Frage von Nettozahler, 92

Ist die Kleinunternehmerregelung kann oder muss?

Ich bin Gewerbetreibender und werde jetzt im ersten Jahr wohl sehr wenig Umsatz machen.

Ich möchte aber trotzdem gerne MWST abführen und Vorsteuer anrechnen können.

Geht das oder muss ich mich dann als Kleinunternehmer behandeln lassen?

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Antwort
von expermondo, 5

Hallo Nettozahler,

Schau mal bitte hier:
Geld Steuern

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Dirk-D. Hansmann, 16

Bei einer ordentlichen Kalkulation führt Steuerfreiheit zu höheren Verkaufspreisen. Da muss man schon rechnen, welchen Verkaufspreis man zukünftig nehmen muss.

Wobei trotzdem nicht übersehen werden darf, wer zum gleichen Preis wie der Mitbewerb verkaufen kann, hat unter Umständen einen minimal kleineren Gewinn.

Und jetzt geht die Rechnerei richtig los. Wenn dieser Vorteil durch die Einkommensteuer und die Zuschlagsteuern Soli und Kirchensteuer belastet wird, dann benötigt man natürlich den eigenen Grenzsteuersatz.

Das ist also in diesem Fall Dein persönlicher höchster Steuersatz, der steigt ja von Null bis 42%.

Nach dieser Berechnung gilt es einen Blick auf die Fixkosten und die größeren Investitionen zu werfen. Bei den Fixkosten verschiebt es sich seltener, aber bei den größeren Investitionen kann dies wirklich den höheren Ertrag umschlagen lassen.

Daher auch die Optionsmöglichkeit, also das Wahlrecht auf die Steuerbefreiung zu verzichten.

Zwar scheint Deine Zielgruppe im Bereich 'Endverbraucher' und damit bei Nicht-Unternehmern zu liegen. Trotzdem bitte vorsichtig sein. Denn wenn Du doch UnternehmerInnen als KundInnen gewinnen könntest, dann sind Deine Preise bei Betragsgleichheit eben für die doch viel teurer.

Um allerdings zu verhindern, dass die einmaligen Investitionen einfach in ein Jahr gelegt werden, deshalb bindet man sich für fünf Jahre an die Steuerbefreiung.

Meines Erachtens ist es auch ein Imageproblem mit der Kleinunternehmer-Regelung zu arbeiten. Kunden haben ein Interesse an einem Anbieter der in zwei Jahren noch am Markt ist.

Dieses ist bei einem kleinen Anbieter weil er von den Einnahmen nicht leben kann unwahrscheinlicher. Bedenke bitte auch, ob in dem Bereich des Kleinunternehmers mit Deiner Geschäftsidee überhaupt ein sinnvolles Ergebnis erreicht werden kann.

Immerhin kann man davon ausgehen, dass bei der Krankenkasse ein Beitrag fällig wird (erkundige Dich bitte direkt bei Deiner gesetzlichen Krankenkasse). Und betrachte die geplanten Einnahmen mit den dazugehörigen Kosten.

Bei 17.500 Euro (nächstes Jahr vermutlich erhöht auf 20.000) legt man zu dem Zweck am Besten den Betrag auf monatlich um. Zieht die Fixkosten (also immer gleichbleibenden Kosten) und die variablen Kosten (deren Höhe mit der Absatzmenge sich verändern) ab.

Dann noch den Krankenversicherungsbeitrag. Und die einkommensteuerliche Belastung dieses Betrages.

Aus dem Netto sollte man Risikorücklagen bilden. Erst hiernach ergibt sich im positiven Fall ein Überschuss für die eigene Leistung. Sei es Geld eingebracht zu haben, für das man Zinsen haben möchte. Arbeitszeit usw.

Abschließend will ich auf ein ganz allgemeines Problem hinweisen: Die Unternehmensgründungen werden nach meinen eigenen Ermittlungen zu etwa 80% innerhalb der drei- bis fünfjährigen Gründungsphase wieder vom Markt genommen.

Für den verbleibenden 20%-Rest bedeutet dieses nicht, dass die Gewinn machen. Ein Kollege hat unabhängig von mir ermittelt, dass 4% der Unternehmensgründungen überhaupt Bestand haben.

Dieses deckt sich auch mit anderen Statistiken, wie z.B. Zahlen über den erfolgreichen Einsatz von Internetseiten. Da geht man auch davon aus, dass 96% der Seiten nichts bringen.

Zu der Rechnung, die ich oben bereits beschrieben habe, sollte man wirklich eine aufmachen, die die Auswirkungen der Umsatzsteuer genau beschreibt. Auch hier kann bei Berücksichtigung des (Total-)Verlust-Risikos sich die Entscheidung ein weiteres mal anders darstellen.

Einen Punkt möchte ich noch klar ansprechen: Bei einem Kleinunternehmer kann jeder wissen von wie viel Geld er lebt. Weil die Kosten innerhalb einer Branche sind zwar unterschiedlich, aber unter dem Strich liegen sie in einem üblichen Bereich.

Daraus kann man mit wenig Fachwissen abschätzen, was Dir höchstens aus dem Gewerbe zur Verfügung steht. Was geht es aber Kunden und Nachbarn an?

Erst in den letzten Jahren hat die etwa 20 Jahre alte Kleinunternehmerregelung überhaupt an Bedeutung gewonnen. Nämlich bei denen, die steuerlich nicht beraten sind. Die meisten Steuerberatungen haben auf die Anwendung der Regel in den Jahren davor verzichtet.

Mit einem richtig positiven Nebeneffekt: Wenn das Unternehmen an die Grenzen kommt, um die Kleinunternehmerregelung verlassen zu müssen, dann kommt es von heute auf morgen zu Problemen.

Ich persönlich sage aus all diesen Gründen auch: Vergesst die Kleinunternehmerregelung, sie macht nur Ärger und bringt so selten etwas, da braucht man sich nur in konkreten Einzelfällen mit befassen.

Antwort
von Hardware02, 37

Das geht. Du kannst auch freiwillig Umsatzsteuer abführen (und Vorsteuer abziehen). Es ist auch gar nicht mal schlecht - denn wer teilt schon gerne jedem Auftraggeber mit, wie viel (bzw. wie wenig) Umsatz er hat.

Kommentar von Hefti15 ,

Wer, z.B. jemand der zum größten Teil nur eine Dienstleistung anbietet, der so gut wie keine Vorsteuer geltend machen kann, viele private Kunden hat und deshalb einen Endpreis hat, der um 19% unter dem der Wettbewerber liegt, die die USt ausweisen....

Antwort
von kevin1905, 55

§ 19 Abs. 2 UStG

Antwort
von Griesuh, 54

Nein, das musst du nicht.

Es ist jedoch sehr sinnvoll keine § 19 UstG Reglung zu nutzen, so hast du die Möglichkeit, deine verausgabte MwST für Betriebsmittel steuerlich geltend zu machen und du wirst auch Geschäftskunden finden.

Kommentar von Nettozahler ,

ich verkaufe ware an verbraucher, ich nehme das wohl doch in anspruch, ich habe mich umentschieden^^

Kommentar von Griesuh ,

Schlechte Entscheidung die § 19 Reglung zu nutzen.

Mit dieser Reglung wird für dich als Gewerbetreibender alles um die MwST teuerer, da du die MwST  nicht für deine verausgabte Kosten für Betriebsmittel, Fahrzeuge, Miete und CO  beim FA geltend machen kannst.

Kommentar von Hefti15 ,

Ich verstehe deine Antwort nicht so ganz, Griesuh.

Er schreibt ja, dass seine Kunden "Verbraucher" sind. Wenn seine ganzen Kosten für eine Produkt (Wareneinkauf, Betriebsmittel...) nun 119 Euro (brutto) sind und er möchte 100 Euro verdienen, dann ergibt sich doch folgendes Bild:

Kleinunternehmer: 119 Euro Kosten + 100 Euro Gewinn = 219 Euro Endpreis für den Kunden.

Wenn er nun Optiert, dann ergibt sich folgendes Bild: 119 Euro Kosten, er bekommt die 19 Euro als Vorsteuer wieder, also Nettokosten von 100 Euro.

100 Euro Kosten + 100 Euro Gewinn = 200 Euro. Darauf kommt 19% USt, somit muss er 238 Euro Endpreis von seinem Kunden verlangen.

Je höher z.B. jetzt seine Wertschöpfung (Dienstleistung) ist, um so besser wäre doch die Kleinunternehmerregel.

Wie gesagt, wenn er viele Kunden hätte, die Unternehmer sind, dann sieht es anders aus, aber wenn er viele "Verbraucher" als Kunden hat, dann sieht es doch anders aus. Selbstredend ändert sich alles, wenn er "hohe" Investitionen tätigen muss....

Kommentar von Griesuh ,

Die MwSt bekommt er nur zurück, wenn er NICHT die Reglung nach § 19 UstG nutzt.

Denn von der vereinnahmten MwST die er an das FA abführen muss, zahlt er an das FA nur den Betrag: vereinnamte - verausgabte MwsT. Somit spart er.

Beispiel.

Er kauft sich einen Firmenwagen für Netto 20.000€ plus MwSt von 3800€ = Kaufpreis 23800€.

Er verkauft Waren  für Netto 20.000€, z. züglich 19% = 3800€ So müsste er an das FA 3800€ Zahlen. Da er aber MwSt abzugsfähig ist zieht er von diesem Betrag seine 3800€ MwSt für das Fahrzeug ab und hat so mit nichts zu zahlen und das Fahrzeug hat ihn letztendlich nur 20.000€ gekostet.

Nutzt er die § 19 UstG Reglung so kann er diese 3800€ nicht gegen rechnen und bleibt auf der MwST sitzen.

Antwort
von Omikron6, 25

Die Kleinunternehmerregelung nach § 19 UStG ist eine KANN-Vorschrift. 

Antwort
von Hefti15, 24

Ist ganz einfach. Nach § 19 UStG bist du automatisch Kleinunternehmer. Wenn du dies nicht möchtest, kannst du optieren.

Antwort
von robi187, 38

eine wahl vorschrift die man nur 1x wählen klann meines wissens.

aber sei sicher das es auch klar ist dass du einen gewinn machst? denn es könnte schnell sein dass das finazamt es als hobby später erkennt und dann darfst du alles nachzahlen?

bekannter der gärtner ist wollte nicht schwarzarbeiten und machte ein gewerbe dann sagten die auf einmal hobby und muster über 10 000€ zurück bezahlen innerhalb kurzer zeit.

Kommentar von Nettozahler ,

der flunkert da etwas, dann muss er auch min 50k umsatz gefahren haben

Kommentar von Griesuh ,

So wie du das schreibst kann es nicht gewesen sein. Er hat sicherlich seine Steuern  nicht gezahlt.

Kommentar von robi187 ,

alles immer über steuerberater!

Kommentar von grisu2101 ,

Hehe, dann war er aber schlecht beraten..... :-)

Kommentar von robi187 ,

kann sein weis ich nicht? aber ich kenne den steurberater der wird schon warnungen ausgespochen haben? aber man weis ja nicht wie sich das geschäft entwickelt und wieviel zeit er hat dass dann auch gewinne größereart abfallen? in der hauptfirma hat sich was geändert so dass er nicht mehr die zeit hatte. wie einst? aber glaube es oder glaube es nicht möchte hier nicht über andere reden?

Kommentar von Hefti15 ,

So wie du das mit dem "Hobby" darstellst, war es ganz sicher nicht.

Kommentar von Dirk-D. Hansmann ,

Der Fachbegriff ist Liebhaberei. Dabei werden private Gründe für die Gewerbetätigkeit unterstellt. In diesem Zusammenhang fällt auch das Wort Hobby und wird im allgemeinen Sprachgebrauch so umfassend bezeichnet.

Dabei reicht der Eindruck, dass lediglich zur Verminderung der Steuerlast die Tätigkeit als Gewerbe ausgeübt wird.

Kommentar von Dirk-D. Hansmann ,

Nein, dabei geht es um die Liebhaberei. Wenn die Verluste aus drei Jahren gestrichen werden, dann kommen mit Kirchensteuer und Soli ganz schnell 10.000 Euro zusammen.

Die Feststellung gilt aber nur für die Einkommensteuer. Ggf. mit Auswirkungen für Gewerbesteuer. Umsatzsteuer hat damit nichts mehr zu tun - Zum Glück.

Da ich in der Praxis bisher ein paar mal das Vergnügen hatte solches Ansinnen der Finanzverwaltung zu verhindern, kann ich nur noch ergänzend sagen: Das ist ein herrliches Thema!

Kommentar von robi187 ,

muss ja nicht so sein wenn ihr nicht glauben wollt? ich sagte ja nur vorsichtig sein? würde es lieber mit dem finazamt absprechen?

Kommentar von Dirk-D. Hansmann ,

Ist schon richtig was Du da formuliert hast. Allerdings stimmt das mit der Einmaligkeit nicht, obwohl es in der Praxis häufig so aussieht.

Wer auf die Anwendung von der Kleinunternehmerregel nach § 19 UStG verzichtet, der bindet sich für fünf Jahre.

Also ein Unternehmer beendet seine Tätigkeit nach zwei Jahren und kommt nach einem weiteren Jahr auf eine ganz andere Idee und macht sich jetzt damit selbständig, der gilt weiterhin als Unternehmer sowieso, kann jetzt aber nicht die Kleinunternehmereigenschaft in Anspruch nehmen. Jedenfalls nicht bei Personenidentität! Kleine Lücke im Gesetz, die kaum bekannt ist und in der Regel auch nicht genutzt wird.

Kommentar von robi187 ,

ja klar so genau kenne ich mich nicht aus und sagte das auch? das man sich erkundigen sollte, wollte ja nur dass man vorsichtig ist in diesen punkte.

Antwort
von arslan199234, 5

Der Unternehmer hat ein Wahlrecht.

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