Frage von ReverserK, 133

Ist die Demokratie sinvoll?

Moin Leute Eine Frage zur Demokratie: "Angenommen es gibt einen Staat mit 100 Wahlberechtigten. Von diesen 100 Menschen sind gerade einmal 10 so gut Informiert, sodass sie eine Partei zur Wohle ihres Staates und der Welt wählen. Da aber 90 dieser Menschen keine Ahnung bzw nur geringfügige Information zum Thema Politik etc hat, gewinnt eine Partei die nicht nur schlecht für den Statt, sondern auch schlecht für die anderen Staaten ist. Wenn jetzt diese Uniformierten Menschen Unheil über die Welt bringen, und sich auch weigern nach Information zu forschen, ist es doch unlogisch diese Menschen Wählen zu lasse. Warum dürfen sie es Trotzdem?"

Antwort
von OhneRelevanz, 48

Die Stärken der Demokratie sind nicht ihre Vorteile, sondern viel mehr die Nachteile die durch sie vermieden werden (sollen). Natürlich scheint eine Elitenherrschaft intelligenter. Auf dem Papier wirkt es ja logisch, dass die Verwaltung des Staates denen obliegt, die über den höchsten Bildungsgrad und den größten Intellekt verfügen (-> Aristrokratie). In der Realität aber führt dies zwangsläufig in eine Oligarchie. Wenn die Macht in einem Staat immer in der Hand weniger verweilt und diese sich auch noch vom System aus dem gemeinen Volk überlegen fühlen, dann wird sich diese Denkweise auch in der Politik niederschlagen. Es wird dazu kommen, dass die "oberen Zehntausend" vom politischen System profitieren, während der Rest der Bevölkerung darunter zu leiden hat.

Ganz ähnlich findet sich dies, oftmals noch in verschärfter Form, in der Diktatur. In der Theorie mag es, so galt es zumindest einst im Bezug auf die Monarchie, möglich sein, dass ein Machthaber sich um sein Volk kümmert. Er hat in dem Staat entweder verfassungsgebundene (konstitutionelle) oder absolute Macht - in beiden Fällen kam es in der Historie aber wiederholt zu Willkürherrschaften des einen oder einer Familie gegenüber der Bürger.

Die Demokratie ist, das muss man anerkennen, bei weitem - wirklich bei weitem - kein perfektes Modell. In der BRD sehen wir tagtäglich, dass Politiker auch gegen den sog. "Volkswillen" regieren und das Entscheidungen getroffen werden, die alles andere als mehrheitsfähig sind (-> TTIP, Syrieneinsatz, Riesterrente, usw. usw.). Sie ist also leicht korrumpierbar. Wir erkennen einen weiteren Defizit in der Demokratie, wenn man sich den Stimmgewinn stark populistischer Parteien (-> AfD) ansieht, deren Wählerschaft die Partei nicht in der Folge von überlegener Argumentation, sondern der tatsächlichen Unwissenheit wegen wählen. Vor allem, wie du richtig erwähnt hast, ist die mangelnde Bildung ein großes Problem der Demokratie.

Dennoch ist sie das einzige System, welches sich letztendlich (wohl auch eher in der Theorie, als in der Praxis) im Idealfall am Willen des gesamten Volkes orientiert. Nur so kann verhindert werden, dass eine kleine Elite die Macht im Staat übernimmt und nur so kann versichert werden, dass auch auf jede Bevölkerungsgruppe zumindest eine gewisse Hinsicht genommen wird. Demokratien sind nicht perfekt, aber sie sind bisher die beste momentan existierende Alternative.

Antwort
von Andracus, 53

erstens: Wer kann den so genau sagen, wer in der Lage ist, zu wählen und wer nicht? Es gibt Leute mit guter Bildung, die aber sehr unmenschliche "politische" Ansichten haben und es gibt Menschen am Rande der Gesellschaft mit guten Ideen. Welche äußerlich messbaren Kriterien wären denn  bitte angebracht, um zu entscheiden, wer informiert/sozial oder allgemein intelligent/menschlich genug zum wählen ist? Finde da mal ein allgemeingültiges Gesetz, das allen Individuen gerecht wird. 

Zweitens: Wenn du nur die wählen lassen willst, die die Partei wählen, die du richtig findest, dann müsste es ja auch gar keine Parteien geben. Und dann wärst du bei Monarchie. Und mit etwas Pech ganz schnell wieder bei der Diktatur. Und warum die nich drin is, dürfte anhand der Beispiele klar genug sein.

Drittens: Angenommen, der Grad der Intelligenz/informiertheit wäre tatsächlich messbar. Was ist, wenn sich von 100 Menschen plötzlich 15 mehr in die Lage versetzen, zu wählen? Welches System würde denn schnell genug erfassen wer jetzt noch alles wählen darf? 

Im Übrigen liegen die relevanten Informationen doch offen auf dem Tisch. Was die Leute damit machen ist die Frage. Ich habe schon angedeutet: Das hängt nicht zwangsläufig vom Bildungsgrad, Alter, Beruf oder sonstwas ab. Es gibt herzlose Menschen. Es gibt ignorante Menschen. Und selbst von denen, die guten Willen haben, kann sich mal jemand irren.

Solange der Mensch der ist, der er ist, wirst du auf Erden kein besseres System finden als die Demokratie. Die Demokratie hat viele Lücken und Mängel. Aber du wirst nie einen finden, der sie alle auf einmal ausbügeln kann.

Antwort
von Interesierter, 63

Tja, das ist eben das Problem mit dem "mündigen Bürger". 

Du kannst in die Köpfe nicht reinschauen. Du weisst nicht, wer wie viel Grips in der Birne hat. 

Ich bin mir sicher, viele Leute, die zur Wahl gehen und noch viel mehr Leute, die nicht zur Wahl gehen, haben nicht die geringste Ahnung, was sie da eigentlich wählen. Die Wahlentscheidung fällt nach der Gewohnheit, dem Bauchgefühl oder eben aus Protest. Wobei ich mir die Frage stelle, wogegen man mit der Wahl einer extremen Partei wirklich protestieren will. 

Anders ist die Politikverdrossenheit und der Trend zum linken und zum rechten Rand nicht zu erklären. 

Antwort
von Baumschmuser1, 79

Wie würdest du rausfinden wollen ob alle überhaupt fähig sind die richtige Partei zu wählen? Bei 100 Leuten kann man das vielleicht testen aber bei ganz Deutschland nicht. Außerdem kann ich mir vorstellen dass es Aufstand geben würde wenn irgendwer entscheidet wer wählen darf und wer aus Unwissenheit nicht wählen darf

Antwort
von StevenArmstrong, 5

Hallo,

der ehemalige britische Premierminister Winston Churchill sagte mal:

"Demokratie ist die schlechteste aller Regierungsformen - abgesehen von all den anderen Formen, die von Zeit zu Zeit ausprobiert worden sind."

ich bin mir nicht sicher wer es gesagt hat, aber ichi glaube es war ebenfalls Churchill:

"Die Demokratie ist nicht perfekt, aber sie ist das Beste, was wir zu bieten haben."

Meiner Meinung nach wäre es sinnvoll die Wahlpflicht einzuführen. Diees funktioniert in Australien sehr gut: In den 90ern gab es die sog. "One Nation Party", welche sich mit der NPD in Deutschland gleichsetzten lässt.

Bei den Wahlen im Bundestaat Queensland bekam diese Partei nur 2 Sitze und war nach den nächsten Wahlen schon wieder aus dem parlament verschwunden.

MfG

Steven Armstrong

Antwort
von jeaby, 61

ok 1. deswegen hat die Afd so viele stimmen. so gut wie niemand interessiert sich heute für politik. Die einen sagen dass es überflüssig und propaganda wäre und die anderen sehen es als zeitverschwendung. Wir müssen uns auch etwas glücklich schätzen dass wir die chance haben zu wählen. in manchen ländern herrscht keine demokratie und läuft dort etwas anders ab. demokratie SOLLTE eig. dafür da sein, dass keine erdogan oder so an die macht kommt und das Volk mitbestimmen darf. Das problem ist heute dass es die AFD/NPD etc gibt. und die wahrscheinlicht steigt dass einer von denen die meisten stimmen kriegt und dann haben wir ein problem. Z.b. die Npd will wieder die todesstrafe wieder haben das kann sehr problematisch werden. man sagt das es niewieder währwn hitlers zeit sein wird aber das risiko steigt.

Hoffe konnte dir etwas weiterhelfen

Lg jeaby

Antwort
von Immofachwirt, 34

Natürlich ist Demokratie sinnvoll.

Um bei deinem Beispiel zu bleiben. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Monarch, Autokrat, Diktator die nachbarländer nicht in Ruhe läßt und noch nicht einmal befürchten muss vom eigenen Volk abgewählt zu werden ist viel höher als in einer Demokratie.

Demokratie bietet im Vergleich zu allen anderen bisher praktizierten Staatsformen die Möglichkeit für jeden sich und seine Gedanken einzubringen und dafür zu werben und so friedlich (ohne Bürgerkrieg) Veränderung zu bewirken.

Wenn sich die Menschen dann so wohl fühlen, oder zu bequem sind sich zu informieren oder sich einzubringen, dass sie nicht zur Wahl gehen, dann ändert dies nichts an der Möglichkeit.

Aber wie immer im Leben hat der Mensch auch das Recht Fehler zu machen, oder Irrtümern zu erliegen. Dagegen ist auch eine Demokratie nicht gefeit.

Kommentar von GremlinJack ,

Ein weitverbreiteter Irrtum ist, dass Diktaturen immer von einer einzigen Person geführt werden. Tatsächlich schließen Diktaturen auch die Herrschaft einer Gruppe ein, typischerweise Einparteiensysteme.

Dass eine Diktatur auch wohlgemeint sein kann, sieht man in Singapur. Die PAP unterdrückt zwar Oppositionen, schränkt die Versammlungsfreiheit ein etc., aber bietet eine funktionierende Marktwirtschaft, ein friedliches Zusammenleben verschiedener Kulturen und eine sehr niedrige Kriminalität.

Ironischerweise gibt es in Singapur Wahlpflicht.

Kommentar von Ahzmandius ,

Eigentlich nicht. Diktatur ist per Definition, Herrschaft eines einzelnen. Wenn eine kleiner Gruppe z.B. Regiert nennt man das eher Oligarchie.

Deswegen heißen ja Einparteisystem ja auch so, weil es strenggenommen keine Diktaturen sind- aber Autoritär.

Kommentar von GremlinJack ,

Ich weiß nicht, auf welche Definition du dich beziehst. Aber die klassische Definition (und da stimmt Wikipedia zu) schließt die Regierung durch eine Gruppe/Partei mit ein.

Diktatur wird synonym zur Autokratie verwendet. Oligarchie stellt eher einen Spezialfall der Diktatur dar, so wie Trimere zu den Oligomeren gehören und Oligomere zu den Polymeren.

Kommentar von Ahzmandius ,

So wie ich das kenne, ist die eigentliche Diktatur die Herrschaft eines einzelnen(ich beziehe mich dabei auf die eigentliche Herkunft des Begriffes siehe altes Rom). Andere Formen des Totalitären bzw. Autoritären Regimes werden abgrenzend zu diesem Diktarubegriff verwendet.

Umgangssprachlich werden zwar alle Autoritären Regierungssysteme einheitlich als Diktatur bezeichnet, sind aber von dem Begriff Diktatur (Herrschaft eines einzelnen) zu unterscheiden.

Antwort
von barfussjim, 47

Eine durchaus berechtigte Frage. Unter Philosophen und Politikwissenschaftlern wird auch aktuell diskutiert, ob Demokratie bereits an sich einen Wert darstellt oder ob sie nur an ihren Resultaten gemessen werden kann. Man kann die Auffassung vertreten, dass nur "gute" und "richtige" Resultate das Prinzip Demokratie rechtfertigen.

Denn was nützt es, wenn demokratisch (per Mehrheitsbeschluss im Volksentscheid) entschieden wird, dass die Folter wiedereingeführt wird, Minderheiten im KZ interniert werden oder ein Angriffskrieg begonnen wird?

Antwort
von voayager, 45

Irrtümer sind Bestandteil des Lebens, nichts ist perfekt, nobody is perfect.

Antwort
von veritas55, 22

Die Demokratie ist von allen schlechten Staatsformen die beste...

Leider weiß ich nicht mehr von welchem bekannten (Staats.-?)Mann diese Aussage stammt. Warum er damit recht hatte, wurde in den anderen Antworten schon sehr gut beschrieben.

Ideal wäre in meiner Vorstellung ein gütiger, gerechter und weiser König bzw. eine entsprechende Königin (wobei selbst der/die wohlmeinendste und klügste HerrschIn nicht unfehlbar wäre...) - aber der/die kann ja leider einen selbstsüchtigen und/oder bekloppten Nachkommen in die Welt setzen, der/die Alles wieder zunichte macht - deshalb ist das Zufallsprinzip der Monarchie auch nicht das Wahre wie die Geschichte schon oft bewiesen hat ;).

Dann doch lieber Demokratie in der Hoffnung, dass die Verblödung des Volkes sich in Grenzen hält und die Masse sich nicht durch Propaganda beeinflussen lässt sondern immer noch genug Leute einen klaren Kopf behalten und den auch nutzen indem sie sich informieren sowie zur Wahl gehen um das Schlimmste zu verhindern :/!


Antwort
von 1988Ritter, 57

Weil wir in einer Demokratie auch das Recht haben die Sichtweise zu ändern.

Deshalb wird in einer Demokratie ja auch in Abständen immer wieder neu gewählt.

Man hat folglich Zeit um das Resultat seiner Entscheidung anhand der Taten der gewählten Partei zu überdenken. Ich habe zum Beispiel einmal in meinem Leben SPD, sprich Schröder gewählt. Den Blödsinn mach ich nie wieder.

Also, Fehlentscheidungen können auch heilsam sein.

Kommentar von Interesierter ,

Durch die Agenda 2010 wurde Deutschland vom "kranken Mann" zur führenden Wirtschaftsnation in Europa. 

So falsch war das im Grunde nicht. 

Kommentar von 1988Ritter ,

Hä.....vor 2010 hatten wir "Made in Germany" was uns zur führenden Wirtschaftsnation gemacht hat.

Antwort
von Bitterkraut, 75

Welche Staatsform würdest du denn vorschlagen?

Kommentar von anonyme14 ,

Diktatur.

Kommentar von Bitterkraut ,

Dann könnte eine einzige Person Unheil über die 99 und über die Welt bringen, was wär daran besser?

Kommentar von GremlinJack ,

Wenn in einer Diktatut was schief läuft, weiß man wenigstens wen man abmurksen soll.

Kommentar von Interesierter ,

Was bei Diktaturen rauskommt, lässt sich in den Geschichtsbüchern nachlesen. Das war meist auch nicht das Gelbe vom Ei. 

Ich kenne keinen einzigen Diktator, der sein Land in eine blühende Zukunft geführt hätte.

Die meisten haben, wenn es gut lief, nur das Land abgewirtschaftet. Wenn es schlecht lief, haben sie das ganze Land ins Unglück geführt. 

Kommentar von GremlinJack ,

In Singapur scheint die Diktatur soweit aufzugehen. Eine funktionierende Marktwirtschaft, hohes BIP/Kopf und eine der niedrigsten Kriminalitätsraten weltweit.

Kommentar von Bitterkraut ,

https://de.wikipedia.org/wiki/Singapur

Einfach mal informieren: Singapur ist keine Diktatur, sondern eine Demokratie.

Kommentar von GremlinJack ,

Nordkorea nennt sich offiziell "Demokratische Volksrepublik Korea". Und sogar Wikipedia sagt, dass Singapur eine illeberale Demokratie ist. Anders als ihre Einwohner, darf ich mir selbst eine Meinung bilden.

Aber freut mich, dass du Wikipedia gefunden hast.

Kommentar von ReverserK ,

+Bitterkraut Mir ging es bei dieser Frage nicht um Kritik. Es war eine Verständnis Frage da ich diesen Punkt nicht Nachvollziehen konnte. Jetzt kann ich das besser Dank den Antworten.

Antwort
von Toqra, 32

'Ich denke, also bin ich'

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