jens79 am 06.11.2007 um 8:45 Uhr
Ich glaube, dass Wirtschaftsbosse und die Politik absichtlich keine echten Verbesserungen in den armen Ländern zulassen, damit jemand da ist, den man ausbeuten kann. Die Ausbeutung von Menschen und Tieren ist Teil der Geschichte der Menschheit. Wenn kein fremdes Volk zum ausbeuten da war, musste das eigene herhalten. Heute thront die "westliche Welt" in unsäglichem Reichtum und Verschwendung über dem Rest der Welt, der uns Kleidung, Elektonik, Nahrung und schlechtes Plastikspielzeug liefert, das wir selbst nicht mehr bezahlbar produzieren könnten. Was könnte dagegen getan werden?

Unsere Vorfahren (unter "uns" verstehe ich einige reiche Industrienationen mit kolonialer Vergangenheit) haben viele dieser Länder, in denen heute Armut herrscht, erobert, ihre vorhandenen politischen und gesellschaftlichen Systeme nachhaltig zerstört und sie von Selbstversorgern zu Fremdversorgern umfunktioniert. Die Kultur und Religion, die "wir" ihnen überstülpen wollten, hat die Gesellschaft dieser Länder noch weiter zerstört.
Für diese riesige, kaum mehr gutzumachende Sünde büßen vor allem die betroffenen Länder selbst - wir geben ein wenig Entwicklungshilfe (viel davon privat finanziert) und sitzen ihnen mit der Weltbank im Nacken, die eine rigorose Entschuldungspolitik betreibt. Viel Spielraum für durchgreifende Reformen scheint es mir in den ausgebeuteten Ländern nicht zu geben: sie stecken fest in der westlichen Schuldenfalle.
Genügend "Hilfe zur Selbsthilfe" ist vermutlich das Beste, was wir tun können; außerdem sollten wiraufhören, aus rein wirtschaftlichen Erwägungen korrupte politische Machthaber zu unterstützen (z.B. durch Waffenlieferungen) und nicht durch "wohltätige" Geschenke Märkte wieder zerstören, die wir an anderer Stelle mühsam aufbauen halfen.

die komplette wirtschaft dieser länder mitfinanzieren? wohl kaum
jens79 am 6. November 2007 09:34 Hier in Europa wird die Milchproduduktion subventioniert, so dass hier massive Überschüsse entstehen, die dann weit unter Preis in die 3. Welt verkauft wird und dort den Milchmarkt zerstört, den wir Bürger mit der Entwicklungshilfe versuchen aufzubauen. Sinnvoll? Wohl kaum.

Die Armut in der dritten Welt ist sicher von niemandem "gewollt".
Betrachten wir mal die Situation in Schwarzafrika, wo die Armut wohl am verbreitetsten ist:
Die Kolonialgeschichte mit ihrer willkürlichen Grenzziehung hat sicher dazu beigetragen, sehr instabile Staaten entstehen zu lassen.
Die zwar immer teuren, aber manchmal skurrilen Entwicklungshilfeprojekte sind wenig hilfreich und bewirken manchmal auch noch Verschlechterungen der Situation.
Unsere Vorstellungen von "Demokratie" laufen afrikanischem Denken schlicht zuwider. Dort gilt seit alters her die Regel: Einer gewinnt und alle andern haben nichts zu sagen oder werden sicherheitshalber umgebracht.
Die Idee, dass auch die unterlegene Minderheit irgendwelche Rechte haben könnte, ist für einen Afrikaner nicht nachvollziehbar.
Da kein "Präsident" dort weiss, wie lange er im Amt bleiben wird, legt er als erstes ein Konto in der Schweiz an, auf dem er dann seine Reichtümer ansammelt - häufig aus Bestechungen.
In Afrika herrscht seit alters her Tribalismus - es zählt also in erster Linie die Stammeszugehörigkeit - und die verschiedenen Stämme bekämpfen sich meist schon seit vielen Jahrhunderten.
Wie soll den unter diesen Bedingungen die Armut dort wirksam bekämpft werden?
Es gibt zwar einige wenige Hoffnungszeichen, aber eben nur SEHR wenige.
jens79 am 6. November 2007 11:21 Ich bin der Meinung, dass es viel mehr bringen würde, wenn man alle finanziellen und sächlichen Hilfen (weltweit)auf einen demokratischen Staat fokussieren würde und in dem Staat eine funktionierende Infrastuktur und Wirtschaft aufbaut. Aber das würde ja auch bedeuten, dass wir uns selbst Konkurrenz schaffen - und das kann ja keiner hier in den reichen Staaten ernsthaft wollen. Also halten wir diese Staaten so gut es geht klein und polieren unser Image mit Entwicklungshilfe und Förderprojekten...
demosthenes am 6. November 2007 15:46 @jens79:
Weshalb sollten wir die Mittel auf einen DEMOKRATISCHEN Staat fokussieren?
Demokratie hat sich bei uns zwar in den letzten Jahrzehnten bewährt, aber wer oder was gibt uns das Recht, diese Staatsfrom jetzt verbindlich für alle Staaten vorzuschreiben, die eine ganz andere Geschichte und eine ganz andere Sozialstruktur haben?
Wenn ich mal an Indien denke oder an China, dann kann ich Deine Vermutung, wir hätten kein Interesse am Aufbau einer funktionierenden Infrastruktur und Wirtschaft, nicht ganz nachvollziehen.
Dorthin haben wir doch reichlich Entwicklungshilfe geschaufelt und tun das auch heute noch, obwohl gerade diese beiden Staaten uns inzwischen doch schon reichlich Konkurrenz auf den verschiedensten Gebieten machen und, etwa im Fall China, keinerlei Hemmungen haben, sich als Produktpiraten und Industriespione zu unserem Schaden zu betätigen.
Ein anderes Problem ist die anhaltende Abhängigkeit. Die armen Länder trauen sich z.B. nicht die Zölle zu erhöhen, da sie Angst haben müssen, dass dann keine Hilfen mehr kommen oder keine Waren mehr gekauft werden.