Frage von Sonnenstern811, 73

Ist die Doppelzüngigkeit der SPD bei der Abstimmung über die weitere Zulassung von Glyphosat irgendwo in der Presse erwähnt worden?

Von 27 deutschen SPD Europaparlamentariern enthielten sich ganze zwei der Stimme. Fünfundzwanzig stimmten dafür. (Veröffentlichung Greenpeace).

Somit wird es wird wahrscheinlich zu einem Patt kommen. Bedeutet, die Kommission entscheidet. Dafür natürlich, wie denn sonst?

Antwort
von Sonnenstern811, 1

Mal an dieser Stelle ein Beitrag von greenpeace mit Genehmigung des Autors. Sonst wird anderswo der Schwanz immer länger. Der berechtigte Inhalt scheint mir bei allen Diskussionen sonst deutlich zu kurz zu kommen.

Guten Abend
 Liebe Leserinnen und Leser,

dass sich der Streit um die Bewertung des Unkrautvernichtungsmittels
Glyphosat diese Woche noch einmal massiv zugespitzt hat, haben Sie
sicherlich verfolgt. Ausgangspunkt war eine neue Bewertung der
Weltgesundheitsorganisation (WHO) zu den tatsächlichen
Gesundheitsrisiken des Stoffes für den Menschen. Darin war die
Organisation zu dem Ergebnis gekommen, dass eine unmittelbare Gefahr,
etwa an Krebs zu erkranken, nicht besteht.

Daraufhin entbrannte eine wahre Schlacht um die Deutungshoheit dieser Ergebnisse. Die Einen
sahen den Beweis erbracht, dass Glyphosat nun doch als unbedenklich
einzustufen ist, die Anderen verwiesen auf vorherige Gefahrenanalysen
der internationalen Krebsforschungsagentur IARC, die den Wirkstoff zuvor
grundsätzlich als „wahrscheinlich krebserregend“ bezeichnet hatten. Im
Anschluss zog man gegenseitig die Aussagekraft von Studien in Zweifel,
Manipulations- und Lobbyismusvorwürfe machten die Runde.

Die Auseinandersetzung kreiste fast ausschließlich um die Frage, ob der
Verbraucher durch den massenhaften Einsatz von Glyphosat in der
Landwirtschaft nun
krank werden kann oder nicht.

Ziemlich in Vergessenheit geraten ist dabei, was der Stoff in der Umwelt
anrichtet. Wir sind uns dann halt doch immer selbst die Nächsten.

Glyphosat wurde in den 1970er Jahren vom Agrarchemieriesen Monsanto entwickelt
und wird mittlerweile auch in Deutschland auf rund 40 Prozent der
Ackerfläche eingesetzt. Auch Autobahnstreifen und Wege werden so von
Unkraut frei gehalten und sogar die Bahn setzt rund 80 Tonnen Glyphosat
jährlich auf den 30.000 Kilometern Schienennetz ein, um den
unerwünschten Gleisbewuchs im Zaum zu halten.

In der Landwirtschaft werden die Präparate immer dann versprüht, wenn auf den
Äckern möglichst nichts überleben soll. Den Acker „räumen“ nennt sich
das in der Fachsprache, weil dann alle Pflanzen, die dort gerade
wachsen, absterben. Das hat Folgen für die Artenvielfalt: Eine
langjährige Anwendung lässt sogenannte Unkräuter in der Nähe von Äckern
verschwinden. Das Fehlen der von vielen Menschen gering geschätzen
Pflanzen wirkt sich aber negativ auf die Nahrungskette aus. Davon
betroffen sind nicht nur Insekten, sondern unter Anderem auch Vögel.
Durch Glyphosat werden Boden-Mikroorganismen negativ beeinflusst,
Populationsgleichgewichte verschieben sich und empfindliche chemische
und biologische Prozesse im Boden werden gestört. Außerdem vergiftet der
Stoff bei Kontakt mit Wasser dort lebende Amphibien, verändert die
Organe von Aalen und Karpfen und reduziert die Fortpflanzung von
verschiedenen Wasserorganismen.

All das spricht für eine sehr kritische Beurteilung einer weiteren Zulassung von Glyphosat und ähnlichen Stoffen. Durch das Hickhack um die Krebsgefahr sind diese Fakten jedoch ins Hintertreffen geraten. Die bisher bei verschiedenen Untersuchungen festgestellten Konzentrationen des Stoffes in
Lebensmitteln oder im Urin von Probanden befanden sich alle weit unter
den relativ strengen deutschen Grenzwerten. Die Auseinandersetzung um
Glyphosat sollte also weniger aus der Perspektive der
Gesundheitsgefahren als vielmehr der Auswirkungen auf die Natur geführt
werden. Das führt auch näher zur eigentlichen Kernfrage dieses
Streitfalls: Was für eine Form der Landwirtschaft wollen wir in Zukunft?
Eine, die auf Ackergifte verschiedenster Art setzt oder eine
nachhaltige, biologische Anbaukultur im Einklang mit der Natur?

Kurt Stukenberg
Mitglied der Chefredaktion

Antwort
von Agronom, 47

Nun die wissenschaftliche Beurteilung lässt zurzeit kein begründetes uneingeschränktes Verbot zu. Daher würde ich auch eine Verlängerung der Zulassung begrüßen unter der Voraussetzung, wie vom Parlament gefordert, dass ein schnelles Verbot bei Änderung der Datenlage möglich ist.

Zur Presse, es finden solche Meldungen i.d.R. schon immer Erwähnung, nur denke ich, dass diese spezielle Meldung kein großes Aufsehen wert ist und daher weniger präsent veröffentlicht wurde.

Kommentar von Sonnenstern811 ,

Dazu schreibt "Die Welt"


"Die Krebsforschungsagentur der Weltgesundheitsorganisation (WHO) hatte Glyphosat als «wahrscheinlich krebserregend» eingestuft. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) sieht hingegen keine Gefahr für die Gesundheit. Menschen kommen mit dem Herbizid über Lebensmittel,
Trinkwasser oder etwa die Arbeit in der Landwirtschaft in Kontakt.

Die Agrarminister von Bund und Ländern hatten sich vor vier Wochen in Mecklenburg-Vorpommern für eine Reduzierung des Glyphosat-Einsatzes ausgesprochen. Die Zustimmung zur Neuzulassung sollte an Auflagen geknüpft werden, zum Beispiel an das Verbot der Nutzung auf öffentlichen Grünflächen und zu privaten Zwecken. «Dies schien mir ein guter Kompromiss, den Bund und Länder und somit auch die Grün- und SPD-geführten Landwirtschaftsressorts gemeinsam getragen haben», erklärte Backhaus.

Der Grünen-Obmann im Agrarausschuss des Bundestags, Harald Ebner, sagte: «Die SPD kann sich bei Glyphosat jetzt kein Umfallen mehr erlauben.» Sollten die Sozialdemokraten «die groß angekündigte deutsche Enthaltung»in Brüssel letztlich nicht durchsetzen, wäre ihre umweltpolitische Glaubwürdigkeit zerstört. Mit Blick auf die Intervention des Kanzleramtes mutmaßte Ebner: «War das am Ende (von der SPD) sogar kalkuliert, um als «unschuldig» dazustehen?"



Meine persönliche Meinung:

Erstaunlich,diese gegensätzlichen Auffassungen. Was hierzu die Herrschaften Lobbyisten beigetragen haben, wissen wir nicht. Ein Schelm, der solches denkt?

Bestehen nur geringste Zweifel an der Unschädlichkeit, so müssten die zuerst geklärt werden.
Wirwissen doch alle, wie es in der Praxis auf dem Gebiet der
Schädlingsbekämpfung und genauso bei Antibiotika Zugaben im bäuerlichen Bereich aussieht. Papier ist geduldig.

Übrigens bin ich kein Anhänger der "Grünen", möchte lediglich, dass auch junge Menschen noch gesund wieterleben könnnen und die Chance haben, gesund alt zu werden.






Kommentar von Agronom ,

Die Einstufung der IAARC sehe ich als völlig irrelevant, als "wahrscheinlich krebserregend" sind etliche Stoffe unseres Alltags eingestuft, das ist eher eine Vorsichtsmaßnahme, damit man ihnen nichts vorwerfen kann, sollte sich eine krebserregende Wirkung eindeutig nachweisen lassen.

Eine Reduktion der Anwendung ist immer Wünschenswert, allein um Resistenzentwicklungen vorzubeugen. Wie schon angedeutet, gibt es keine abgesicherten Ergebnisse zu einer gesundheitsschädlichen Wirkung durch Glyphosat. Bisher waren es nur Beistoffe in glyphosatbasierten Mitteln, welche negative Wirkungen hatten, diese sind auch verboten bzw. hat das Parlament für die Neuzulassung auch weitere Verbote von Beistoffen gefordert, soweit ich mich erinnere. Das diese Forderungen dann auch von der Kommission umgesetzt werden, ist wünschenswert.

Kommentar von zetra ,

So wie ich mich belesen habe, soll die Abstimmung zu einer Enthaltung der DE-Seite tendieren. Hier kommt Feigheit ins Spiel, keine eindeutige Meinung zu haben. Sollen die anderen Länder der EU die Zulassung befürworten, wir sind es nicht gewesen. Wo sind wir nur hingekommen?

Kommentar von Agronom ,

Ich denke, ein großes Problem ist einfach die "wirre" Beölkerung. Eine Politik nach direktem Willen der Bevölkerung könnte in einigen Fällen fatal sein, denn es würde viel zu emotional gehandelt. Medien und andere Organisationen arbeite gerne mit Emotionen wie der Angst und prägen damit das Meinungsbild der breiten Bevölkerung. So werden Fakten ignoriert und es wird nach der Momentanen Stimmung gehandelt und nicht nach der tatsächlichen Sachlage.

Ein Politiker, der sich dann nicht von seinen Emotionen lenken lässt kann das aber kaum in die Öffentlichkeit tragen, ohne sich einem "Shitstorm" zu unterziehen. Gutes Beispiel, aber nicht direkt aus der Politik, wäre da Urs Niggli, Leiter des schweizer Ökolandbau-Forschungsinstituts (FiBL), der die dogmatische Haltung der Öko-Branche zu GVOs ganz sachlich in Frage gestellt hat und dafür auf heftigstenen Gegenwind gestoßen ist und von vielen Seiten zur Aufgabe seines Amtes "gebeten" wurde.

Lobbyismus möchte ich natürlich nicht unterschlagen, aber auch der geht immer von beiden Seiten aus, dessen muss man sich auch bewusst sein.

Kommentar von zetra ,

Das Problem sind ja die Parlament-Mitglieder, einerseits haben sie ihren Posten nur für eine Legislaturperiode, dann haben sie ihr Gewissen und letztlich den Fraktionszwang.

Von allen Seiten drischt man auf sie ein, zu vorderst die Lobbyisten, somit kommen dann Beschlüsse dabei heraus, womit niemanden so recht gedient ist. Am wenigsten wird auf die Bevölkerung geachtet, somit ist das Wort VOLKSVERTRETER mit Vorsicht zu genießen.

  

Kommentar von Agronom ,

Ich will es jetzt hier nicht so ausarten lassen, für solche Meinungsfrgen ist eigentlich das Forum der passendere Ort, nur werden dort leider weniger Nutzer erreicht.

Das Problem des "Volkes" ist seine schizophren anmutende Meinung bei vielen Themen, sodass gegensätzliche Dinge gefordert werden, die eine passende Entscheidungen nicht möglich machen. Auch sind die Forderungen zum Teil nicht unbedingt das "beste" für das Volk, vergleichbar mit einem kleinen Kind, dass unbedingt etwas bestimmtes haben möchte, aber die Eltern müssen sich dagegen entscheiden, da sie wissen was besser ist.

Kommentar von zetra ,

Hallo Agronom, du gehst ja mit dem Bürger hart ins Gericht, soll er denn unmündig gehalten werden, bzw. alles über sich ergehen lassen. Ob die Entscheidungen unserer gewählten Vertreter immer besser sind als des Volkes Wille, dass muss sich erst noch herausstellen. Hier haben wieder die Lobbyisten das Sagen, denn selber hast du geschrieben, das es Alternativen gibt. Zu Glyphosat und Roundup.

Kommentar von Agronom ,

Leider ist es des Öfteren so, keineswegs soll es hier als allgemeingültig hingestellt werden. Es gibt aber eben Entscheidungen wie diese, welche wohl in keiner Richtung letztlich dem Willen des Volkes gerecht wird.

Die Verlängerung der Zulassung ist die rational richtige Entscheidung, die Bevölkerung ist im großen Teil schlecht informiert in dieser Thematik und kennt nur Schlagworte aus den Medien, ist daher nicht damit zufrieden.

Ein Verbot würde dazu führen, dass toxikologisch bedenklichere Mittel eingesetzt würden und würde man das Verbot auch auf mit Glyphosat behandelte Importprodukte ausweiten, wäre sicher eine merklicher Anstieg der Lebensmittelpreise zu erwarten, ein Aufschrei der Bevölerung wäre wieder die Folge.

Vernünftige Alternativen gibt es zum Teil, es ist aber wegen dieses Umstandes auch kein Verbot gerechtfertigt, lediglich eine weitere Einschränkung in der Anwendung.

Kommentar von zetra ,

Ich lese immer wieder, dass unter vorgehaltener Hand, das Argument, es müssen 7 Milliarden Menschen ernährt werden. 

Sticht diese Ausrede, wenn gleich dahinter die Meldung steht, 20-30% aller Lebensmittel landen auf der Deponie?

Kommentar von Agronom ,

Schwieriges Thema, da sehr viele Faktoren relevant sind. Man könnte natürlich sagen, man benötige deshalb gar nicht so eine hohe Produktivität, das würde aber wohl dazu führen, dass Forschungsbemühungen zurückgefahren würden und wir sind jetzt schon in vielen Bereichen an einem Punkt angekommen, ab dem keine großen Sprünge nach "vorn" mehr drin sind. Da wir nicht wissen wie die zukünftigen Entwicklungen aussehen, wäre das fatal.

Auch solange wir keine globale Gemeinschaft sind und es Länder mit unterschiedlichen Interessen gibt, ist eine alleinige Lösung durch "Umverteilung" nicht wirklich durchführbar und Ziel muss erstmal sein, dass jedes Land einen Gewissen grad an Selbstversorgung erreicht.

Kommentar von zetra ,

Agronom: Ich denke wir haben das Thema umfassend behandelt. Lassen wir es für heute gut sein, ansonsten wird es zu unübersichtlich.

Kommentar von Agronom ,

Ja, wie schon gesagt, das Forum ist an sich besser geeignet für solche Fragen.

Antwort
von Uroma72, 32

Wenn man die ganzen Jahre verfolgt hat, wo die SPD uns überall auf oft dreisteste Weise belogen und betrogen hat, frage ich mich, wie die überhaupt noch über 5% kommen.

Antwort
von grubenschmalz, 61

Ist auch gut so.

Kommentar von Sonnenstern811 ,

Jedem das Seine.

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community

Weitere Fragen mit Antworten