Ist die Moral angeboren oder wird sie einem eingeflößt?

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15 Antworten

Moral wird eingeflößt, eingehämmert und früher großenteils eingebläut. Moral ist die Diktatur des "man". Es wird Angst gemacht,  ein schlechter Mensch zu sein, der von allen anderen ausgeschlossen wird, wenn er tut, was man nicht tut oder nicht tut , was man tut.

Wer diese Angst richtig verinnerlicht hat, gilt dann als wohlerzogen. Er hat dann einen inneren Drang, diese Angst an Kinder und andere Menschen weiterzugeben.

Angeboren sind Mitgefühl und Intelligenz. Ein angstfrei aufgewachsenes Kind entwickelt daraus eine Ethik, eigene Vorstellungen, wie es sich am besten anderen Menschen gegenüber verhält.

Der Unterschied zwischen Ethik und Moral ist, dass Ethik rational, diskutierbar und veränderbar ist. Moral will weder diskutiert noch verändert werden, da beides die Angst aktiviert.

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Kommentar von Sonja66
05.08.2016, 13:01

Hallo :-)

Also ich gebe dir schon recht. Prägungen prägen uns mitunter stark und es ist mühsam, diese zu überprüfen und gegebenenfalls zu ändern.
In Sachen Angst gebe ich dir sowieso recht....  ;-)

Aber man hat doch auch so eine innere Stimme, das eigene Gewissen, das einem sagt, was richtig oder falsch wäre. Diese trägt doch zu einer menschlichen Moral bei - oder?

Kinder wissen meines Erachtens ganz genau, was angebracht wäre. Gut, sie halten sich nicht immer daran, weil sie neugierig sind, sich und das Leben ausprobieren wollen, aber ich dachte schon, dass sie immer eine Moral in sich tragen. Wie eine leise Stimme, die zu uns spricht....., natürlich unterstellt, man wächst unter einigermaßen humanen Bedingungen auf.

Was wäre denn, würde man einem Kind nie von gut oder böse erzählen? Gäbe es da kein angeborenes gutes oder schlechtes Gewissen?

Würde sich auch ohne "Erziehung" Moral bilden?
Trägt man nicht sein Gewissen immer in sich?

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Die Moral entwickelt sich über die Lebensspanne, vor allem natürlich über die ersten Jahre bis in die Pubertät und bis zum frühen Erwachsenenalter. Dabei ist eine Komponente davon angeboren, das ist die Orientierung an dem, was man "richtig" und "falsch" nennt. Was das inhaltlich ist, verändert sich aber abhängig davon, was man als "richtig" und "falsch" zu bezeichnen lernt.

Babys verfügen über keine Lebenserfahrung. Sie empfinden Schmerz und Freude. Weil sie zwischen sich und dem Rest der Welt anfangs noch nicht unterscheiden können, ist Schmerz im Baby auch Schmerz im Rest der Welt. Schmerz ist "falsch", Freude ist "richtig". Das ist die Basis vom Mitgefühl, auf das Machtnix53 Bezug nimmt.

Mit dem Älterwerden lernt ein Kleinkind, dass die Perspektive vom Gegenüber und die eigene Perspektive sich unterscheiden können. Schmerz im Kleinkind ist Schmerz im Kleinkind, im Rest der Welt könnte es aber anders aussehen. Diese neue Perspektive ersetzt die alte nicht, sondern ergänzt sie. Die Wahrnehmung wird komplexer. Nach und nach kommen mehr Perspektiven dazu, etwa eine dritte Perspektive, aus der man sich selbst mit den Augen eines anderen sehen kann und schließlich auch eine "gesamtgesellschaftliche" Perspektive, aus der man ein gesellschaftliches Interesse und Individualinteressen gegenüberstellen kann. Das Mitgefühl bleibt also grundsätzlich erhalten, wird aber durch neue Perspektiven relativiert.

Ein recht einflussreiches (Stufen-)Modell der Moralentwicklung geht auf Kohlberg zurück. Während andere Theoretiker die Entwicklung der Perspektivübernahme als Voraussetzung für Kohlbergs Stufen sehen, sind sie seiner Auffassung nach vielmehr Bestandteil der moralischen Urteilsfähigkeit. In der ersten, präkonventionellen Phase orientiert sich ein Kind in seinen moralischen Urteilen zunächst an Lob und Strafe (das ist die eingetrichterte Moral der Eltern) und dann an persönlichen Kosten und Nutzen. Das konventionelle Stadium enthält zunächst eine Orientierung an Gleichheit für alle und dann an gesellschaftlichen Konventionen (z.B. Gesetze). Im postkonventionellen Stadium orientiert sich ein Mensch an den Idealen, die hinter dem gesellschaftlichen Vertrag stehen (zum Beispiel Menschenrechte) und auf der höchsten Stufe an universellen ethischen Prinzipien (zum Beispiel die Achtung von Leben).

Die Moral entwickelt sich also von einer persönlichen Empfindung von Schmerz und Freude über übernommene Wertesysteme der Eltern und eine Infragestellung derselben hin zu einer elternunabhängigen ethischen Orientierung.

Normalerweise.

Man kann aber auch die Moralentwicklung behindern, überlagern und bestrafen, sodass eine Entwicklung über die vierte Stufe (gesellschaftliche Konvention) hinaus nicht stattfindet. In der Schule wird eine moralische Urteilsfähigkeit bis zur konventionellen Stufe der Orientierung an Gesetze gefordert, darüber hinaus aber nicht. In vielen Elternhäusern wird versucht, Kinder bis zu ihrem 18ten Lebensjahr gehorsam auf der ersten oder zweiten Stufe der Moralentwicklung (Lob/Strafe bzw. Kosten/Nutzen) zu fixieren. So etwas führt dazu, dass eine Orientierung an "universellen ethischen Prinzipien" misslingen muss. Woher sollte man sie auch lernen?

Wenn Eltern ihre Kinder respektvoll dafür aufziehen, selbst eine postkonventionelle Moral beherrschen, liefern sie ihnen also übergangsweise eine Hilfestellung. Moral wird zunächst eingetrichtert, aber gleichzeitig wird das Selbstständigwerden von Moral gefördert, sodass die eingetrichterte Moral überwunden und durch eine persönliche Ethik ersetzt oder ergänzt werden kann. 

Angeborene soziale Orientierung und eine angeborene Präferenz für Kooperation können Antrieb für eine persönliche Ethik werden oder sein. Die konkreten Inhalte der persönlichen Ethik hängen aber von der Lernerfahrung ab. Dabei unterscheidet sich von Mensch zu Mensch, wie frei diese Lernerfahrungen erworben wurden. Während die einen ab Pubertät eigenständig und freiheitlich lernen, denken und urteilen können und dürfen und sich somit ethisch weiterentwickeln (sich selbst finden), werden andere in dieser Eigenständigkeit behindert und können sich dementsprechend von der eingetrichterten Moral der Eltern nicht mehr befreien. Sie bleiben oft Jahrzehnte oder gar lebenslang die Sklaven ihrer elterlichen Moral, genau das, was Machtnix53 eine Diktatur des "man" nennt.

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Angeboren nur indirekt über die Ausstattung, die man mitbringt. Da wir gesellschaftliche Wesen sind ist uns schon in die Wiege gelegt, dass wir uns anpassen und nach Lob, Liebe und Zuwendung sehnen, mühen. Eltern, die zwei und mehr Kinder großziehen machen oft die Erfahrung, dass jedes Kind anders auf die Erziehung reagiert. Zwischen natürlicher und kultureller Umwelt und Kind gibt es ein Resonanzverhältnis. Kinder sind keine Spiegel oder reine Knete, die sich widerstandslos formen lässt. Einflößen lässt sich Moral nur bei sehr ängstlichen, angepassten Typen. Spätestens seit der Pubertät gibt es nicht nur Widerstand sondern auch den Versuch, dem Vorgegebenen eigene Gedanken entgegenzusetzen, das Vorgesetzte zu prüfen. Die rein passive Abbildungstheorie ist falsch.

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Jede konkrete Ausformung der moralischen Vorstellungen eines Menschen ist im Wesentlichen kulturell bedingt - das klingt heutzutage schon wie eine Binsenweisheit. Das macht aber die Frage nicht überflüssig, ob es auch beim Menschen einzelne angeborene instinktive Verhaltensdispositionen gibt. Dass es sie bei Tieren gibt, gilt ja allgemein als wahr. Wenn es sie beim Menschen gibt, dann dürften sie sich äußern als Hemmungen, die gegen eine bestimmte Verhaltensweise gerichtet, dem Menschen allgemein zu eigen und weder direkt noch indirekt anerzogen sind. Das heißt natürlich nicht, dass sie nicht eventuell aberzogen werden können. Aber wenn der intensive Versuch einer solchen Aberziehung häufig scheitert, dann ist das ein Indiz für das Vorliegen einer solchen Disposition. Man wird sie wahrscheinlich auch kaum finden, wenn man nicht bewusst und gezielt nach ihnen sucht. Wie man an der Mehrheit der Antworten sehen kann, ist die Modestimmung einer solchen Suche zur Zeit nicht gerade förderlich. Als Kandidatinnen für solche Dispositionen, die in die Moral eingeflossen sind, könnte ich auf Anhieb drei nennen: - die Tötungshemmung gegenüber Menschen - die Inzesthemmung - die Sexualscham besonders bei pubertierenden Mädchen. Ich bin mir nicht so sicher, ob ich eingehendere wissenschaftliche Untersuchungen zu diesen Themen noch erleben werde. Aber spannend wär's.

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Sie wird dir eingehaemmert, von deinen Eltern, von der Schule und von unserem Prediger, dem Fernsehen. Die Glotze ist unsere Moral schlechthin, natuerlich nicht zu vergessen, dich hinterruecks wieder des Nachts zu verfuehren, wenn einsame Damen oder Herren grosse Versprechungen machen.

Die Kiste (TV) ist Moral und der Brecher derselben, damit du immer in einer Art Schwebezustand zwischen Absolution und Verdammnis zerissen wirst.

Dann wird Angst und Unwohlsein dein Leben bestimmen, vielleicht auch Depressionen deinen Weg pflastern.

Die Moral haelt ganze Voekler zusammen und sie muss auch hinhalten, wenn es dazu kommen sollte, dass andere hinweggeschlachtet werden, nur damit es uns besser geht. Wir mussten es tun aus moralischen Gruenden, naja, es gibt immer einen Grund und Gott ist unser Zeuge!

Wenn Moral angeboren waere, dann wuerden schon Babies das Handtuch hinruecken um ihre Scham zu bedecken.

Das ist alles nur gemacht, nicht echt, alle leiden darunter und die am meisten, die diese Moral predigen, sie leiden und brechen ihren Moralkodex am haeufigsten.

Wie sagte noch jemand neulich: Alles wir schlechter, nur eins wird besser, die Moral wird schlechter!

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Moral ist eindeutig "eingeflößt". Das ist alleine schon aus der Tatsache ersichtlich, dass Menschen in unterschiedlichen Kulturkreisen verschiedene Wertesysteme pflegen. Eine allgemeine Moral, die angeboren ist (sozusagen in der Natur des Menschen liegt), gibt es schlechthin nicht. Im Prinzip kann sich jeder seine eigene Moral erschaffen und nach dieser leben.

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Ich glaube "eingeflößt" weil "du darfst nicht stehlen, du darfst nicht dies und du darfst nicht das" wird ein als Kind beigebracht.

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Moral ist ein Part der menschlichen Natur, die daher stammt, dass er ein Tier ist, dass in Gruppen zusammenlebt. Durch Zusammenarbeit erhöhte sich früher die Überlebenswahrscheinlichkeit der gesamten Gruppe. Allerdings wird sie uns auch bis zu einem gewissen Maße zusätzlich anerzogen. Wir haben also grundsätzlich Empathie und brauchen nur noch einen Schubser. 

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Guten Tag,

Die Moralische Vorstellung bzw das eigene Gewissen wird in den frühen Kinderjahren  erlernt.Bis zu einem bestimmten alter (glaube bis 3?)Ist im kopf alles auf egoman getrimmt-ein überlebens mechanismuss- der uns hilft das zu bekommen bzw anderen zu zeigen was wir brauchen was natürlich als kleinkind welches nicht für sich selbstsorgen kann von großer bedeutung ist.

Dementsprechend wird Moral den kindern oft auch abhängig von der Gesellschaft in der man lebt beigebracht.

als bsp: (nur provisorisch)

Wenn ein urfolk ein Tier tötet, ist es etwas besonderes ,und sie danken ihm.

Wir im Westen z.b. sehen die Tiertötung als normalität an

liebe grüße

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Also ich glaube angeboren: Es ist das eigene Gewissen.

Was damit allerdings im Laufe des Wachstums so passiert...... ;-)

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Moralvorstellungen werden meiner Meinung nach durch das soziale Umfeld (Eltern, Freunde, Lehrer) geformt. 

Nehmen wir doch eine sehr simple Situation: 2 Kinder spielen miteinander. Kind A "klaut" sich einfach ein Spielzeug von Kind B. 

Es kann ja nicht wissen, dass es sich nicht gehört sich einfach Dinge zu nehmen, die einem nicht gehören ohne zu fragen. Erst durch die Reaktion des Kindes B (weinen, wütend sein), wird es mit einer Reaktion konfrontiert und im besten Fall erklärt dann ein erwachsener (Lehrer, Eltern), dass man das nicht so macht und noch wichtiger: WIESO man das nicht so machen sollte.

So versteht das Kind hoffentlich und im späteren Verlauf speichert es "stehlen" als etwas negatives ab, wodurch dann diese Moralvorstellung gebildet wird.

Dass sich diese Vorstellungen natürlich auch im Laufe des Lebens ändern können, ist natürlich auch logisch.

Über dieses Thema könnte man wahrscheinlich Romane schreiben (was ja auch geschehen ist ;) )

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Moral wird anerzogen, wie so vieles im Leben, du bildest dir mehr oder weniger deine eigene Moralvorstellung durch dein Umfeld.

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Moralische Richtlinien, Vorstellungen, Grenzen werden gesellschaftlich auferlegt/geschaffen.

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Die Fähigkeit zur Moral, das Gefäß, ist angeboren. Befüllt wird es zu Lebzeiten.

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Kommentar von Sonja66
05.08.2016, 13:17

Hallo :-)

Also ich gebe dir schon recht.

Was aber wäre denn, bliebe das Gefäß ohne Befüllung?
Hätte dieser Mensch dann keine Moral in sich, kein eigenes Gewissen?
Wie siehst du das bitte?

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Es ist alles eine Frage der Erziehung.

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