Früher war Deutschland Land der Dichter und Denker. Wie ist das eigentlich heute? Ist Deutschland mehr Land der Dichter und Denker als andere Länder? Was hat Deutschland für einen Ruf in der Welt in diesem Thema? Woher wisst ihr das?

Wie soll Deutschland bei seinen aktuellen Bildungssystemen noch Dichter und Denker hervorbringen?
Momentan sind wir ein Land einer Bildungs- und Wirtschaftselite und einer immer größer werdenden "bildungsfernen Schicht", die von der erstgenannten Gruppe nach Strich und Faden verar..., äh, ausgebeu..., äh, für den Aufschwung missbrau... äh, äh, ach - vergiss es.
Wenn Deutschland so weiterregiert wird, ist der sog. Brain Drain (das Abwandern der Bildungselite) nicht mehr zu stoppen. Der letzte macht dann das Licht aus; momentan ist für mich Paranoiaminister Schäuble das Letzte.
Die einschneidenden Epochen sind vorbei (Aufklärung, Romantik, Klassik,...), aber sie bleiben als Kulturgut ja trotzdem erhalten! Das spiegelt sich auch in Büchern der Gegenwart, deren Form und Inhalten, aber auch darin, dass zB die Epochen im Unterricht thematisiert werden! Wie wir denken und sprechen hängt ja auch mit unser Vergagenheit und damit mit diesen Epochen zusammen!

Deutschland hat diesen Ruf immer noch. Basiert wohl vor allem auf den vergangenen Leistungen (Goethe rangiert irgendwo neben Shakespeare), auch Menschen, die musikalisch interessiert sind, denken schnell an die "deutschen Genies" (klassische Musik wurde wohl viel durch deutschsprachige Komponisten geprägt...)
Ansonsten: Sie Dir doch mal GF an. Lauter Denker und Denkerchen ;-) hier... Welch anderen Beweis brauchst Du noch?
Die Zeit, in der ein Autor derartig Furore machen konnte wie im 18.,19. und 20. Jahrhundert sind meiner Meinung nach vorbei. Es liegt auch daran, dass die Bücherlandschaft einem eher als chaotische Zettellandschaft vorkommt. Früher gab es eben weniger Autoren, die herausgestochen haben!

...sehr schöne Antworten bisher auf die Frage, DH! Mir fiel dazu noch ein, dass "die Deutschen" von anderen doch häufig als eher still, sehr "nachdenklich" und "wortlastig" empfunden werden. (neulich hatte Kaya Yanar mal eine ganz nette Szene bei seinem Bühnenprogramm: Die Kinder verschiedendster Nationalitäten wurden von ihren Eltern zusammengepfiffen, weil sie zu spät und immer noch auf dem Spielplatz zugange waren... das sah unterschiedlich aus, roh aber liebevoll, sag ich mal; nur der deutsche Vater meinte:"Kay-Uwe, komm´mal her, wir müssen reden... Der Witz wirkt hier nun nicht so, aber macht schon was deutlich, finde ich...) Wahrscheinlich steht bei "uns" an erster Stelle das Denken (bei einigen nicht: die reden schon vorher...;-)), daraus ergibt sich das Reden (mit einer Sprache, die ja nun auch sehr kompliziert und nicht einfach zu lernen ist im Gegensatz zu anderen Sprachen!); und bei den ganz Begabten, die Denken und Sprache besonders gut miteinander verinbaren können, haben wir vielleicht einen "Dichter" vor uns....

Denken alleine ohne Fühlen wird nirgendwo große Ergebnisse bringen (nicht einmal in der Wissenschaft). Die großen Denker, Dichter und Musiker waren in erster Stelle Große "Fühler", das wird heute aber als "Groß Denken" falsch interpretiert. Allgemein wird das Fühlen (das wahrnehmen der Welt mit der rechten, weiblicher Gehirnhälfte) verpönt. So kann nichts wirklich großartiges und neues entstehen.

Dichter und Denker und Richter und Henker.
Wohl könnt´s daran liegen. Denn wenn bei all das elaborierte Dichten und Denken doch nur zum hemmungslosen Richten und Henken führt, dann geht auch das Vertrauen ins Dichten und Dichten hops.

In Deutschland wurde das Dateiformat MP3 und der FCKW-freie Kühlschrank erfunden.
DH!