Frage von hambuurg3313, 38

Ist die Hälfte Deutschlands nicht eigentlich polabisch?

In Ostdeutschland lebten früher die Wenden, und eigentlich muss doch die Bevölkerung dort polabisch-sächsisch-gemischt sein, aber warum weiß das heute keiner mehr?

Antwort
von Bswss, 21

Weil die slawische Bevölkerung des ehemaligen Ostdeutschlands (grob und stark vereinfacht: die Gebiete östlich von Elbe und Saale) ab etwa dem 12. Jh. von "deutschen"  Zuwanderern aus dem Westen allmählich verdrängt wurde bzw. sich nach und nach  mit der deutschsprachigen vermischte - unter allmählichem Verlust des slawischen Anteils.  Erhalten an slawischer Spache und Kultur blieb nur in Ansätzen die kleine sorbische Sprachinsel im Gebiet Cottbus / Bautzen. 

Nur noch die fast durchweg slawischen Ortsnamen (z.B. Endungen -ow und -itz z.B.) im gesamten Gebiet der ehemaligen DDR , im Wendland und im östlichen Holstein erinnern an die slawische "Vorgeschichte".

Auch der allergrößte Teil der Orts- und Familienamen in den ehemaligen deutschen Ostgebieten, welche heute zu Polen gehören,  war slawisch (polnisch, kaschubisch, sorbisch, tschechisch...) . Breslau z.B. hieß usprünglich Wratislawa, heute wieder ähnlich: Wroclaw, und selbst Lübeck hatte ursprünglich einen slawischen Namen : Liubice.

Kommentar von OlliBjoern ,

Genau. Dazu passt die (vermutlich wahrscheinlichste) Deutung der Rattenfängersage (Hameln/südliches Niedersachsen, soll gegen Ende des 13.Jahrhunderts gespielt haben). Man wollte junge Leute finden für die Besiedelung der östlichen Gebiete (damals wohnten noch kaum Deutsche in diesen Gegenden). Offenbar hatte man ihnen Versprechungen gemacht, und in Hameln selbst blieb dieses Ereignis bei den älteren Bürgern in negativer Erinnerung.

Laut der Sage hatte ein "Piper", ein Spielmann mit einer Flöte, die Bewohner von der Rattenplage befreit. Die Ratten wurden von ihm in die Weser gelockt. Als man ihm aber den Lohn verweigerte, kam der Spielmann nochmals, lockte aber dieses Mal die Kinder der Stadt weg, die seitdem nicht mehr gesehen wurden.

Nach der obigen Deutung also eine Ausschmückung und metaphorische Umdeutung des "Weglockens" der jungen Bevölkerung im Zuge der Besiedelungspläne des Ostens. Alternative Deutungen gibt es freilich auch.

Kommentar von Bswss ,

DH!

Antwort
von zehnvorzwei, 25

Hei, hambuurg3313, jeder weiß das, der ein bisschen denkt: Die Deutschen sind ein Mischvolk - in der Mitte Europas, wo Nord und Süd, West und Ost durchziehen und sich begegnen, kein Wunder. Grüße!

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