Frage von grubenhirn, 60

Ist die Musik, mit dem Jazz, an dem Ende ihrer Jahrhunderte langen Geschichte angelangt?

Antwort
von AKR715, 23

Nein. Musik hat kein Ende. Es geht immer weiter.

"Jazz" als Musikstil ist für Musiker und Komponisten ein riesiger Werkzeugkoffer voller Standards, Schemen, Rahmenwerken, Regeln und bewährten Konzepten, aus dem man sich bedienen kann, um Neues zu schaffen.

Kleiner Musiktipp am Rande: Wer Jazz mag und es noch nicht kennt: hört euch das 2015er Album "The Epic" von Kamasi Washington an. Da hat jemand das o.a. vorgehen sehr eindrucksvoll umgesetzt. 

Antwort
von claushilbig, 32

Für viele Menschen ist Jazz (zumindest Free-Jazz) überhaupt keine Musik, sondern disharmonischer Krach - ich persönlich kann einer Freejazz-Session auch nicht viel abgewinnen und auch nicht sehen, dass das eine besonders hohe Form von Musik ist. Da finde ich z. B. die durchstrukturierte Form einer Bach'schen Fuge wesentlich höher - aber das ist Geschmackssache. (Die Improvisationen eines Keith Jarrett z. B. finde ich aber schon ziemlich genial.)

Musik ist aber nicht nur Geschmackssache, sondern auch stark kulturabhängig - ich denke z. B., in Asien hat Jazz nur eine sehr geringe Verbreitung. In anderen Kulturen gibt es teilweise ein komplett andere Tonalität, "unsere" Tonleitern werden dort als absolut dissonant empfunden.

Daher wird es m. E. niemals einen Musikstil geben, den alle als "endgültige Form" ansehen. Es wird immer neue Stile und Entwicklungen geben - im Moment ist ja "Weltmusik" (Verschmelzung von Stilen aus verschiedenen Kulturen) ein wichtiger Trend.

Auch die "moderne E-Musik" sollte man nicht außer Acht lassen, z. B. die 12-Töner, oder Leute wie John Cage und Karl-Heinz Stockhausen - auch dort wird es sicherlieh noch weitere Entwicklungen geben.

Antwort
von Franz1957, 13

Nein, im Gegenteil: Die Musik ist zu ihren Quellen zurückgekehrt, hat dadurch neues Leben bekommen und wurde, wie ich mutmaße, davor bewahrt, vollends in Kitsch und manieriertem Spießertum abzusinken. Diese Erneuerung verdanken wir ausgerechnet den Menschen, die der weiße europäische Kulturmensch am tiefsten verachtet hat: Den dunkelhäutigen Zwangsarbeitern aus Afrika, von denen er meinte, sie hätten auf halbem Weg vom Affen zum Homo sapiens irgendwo den Anschluß verpaßt...

Antwort
von Bswss, 44

Meinst Du damit etwa, dass (ausgerechnet) der JAZZ der Totengräber der Musik ist?

Der JAZZ der heutigen Zeit (schon seit ca. 60 Jahren) ist hochkomplizierte , meist absolut untanzbare, Musik, welche nur echte Könner auf ihren Instrumenten spielen können.  Nicht umsonst wird Jazz von den Radiosendern fast immer auf die Klassik-Sender verbannt.

Das "Ende der Musik" wird es vermutlich NIE geben, aber wenn doch, dass sind es eher die Schlager-, Karnevals- und volkstümliche Musik, aber auch der Hiphop, die die Musik im herkömmlichen Sinne abmurkst.

Kommentar von grubenhirn ,

Nein! Ich bin von Jazz begeistert. Allerdings markiert der Jazz in seiner Freiheit & Harmonie doch ein Ende der Entwicklungsmöglichkeiten, man siehe nur neuere Blüten wie den Free-Jazz, vielmehr kann da eigentlich nicht mehr kommen - oder etwa doch?

Kommentar von Bswss ,

Free Jazz ist schon lange nicht mehr neu, existiert als freies Improvisationsspiel schon seit den 1960er Jahren. MEIN Geschmack ist dieser Jazz nicht, weil ich viele dieser Musikbeispiele einfach nur für Anarcho-Krach halte.  Ich bin aber sicher, dass die guten, hochmusikalischen Jazzer (sie haben oft ein abgeschlossenes Musikstudium hinter sich) , wie es sie z.B. in den USA, Polen, Skandinavien und auch Deutschland gibt,  das Niveau halten und auch Innovationen bieten können.

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