreisen in die reichen Länder migrieren. Das lässt bei uns z. B. am Erstarken nationalistischer Parteien ausmachen.

Aber auch das Erstarken des islamistischen Extremismus ist ein Zeichen des Erstarkens nationalistischer Ideen innerhalb des Islam. Um die Gründe für das Erstarken dieser Ideen genau zu beschreiben, fehlt mir Hintergrundwissen, ist wohl auch zu vielschichtig, weil hier auch die Religion eine zusätzliche Rolle spielt. Es hat aber auch etwas damit zu tun, dass sich viele Menschen in den vom Islam geprägten Ländern vom Westen abgehängt fühlen.

Da sich die Globalisierung nicht aufhalten lässt, bleiben die Gründe für die befürchteten Veränderungen bestehen.

Die Folgen können aber durch eine rücksichtsvollere Politik der reichen Länder gelindert werden. Z. Zt. werden die Menschen in den armen Ländern mit ihren existenziellen Nöten allein gelassen. Auch in Syrien wollte sich niemand in den Bürgerkrieg einmischen, obwohl in der Vergangenheit schon in mehreren Ländern ein Krieg zum Erstarken nationalistisch-islamistischer Ideen und der davon beseelten Kräfte führte. Das Szenario war also in etwa absehbar.

Auch in sehr armen Ländern gibt es extrem reiche Leute, die sich meist auf Kosten der Armen bereichert haben.

Leider gibt es z. B. bei uns sehr arme Menschen. Viele von diesen armen oder von Armut bedrohten Menschen fühlen sich innerhalb der Gesellschaft abgehängt (ganz stark in den neuen Bundesländern zu beobachten). Da zu erwarten ist, dass die meisten Flüchtlinge ihre zukünftigen Konkurrenten auf dem Arbeitsmarkt werden, richtet sich ihre Angst und Abwehr gegen die Flüchtlinge.

Für die älteren Menschen aus den fünf neuen Ländern gilt in besonderer Weise, dass sie Angst vor Veränderung haben, weil sie vor allem durch die letzte große Veränderung vor fast 30 Jahren arm bzw. von Armut bedroht wurden.

Ob sich der bestehende Nationalismus noch vertieft, wird auch daran liegen, wie gut wir es schaffen, dass sich die Flüchtlinge integrieren (können). Das ist eine Aufgabe für unser Land, aber auch und vor allem für die Flüchtlinge selbst. Sie haben sich unser Land ausgesucht!

Kommentar von Yamato1001 ,

Vielen Dank für deine sehr ausführliche Antwort :)

Expertenantwort
von atzef, Community-Experte für Politik, 16

Nein.

Die negativen Auswirkungen des Brexit haben entsprechenden Bestrebungen und Ideen einen heftigen Dämpfer verpasst.

Das ist eher das letzte Aufbäumen einer strategisch in die Defensive geratenen Rechten.

Wie kurzsichtig und ruinös ein solches Unterfangen wäre, bekämen vor allem Länder wie die Bundesrepublik mit ihrer Wohlstandsabhägigkeit von global freien Märkten zu spüren.

Daher vertritt diesen Unsin hier auch nur die AfD und die Neonazis von der NPD.

Kommentar von Yamato1001 ,

Vielen Dank für deine Meinung :)

Antwort
von thetee99, 13

Ich denke auch, es ist gerade eine kurzfristige Mode-Erscheinung, bzw. eine Protest-Phase gegen ein relativ neues Lebens- und Staatsmodell in Europa. Menschen hatten historisch betrachtet schon immer ein großes Problem mit Veränderungen und das die Europäische Union ein Projekt ohne Stolpersteine wäre, ist ein Trugschluss. Bisher versucht halt nur jeder Staat seine Vorteile aus der Gemeinschaft zu ziehen, aber niemand will Verantwortung und das "Wir-Gefühl" ist noch nicht richtig angekommen. Nationalisten oder Rechts-Konservative sehen in der allgemein Verunsicherung ihre Chance auf politischen Einfluss, ich denke noch nicht einmal das die meisten von denen auch die Konsequenzen dafür tragen wollen - man muss sich nur ansehen wer alles nach dem Brexit in GB zurückgetreten ist...

Aber es wird definitiv zu einem längerfristigen Problem, wenn wir Global in den Nationalismus zurückfallen! Die Ressourcen sind ja bekanntlich begrenzt, Erdöl soll es nur noch bis ca. 2050 geben. Trinkwasser im nahen Osten und Afrika wird jetzt schon knapp... entweder wir rotten uns zusammen oder es bleibt am Ende eh keiner mehr übrig ;)

Kommentar von Yamato1001 ,

Danke für deine Antwort :)

Kommentar von BTyker99 ,

Du sagtest erst, es wäre eine kurzfristige Erscheinung, und dann es wäre ein längerfristiges Problem, was ist es denn nun?

Dir schwebt, wenn ich das richtig verstehe, eine Art Weltregierung vor, aber kann man wirklich alle Menschen unter einen Hut bringen? Ich denke nicht, dass man auf Nationalstaaten verzichten kann, da die Menschen in den Industrieländern ihren Wohlstand mit Sicherheit nicht mit den anderen teilen möchten. Welchen Vorteil hätte das "Zusammenrotten" denn in Hinsicht auf die Erdöl-Reserven, oder das Trinkwasser in Afrika?

Meiner Meinung nach kann das Wasser- und allgemeine Ernährungs-Problem nur dadurch gelöst werden, dass die Bevölkerung in Gebieten, die keinen hohen Ertrag bringen können, kleiner werden muss. Aber das wird man sicherlich nicht von außen diktieren können. Um sich in den reicheren Ländern aber vor den Folgen der Überbevölkerung zu schützen, denke ich, dass eine Abschottung vor Migration nötig ist, da Migration das Problem nicht an der Wurzel bekämpft, sondern das Problem nur in die nahe Zukunft verlagert - die Lebensräume der Menschen, die sich still darauf verständigt haben, wenig Nachwuchs zu erzeugen um ihren Lebensstil zu erhalten werden zerstört, gleichzeitig werden die durch die migrierten Personen entstandenen Lücken in deren Ursprungsländern nach kurzer Zeit durch Neugeborene aufgefüllt.

Kommentar von thetee99 ,

@BTyker99: ich meinte damit, die momentanen Pro-Nationalistischen Bewegungen in ganz Europa sind eine vorübergehende Mode-Erscheinung... oder zumindest hoffe ich das. Wenn nicht, wird der evtl. real umgesetzte Nationalismus in naher Zukunft zu einem langfristigen Problem. Obwohl nicht gesagt ist, dass die Menschheit im Ganzen die Probleme der Ressourcenverknappung nicht so oder so bekommen würde.

Am 08.08.2016 hatten wir den "Earth Overshoot Day", rein rechnerischen haben wir die Belastungsgrenze für das Jahr 2016 an diesem Tag erreicht. Man kann argumentieren, den Rest des Jahres verbrauchen wir die Ressourcen unserer Kinder und Enkelkinder...

Ich kann selber nicht behaupten, dass ich im Alltag auf sowas achten würde, weder lebe ich Bio, Öko oder irgendwas vergleichbares. Aber die Entwicklung macht mir trotzdem etwas Angst, vor allem wenn man Gefahr läuft, diese Entwicklung noch zu Lebzeiten mitzuerleben... wir machen uns in Deutschland schon wegen 70.000 Flüchtlingen in die Hose, wenn sich die Trinkwassersituation so weiter entwickelt, wird es Europa in naher Zukunft mit 700.000 Flüchtlingen und viel mehr zutun haben. Und Deutschland zählt bei weitem nicht zu einem der größten Aufnahmeländer. Laut UNHCR hatte zum Ende 2015 die Türkei 2,5 Mio. aufgenommen, danach Pakistan 1,6 Mio, Libanon 1,1 Mio, Iran, Äthiopien und Jordanien.

Eine Weltregierung a la Star Trek ist natürlich utopisch und die kulturelle Individualität jedes Landes sollte auch gewahrt bleiben. Aber solange die reichen Industrienationen alles im Übermaß verschwenden und die armen Länder sprichwörtlich verdursten, ist diese Welt ein Pulverfass.

Ich glaube nicht das der Demografische Wandel in z. B. Deutschland auf eine "stilles Einverständnis" zurückzuführen ist. Vielmehr steht hier die Kariere von Mann und Frau im Vordergrund, während in weniger entwickelten Ländern viele Kinder notwendig sind, z. B. für die Landwirtschaft oder als Altervorsorge.

Antwort
von kubamax, 11

Schon immer können die meisten Menschen nur innerhalb kleiner Grenzen denken. Die Medien haben diesen Menschen ein megaphon gegeben. Schade, die Zeit der kultivierten und intellektuellen Denker ist vorbei. Der mop darf jetzt Politik machen. Ja es geht weiter.

Kommentar von Yamato1001 ,

Vielen Dank für deine Antwort :)

Antwort
von soissesPDF, 10

Phänomen = Rätsel, sowas gibt es nicht, schon gar nicht in der Politik.
Wenn sind die Entwicklungen erklärbar und begründet.

Kommentar von Yamato1001 ,

Danke für den Hinweis - Aber eine wirkliche Antwort fehlt noch

Kommentar von soissesPDF ,

Nationale Interessen gehören zur Verfassungswirklichkeit einer jeden Nation.
"Der Nationalstaat ist kein Provisorium, er wurde auf Dauer geschaffen." Jean Claude Juncker (EU-Kommissionspräses).

Es gibt keine Re-Nationalisierung, siehe Verfassungswirklichkeit.
Der Begriff wird von neoliberalen Politikern und der Wirtschaft negativ verwendet um die Globalisierung zu zementieren.

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