Ist Deutschland zu perfektionistisch?

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6 Antworten

Es ist nicht alles so homogen, wie du es darstellst. Deutschland besteht aus einer sehr großen Zahl von Individuen, die ihre jeweils eigenen Ansichten und Verhaltensweisen haben. Würde ich beispielsweise eine Stelle ausschreiben und mir Bewerber ansehen, würden genau diejenigen, die "alle Regeln beachten" sofort ausscheiden, weil a) es an Originalität mangeln würde und b) ein Unternehmen von Weiterentwicklung lebt. Ohne Flexibilität gibt es keine Weiterentwicklung und ohne Kritik und Querulanten gibt es keine Flexibilität. Ich habe viele Arbeitgeber kennen gelernt, die es genau so sehen und ihre Mitarbeiter geradezu dazu animieren, aus der Reihe zu fallen.

Dann ist es nicht nur in Deutschland, sondern überall auf der Welt so, dass diejenigen, die mit dem System nicht klar kommen, auf der Strecke bleiben, wenn sie nicht zufällig das Glück haben, dass jemand da ist, der privat Zivilcourage zeigt und sich kümmert. Du würdest dich wundern (und ich mich auch), wenn du wüsstest, wie viele Menschen kaum am sozialen Leben teilhaben und mehr oder weniger in ihrer Wohnung verwahrlosen, da sind die Obdachlosen zahlenmäßig unterlegen und auch die gibt es in jeder Stadt. Das ist nicht Deutschland, das ist Kapitalismus.

Ferner ist bei weitem nicht von Perfektion zu sprechen. Es ist eher so, dass ein riesiger bürokratischer Überbau existiert, der zur grenzenlosen Überwachung und Kontrolle jedes Bürgers geeignet ist. Innerhalb dieses Überbaus agieren viele Institutionen, die sich in weitere untergliedern. Aber jede einzelne Arbeitsstelle darin wird von normalen Durchschnittsmenschen besetzt, die ihren Job mal mehr und mal weniger gut machen. In der Folge werden manche Dokumente übersehen, verloren, nicht bearbeitet oder fehlerhaft bearbeitet. Eine Hand weiß nicht, was die andere tut. Nahezu jeder verstößt irgendwo gegen Gesetze und/oder Regeln.

An der einen Stelle werden Fingerabdrücke genommen und Personenprofile erstellt und an der anderen Stelle kann darauf nicht zugegriffen werden, weshalb die ganze Erfassung völlig sinnlos ist. An zahlreichen Stellen des sozialen Alltags zeigt sich, dass unser "perfektionistisches" zusammenleben eher ein relativ vages und wackeliges Konstrukt ist, das von ein paar groben Rahmenstrukturen zusammengehalten wird, während innerhalb der Spielräume das Chaos herrscht.

Nicht nur die Deutschen, sondern, wenn du mich fragst, alle Menschen sollten einen Gang zurückschalten und das soziale Zusammenleben gemeinschaftlich reformieren.

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Wenn ich folgendes zur "Flüchtlingssituation" in Deutschland lese, ist mein Eindruck ein anderer:

"Hunderttausende ohne Identität

Das bedeutet: von mehr als 143.000 Menschen ist nicht klar, ob sie in andere Länder weitergereist oder in die Illegalität abgetaucht sind. Denn insgesamt waren 2015 etwa 1,1 Millionen Flüchtlinge erstmals im sogenannten Easy-System erfasst worden. Aber es sind nicht nur über 140.000 Asylbewerber verschwunden, sondern von bis zu 400.000 Menschen im Land seien den Behörden Namen und Identität nicht bekannt. Das bestätigt Frank-Jürgen Weise, Chef des Bundesamtes für Migration (Bamf)."

Das heißt, bei angenommenen 1,1 Millionen "Flüchtlingen" in 2015 wissen die auch so perfekten Behörden bei 540.000 nicht, wer sie wirklich sind und wo sie sich aufhalten. Wenn man bedenkt, dass es hier auch um das Thema "Sicherheit" geht, kann das schon bedenklich stimmen.

Jetzt, wo die AfD in einigen Bundesländern die SPD bei den Wahlen zu überholen droht, stellt plötzlich ihr Vorsitzender, Herr Gabriel fest, man müsse sich mehr um die Deutschen kümmern, weil die den Eindruck hätten, Geld werde nur von ihnen genommen aber für andere ausgegeben. Würde sich Herr Gabriel mal nicht nur aus Werbeprospekten z.B. von Krankenhäusern oder Seniorenresidenzen informieren, sondern mal selbst dort einfache Insassen besuchen, wüsste er das schon lange. Was ist sein Vorschlag zur perfekten Lösung dieser Misere: Noch mehr Schulden machen! Wäre ich ein jüngerer Mensch, wäre mir Herr Gabriel mehr als suspekt. Sein Vorschlag bedeutet nämlich: Die Alten konsumieren - die Jungen zahlen später mal. Hauptsache, wir retten die Welt.

Was da dran perfekt sein soll, kann ich nicht entdecken. Dass Stress und Druck zum Alltag gehören, ist normal. Wir können froh sein, dass Hunger und Krankheit nicht mehr dazu gehören. Da musst Du Dich schon beim lieben Gott beklagen, der uns aus dem Paradies geschmissen hat mit der Anweisung: Im Schweiße unseres Angesichts sollen wir künftig unser Brot essen. Das ist höhere Anordnung und in der Umsetzung dessen waren alle Menschen in den Jahrzehnten und Jahrhunderten vor uns schlechter dran. Da wäre ich also mal mit dem Beschweren vorsichtig. In vielen Ländern ist es in der Tat lockerer als bei uns. Ob das von den arbeitslosen Jugendlichen (überall höher als bei uns) auch so gesehen wird? Zugegeben, es ist eine besch_ssene Welt, weil "wünsch Dir was" einfach nicht funktioniert.

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Also ich finde es sehr gut. Hier ist alles klar strukturiert, sodass es jedem gut geht. Wir wissen das alles garnicht zu schätzen. Viele Ausländer träumen davon, hier leben zu dürfen. Vor allem, weil die Wirtschaft hier so gut aufgebaut ist. Viele Asylanten geben sich als Flüchtlinge aus und wohnen hier nur, weil die wirtschaftliche Lage hier so gut ist. Wir sollten uns nicht beschweren.. 😁

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Kommentar von shadow96er
26.02.2016, 15:38

Alles klar strukturiert?

Na ja, deswegen scheitern wir auch so dermaßen mit den Massen an Flüchtlingen...

Momentan würde ich lieber in einem Land wohnen, dass die Grenzen dicht gemacht hat.

Das sollten wir auch tun, wir haben auch noch genug Arbeitslose hier.

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Kommentar von heathyandlucky
26.02.2016, 15:43

Und wo liegt nun das Problem?

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Der Deutsche neigt zu Übertreibungen.

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Perfektionistisch ist es noch lange nicht, nur strukturiert :) Perfektionistisch sind vielleicht die Gesetze, die müssen aber auch so sein.

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Dafür bewundern uns viele im Ausland. Made in Germany hat immer noch einen hohen Stellenwert. Das sollten wir nicht kaputt machen.

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