Frage von sophie1235, 47

Ist die Kapitalertragssteuer (KapEst) gerecht bzw. fair?

Menschen, die täglich anstrengende und harte Arbeit verrichten, müssen in der Lohn- bzw. Einkommenssteuer Steuersätze von bis zu 45% bezahlen (Progression).

Vermögende Menschen, die die Möglichkeit haben, ihr Geld zu investieren und für sich arbeiten zu lassen, zahlen bei der Kapitalertragssteuer einen pauschalen Steuersatz von 25%.

Ist dieses Verhältnis von 45% zu 25% gerecht bzw. fair? Was meint ihr dazu?

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Antwort
von napoloni, 37

Menschen, die täglich anstrengende und harte Arbeit verrichten, müssen in der Lohn- bzw. Einkommenssteuer Steuersätze von bis zu 45% bezahlen (Progression).


Hier will ich erst einmal anmerken, dass die Verdiente sehr ungleich verteilt sind. Wohlgemerkt auch für gleiche Jobs gleicher Qualifikation in unterschiedlichen Branchen. Die Leute, die 45% Steuern bezahlen, können nicht wirklich mit dem Mitleid der anderen rechnen ;o)

Kapitalertragssteuer:

Viele auch ernstzunehmende Leute finden die Regelung ungerecht und sie hat das Potenzial, die soziale Schere weiter auseinanderklaffen zu lassen. Ich finde sie aber durchaus vernünftig und praktikabel.

Die Regelung ist einfach und somit einfach umzusetzen. Kapitalerträge kann man nicht mit anderen Verdiensten gleichsetzen. Man setzt sein eigenes Geld ein, setzt es dabei einer gewissen Gefahr aus und bekommt, wenn alles funktioniert, eine gewisse Risikoprämie.

In den letzten Jahren mag es anders sein, aber gewöhnlich unterliegt das Geld auch einer Teuerungsrate, für die 3% angedacht war. Wenn also jemand 4,5% Zins kassiert, bekommt der Staat davon 1,125%, 3% frisst die Teuerungsrate. Und dem Anleger bleiben 0,375% realer Zuwachs. Es sei denn, er muss auch noch Soli und Kirchensteuer bezahlen :))

Fazit: Die 25% Kapitalertragssteuer sind also gar nicht so unbescheiden, wie es sich auf dem ersten Blick darstellt.

Antwort
von Sonnenstern811, 35

Hierzu ein paar Anmerkungen, an die bestimmt noch nicht jeder Schnellantworter gedacht hat.

Zuerst mal ist es bereits versteuertes Geld, was hier angelegt wurde und im Erfolgsfall Ertrag brachte. Kein Angestellter, Arbeiter, Beamter, der vielleicht höhere Steuern zahlen muss, geht bei seiner Arbeit das Risiko ein, Geld zu verlieren. Bei Kapitalanlagen ist das aber sehr wohl der Fall und passiert nicht gerade selten.

Menschen sollen und müssen fürs Alter vorsorgen. Riester und Co waren ja wohl ziemliche Blindgänger. Was bleibt also ? Genau. Nun kassiert aber der Staat wieder bei den Erträgen mit und schmälert somit in erheblichem Umfang die Altersvorsorge.Bis 1998 waren Erträge hierfür übrigens nach einem halben Jahr im Besitz gänzlich steuerfrei, bis 2008 nach einem Jahr. Ich entsinne mich nicht, dass sich irgendwer da groß drüber aufgeregt hat. Heute schaffen wir das seltsamerweise gar nicht mehr und gewisse unersättliche Hände sind längst nach mehr ausgestreckt. Unter welcher Regierungskoalition das am schnellsten passieren könnte, mag jeder für sich überlegen.

Und noch ein leckerli. Realisierte Verluste der selben Art können mit Gewinnen verrechnet werden. Super. Ist die AG aber insolvent oder findet aus sonstigen Gründen kein Handel mehr statt, schaut der Anleger auch insofern in die Röhre. Es muss mindestens ein Cent zur Geltendmachung des Verlustes übrig sein.

Und nun die größte Tat unserer Finanzstrategen. Seit cirka 2 Jahren muss dieser eine Cent auch noch nach Verkauf vorhanden sein. Nun sind sogar einige der eigentlich auf Profit ausgehenden Banken beim Abkassieren ins zweite Glied gerückt und verzichten ganz oder teilweise auf das Verkaufsentgelt, damit dem Anleger sein einer Cent zur Geltendmachung des Verlustes bleibt

An einen Staatssekretär aus dem BMF, der ganz gerne mal in talkshaws auftaucht, habe ich die Frage gestellt, ob er nicht auch diese Pfennigfuchserei erbärmlich findet. Antwort nach über 6 Monaten: Natürlich keine.

Antwort
von kevin1905, 39

Der Irrglaube vom leistungslosen Einkommen aus Kapitalerträgen.

Zwar gibt es eine niedrigere Pauschalsteuer als bei anderen Einkunftsarten, dafür werden aber auch pauschal nur 801,- € Werbungskosten anerkannt, unabhängig davon wie viel tatsächlich anfallen.

Auch können die Verluste nur mit Gewinnen der gleichen Anlageklasse verrechnet werden.

Das Problem ist ein anderes, nämlich dass viel zu wenige Menschen sich mit der Geldanlage befassen und auch heute noch bei 0% Zinsen ihr Geld nicht in Aktien oder Fonds anlegen.

Dass bei Investitionen Risiken und durchaus Arbeit anfällt lasse ich mal außen vor.

Man wird nicht vermögend und lässt dann Geld für sich arbeiten. Man lässt Geld für sich arbeiten um vermögend zu werden.

Antwort
von AlexChristo, 41

Naja, auch hart arbeitende Menschen können Geld investieren.  Theoretisch könnte jeder von den Kapitalertragssteuern profitieren.

Die Menschen, die einen Steuersatz von 45 % bezahlen, werden übrigens auchrichtig gut verdienen. Diese kann man bestimmt als wohlhabend bezeichnen.

Antwort
von Traveller24, 47

Teilweise ja.

Ein grosser Teil der KapEst entfällt auf Erträge aus Beteiligungen, also auf ausgezahlte Gewinne aus GmbHs oder Aktiengesellschaften. Diese werden schon vor der Auszahlung einmal besteuert. Wenn z.B. mein Unternehmen  1 Mio € Gewinn macht, dann zahlt das Unternehmen erstmal darauf die sogenannte Körperschaftsteuer von 15%+Soli, und wenn ich mir danach etwas daraus auszahlen lasse, dann zahle ich nochmal die von dir genannte KapEst von 25%+ Soli. In Summe landet man dann auch wieder ungefähr bei 40%.

Allerdings hat es schon seine Mängel, wie z.B. bei der Versteuerung von reinen Zinseinkünften (ohne vorherige Körperschaftsteuerzahlung) oder einer fehlenden Progression. Da waren frühere Anrechnungsverfahren gerechter, aber auch wesentlich komplizierter.

Antwort
von Hefti15, 34

Witzig, kein einziger hat den Grund genannt (soweit ich es nachgelesen habe).

Erstmals ist dein Ansatz vollkommen falsch. "die täglich anstrengende und harte Arbeit verrichten, müssen in der Lohn- bzw. Einkommenssteuer Steuersätze von bis zu 45% bezahlen".

Wer z.B. zig Immobilien hat, diese von einem Verwalter betreuen lässt, der kann auch "hohe" Einnahmen haben, arbeitet nichts und muss auch hohe Steuern zahlen.

Damit möchte ich nur klarstellen, dass es "kindisch" ist auf die Tränendrüse zu drücken.

Fakt ist, es gab massive Steuerhinterziehungen in Deutschland. "Geld" ist eben sehr flexibel. Viele Menschen mit Geldvermögen haben dieses einfach im Ausland z.B. der Schweiz angelegt und dann in Deutschland nicht versteuert. Heute weiß man u.a. von der Schweiz bzw. deren Banken, dass die bei dieser Steuerhinterziehung aktiv mitgeholfen haben.

Da wie erwähnt, Geldvermögen sehr flexibel sind, die entsprechenden Ländern aktiv bei der Steuerhinterziehung geholfen haben und nicht mal im Traum daran dachten, z.B. nach Deutschland entsprechende Zinsauskünfte zu melden, hat der Staat reagiert.

Mit Einführung der Abgeltungssteuer wollte man potentiellen Steuerhinterziehern davon abhalten, ihr Geld ins Ausland zu bringen.

Gerade mit dem Ankauf der "Steuer CDs", des massiven internationalen Drucks auf diese Länder, gibt es ja bzw. wird es in Zukunft automatische Auskünfte geben.

Deshalb wird ja u.a. über die Abschaffung der Abgeltungssteuer für Zinseinkünfte diskutiert. Einer der Hauptgründe ist ja weggefallen.

PS: Zum Thema "fair". In einer perfekten Welt würden alle ihre Steuern zahlen. Aber in der realen Welt ist dies eben nicht so (Steuerhinterzieher). Also hat man sich überlegt, ist es fair, dass nur ein Teil alle Steuern zahlt oder baut man Leuten mit Geldvermögen eine goldene Brücke und die müssen weniger Steuern zahlen.

Fair ist dies für den Rest deshalb, weil diese Steuereinnahmen ev. sonst zu einem großen Teil nicht erfolgt würden (illegal). Also, lieber 25% von den Zinseinnahmen, als z.B. 40% von nichts.

Antwort
von Vierjahreszeit, 40

Menschen, die hart arbeiten müssen, zahlen keine Steuer von 40% und mehr. Außerdem gilt für diese einen steuerlichen Freibetrag, danach beginnt die Besteuerung mit einem Steuersatz von m.W. mit 15%. Außerdem können Werbungskosten und Sonderausgaben steuermindernd geltend gemacht werden. Dies entfällt alles bei der Kapitalertragsteuer. Daher ist sie gerecht.

Antwort
von Hardware02, 23

Manche sagen, dass sogar diese 25% noch zu viel sind. 

Grund: Das Geld, das ein Anleger investiert, ist ihm nicht von irgendwoher zugeflogen, sondern wurde bereits durch harte Arbeit verdient. Es handelt sich also bei der Kapitalertragssteuer um eine Doppelbesteuerung!

Das solltest du bei deinen pseudo-kommunistischen Anwandlungen auch einmal bedenken.

Kommentar von AalFred2 ,

Das Geld, das ein Anleger investiert, wird doch gar nicht besteuert. Wie kommst du da auf Doppelbesteuerung?

Antwort
von archibaldesel, 46

Nein, es ist nicht gerecht, aber für die Finanzverwaltungen einfach in der Anwicklung. 

Kommentar von Hefti15 ,

Ganz falsch. War nie ein Grund.

Kommentar von archibaldesel ,

Habe ich an irgendeiner Stelle geschrieben, dass das der Grund für die Einführung war?

Antwort
von Mojoi, 40

Das hört sich ja so an, als ob jeder Arbeitende 45% bezahlen müsste. 

Kommentar von kevin1905 ,

Nicht einmal 5% der Bevölkerung wird diesen Steuersatz haben.

Antwort
von ThommyGunn, 22

Mit der Kapitalertragssteuer wird ja im Prinzip Erspartes versteuert und um zu sparen musste man ja arbeiten und hat dementsprechend schon Einkommensteuer gezahlt, insofern finde ich es ungerecht, dass es überhaupt eine Kapitalertragssteuer gibt.

Kommentar von adianthum ,

Die, die es sich erlauben können von Kapitalerträgen zu leben, haben in der regel häufig nie selbst einen Handschalg tun müssen.

Sie leben von dem Geld, das Vorfahren durch Ausbeutung derer, die eh schon wenig bis garnichts haben, abgepresst haben.

Somit finde ich, ist die Kapitalertragssteuer viel zu niedrig angesetzt.

Durch ehrliche Arbeit wird Niemand soviel zusammen bekommen, um von den Zinsen leben zu können!

Kommentar von AalFred2 ,

Nein, es wird nicht Erspartes besteuert, das wäre eine Vermögenssteuer. Es wird das Einkommen aus Erspartem besteuert. Wieso das steuerfrei bleiben sollte, müsstest du nochmal erklären.

Kommentar von ThommyGunn ,

Das sind Spitzfindigkeiten, ich schrieb ja "im Prinzip". Ich finde es ungerecht deswegen, weil das Einkommen bereits versteuert wurde, man muss sein Einkommen versteuern und die Erträge aus den Ersparnissen die letztlich aus dem bereits versteuertem Einkommen resultieren werden wiederum versteuert. Aber was ist schon gerecht?

Kommentar von AalFred2 ,

Warum genau soll eine Einkommensart gegenüber anderen bevorzugt werden? Was unterscheidet Zinseinnahmen in dem Masse von Mieteinnahmen?

Kommentar von ThommyGunn ,

Hab ich doch gerade erklärt.

Kommentar von AalFred2 ,

Nicht wirklich. Wenn ich mit meinen versteuerten Geld Immobilien kaufe, muss ich die Mieteinnahmen versteuern. Warum sollte das jetzt für die Einnahmen aus Wertpapieren nicht gelten?

Antwort
von whabifan, 41

Gerechtigkeit ist immer eine Frage des Blickpunktes. Eine Steuer ist nie gerecht. 

Antwort
von lumi2000, 44

Nein, ist nicht gerecht.

Grüße

Lumi

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