Devildog am 06.04.2008 um 5:57 Uhr
Gerade höre ich einer Diskusion im Radio zu, in der darüber gesprochen wird, die Hauptschule in den nächsten Jahren völlig abzuschaffen. Es würde dann nur noch Realschule und Gyminsium geben. Ich weiß nicht, ob das so gut wäre, was meint ihr?

Warum? Die Hauptschule bildet doch auch die Basis für jede Form von weiterführenden Schulen. Nach dieser grundsätzlichen Ausbildung sollte dann allerdings schon eine gewisse Form der Spezialisierung (wie in anderen Ländern) erfolgen. Insofern liegt der Gedanke der Gesamtschule hier schon recht nahe. Eine Hauptschule als Parkplatz für "Schüler ohne Berufs-Chance" und daraus folgender schlechter Motivation der Schüler, die ihre Zeit zur Arbeitslosigkeit nur noch absitzen, ist allerdings ein Auslauf-Modell. Man sollte anders lehren, den Praxisbezug (den Abiturienten und Realschüler genauso schon längst haben) tatsächlich verstärkt lehren.
... alle Bildungsgutachten, Bildungsforschungen, Erfahrungen aus anderen Ländern etc. das dreigliedrige Schulsystem als überholt herausstellen. Grundsätzlich bin ich also gegen das dreigliedrige Schulsystem, wobei ich die Leistungen einiger Einzel-Hauptschulen (und anderer Schulformen) nicht schmälern möchte. Aber dieses Schulsystem entstammt dem vorigen Jahrhundert, entspricht nicht mehr der gesellschaftlichen Realität von heute und lässt die Anforderungen eines modernen, zukunftsorientierten Schulsystems und damit die Lern- und Sozialbedingungen der Schüler(innen) auch für die Zukunft außer Acht. Dass die Schule als Institution einer vermehrten starken personellen und sachlichen Förderung bedarf, habe ich in meinen bisherigen Antworten zum Problem Schule schon mehrfach engagiert betont. Ich bin für eine Integrierte und Differenzierte Gesamtschule für Alle!
manni1937 am 6. April 2008 09:04 DH

ich persönliche finde das dreigliedrige Schulsystem in seiner jetzigen Stzruktur völlig daneben, wie den gesamten Bildugssektor, der an der Realität voll vorbei geht..
Schüler mit Hauptschulabschluß sind keine dummen Schüler und sind in vielen Fällen in der Praxis wesentlich besser als Reale oder gar Abiturienten..nur eben der gesellschaftliche Beigeschmack..
Das Bildungssystem sollte Bundesebene haben (denn es kann nicht sein, das hier jede Stadt, jedes Land sein eigenes Süppchen kocht)und endlich vom Kopf auf die Füße gestellt werden und in ein zweigliedriges System umgestellt werden , da mit der 4 .Klasse noch nicht die Richtung des gesamten späteren Lebens programmiert werden kann und darf

Ich verweise auf die Antwort von OLDPAED und gebe zusätzlich diesen link zu einer Frage betr. Hauptschule.
http://www.gutefrage.net/frage/wer-kennt-politiker-deren-kinder-oder-enkelkinder...
manni1937 am 6. April 2008 09:08 beantwortet von Mathias Münch am 3. November 2007 13:15 3x Ich kann mir unter keinen Umständen vorstellen, dass ein Politiker seine Kinder oder Enkel auf die Hauptschule schickt. Konservative Schulpolitik erliegt dem Irrglauben, dass man die Elite vom gemeinen Pöbel trennen muss. Eher schickt ein Politiker seine Kinder auf eine Privatschule als in die soziale Einbahnstaße. Auch wenn er aus ideologischen Gründen die frühkindliche Selektion nach sozialer Herkunft verteidigt, spürt auch ein konservativer Politiker, dass sein Kind ausgerechnet auf der niedrigsten Bildungsstufe nichts zu suchen hat.
[Inhalt beanstanden] [Mail-Nachricht bei Kommentar erhalten] [Antwort kommentieren]
Es sollte Gesamtschulen geben, wo jeder Schüler individuell entscheiden kann, nach welcher Klassenstufe er seinen Schulabschluss macht.

In seinem [Ludger Wößmann] Buch: "Letzte Chance für gute Schulen - Die 12 großen Irrtümer und was wir wirklich ändern müssen" rechnet er vor, "dass unser Bildungssystem, das erkennbar mittelmäßige bis unterdurchschnittliche Leistungen hervorbringt", die öffentlichen Haushalte Millionen kostet. (...)
Seine Kernthese: "Mit einer Verbesserung der schulischen Leistungen könnten wir eine wirtschaftlich bessere Entwicklung sowie sinkende Arbeitslosenzahlen und Armut befördern." Heute ist jeder vierte Deutsche ohne mittlere Reife arbeitslos, aber nur jeder 20. Akademiker. Für Geringqualifizierte wird es in Zukunft noch weniger Jobs in Deutschland geben. Das ist inzwischen bekannt, und für Bildungsexperten sind einige Thesen Wößmanns nicht gerade neu. Doch selten präsentieren Bildungsforscher ihre Ergebnisse so pointiert, verständlich und unideologisch.
Den zwölf größten Irrtümern der Schulpolitik setzt er zwölf Lösungskonzepte entgegen, die man so manchem Kultusminister am liebsten über den Schreibtisch heften würde. Verblüffenderweise führt etwa mehr Geld nicht automatisch zu besseren Leistungen - wie das Beispiel Finnlands zeigt: Obwohl bei Pisa zwölf Plätze weiter vorn, gibt das Land nicht mehr für Bildung aus als Deutschland (siehe Kasten). Was ihre Schulen so erfolgreich macht, ist die Überprüfung durch externe Gutachter, eine selbstständige Schulleitung und Wettbewerbsförderung. Wößmann schlachtet in seinem Buch die heiligen Kühe linker wie konservativer Bildungspolitik: Er wendet sich gegen die "planwirtschaftliche" Organisation von Schulen und kritisiert auf der anderen Seite die "Vergeudung menschlicher Talente" durch Selektion und Elitenbildung.
Wer etwa die Kinderbetreuung allein den Familien überlasse, verbaue vor allem Kindern aus sozial schwachen Familien Chancen. Eine florierende Volkswirtschaft lasse sich aber nicht allein mit den 38 Prozent eines Jahrgangs erwirtschaften, die das Abitur erwerben.
Wie fast alle Bildungsexperten rüttelt auch Wößmann am dreigliedrigen Schulsystem, da die frühe Trennung der Kinder nicht zu besseren Lernerfolgen führt. Sie nützt nicht einmal den Besten: Selbst deutsche Gymnasiasten können sich nicht mit finnischen Gemeinschaftsschülern messen. (...)
Wößmann plädiert für eine leistungsabhängige Bezahlung von Lehrern und dafür, dass Eltern entscheiden können, auf welche Schule sie ihre Kinder schicken. Mit mehr Frühförderung und einem Gemeinschaftsschulsystem würde dieser Wettbewerb auch den Schwächsten nützen.
http://www.ftd.de/karriere_management/rezensionen/301922.html
Lola60 am 6. April 2008 09:25 Jahrzehnte lang war die Hauptschule,die Schulform in der die meisten Kinder ihren Abschluß machten. Jahrzehntelang war das in Ordnung und die Kinder haben dort fürs Leben gelernt. Und nun soll, von heute auf morgen, diese Schulform schlecht sein?. Schlecht ist in meinen Augen nur das Ansehen der Hauptschule.
tradaix am 6. April 2008 10:00 @Lola60: Die Zeiten ändern sich. Zu meiner Zeit (70er Jahre) benötigte man bereits die Mittlere Reife (heute Fachoberschulreife) für (m)einen Ausbildungsplatz zum Chemielaboranten; heute nur noch mit Abitur. Wer jetzt einen Hauptschulabschluss vorweist, hat kaum Chancen zum Mechantroniker (Kfz-Wesen), sondern wird praktisch Hilfsarbeiter.
DE ist eine Scheingesellschaft: Schein = Zeugnisse und Geld. Praktische Fähigkeiten und Mut werden nicht gefördert.
Lola60 am 6. April 2008 10:22 und in 20 Jahren muß man dann studiert haben um Bäcker zu werden und Prof. Dr. Dr. sein, um Chemielaborant zu werden :-))
tradaix am 6. April 2008 10:37 Wenn Du studiertest, sogar einen Lehrauftrag an einer Hochschule (Prof.) oder Promotion (Dr.) hast, bist Du Überflieger und eine Laborantenausbildung irrelevant.
Der Bäcker von heute muss sich bereits mit programmierter Maschinensteuerung auskennen und knetet den Teig selten noch klassisch. Das nennt man Fortschritt.
Devildog am 6. April 2008 14:45 DH

Ich finde das nicht gut, weil es einfach Menschen gibt, die die Praxis mehr lieben, als den Schulstoff. Das braucht es beides und deshalb sind die Leute aus der Praxis auf keinen Fall dümmer, als Leute mit Abitur, sie haben nur andere Schwerpunkte.
Das Ansehen der Hauptschulen muss mehr gestärkt werden, das ist das "A und O". Und Empfehlungen für Berufe, dass man dafür Realschule oder Abitur haben soll, die dürfen nur im Notfall gegeben werden, sonst ist das eine Disqualifizierung der Hauptschulen sondergleichen.
Jemanden abzutun, weil er in der 4. Klasse im Halbjahr nicht die Übergangsnoten auf eine weiterführende Schule gehabt hat, das kann ja wohl nicht wahrsein. Aber so tickt unsere Gesellschaft manchmal.
In allen Schularten wird viel verlangt vom Schüler in Deutschland, auf die Hauptschule hat ihre volle Berechtigung und glücklicherweise sind viele Möglichkeiten gegeben, wie man danach doch weiterkommen kann in alle Schulebenen.
Und Schulbildung ist nicht alles, sie kann nur ein Start ins Leben sein: Das Leben ist lebenslanges Lernen, nicht nur in Schulfächern. Und es besteht aus viel mehr als den paar Schuljahren mehr, die ein Abiturient hat.
Devildog am 6. April 2008 06:09 Super Antwort!
Luise am 6. April 2008 06:17 Ein Freund und Studienkollege meines Mannes hat mal gesagt: "Mit dem Studium ist es wie beim Wein und beim Käse: Es ist dazu da, dass man die Menschen in der richtigen Umgebung reifen lässt, bis sie alt genug sind, dass man sie in einen Anzug stecken und zum Kunden schicken kann." Das ist sooooo richtig in manchen Berufen.
...es immer Kinder gibt, die einen Realschulabschluss eben nicht schaffen.

Wenn Realschüler und Abiturienten sich auf Berufe bewerben müssen, für die eigentlich Hauptschüler prädestiniert wären, dann hat der Hauptschüler doch keine Chance. Ein Bekannter, der Gymnasiallehrer ist, hat sich mal an einer in der Nähe der Wohnung gelegenen Hauptschule beworben. Da wurden ihm die Verhältnisse an dieser Schule erklärt, daß die Lehrer längst resigniert haben. Nun geht er weiter an da Gymnasium, das viel weiter weg liegt!!!
Seit wann dürfen Gymmi-Lehrer an der Haupt. unterrichten..? Außerdem wollen das die wenigsten. Guck mal in den Lehrerzimmern, wie dort die Lehrer nach Schulart getrennt sitzen: jeder von denen will besser sein als der andere!

Auf welche Schule sollen denn dann die Ex-Hauptschüler gehen? Etwa auf Gymnasium?
Es muß m.E. für alle Schüler Schulen geben, die Ihren Fähigkeiten entsprechen. Dazu gehört die Hauptschule genauso dazu wie alle anderen Schulformen.
Es muß nur eines an den Hauptschulen verändert werden, nämlich ihr Ansehen in der Gesellschaft und in den Chefetagen der Firmen

siehe Kommentar "andreas"

Seit JAhren beobachte ich schon den Druck den unsere Kinder heute aushalten müssen!! Wenn in der Grundschule die Zeit kommt, wo die Empfehlungen ausgesprochen werden, kommt eine riesen Angst auf sie zu!! Ich denke die rührt nicht her, weil Hauptschule eine schlechte schul. Lösung ist, sondern weil Hauptschule eine schlechte Lobby hat!! Daran sollte man arbeiten!! Dass Kinder ohne schlechtes Gewissen die Hauptschule besuchen können!! Es gibt nicht nur Gymnasiasten und Realschüler!!
....dadurch die reicheren Leute ihre Kinder auf Privatschulen schicken werden, um sie nicht mit dem "Pöbel" zu mischen: und DANN können alle aufschreien, wir wären doch eine 2-Klassengesellschaft! Wäre das nicht genau das Gegenteil von dem, was die Sozis erreichen wollen??

Die Absolventen werden doch immer chancenloser.
ich kam damals auf die Hauptschule mit der Begründung ich sei nicht gut genug im Unterricht! Diese Tatsache hat mich so heruntergezogen , dass ich KEIN BOCK MEHR HATTE auf Schule. Ich habe mich die ganzen Jahre auf der Hauptschule nicht mehr bemüht und mich die gesamte Zeit dort als Schüler 3. Klasse gefühlt. Erst als ich mit 15 meinen Hauptschulanschluß machte und dann in einer Fabrik meine Lehre begann viel bei mir der Groschen mehr aus meinem Leben zu machen. Heute habe ich Fachhochschulreife und habe meine 5jährige Ausbildung zur Erziehung absolviert und habe viele Berufserfahrungen machen können um die mich so manche Kollegen beneiden. Es sollte meiner Meinung nach nur noch EINEN ABSCHLUß GEBEN!!!! Und Kinder sollten da gefördert und "abgeholt" werden wo es nötig ist und nicht in 3 Kategorien eingeteilt werden nach dem Motto:

Danke schön für die rege Beteiligung an der Frage hier. Die Beiträge hier sind alle sehr gut und geben Stoff zum Nachdenken. Ich denke auch, daß sich das Bild der Hauptschule ändern sollte, es ist notwendig, daß es mehrere Schulen gibt (nicht jeder ist geeignet für´s Gymi..), aber ich finde auch, daß unser Schulsystem reformiert werden sollte, die Zeiten haben sich nun mal geändert. Deswegen finde ich die Aussage von tradaix am Besten.

Ich finde die Diskusion übertriebe, hier mein eigenes Beispiel. Nach dem qual.Hauptschulabschluss, folgte drei Jahre Lehrzeit, dann Gesellenprüfung, drei Jahre Gesellenzeit,Meisterschule mit anschl Meisterprüfung.Seit 2002 Selbstständig und bilde auch wieder Lehrlinge aus. Soviel dazu das Haupschüler für den Arbeitsmarkt nicht brauchbar sind.Der Lehrplan der Hauptschule sollte etwas überarbeitet werden, etwas mehr Matematik und Allgemeinwissen müsste vermittelt werden.
Nur leider sieht der Lehrstellenmarkt so schlecht aus, dass Hauptschüler kaum noch Chancen haben ihren Beruf zu erlernen. Da werden eher Realschüler genommen! Ist leider Fakt!

Solange es Schüler gibt, die nicht mal einen qualifizierten Hauptschulabschluss schaffen, braucht es die Hauptschule. Was sollen solche Schüler auf der Realschule.
Ein Wegfall der Hauptschule würde das Niveau der anderen Schule drastisch senken.

...siehe bei Knowledge

Wie dann in eine echte "Zweiklassengesellschaft" abrutschen! Jeder, der nicht gut genug für das Gymnasium ist, rutscht automatisch in die "schlechtere Bildungsschiene"! Ich finde diese dreigeteilte Differenzierung, so wie es heute ist, schon O.K.!
Ich komme aus der Schul-Branche. Ich finde, dass es keine reinen Hauptschulen geben sollte, sondern eben Sekundarschulen, die beide Bildungszweige anbieten sowohl Real- und Hauptschulbildungsgang. Man könnte auch wieder kombinierte Klassen eröffnen. Dieses Modell war an unserer Schule vertreten und war erfolgreich. Die Schüler waren zusammen in einer Klasse, haben zwar unterschiedliche Aufgaben bekommen, aber sie konnten sich trotzdem gegenseitig unterstützen. Ohne Hauptschuleabschluss nach der 9. Klasse würden viele Kinder ohne Abschluss dastehen, weil sie den Anforderungen an einen Realschulabschluss nicht gewachsen sind. Für die Hauptschüler sollte es auch mehr praktischen Unterricht geben. Aus Erfahrung weiß ich, dass die meisten Schüler zwar schulisch nicht so gut sind, dafür aber gute Arbeiter, die auch gebraucht werden. Und solche Schüler müssen eben auch gefördert werden. Unsere Schule wollte eine "Werkstattschule" öffnen, wo förderbedürftige Schüler unterrichtet werden sollten. Sie würden da an 3 Tagen in Betrieben arbeiten und an 2 Tagen Unterricht in den Kernfächern und einzelnen Nebenfächern haben. Leider scheiterte das Vorhaben an einer zu geringen Schülerzahl. Leider! Es hätte so manchem Kind gut getan.
dann das Niveau auf Realschulen und Gymnasien noch weiter sinkt und ein auf den individuellen Leistungsstand angepasster Unterrricht noch schwieriger wird.
hauptschüler sind dumm wir haben so einen dummen auch tz hause sitzen.nur essen aber keine leistung
hauptschüler sind dumm und haben keine chance auf eine ausbildung,wir haben so einen dummen auch zu hause sitzen.
Wirklich eine gute Ansicht
Danke für das Kompliment.
meine volle Zustimmung!